So gelingt der Start mit dem neuen PC

Die Übernahme von Dokumenten, Einstellungen, Programmen und der Konfiguration von einer alten auf eine neue Windows-Maschine ist eine ziemlich vertrackte Angelegenheit. Hier die Tipps, wie man am besten verfährt und wo die Fallen liegen.

Wie steigt man von einem alten Windows-PC auf einen neuen um? Diese Frage höre ich gelegentlich, und sie ist keine Freude. Denn für die Antwort muss ich weit ausholen – sehr weit.

Dabei könnte es so einfach sein. Apple exerziert vor, dass man die Datensicherung auch dazu verwenden kann, den ganzen Inhalt von einem alten Gerät auf ein neues zu übertragen. Wie es geht, beschreibt Apple hier für iOS-Geräte und hier für den Mac. Und ja, so einfach wie das im Vergleich geht, wäre das auch ein guter Punkt für die Auflistung Wo der Mac über Windows triumphiert gewesen.

Aber nun ist es leider so, dass Microsoft die Sache in der letzten Zeit nicht vereinfacht, sondern erschwert hat: Früher existierte das Programm Easy Transfer. Es hat bei der Übertragung von Daten zwischen altem und neuem Computer geholfen. Doch es ist mit Windows 10 eliminiert worden, was ich seinerzeit im Beitrag zum Abschied von Windows 7 scharf kritisiert habe.

Es liegt auf der Hand, dass Microsoft Easy Transfer eingestellt hat, um die Cloud-Strategie zu befördern: Die Nutzer sollen gefälligst Onedrive, das Microsoft-Konto, die modernen Apps aus dem Store und den Microsoft Edge-Browser und ganz generell die Cloud verwenden.

Für die Cloud-Fans ist alles ganz einfach

Denn unter diesen Voraussetzungen wird nicht nur die Datenübernahme vereinfacht, sondern auch die parallele Nutzung mehrerer Geräte:

  • Die bei Onedrive gespeicherten Daten sind von überallher zugänglich. Die Tricks dafür beschreibe ich in diesem Beitrag hier.
  • Die aus dem Store installierten Apps lassen sich simpel auf einem neuen Computer nutzen. Wenn man sich am neuen Computer mit dem gleichen Benutzerkonto anmeldet, das man am alten Computer benutzt hat, dann findet man alle bisher verwendeten Apps, indem man in der Store-App auf das Menü rechts oben klickt und den Menübefehl Meine Bibliothek auswählt.
  • Windows synchronisiert Passwörter und wichtige Benutzereinstellungen auf allen Geräten, bei denen man sich mit dem gleichen Microsoft-Konto angemeldet hat – also auch zwischen dem alten und neuen PC. Das wird in den Einstellungen bei Konten > Einstellungen synchronisieren eingerichtet.
  • Microsoft Edge synchronisiert Lesezeichen, Verlauf und Passwörter, falls die Synchronisation eingerichtet ist. Das richtet man über das Menü und Einstellungen im Abschnitt Profile ein. Auch andere Browser synchronisieren die Einstellungen, namentlich Firefox und Chrome.
  • Schliesslich macht Web- bzw. Cloudmail die Sache einfacher: Wenn man seine Mails über den Browser nutzt oder zumindest dank Imap auf dem Mailserver belässt, kommt man nicht in die unerfreuliche Lage, eine lokale Mailablage transferieren zu müssen. Das ist ein gutes Argument für Microsofts Outlook.com, aber selbstverständlich auch für all die anderen Alternativen wie Gmail, GMX, Bluewin-Mail, etc.
In der Store-App finden sich alle Apps, die man auf seinen anderen Computern verwendet.

Damit sind wir beim einfachsten Fall der Datenübernahme: Für Nutzer auf der Höhe der Zeit, die auf die Cloud schwören und keine Altlasten in Form von klassischen Desktop-Programmen und lokalen Datenbeständen haben, ist die Sache schnell erledigt.

