Weltrettung aus dem Pulp-Fiction-Regal

Das Trauma meines Germanistikstudiums überwinde ich, indem ich Unterhaltungsliteratur lese und ernsthaft rezensiere. Dieses Mal hat die Selbsttherapie aber nicht wirklich funktioniert.

Zu meinen Jugendsünden gehört, Germanistik studiert zu haben. Was mich damals genervt hat – und noch heute auf den Senkel geht –, ist das Literaturverständnis. Das zeichnet sich dadurch aus, dass nur ein paar wenige grosse Schriftsteller ernsthafte Literatur produzieren. Im Gegensatz dazu stehen die Autoren, die sich der Unterhaltung verschrieben haben. Sie tragen nichts zur Erhellung des Geistes bei und ihre Machwerke sind es ergo nicht wert, von einem beseelten Liebhaber auch nur mit der Kneifzange angefasst zu werden.

Und ja – das ist vor allem ein Mittel der Selbstüberhöhung: Der kleine Germanistikstudent kann sich schon im allerersten Proseminar als Teil einer erlauchten Elite betrachten, wenn er nur Goethe, Schiller, Heine, Mann, Böll und Grass fehlerfrei aussprechen kann.

Mir wäre das niemals eingefallen. „Weltrettung aus dem Pulp-Fiction-Regal“ weiterlesen

Tipps für E-Mail-Polygamisten

Nützliche Empfehlungen für Leute, die mehrere Mail-Apps verwenden oder am iPhone anstelle von Apple Mail zu einer anderen App wechseln wollen.

Neulich habe ich im Beitrag Da springt der E-Mail-Funke die Mail-App Spark vorgestellt und unter dem Titel Hey, so macht Mailen am Handy Spass mit Hey.com und Outlook nachgedoppelt. Diese Tipps sind auf eine erfreuliche Resonanz gestossen, denn Threema, Signal und iMessage zum Trotz ist das gute alte E-Mail nach wie vor eine praktische Kommunikationsform. Und eben eine, bei der man nicht auf eine einzige App festgelegt ist.

Und damit sind wir beim Thema dieses Beitrags: Ein Leser hat mich gefragt, ob man denn auch mehrere Mail-Anwendungen parallel benutzen könne – oder ob es sinnvoll oder gar zwingend sei, sich auf eine festzulegen. Und wenn man sich zum Beispiel für Spark entscheidet – sollte man dann Apple Mail löschen oder deaktivieren?

Das sind naheliegende Fragen, denn nach menschlichen Massstäben befürchtet man bei so einer Konstellation augenblicklich Kompetenzgerangel,  Reviergehabe und unermüdliches Seilziehen – aber an den gegenüberliegenden Enden des Stricks. „Tipps für E-Mail-Polygamisten“ weiterlesen

Laufen in Zeiten der Pandemie

So peinlich dieses Geständnis an dieser Stelle auch ist. Aber: Wir haben uns ein Laufband angeschafft und sind obendrein ganz zufrieden damit.

Diese Pandemie macht uns nun schon seit bald einem Jahr das Leben schwer. Sie führt dazu, dass wir viel zu Hause hocken und uns mit Homeoffice und Kontakteinschränkungen manchmal wie Gefangene fühlen. Das nötigt uns eine stoische Duldungshaltung ab – und auch die Fähigkeit zur Improvisation.

Es gibt eine Errungenschaft in diesem Haushalt, die auf die Coronapandemie zurückzuführen ist. Ich bilde mir ein, dass sie mit ebendieser Fähigkeit zur Improvisation zusammenhängt. Böse Zungen würden nun ins Feld führen, dass es hochgegriffen und beschönigend sei, einen Frustkauf «Improvisation» zu nennen. Und ja, ich teile die Ansicht, dass es sich die Leute oft zu einfach machen, wenn sie sämtliche Probleme in ihrem Leben mittels Konsum zu lösen versuchen. Doch weil es im vorliegenden Fall um ein simples Problem und eine effektive Lösung geht, bin ich grosszügig.

Aber etwas konkreter: „Laufen in Zeiten der Pandemie“ weiterlesen

Die Premiere muss leider verschoben werden

Mir blüht ein Umstieg von Final Cut Pro von Apple zu Adobe Premiere Pro. Dazu habe ich erste Beobachtungen – und auch eine klare Empfehlung, welche Software für Neueinsteiger die bessere Wahl ist.

Seit bald sechs Jahren produziere ich meine Videoserie Digitale Patentrezepte. Die Schnittsoftware, die zu diesem Zweck zum Einsatz kommt, ist Final Cut Pro von Apple. Ich habe sie in der Zeit schätzen gelernt: Sie hat alle Funktionen, die ich brauche, und ich komme zügig und effizient ans Ziel.

