Den Querdenkern den Spiegel vorhalten

Auf der Website «Pro­phezei­ungen der Querdenker» werden die Vor­aus­sagen aus dem Lager der Wut­bürger aufgelistet und auf ihre Adäquat­heit über­prüft: Ist das bloss Scha­den­freude oder hat es Ein­sicht zur Folge?

Wie stinkt man gegen Querdenker und Verschwörungstheoretiker an? Wir kamen dieses Jahr nicht darum herum, uns mit jenen Leuten zu beschäftigen, die die Pandemie für erfunden oder nebensächlich halten oder einfach nicht bereit sind, einen Beitrag zu deren Bekämpfung oder Abmilderung zu leisten und anzuerkennen, dass eine besondere Lage eine gewisse Anpassungsfähigkeit erfordert.

Das war deswegen anstrengend, weil diese Leute nicht nur einen Hang haben, gewisse Tatsachen zu ignorieren, zu leugnen oder kleinzureden, sondern auch gleichzeitig laut und meinungsstark auftreten. Das scheint mir dem Glauben zu entspringen, der manche dazu bringt zu denken, derjenige habe recht, der alle anderen übertönt. Eine Fehlannahme, die vielleicht damit zusammenhängt, dass sie selbst in der Stille gewisse Zweifel an ihren Überzeugungen hegen und nicht zuletzt sich selbst bei der Stange halten müssen.

So weit, so unerquicklich. Was meine Nerven aber wirklich überstrapaziert hat, ist Folgendes: „Den Querdenkern den Spiegel vorhalten“ weiterlesen

Mein Facebook-Freund Jürg und sein Hitler-Vergleich

Auf Facebook jagt ein grauenvoller Post den nächsten. Darüber könnte man ganz leicht abstumpfen. Ich mache aber das Gegenteil: Ich nehme mir Zeit darüber traurig zu sein, dass es so weit kommen konnte.

Beitragsbild: An diesem Tor sollte der Coronafrust auf eine verhältnismässige Grösse zusammenschrumpfen («Jedem das Seine», Lars K Jensen/Flickr.com, CC BY 2.0).

Meinen Facebook-Freund Jürg habt ihr im Beitrag Die tapferen Kämpfer gegen Zensur und Denkverbote kennengelernt. Es ging damals um einen Text vom «Die Ostschweiz»-Autor Stefan Millius, mit dem ich zwar nicht einverstanden war, aber über den man immerhin diskutieren konnte.

Heute hat Jürg wieder einmal einen Auftritt hier im Blog, weil er – ihr ahnt es sicher – wieder einmal etwas auf Facebook gepostet hat.

Sind Hitlervergleiche inzwischen völlig normal?

Im Unterschied zu seinem Beitrag von einem Jahr liefert er aber keine Grundlage mehr für eine produktive Diskussion, sondern postet ein Meme, das mich ratlos und traurig zurücklässt.

Über dieses Meme mag ich mich gar nicht gross auslassen. Es wurde anlässlich der Ernennung des neuen deutschen Bundesministers für Gesundheit in Umlauf gebracht und zeigt Karl Lauterbach mit Hitler-Schnauz und einer in Fraktur gesetzten Aufforderung zum Impfen.

Denken wir uns zwei oder meinetwegen fünf Jahre zurück. Hätte mein Facebook-Freund Jürg 2016 auf derart nonchalante Weise eine solche Abscheulichkeit in seine Timeline gestellt? „Mein Facebook-Freund Jürg und sein Hitler-Vergleich“ weiterlesen

«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»

Ein grund­legendes Miss­verständ­nis besteht in der Fehl­annahme, die sozialen Medien würden sich für Frust­abbau eignen. Im Gegenteil – wer seine Unzu­frieden­heit bei Facebook ablädt, trägt bloss dazu bei, dass sich dort der Hass kumuliert.

Kein Like von Facebook.

Ein Erfolg! Ich habe es in der Tat geschafft, einen Kommentar erfolgreich zu melden. Ich habe Facebook dazu gebracht, einen Kommentar wegen Verletzung der viel zitierten Gemeinschafts-Standards zu löschen. Das ist etwas, woran ich mich aufrichten kann!

Nein, eigentlich nicht. Es führt nur vor Augen, wie sehr die sozialen Medien ausser Kontrolle geraten sind.