Das Microsoft-Konto als Dreh- und Angelpunkt

Diese Nutzer richten den neuen Computer mit dem gleichen Microsoft-Konto ein, das sie beim alten PC verwenden. Sie installiert die nötigen Apps aus dem Store und überprüfen, ob die Sache damit getan ist. So oder so ist es sinnvoll, den alten Computer nicht gleich aus dem Verkehr zu ziehen, sondern abzuwarten, ob bei der alltäglichen Nutzung auch wirklich alles Notwendige vorhanden ist.

Nun zeigt meine Erfahrung, dass dieser Fall nur auf die allerwenigsten Nutzer zutrifft. Gerade die langjährigen Windows-Anwender haben viele lokale Daten und teils komplexe Konfigurationen. Und darum ist es unvermeidlich, dass die Inbetriebnahme des neuen PCs arbeitsintensiv ausfällt.

Ich würde darum zwei Fälle unterscheiden. Erstens der Nutzer, der zwar lokale Daten hat, ansonsten aber nicht durch besondere Ansprüche auffällt.

Die Hürden für den unkomplizierten, klassischen Nutzer liegen etwas höher

Dieser «unkomplizierte» Nutzer sollte den Umstieg auf einen neuen Windows-PC als Gelegenheit verstehen, seine Gewohnheiten zu überdenken. Er kann sich fragen, welche Programme er auf dem neuen Computer benötigt und was vielleicht über die Jahre obsolet geworden ist.

Dann installiert er die unverzichtbaren Programme, am besten gleich in der neuesten Version und transferiert die Daten vom alten auf den neuen Computer. Das lässt sich gut auf manuellem Weg erledigen, d.h.indem man alle Dateien im Benutzerordner auf ein externes Medium, zum Beispiel einen USB-Stick oder eine Festplatte kopiert und dann beim neuen PC einspielt.

Einige Bemerkungen dazu:

  • Wenn man ein Backup hat, was ich unbedingt empfehle, dann kann man auch einfach dieses Backup-Medium nehmen, um die Daten auf dem neuen Computer wiederherzustellen.
  • Und natürlich kann man auch die Cloud zur Datenübertragung verwenden. Microsoft ist wiederum Feuer und Flamme für diese Methode, wie man dem Supportbeitrag Übertragen Sie Ihre Dateien mit OneDrive und legen Sie mit Ihrem neuen PC los entnehmen darf.
  • Um mehrere Programme in einem Rutsch zu installieren, hilft das nach wie vor hervorragende Programm Ninite weiter, vorgestellt im Beitrag Der Alles-in-einem-Installer.
  • Man kann Dateien auch via Dateiversionsverlauf auf den neuen Computer transferieren. Zum Wiederherstellen klickt man in den Einstellungen auf Update und Sicherheit, wählt die Rubrik Sicherung und klickt auf Weitere Optionen. Dann in den Sicherungsoptionen nach unten scrollen und auf Dateien von einer aktuellen Sicherung wiederherstellen klicken. Es erscheint die Startseite des Dateiversionsverlaufs, auf der man auch mehrere Ordner aufs Mal auswählen kann. Über das Zahnrad-Menü rechts oben wählt man den Befehl Wiederherstellen, der am ursprünglichen Ort restort. Die Option Wiederherstellen in erlaubt, den Ort für die Wiederherstellung zu wählen.
Die Windows-Datensicherung lässt sich auch für einen Datentransfer verwenden.

Falls einzelne Programme mit ihren Konfigurationen und Datendateien zu transferieren sind, dann hängt es vom konkreten Fall ab, wie man dafür am besten vorgeht. Einige Hinweise finden sich dazu im schon etwas älteren Beitrag Wegweiser zu den Daten-Depots.

Jetzt wird es knifflig: Was tun die Nerds?

Was tun aber Leute, die eine sehr ausgeklügelte Konfiguration, sehr viele lokale Daten, unzählige klassische Desktop-Anwendungen oder sonstwie bemerkenswerte Windows-Installationen haben?