Nun sieht es aber nach einem Wechsel zu Premiere Pro von Adobe aus. Er ist überfällig: Meine Kollegen vom Videoteam bei der Tamedia sind vor mehreren Jahren umgestiegen. Mein Sonderzüglein war bislang kein grundsätzliches Problem, da ich fertige Videos fabriziere. Trotzdem wäre es sinnvoll, dass wir alle mit der gleichen Software arbeiten, allein wegen der viel zitierten Synergien.

Ein Wechsel hat einen klaren Vorteil: Ich kann nicht nur mit meinem Macbook schneiden, sondern auch mit Windows. Das würde ich sehr begrüssen, allein, weil Apples Strategie bei den Macs und bei der Pro-Software immer mal wieder Fragen aufwirft. Ich habe mir deswegen seinerzeit Davinci Resolve angesehen, bin damit aber nicht warm geworden.

Es gibt einen klaren Nachteil, und der liegt auf der Hand: „Die Premiere muss leider verschoben werden“ weiterlesen

Airtable ist keine Luftnummer

Modern, durchdacht und einfach zu benutzen: Airtable.com lässt Excel und Access ganz schön alt aussehen. Trotzdem ist es nicht in jedem Fall angebracht, Microsoft Office in die Wüste zu schicken.

In letzter Zeit bin ich immer mal Airtable.com begegnet: Das ist eine Webanwendung, die es auch schon bald seit zehn Jahren gibt und der manchmal als Kronerbe der altehrwürdigen Tabellenkalkulation gehandelt wird.

Denn Airtable hat alles, was Leute erwarten, die eine klassische, lokal installierte Software ersetzen möchten: Airtable läuft in der Cloud. Die Software ist kollaborativ und teamfähig. Und sie legt grosse Ambitionen an den Tag. Das heisst, sie will ihre Aufgabe ihre Konkurrenz nicht nur ersetzen, sondern mit wehenden Fahnen schlagen und in Grund und Boden stampfen.

Bei Airtable sieht man das daran, dass nicht einfach das Konzept der Tabellenkalkulation ins Web verlagert und mit Team-Funktionen angereichert wurde. Wenn das der Fall wäre, könnte man es sich einfach machen: „Airtable ist keine Luftnummer“ weiterlesen

Da ist noch viel Luft nach oben

Wie gut pflegen Apple Music und Spotify bei ihrem Repertoire die Metadaten? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und viel Blamables entdeckt.

Mein Vergleich von Apple Music und Spotify ist seinerzeit in eine Miniserie ausgeartet. Drei Teile gab es: Ein knallharter Vergleich von Spotify und Apple Music, Apple Music ist ein bisschen wie TKKG und Wo bekommen die Künstler mehr?

Jetzt ist es Zeit für einen vierten Teil. In dem geht es um die Metadaten, also die beschreibenden Informationen, die den Musikdateien zugeordnet sind.

Nun könnte man der Ansicht sein, dass es sich nicht lohnt, wegen dieser Metadaten ein Aufhebens zu machen. Natürlich: Sie müssen soweit korrekt sein, dass man einen Song, ein Album oder einen Interpreten über die Suchfunktion findet. Aber abgesehen davon haben diese Daten keinen Einfluss auf den Hörgenuss – könnte man jedenfalls meinen.

Ich war aber schon immer ein Fan von gepflegten Metadaten. Im Beitrag Weil eine richtige MP3-Datei gute Metadaten braucht habe ich das seinerzeit auch erklärt: „Da ist noch viel Luft nach oben“ weiterlesen

Apps wider das Chaos

Doppelte Fotos oder Kontakte, verstopfte Festplatten und ein reales Puff in der Wohnung oder WG – gegen alle diese Probleme gibt es Apps, die ich in einer geballten Ladung Ordnungsliebe zusammengesucht habe.

In meinen Jugendtagen habe ich eine Lebensweise gepflegt, die ich damals «kreatives Chaos» nannte. Das war aber auch nur ein Euphemismus für Faulheit und besagte, dass ich keine Lust zum Aufräumen hatte. Ich habe auch meine Kleider sorg- und lieblos in den Schrank gequetscht und der Einfachheit halber das angezogen, was oben auf dem Stapel lag.

Naja, letzteres mache ich heute noch. Ansonsten bin ich deutlich ordentlicher geworden und halte sowohl im Geschäft als auch zu Hause einigermassen Ordnung auf dem Schreibtisch. Trotzdem pflege ich nach wie vor die Philosophie, dass die Ordnung im Kopf der Aufgeräumtheit der Umgebung vorzuziehen ist.

