Frischluft fürs Homeoffice

Der Airthings View Plus ist ein Sensor, der Temperatur, Luft­feuch­tig­keit, CO₂, Fein­staub und flüch­tige Verbin­dungen, Luft­druck und Radon misst und hilft, für gute Luft­quali­tät zu sorgen. Ich habe das im Home­office schätzen gelernt.

Seit einigen Tagen habe ich den Airthings View Plus in Betrieb. Das ist ein smarter Sensor für Temperatur und Raumluft, den ich als Testgerät erhalten habe. Er misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Kohlenstoffdioxid (CO₂), flüchtige organische Verbindungen (VOC), Feinstaub (PM2,5), Luftdruck und Radon. Er kostet 319 Franken bei Galaxus, bzw., mit zusätzlichem Anti-Schimmel-Kit, 352 Euro bei Amazon.

Im Vergleich zu meinem Eve Room-Sensor (Wie es im Smarthome riecht, muss kein Geheimnis bleiben) punktet der Airthings View Plus mit der grösseren Datenfülle. Sieben Datenpunkte sind nun mal einfach besser als drei. (Eve Room ermittelt Temperatur, Luftfeuchtigkeit und VOC.) Auf die Angabe des Luftdrucks könnte ich verzichten, zumal ich den auch von meiner smarten Uhr erfahre.

Als überaus nützlich erweist sich die CO₂-Angabe:  Sie bringt mir im Büro, wo ich den View Plus während des Testbetriebs aufgestellt habe, am meisten. Mein Büro ist ein relativ kleiner Raum, und mir war überhaupt nicht bewusst, wie schnell sich hier das Kohlenstoffdioxid ansammelt, wenn ich vor mich hin arbeite – sogar bei offener Tür. Nach zwei bis drei Stunden überschreitet das CO₂ die Grenze von 1000 ppm. Diese Konzentration beeinträchtigt bereits Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Wenn ich fünf Minuten lüfte, sinkt der Wert auf 600 ppm. Wenn das Fenster zehn Minuten offen ist, auf unter 500. Mit anderen Worten: das bringts!

Zugluft ist doch nicht tödlich

Einmal ausatmen und schon ist die Anzeige um ein paar Punkte höher.

Insbesondere deswegen, weil ich ein ausgewiesener Lüftungs-Muffel bin. Erstens mag ich es nicht, wenn es mir kühl um die Beine weht oder an den Rücken hinzieht. Ich bin zwar nicht so schlimm wie jene Zeitgenossen, die fest davon überzeugt sind, dass Zugluft absolut tödlich ist.

Aber typischerweise lüfte ich tagsüber nie. Ich habe in einem Selbstversuch ausprobiert, was das für den CO₂-Gehalt bedeutet, wenn ich einen Tag lang bei geschlossenem Fenster arbeite. Das Resultat dieses Selbstversuchs hat mich überrascht.

Der Ausgang hängt massgeblich davon ab, ob die Bürotür offen oder geschlossen ist. Ist sie offen, dann steigt die CO₂-Konzentration deutlich über den empfohlenen Wert an, sodass die Anzeige in der App ins Orange wechselt. Doch über tausend ppm steigt die Konzentration nicht.

Das ist bei geschlossener Tür anders. Wie die nachfolgende Grafik zeigt, schnellt die Kurve dann zügig in den roten Bereich und steigt im Verlauf eines halben Tags auf bis zu 1500 ppm an: Das ist der Wert, der oft als oberste Grenze für Schulzimmer und Büros angegeben wird.

Die CO₂-Konzentration in meinem Büro, die ich am vierten Mai gemessen habe: in der ersten Tageshälfte bei offener, in der zweiten Hälfte bei geschlossener Tür.

Damit steht ausser Zweifel, dass ein solcher Sensor für Leute wie mich eine Verbesserung der Lebensqualität und des Arbeitsumfelds bringt.