Da sehe ich folgende Möglichkeiten:

Erstens, der manuelle Weg. Er funktioniert genauso, wie gerade eben beschrieben – nur, dass er wirklich arbeitsintensiv ist, weil viele Dinge zu bedenken sind.

Zweitens kann man sein altes System vom alten Computer auf den neuen PC klonen. Das ist eine praktische Sache, wenn man bei einem Computer die Festplatte austauschen möchte (wie hier bei Heise beschrieben und mittels Macrium Reflect ausgeführt), aber es funktioniert vielleicht auch, das alte System auf den neuen PC zu verfrachten.

Bei früheren Windows-Versionen war bei diesem Weg mit massiven Treiberproblemen zu rechnen, doch Windows 10 steckt die besser weg. Das beschreibt der Artikel How to Move Your Windows Drive to a New PC, der den Einsatz von Sysprep empfiehlt und für den eigentlichen Klon-Prozess ebenfalls auf Reflext setzt (How to Clone a Hard Drive)

Drittens verwendet man einen Easy Transfer-Ersatz. Das ist nicht so ganz befriedigend, weil die Alternativen von Drittherstellern stammen nicht ins Betriebssystem integriert sind. Sie müssen erst heruntergeladen und installiert werden.

Die Verbindung per WLAN steht – und hier wird eingestellt, von wo nach wo kopiert werden soll.

Ausserdem sind sie in der vollen Version kostenpflichtig. Die im Beitrag zu Windows 7 erwähnte Alternative ist PCTrans, doch die Gratisvariante ist mehr eine Demo denn wirklich brauchbar: Sie überträgt bloss 500 MB an Dateien und zwei Anwendungen. Für die Pro-Version sind 46,95 Euro zu berappen.

PC Mover Express als Transporthelfer

Die Auswahl der zu kopierenden Elemente lässt sich anpassen – für die Anwendungen braucht es die kostenpflichtige Programmversion.

Eine brauch­barere Alternative scheint mir PC Mover Express zu sein. Dieses Programm gibt es hier kosten­los für die private Nutzung (24 Euro mit dem regulären Preis). Es überträgt Dateien, Ein­stellungen und Nutzer­profile.

Fürs Über­tragen der Programme braucht man die Professional-Version für 60 US-Dollar bzw. 42 Euro. In einem kurzen Test hat das gut funktioniert, aber eine aussagekräftige Einschätzung wäre nur unter Ernstfallbedingungen möglich. Falls ich demnächst die Gelegenheit habe, die Software für einen eigenen neuen Computer zu testen, werde ich hier berichterstatten.

Fazit: Es ist unerfreulich. Aber eines ist klar: Wer auch in der täglichen Windows-Arbeit darauf achtet, alle wichtigen Daten sorgfältig zu sichern, bei dem kann nichts schiefgehen – auch dann nicht, wenn beim Umstieg ein unvorhergesehenes Problem auftreten sollte.

Beitragsbild: Bis die Datenübertragung abgeschlossen ist, wird die Tasse noch ein paarmal nachgefüllt werden (Vojtech Okenka, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „So gelingt der Start mit dem neuen PC“

  1. Klonen funktioniert mit Windows 10 sehr gut. Hatte nie Probleme mit Bluescreens wegen fehlender Treiber, es startet eigentlich auf jeder Hardware. Nachteil: man nimmt alle Altlasten mit.

    Was ich beim „Familien-Support“ gerne mache, wenn der Benutzer sich nicht sicher ist, welche Programme er noch benötigt: die alte Installation mittels Disk2VHD in eine VHDX konvertieren, auf dem neuen Rechner Hyper-V aktivieren und den alten PC als VM einrichten. So kann man nach und nach die Programme installieren, die einem fehlen und wenn man die VM ein Jahr lang nicht gebraucht hat, wird man ziemlich sicher alles migriert haben.

Kommentar verfassen