Die Untergangsspirale brechen

Die sozialen Medien tragen derzeit zu einer rasanten Eskalation bei. Ich mache mir einige hilflose Gedanken, wie man diese Entwicklung aufhalten oder bremsen könnte.

Während die Pandemie fortschreitet, ist das Verweilen in den sozialen Medien nicht angenehmer geworden. Der Umgangston hat sich verschärft, die Wogen gehen ständig hoch und man wird den Eindruck nicht los, dass manche Leute das Mass völlig verloren haben.

Ich teile die Ansicht von Reda el Arbi im Blogpost Dieser «Spaltung der Gesellschaft»-Bullshit, dass es eine Minderheit ist, die die Diskussion bestimmt, weil sie sich pausenlos und immer extremer äussert.

Allerdings sehe ich auch Leute, die sich geistig in gefährliche Kaninchenbauten verkrochen haben. Das hier ist ein solches Beispiel: „Die Untergangsspirale brechen“ weiterlesen

Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen

In Deutschland muss man sich beim Besuch von Restaurants und Kulturbetrieben oft mit der Luca-App einchecken. Die App steht aus Datenschutzgründen in der Kritik. Doch wie ich bei einem Selbstversuch herausgefunden habe, hat sie noch andere Probleme.

Einen grossen Teil meiner Sommerferien habe ich in Deutschland verbracht. Dabei bin ich nicht umhingekommen, die famose Luca-App zu verwenden. Also was bleibt mir anderes übrig, als eine Rezension über sie zu schreiben?

Die Luca-App (Android und iPhone) dient dem Contact-Tracing. Sie erfüllt einen ähnlichen Zweck wie die Swisscovid-App – mit einigen wesentlichen Unterschieden.

1) Check-in statt kontinuierliches Tracing

Eingecheckt. (Und zwar hier).

Der erste Unterschied besteht darin, dass die App kein konti­nuier­liches Contact-Tracing ermöglicht, sondern ein Check-in-System bei Lokalen, Bars und Clubs, aber auch in Museen und im Zoo.

Das wird auch in Deutschland in vielen Bundesländern für diverse Gelegenheiten wie den Besuch von Restaurants und Kulturstätten vorausgesetzt. Während die Swisscovid-App somit rein freiwillig ist, kommt man um Luca oft nicht herum.

2) Eine Privat-Initiative

Zweiter, entscheidender Unterschied: „Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen“ weiterlesen

Retten wird uns nur der Fortschritt

Nach der Pandemie ist vor der Klimarettung. Und darum sollten wir uns überlegen, ob wir uns diese ständige Bedenkenträgerei noch leisten können – findet übrigens auch Frank Schätzing.

Wir dürfen die leise Hoffnung hegen, dass das, was wir in diesem Pandemie-Tunnel sehen, das Licht am anderen Ende ist.

Der Hauptgrund für den leisen Optimismus sind die Impfungen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir ohne die grandiose Leistung der Biotech-Unternehmen noch lange an dieser Seuche herumgedoktert hätten. Darum freue ich mich, dass der technische Fortschritt wieder einmal gezeigt hat, wozu er in der Lage ist.

Ich bin in einer Zeit gross geworden, in der Fortschritt ein Schimpfwort war. Das war in den 1980er-Jahren, in denen man bei diesem Stichwort daran dachte, wie Computern zu wegrationalisierten Arbeitsplätzen führen.

Tschernobyl und Waldsterben

Man dachte an das vergiftete Geschenk der Atomspaltung, die uns nicht wie erhofft unbeschränkte Mengen an sauberer Energie, sondern Tschernobyl und die atomare Aufrüstung gebracht hatte. Man dachte an ungebremstes Wachstum, Luftverpestung und Waldsterben. „Retten wird uns nur der Fortschritt“ weiterlesen

Laufen in Zeiten der Pandemie

So peinlich dieses Geständnis an dieser Stelle auch ist. Aber: Wir haben uns ein Laufband angeschafft und sind obendrein ganz zufrieden damit.

Diese Pandemie macht uns nun schon seit bald einem Jahr das Leben schwer. Sie führt dazu, dass wir viel zu Hause hocken und uns mit Homeoffice und Kontakteinschränkungen manchmal wie Gefangene fühlen. Das nötigt uns eine stoische Duldungshaltung ab – und auch die Fähigkeit zur Improvisation.