Aber die Luftqualität hat noch weitere Aspekte. Als ich den Airthings View Plus zusammen mit dem Eve Room neulich bei der Tamedia vorgestellt habe (Was smarte Raumluftmesser können und wozu sie gut sind), ergab sich eine interessante Diskussion. Irène Kostenas wies auf Twitter darauf hin, dass sich Corona überwiegend über Aerosole. Wenn sich die Konzentration unter 800 ppm bewege, würde das das Infektionsrisiko niedrig halten.

Wir alle erinnern uns natürlich noch an die Diskussionen ums Lüften in den Schulen, das sich als wichtige Massnahme zur Pandemiebekämpfung herausstellte und vielen von uns überhaupt ins Bewusstsein gerufen hat, wie wichtig die Luftqualität für uns und unser Wohlbefinden ist. Für meinen Test war dieser Aspekt nicht zentral, da ich mein Homeoffice alleine verwende und man die Ansteckungsgefahr zu Hause (vermutlich) durch Lüften allein nicht beseitigen kann. Wenn man Gäste hat, lohnt es sich allerdings schon, darauf zu achten.

Ein Hilfsmittel für bessere Gesundheit

Ein zweiter gesundheitlicher Aspekt sind Allergien oder Krankheiten wie Asthma. Asthmatiker sollten auf die Luftfeuchtigkeit achten, Allergiker auf den Feinstaub. Gemäss dieser Übersicht hier bezieht sich die Masseinheit PM2,5, die der Airthings View Plus misst, auf mikroskopische Partikel mit einer Grösse von bis zu 2,5 Mikrometer, wozu Rauch, Bakterien und Allergene gehören. Staub, Schimmel und Pollen sind dagegen um die zehn Mikrometer gross und gehören in die Kategorie PM10, weswegen der Sensor für Heuschnupfen-Geplagte wohl nichts bringt – soweit ich das beurteilen kann. Für diesen Zweck gibts Luftreiniger wie die Mi Air Purifier. Aber das ist ein Thema für sich.

Die Übersicht in der Airthings View Plus App. Die Daten werden übrigens per WLAN abgeholt.

Fazit: Der Airthings View Plus ist ein empfehlenswerter Raumluftsensor, der sich im Büro gut macht.

Er zeigt am Display zwei der sieben Messwerte an, wobei man in der App auswählt, welche das sind. Mit einer Winkbewegung zeigt er mittels drei LEDs in Grün, Gelb oder Rot die Luftqualität an und informiert auch darüber, welche Grenzwerte überschritten sind.

Die App zeigt alle sieben Messwerte in der Übersicht und in der Einzelansicht ist auch ein Verlauf über die Zeit zu sehen, wobei man als zeitliche Skala 48 Stunden, Wochen, Monat und Jahr auswählen kann.

Betrieb per Batterie oder über USB-C

Der Sensor hat keinen eingebauten Akku. Er lässt sich am USB-C-Kabel betreiben, wobei kein Stromadapter beiliegt. Möglich ist auch der Batteriebetrieb. Dafür benötigt man sechs AA-Batterien, die gemäss Hersteller zwei Jahre halten sollen. Mit meinem Testgerät sind sechs Batterien mitgeliefert worden, die allerdings bei Ankunft des Gerätes schon leer waren.

Zwei Dinge habe ich zu bemängeln: Erstens finde ich das Gerät etwas gross und unhandlich, was vor allem am Batteriefach liegt. Mit einem fest verbauten Akku wäre es (vermutlich) deutlich kompakter. Aber klar: Das Aufladen wäre ein Problem, gerade, wenn man es mit den mitgelieferten Klebestreifen fix an die Wand montiert.

Zweitens ist es schade, dass der Airthings View Plus weder Apple Homekit noch den Heimautomatisierungs-Standard Matter unterstützt. Integriert ist er mit Ifttt, Google Assistant und Amazon Alexa. Ich gehe davon aus, dass Matter bei künftigen Geräte-Generationen Einzug halten wird – und wenn das passiert, käme ich nicht mehr darum herum, mir ein solches Gerät fürs Büro anzuschaffen.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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