Kreativitäts-Maximierung

Im Beitrag Der Schlankheitswahn hat auch seine Schattenseiten ging es ums iPhone 11 Pro. Ich habe damals versprochen, mich über die Kamera noch extra auszulassen. Das habe ich nun in einem Patentrezept-Video getan, in dem es um die neuen Möglichkeiten in der Foto-App geht. Die sind nicht revolutionär, aber praktisch.

Man kann nun während des Fotografierens eine Videoaufnahme starten, ohne den Modus zu wechseln. Es ist nun (mit iOS 13.2.2) endlich möglich, direkt in der Kamera-App die Auflösung und Bildrate einzustellen. Aus unerfindlichen Gründen stellt iOS aber nach wie vor keine 25 Bilder pro Sekunde zur Verfügung.

Das ist normalerweise kein Problem. Ausser, wenn man Aufnahmen macht, die mit Filmmaterial von einer richtigen Videokamera gemischt werden sollen. Dann braucht es einen Pulldown, was zu einem störende Geruckel führt. Darum wäre für Leute wie mich sinnvoll, wenn man nicht bloss die Auswahl zwischen 30 und 60 fps hätte.

Aber es gibt Abhilfe mit Dritt-Apps: Meine Empfehlung im Video ist übrigens die App Filmic Pro, die ich seinerzeit hier vorgestellt habe. Die erlaubt auch andere Bildraten. Man kann die FPS-Rate für Aufnahme und Wiedergabe sogar separat einstellen, um die Geschehnisse zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Es kommt bei professionellen Spielfilmproduktionen häufig vor, dass der Kameramann für die Aufnahme die Bildrate um ein paar Bilder verringert, damit die Sequenz etwas schneller abläuft und dynamischer wirkt. Erhöht er sie, gibt es bei normaler Abspieltate einen Slowmotion-Effekt.

Spannend sind auch die Möglichkeiten, die sich aus der Tatsache ergeben, dass die neuen iPhone-Modelle zwei oder sogar drei Frontkameras haben. Es ist möglich, bei der Bearbeitung Bereiche sichtbar zu machen, die beim Fotografieren (eigentlich) gar nicht aufgenommen wurden (Foto-/Videosaufnahmen ausserhalb des Rahmens). Das ist einerseits nützlich, indem man ein Bild bei der Bearbeitung nicht nur enger, sondern auch weiter beschneiden kann. Andererseits hat es, wie die Möglichkeiten des Tiefensensors, auch einen magischen Aspekt.


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In der Pro Cam-App (siehe auch hier) wählt man explizit aus, mit welcher Kamera man sein Foto macht – in Kamera-App übernimmt diese Wahl ein Algorithmus, der auch bei langen Brennweiten manchmal die normale Linse dem Tele-Objektiv vorzieht, weil die lichtstärker ist. Es gibt in der App auch die Möglichkeit, mit der normalen Linse und dem Tele gleichzeitig ein Foto zu machen. (Wieso eigentlich nicht auch noch mit dem Weitwinkel?)

Die bereits erwähnte App Filmic Pro will diese Funktion übrigens im Lauf des Jahres auch fürs Video einführen. Das klingt spannend: Multicam-Aufnahmen mit nur einem Gerät, zum Beispiel mit dem Interviewer und dem Interviewten in unterschiedlichen Framings im Bild – das ist schon sehr beeindruckend. Auch wenn man trotzdem allein deswegen lieber mit zwei separaten Kameras dreht, um keinen einzelnen Ausfallpunkt zu haben.

Bereits jetzt möglich ist das mit der im Video ebenfalls vorgestellten DuetCam-App. Die filmt mit Selfie-Kamera und Front-Linse. Allerdings speichert sie einen Picture-in-Picture-Mix und keine separaten Videodateien, was für professionelle Zwecke ungeeinget ist. Für private Belange, wenn man zum Beispiel einen kleinen Rundgang durch den Ferienort macht und für die Daheimgebliebenen kommentiert, ist das sicherlich ganz amüsant.

Fazit: Entgegen meinen Erwartungen ist es Apple gelungen, die Smartphone-Fotografie vielseitiger zu  machen. Diese Mehrfach-Objektivsysteme haben ihren Reiz, gerade auch, weil sie Spielereien wie den (im Video gezeigten) 3D-Modus von Pro Cam erlauben. Im Video nicht erwähnt habe ich den Nachtmodus. Den habe ich ebenfalls schon sehr schätzen gelernt – aber der funktioniert «einfach so», ohne dass man sich als Nutzer mit den technischen Details beschäftigen müsste.

Aber wie im Video auch erklärt: Ich schätze mein «klassisches» Equipment weiterhin; meine Nikon D7000 und die Sony AX100e. Beide bieten für «ernsthafte» Produktionen mehr Spielraum. Aber man braucht aus dieser Frage auch kein Entweder-Oder zu machen, sondern kann sie als Sowohl-Als-Auch betrachten. Hauptsache, man lebt sich kreativ aus.

Beitragsbild: Veeterzy/Unsplash, Unsplash-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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