Wichtig finde ich auch die digitale Ordnung, sprich: „Apps wider das Chaos“ weiterlesen

Hey, so macht Mailen am Handy Spass

Fürs perfekte Mail-Erlebnis am Smartphone: Die Crème de la Crème der mobilen Mail-Apps – und eine ausführliche Würdigung von Hey.com.

Bei mir ist neulich der E-Mail-Funke gesprungen. Ich habe Spark ausführlich getestet und so wenig Haare in der Suppe gefunden, dass ich nicht umhingekommen bin, daraus eine Empfehlung – und ein Patentrezept-Video zu machen.

Nun war es mein Ehrgeiz, nicht bloss meine Besprechung noch einmal in Videoform zu produzieren: Meine Abneigung gegen Redundanz verbietet derlei Rezyklationen.

Ich habe mir daher überlegt, welche drei E-Mail-Apps man fürs Smartphone empfehlen könnte.

Ein Ding von gestern: Die chronologische Mailliste

Die Anforderungen drängen sich auf, finde ich:

Die App sollte auch eine grössere Zahl Mails am Smartphone sinnvoll erschliessen und es dem Nutzer erlauben, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Chronologische Maillisten, wie wir sie von den Desktop-Anwendungen kennen und nicht sonderlich lieben, sind am Smartphone nicht opportun. Es sollte eine irgendwie geartete Sortierung oder Gruppierung nach Wichtigkeit stattfinden, sodass die Mails, die unmittelbar Aufmerksamkeit benötigen, nicht untergehen.

Zweite Anforderung: „Hey, so macht Mailen am Handy Spass“ weiterlesen

Schnelle Aufräumaktionen beim Mac

Tipps für die Beseitigung von Altlasten mittels der praktischen Speicherverwaltungs-App des Mac. Und nebenbei gibt es auch noch einige gut versteckte Systemprogramme zu entdecken.

Wie die Zeit vergeht! Im Beitrag Die inneren Werte eines Mac erkunden habe ich vor gut sieben Jahren das Dialogfeld Über diesen Mac vorgestellt. Das ist über das Apfelmenü zugänglich, und es ist damals stark verbessert worden – mutmasslich mit Mountain Lion oder vielleicht auch der Vorgängerversion.

Inzwischen ist ein weiteres, nützliches Diagnoseinstrument dazugekommen. Das ist zwar mit Systeminformationen angeschrieben, heisst aber eigentlich Speicherverwaltung. Und es ist im Dialog Über diesen Mac im Reiter Festplatten über die Schaltfläche Verwalten zugänglich.

Was könnte man hiermit wohl alles anstellen?

Man findet es auch als Applikation im Verzeichnis /System/Library/CoreServices/Applications/, in dem es noch ein paar andere interessante Anwendungen gibt, mit denen man als Nerd unbedingt einmal herumspielen möchte. Um den Ordner zu öffnen, kann man wie hier beschrieben den Library-Ordner hervorzaubern. Oder man sucht mittels Spotlight nach Über diesen Mac und doppelklickt bei gedrückter Command-Taste auf die Fundstelle im Dateisystem.

In diesem gut versteckten Ordner mit Systemprogrammen gibt es einige Trouvaillen. „Schnelle Aufräumaktionen beim Mac“ weiterlesen

Warum unsere Facebook-Posts uns überleben sollten

Die Beiträge in den sozialen Medien sind längst nicht so flüchtig, wie es den Anschein hat. Und das ist gut so – ich plädiere dafür, dass sie uns alle überleben und zu einer Ressource für unsere Nachfahren werden.

Im Beitrag Eine Zeitkapsel für das Internet habe ich über unser digitales Erbe philosophiert. Ich weiss zwar nicht, ob sich die nachfolgenden Generationen über all die Daten freuen werden, die wir derzeit anhäufen. Vielleicht werden sie sich darüber freuen – vielleicht nicht. Aber da wir diese Entscheidung nicht für sie treffen können, sollte es unser Anliegen sein, möglichst viele von unseren Daten für die Nachwelt zu erhalten.

In diesem Beitrag habe ich nebenbei auch die Bemerkung fallen lassen, dass zukünftige Generationen «dank der sozialen Medien jede Regung ihrer Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern werden erkunden können».

Es lohnt sich, diesen Gedanken auszuloten, finde ich. Denn er widerspricht unserer Wahrnehmung. „Warum unsere Facebook-Posts uns überleben sollten“ weiterlesen