Siri erweitert ihren Horizont. Zumindest ein bisschen

Mit Siri lassen sich neuerdings auch Audio-Inhalte aus Dritt-Apps abspielen. So toll das theoretisch wäre, in der Praxis funktioniert es mehr schlecht als recht.

iOS 14.5 ist da, und bringt als grösste Neuerung natürlich die Möglichkeit, das iPhone beim Maskentragen mittels Apple Watch zu entsperren. Das ist praktisch und funktioniert einwandfrei.

Diese Komfortfunktion birgt allerdings auch ein gewisses Risiko: Meine Tochter hat es geschafft, mein Telefon hinter meinem Rücken zu entsperren. Wie sie die Face-ID dazu gebracht hat, sie für eine Maskenträgerin zu halten, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich gehe davon aus, dass es sich um ein angeborene Hackertalent handelt.

Eine weitere Neuerung ist mir aufgefallen, als ich Siri neulich beim Sport dazu bewegen wollte, energetische, meinen Dauerlauf befeuernde Musik zu spielen. Statt gleich mit Apple Music loszulegen, wie das bisher der Fall war, hat mich Siri darauf aufmerksam gemacht, dass sie nun lernen würde, welche Audio-Apps ich verwenden würde und welche App ich denn für meinen Musikgenuss auserkoren hätte.

Ich war hocherfreut: Dass man Siri nun nicht nur für die Standard-Musik-App von Apple, sondern auch für die in Apps von Drittherstellern gespeicherten Inhalte verwenden kann, ist ein lang erwarteter und toller Fortschritt.

Hä?

Die Auswahl der Audio-Apps, mit denen Siri neuerdings interagiert.

Da ich, wie im Beitrag Es ist eine Entschuldigung bei Siri fällig beschrieben, beim Sport gute Erfahrungen mit Apple Music gemacht hatte, wollte ich beim Joggen bei Apple Music bleiben und habe Siri das auch so mitgeteilt.

Verstanden hat sie mich leider nicht – auch bei den drei nächsten Versuchen, wo ich den Namen der Musik-App mal auf Englisch, mal auf Deutsch, mal mit vorangestelltem Apple, mal ohne gesagt habe. Doch das kann an meiner joggingbedingten, keuchenden Aussprache gelegen haben.

Ich habe darum den Test unter regulären Bedingungen im Büro wiederholt und festgestellt, dass beim Hinweis auf die Dritt-Apps am Display eine Liste erscheint, die eine sinnvolle Auswahl von Audio-Apps enthält: Apple Music, Apple Podcasts, die Bücher-App (iBooks), Play Bücher von Google, Pocket Casts, Spotify und Tunein Radio.

Audible glänzt durch Abwesenheit

Jetzt hat sie es kapiert: Siri spielt Musik, wie gewünscht mittels Apple Music.

Man kann diskutieren, ob nicht auch Audible im Angebot erscheinen müsste. Ich hatte zwar explizit nach Musik gefragt, doch weil Siri das Angebot eigenmächtig auch auf die Quellen für gesprochenes Audio ausgeweitet hat, wäre natürlich auch meine Haupt-Hörbuch-App gefragt.

Jedenfalls hat mich Siri im Büro auch sogleich korrekt verstanden und dann mittels Apple Music mein Musikbedürfnis befriedigt.

Um die neue Funktion zu erforschen, habe ich ein paar weitere Dinge ausprobiert:

«Hey Siri, spiele mein Hörbuch mit Audible.»

Audible will nichts mit Siri zu tun haben.

Beim ersten Versuch spielt Siri via Apple Music eine Band, die eigentlich nicht mit Audible zu verwechseln ist (Kappa Mountain mit «Feathered Friend»).

Beim zweiten Versuch versteht mich Siri richtig und sagt: «Audible enthält leider keine Unterstützung durch Siri.»

«Hey Siri, spiele Ist das normal? via Pocket Casts.»

Siri spielt «Er ist auch für die Leute da» von Markus Brachtendorf.

Beim zweiten Versuch bin ich expliziter und sage, Siri solle die neueste Folge vom Podcast «Ist das normal?» wiedergeben. Sie meint nun, sie hätte das «auf Spotify nicht gefunden». Naja.

«Hey Siri, spiele Radio Stadtfilter via Tunein.»

Eine brave, aber auch ein bisschen nutzlose Nachfrage – denn ja, wenn ich Tunein verwenden will, sollen auch meine Nutzerdaten zum Zug kommen.

Siri teilt mit, sie würde «Starfilter-Radio» spielen und öffnet Spotify, wo allerdings nichts weiter passiert.

Beim zweiten Versuch bin ich wiederum expliziter und sage Siri, sie solle Radio Stadtfilter über die Tunein Radio-App spielen. Nun versteht Siri das Anliegen und antwortet mit der Gegenfrage: Für diese Aktion benötige ich den Zugriff auf deine Tinein-Radio-Daten. Ist das OK?»

Bei der Zusammenarbeit mit Tunein Radio hapert es noch.

Ich antworte selbstverständlich mit Ja, woraufhin mir beschieden wird: «Ich habe Stadtfilter auf Tunein-Radio nicht gefunden.» Dabei wäre Radio Stadtfilter sowohl in der Kategorie «Kürzlich gehört» als auch «Lokales Radio» auffindbar. Ganz zu schweigen davon, dass ich den Sender als Favorit abgespeichert habe.

«Hey Siri, welche Hörbücher habe ich in meiner Bücher-App?»

Fehlanzeige bei den Hörbüchern.

Statt einer Aufzählung der Hörbücher lehnt Siri dieses Ansinnen ab. Begründung: «Die Bücher-App hat dafür keine Unterstützung mit Siri hinzugefügt.»

Fazit: Theoretisch ist die Einbindung der Dritt-Apps eine gute Idee und längst überfällig. Die Umsetzung bis jetzt ist aber zu wenig flexibel und zuverlässig, als dass sie im Alltag Spass machen würde. Ob das an den Mängeln bei Siri liegt oder daran, dass die Dritthersteller die Siri in ihren Apps nicht ausreichend unterstützen, kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe aber, dass sich das noch einrenkt – weil Siri gerade beim Sport eine grosse Hilfe sein könnte.

Beitragsbild: Mit dem Smoothie im Mund versteht einen Siri wahrscheinlich auch nicht (Pavel Anoshin, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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