Es gibt eine Errungenschaft in diesem Haushalt, die auf die Coronapandemie zurückzuführen ist. Ich bilde mir ein, dass sie mit ebendieser Fähigkeit zur Improvisation zusammenhängt. Böse Zungen würden nun ins Feld führen, dass es hochgegriffen und beschönigend sei, einen Frustkauf «Improvisation» zu nennen. Und ja, ich teile die Ansicht, dass es sich die Leute oft zu einfach machen, wenn sie sämtliche Probleme in ihrem Leben mittels Konsum zu lösen versuchen. Doch weil es im vorliegenden Fall um ein simples Problem und eine effektive Lösung geht, bin ich grosszügig.

Aber etwas konkreter: „Laufen in Zeiten der Pandemie“ weiterlesen

Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote

Mein Facebook-Freund Jürg hat einen Text von «Die Ostschweiz» geteilt. Sie behauptet, man dürfe das Coronavirus und die Influenza nicht im gleichen Atemzug nennen. Aber stimmt das?

Auf Facebook liest man oft die Behauptung, die freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt – man könne auf Facebook «nicht mehr sagen, was man wolle». Auch von Zensur ist oft die Rede.

Das amüsiert und irritiert mich gleichermassen. Amüsant finde ich die Tatsache, dass die Leute komplett ignorieren, wie widersinnig ihre Behauptung ist. Wenn jemand sie zensurieren würde, dann würde er logischerweise auch den Zensurvorwurf unterbinden. Das müsste auf der Hand liegen.

Irritierend ist, dass die Leute nicht verstehen, was Zensur und Einschränkung der freien Meinungsäusserung bedeuten. Es bedeutet, dass der Staat gewisse Ansichten unterdrückt – wie es die Chinesen mit dem «goldenen Schild» tun. Soziale Netzwerke gibt es dort nicht oder nur in ausgedünnter Form.

Ein zentrales Element dieser Zensur ist die Gefahr, der sich Leute aussetzen, die die explizit oder implizit verbotenen Themen trotzdem ansprechen. Sie laufen Gefahr, im Gefängnis zu landen oder zu verschwinden. Deniz Yücel hat das erlebt und im «Fest & flauchig»-Podcast eindrücklich davon erzählt.

Halten wir fest: „Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote“ weiterlesen

Ein Hoch auf den Datenschutz

Die Kontakttracing-Apps bringen manche Nutzer dazu, erstmals ernsthaft über den Datenschutz nachzudenken. Eine gute Gelegenheit, dieses Thema zu vertiefen.

Ich habe neulich in einem Video die Schweizer Corona-App Swisscovid vorgestellt. Inzwischen müsste die App weitherum in Verwendung sein, sodass ich an dieser Stelle nicht mehr viele Worte dazu verlieren muss. Die App hat eine gewisse Verbreitung erlangt – aber keine so grosse, dass man nicht noch einmal darauf hinweisen könnte, dass die Verwendung sinnvoll ist!

Darum sei das Video hier noch einmal verbloggt – mit dem Hinweis, dass ich ausführlich erkläre, wie man die App nutzt und konfiguriert und wie man die Kontaktdaten bei Bedarf auch wieder löscht.

Das Video findet sich am Ende des Beitrags. Hier geht es nun erst einmal um etwas anderes. Nämlich um den Datenschutz. Wegen der Kontakttracing-Apps haben viele Leute ihre besondere Neigung für den strengen Schutz persönlicher Daten entdeckt. Wie wichtig die für sie sind, tun sie nun via Facebook und Whatsapp kund.

… und ja, ich kann mir an dieser Stelle einen sarkastischen Unterton nicht verkneifen. Es ist natürlich sinnvoll, sich für den Schutz der digitalen Privatsphäre einzusetzen. Es fällt aber auf, wie selektiv das manche Leute tun: „Ein Hoch auf den Datenschutz“ weiterlesen

Muss ich jetzt wirklich noch Jassen lernen?

Die Jassrunde, das Hauskonzert, der Sport. Die Anliegen des Publikums während des Lockdowns.

Im Beitrag #StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab habe ich Tipps zur Kommunikation während des Lockdowns gesammelt. Wie nicht anders zu erwarten war, hat das diverse Fragen nach sich gezogen. Diese Fragen – zumindest jene von allgemeinem Interesse – greife ich in einem zweiten Video auf und versuche, möglichst nützliche Antworten zu liefern.

