Laufen in Zeiten der Pandemie

So peinlich dieses Geständnis an dieser Stelle auch ist. Aber: Wir haben uns ein Laufband angeschafft und sind obendrein ganz zufrieden damit.

Diese Pandemie macht uns nun schon seit bald einem Jahr das Leben schwer. Sie führt dazu, dass wir viel zu Hause hocken und uns mit Homeoffice und Kontakteinschränkungen manchmal wie Gefangene fühlen. Das nötigt uns eine stoische Duldungshaltung ab – und auch die Fähigkeit zur Improvisation.

Es gibt eine Errungenschaft in diesem Haushalt, die auf die Coronapandemie zurückzuführen ist. Ich bilde mir ein, dass sie mit ebendieser Fähigkeit zur Improvisation zusammenhängt. Böse Zungen würden nun ins Feld führen, dass es hochgegriffen und beschönigend sei, einen Frustkauf «Improvisation» zu nennen. Und ja, ich teile die Ansicht, dass es sich die Leute oft zu einfach machen, wenn sie sämtliche Probleme in ihrem Leben mittels Konsum zu lösen versuchen. Doch weil es im vorliegenden Fall um ein simples Problem und eine effektive Lösung geht, bin ich grosszügig.

Aber etwas konkreter: Ein Problem des Zuhausehockens ist der Bewegungsmangel. Ich versuche zwar, täglich auf meine Schritte zu kommen und ich absolviere auch unter Überwindung des inneren Schweinehundes meine Joggingrunden, selbst wenn Schnee und/oder Kälte gute Ausreden wären, es bleibenzulassen.

Die Scham, ach diese Scham!

Doch mit den üblichen beruflichen und familiären Verpflichtungen ist es nicht immer einfach, den Sport in den Alltag zu integrieren. Darum haben wir etwas getan, wofür ich mich noch vor zehn Jahren in Grund und Boden geschämt hätte: Wir haben nämlich ein Laufband angeschafft.

Konkret, das KingSmith WalkingPad R1, das es bei Galaxus für 617 Franken gibt (bei Brack für 599 Franken). Bei Amazon habe ich es nicht gefunden, aber das Teil hier sieht sehr ähnlich aus. Ob es das gleiche Modell unter anderem Namen ist, kann ich aber nicht sagen.

Im zusammengeklappten Zustand…

Das Laufband ist keines dieser Monstren, wie man sie in Fitnessstudios vorfindet. Die sind für sportliche Exploits zwar klar besser geeignet, doch sie brauchen auch viel mehr Platz und sind teurer.

Schnell aufgebaut und weggeräumt

Das R1 kann zusammengeklappt und in einem Schrank verstaut oder unters Sofa geschoben werden. (Es ist 38 Kilogramm schwer, die Lauffläche ist 1,2 Meter lang und 41 Zentimeter breit und zusammengeklappt ist es einen guten Meter lang.)

Und hier ist das KingSmith WalkingPad R1 betriebsbereit.
Während des Laufens lässt sich das Band per App steuern.

Es ist schnell hervorgezogen und aufgebaut: Für diesen Zweck klappt man die Lauffläche aus und bringt den Bügel in die senkrechte Position und die richtige Höhe. Man kann den Bügel auch unten lassen, dann wird die maximale Geschwindigkeit auf sechs Kilometer pro Stunde beschränkt. Das ist ein schnelles Gehtempo.

Trotz der mobilen Bauweise macht das R1 einen ausreichend stabilen Eindruck. Ich bewege mich darauf, ohne unter der akuten Angst zu leiden, das Ding zu zertrampeln und sich beim Herunterfallen den Hals zu brechen – sogar im leichten Joggingtempo.

Mit aufgeklapptem Bügel beträgt die maximale Geschwindigkeit zehn Kilometer pro Stunde. Und ja: Die meisten Jogger, ich inklusive, werden, gerade beim Geradeausrennen auf eine grössere Geschwindigkeit kommen. Das heisst, dass man sich nicht voll verausgaben darf. Auch die Neigung, mit der man bergauf rennt, die man bei professionellen Modellen zur Verfügung hat, gibt es beim R1 nicht.

Das sind die Angaben in der App während des Laufens. (Und ja, sonderlich beeindruckend sind die nicht. Aber ich war heute schon richtig joggen.)

Das ist verschmerzbar, denn dieses Laufband ist ein Kompromiss. Es ist nicht so gut wie eine Fitnessstudio-Maschine, die allerdings locker das Fünffache kostet. Es kommt nicht an einen echten Spaziergang und an eine Joggingrunde heran, aber es macht es einfach, sich nach Feierabend noch ein bisschen zu bewegen, und dazu fernzusehen oder Netflix auf dem Tablet anzusehen – fürs Tablet gibt es eine Einbuchtung im Bügel, sodass man das direkt vor der Nase hat. Man kann übrigens auch hervorragend aufs Laufband steigen, während man eine Videokonferenz abhält – zumindest dann, wenn man nicht gezwungen ist, Mikrofon und Kamera anzuschalten.

Es gibt ein Display, auf dem die Zeit, Geschwindigkeit, Distanz und die Zahl der Schritte angezeigt werden. Mitgeliefert wird nebst einer Fernbedienung ein Sicherheitsclip, mit dem man sich wie im Fitnessstudio ans T-Shirt klemmt. Wenn man nicht mehr mitkommt, löst das den Notstopp aus, sodass man hoffentlich nicht hintenüberkippt.

Konfigurieren per App

Mit der Fernbedienung startet und stoppt man, macht schneller und langsamer und wechselt den Modus. Der manuelle Modus lässt die Geschwindigkeit so, wie man sie eingestellt hat. Beim automatischen Modus beschleunigt das Band, wenn man im vorderen Bereich läuft und wird langsamer, wenn man sich etwas nach hinten begibt.

In der App lassen sich die persönlichen Einstellungen fürs Laufband treffen.

Man kann auch die im Beitrag Trick 17 gegen schlecht programmierte Passwortdialoge schon einmal kurz erwähnte Smartphone-App KS Fit (für Android und iPhone) verwenden. Mit der aktualisiert und personalisiert man das Laufband, und man erhält Statistiken, wie weit man gelaufen ist.

Natürlich kann man das auch mit seinen smarten Uhren tracken; sowohl Garmin als auch die Apple Watch haben einen Modus fürs Laufband. Allenfalls muss man die Uhr dafür kalibrieren. Informationen dazu gibt es hier für Garmin und hier für die Apple Watch.

Fazit: Für uns eine sinnvolle Anschaffung – auch wenn ich dieses An-Ort-und-Stelle-Rennen nach wie vor seltsam finde.

Es gibt übrigens auch die Variante A1, die bei Brack für einen Hunderter weniger erhältlich ist. Dem fehlt der Bügel, an dem man sich während des Laufens festhalten kann. Entsprechend liegt die Höchstgeschwindigkeit bei dem bei sechs Kilometer pro Stunde. Ich würde unbedingt dafür plädieren, den Hunderter Extra fürs R1 obendraufzulegen. Denn selbst wenn man nur selten rennt, ist es sinnvoll, diese Möglichkeit zu haben.

Beitragsbild: Draussen rennt es sich am schönsten (Bruno Nascimento, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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