Das fällt mir nicht in jedem Fall leicht. Denn justament bei jenem Anliegen, das ich mit Abstand am häufigsten gehört habe, muss ich passen. Es geht um einen Bereich, in dem ich so unbewandert bin, dass man mich eigentlich ausbürgern müsste. Es geht nämlich ums Jassen. Das gilt als das Schweizer Nationalspiel und wird mit Karten gespielt – viel mehr weiss ich aber auch nicht darüber.

Doch was tut ein Journalist, wenn er über ein Thema nichts weiss? Genau, er recherchiert. Und so bin ich in der Tat auf Möglichkeiten gestossen, wie man seinen Jass-Abend in den virtuellen Raum verlagern kann. Es gibt sogar mehrere Möglichkeiten: „Muss ich jetzt wirklich noch Jassen lernen?“ weiterlesen

Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen

Warum posten derzeit so viele vernünftige Leute total unvernünftigen Quatsch auf Facebook? Und wie könnte man mit den Videos von Verschwörungstheoretikern sinnvollerweise umgehen?

Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.

Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.

In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.

Warum teilen vernünftige Leute Videos von Verschwörungsmystikern?

In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM. „Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen“ weiterlesen

#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab

Keine Besuche bei Freunden, keine gesellige Runde in der Beiz – und trotzdem möchten wir nicht vereinsamen. Das Internet und die passenden Apps helfen uns dabei.

Eines der drängendsten Themen ist in diesen Zeiten der Corona-Pandemie die Kommunikation. Wie bleibt man mit Eltern, Freunden, Bekannten in Verbindung, wenn man sich nicht mehr treffen kann? Das ist für viele schwierig – aber besonders für die Grosseltern, die ihre Enkelkinder nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Der Vorschlag, etwas zu diesem Thema zu machen, wurde von diversen Seiten an mich herangetragen, nachdem ich die Idee selbst schon gehabt hatte. Sie ist naheliegend – und gleichzeitig auch knifflig, finde ich. Denn das Problem ist nicht, die passende App zu finden. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um per Live-Video zu kommunizieren. Facetime fürs iPhone und iPad, Google Duo für Android und iPhone und den Videotelefonie-Klassiker Skype. Den gibt es für Android, iPhone, natürlich auch für Windows und Mac und sogar als Online-Version für den Browser.

Videotelefonieren kann man auch in manchen Messengern, zum Beispiel WhatsApp oder Signal. Und dann gibt es auch die Skype-Alternativen wie Zoom.us, das fürs Homeoffice eine gute Wahl ist.

Die Wahl der passenden App ist darum kein eigentliches Problem: „#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab“ weiterlesen

Der Quälgeist aus der Sport-App

Aus Panik vor der Ausgangssperre habe ich mir zwar keinen Hometrainer, aber immerhin eine App fürs Inhouse-Schwitzen zugelegt.

Mir geht es wie vielen: Ich habe das Corona-Virus anfänglich auch für «so harmlos wie die jährliche Wintergrippe» gehalten. Mir ist jedoch schnell aufgegangen, dass das ein Trugschluss ist – auch deswegen, weil ich einige Familienmitglieder habe, die zu den Risikopatienten zählen.

Darum steht es für mich ausser Frage, die Massnahmen mitzutragen. Wie auch schon ausgeführt, fällt mir das als geborenem Stubenhocker mutmasslich leichter als vielen anderen Leuten. Ich vermisse es nicht extrem, nicht mehr an Bartresen herumzulungern oder zu jeder Tages- oder Nachtzeit zum Shopping oder ins Kino zu können. Dass unsere (bereits gebuchten) Ferien ins Wasser fallen, die für die zweitletzte April-Woche geplant waren, schmerzt mich allerdings schon ein bisschen.

Was mir aber wirklich schwerfällt, ist die Vorstellung einer kompletten Ausgangssperre. Kein Spaziergang, keine Joggingrunde – das wäre schwierig. Denn ich sehe mich zwar gerne als Nerd, der nichts braucht als seinen Bildschirm und den Internetanschluss.

Doch es ist unverkennbar, dass ich einen gewissen Bewegungsdrang habe, der befriedigt sein will. Das Bedürfnis ist besonders gross, wenn ich den ganzen Tag recherchiert und geschrieben habe und geistig aktiv war. Ich nehme an, dass das irgend so ein Ausgleichsmechanismus der Natur ist, der uns Kopfmenschen zwischendurch an unsere Körperlichkeit erinnern soll. Keine Frage, dass die Evolution dem irgendwann den Garaus machen wird. Aber im Moment müssen wir uns mit ihm abfinden. „Der Quälgeist aus der Sport-App“ weiterlesen