Ein Symptom sind die Nazivergleiche, von denen inzwischen fast täglich einer die Runde macht. „«Wir sehen uns vor dem Kriegsgericht»“ weiterlesen

Die Untergangsspirale brechen

Die sozialen Medien tragen derzeit zu einer rasanten Eskalation bei. Ich mache mir einige hilflose Gedanken, wie man diese Entwicklung aufhalten oder bremsen könnte.

Während die Pandemie fortschreitet, ist das Verweilen in den sozialen Medien nicht angenehmer geworden. Der Umgangston hat sich verschärft, die Wogen gehen ständig hoch und man wird den Eindruck nicht los, dass manche Leute das Mass völlig verloren haben.

Ich teile die Ansicht von Reda el Arbi im Blogpost Dieser «Spaltung der Gesellschaft»-Bullshit, dass es eine Minderheit ist, die die Diskussion bestimmt, weil sie sich pausenlos und immer extremer äussert.

Allerdings sehe ich auch Leute, die sich geistig in gefährliche Kaninchenbauten verkrochen haben. Das hier ist ein solches Beispiel: „Die Untergangsspirale brechen“ weiterlesen

Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen

In Deutschland muss man sich beim Besuch von Restaurants und Kulturbetrieben oft mit der Luca-App einchecken. Die App steht aus Datenschutzgründen in der Kritik. Doch wie ich bei einem Selbstversuch herausgefunden habe, hat sie noch andere Probleme.

Einen grossen Teil meiner Sommerferien habe ich in Deutschland verbracht. Dabei bin ich nicht umhingekommen, die famose Luca-App zu verwenden. Also was bleibt mir anderes übrig, als eine Rezension über sie zu schreiben?

Die Luca-App (Android und iPhone) dient dem Contact-Tracing. Sie erfüllt einen ähnlichen Zweck wie die Swisscovid-App – mit einigen wesentlichen Unterschieden.

1) Check-in statt kontinuierliches Tracing

Eingecheckt. (Und zwar hier).

Der erste Unterschied besteht darin, dass die App kein konti­nuier­liches Contact-Tracing ermöglicht, sondern ein Check-in-System bei Lokalen, Bars und Clubs, aber auch in Museen und im Zoo.

Das wird auch in Deutschland in vielen Bundesländern für diverse Gelegenheiten wie den Besuch von Restaurants und Kulturstätten vorausgesetzt. Während die Swisscovid-App somit rein freiwillig ist, kommt man um Luca oft nicht herum.

2) Eine Privat-Initiative

Zweiter, entscheidender Unterschied: „Die Luca-App ist wirklich so schlimm, wie alle sagen“ weiterlesen

Die destruktive Kraft der sozialen Medien

Wie man die Impf-Skeptiker mit scheinbar neutralen Informationen anfeuert – mein Facebook-Freund Jürg beherrscht diese Kunst in Perfektion.

Bei oberflächlicher Lektüre klingt das, als ob die Impfung überhaupt nicht schützen würde.

Das ist einer dieser Frust­posts, in denen ich mich über die destruktive Kraft der sozialen Medien aufrege. Es ist eine Ver­zweif­lungs­tat, weil gegen die Unver­nunft auf Face­book offen­sicht­lich kein Kraut gewachsen ist und einem darum nichts anderes bleibt, als Dampf abzu­lassen. Aber besser, als den Ärger in sich rein­zu­fressen.

Es geht um einen Facebook-Post meines Freundes Jürg, der auch schon die Ehre hatte, hier am Pranger zu stehen. Er hat neulich den Screenshot eines Artikels aus der NZZ veröffentlicht, der für sich gesehen einseitig, aber okay ist. Er beschreibt, dass in Israel inzwischen ein ungefähr die Hälfte der Corona-Fälle auf Geimpfte zurückgeht.

Bei oberflächlicher Lektüre klingt das so, als ob die Impfung überhaupt nicht wirken würde. Aber heisst es das auch? Nein, natürlich nicht: „Die destruktive Kraft der sozialen Medien“ weiterlesen

Mit Spott und Fakten gegen die Schwurbler

Im Podcast «Schlecht beraten» zerlegen Marko Ković und Denis Uffer Verschwörungsmythiker, Pseudowissenschafterinnen, Fakenewsverbreiter und Putin-Versteher.

«Wir meckern über Dinge und tun so, als ob wir es besser wüssten.» Das ist die Ausgangslage beim Podcast Schlecht beraten, den es seit November 2020 gibt und von dem bislang 18 Folgen erschienen sind. Man findet ihn bei iTunes, Spotify, Google  und, wie Gott es gewollt hat, auch als RSS-Feed.

Der Podcast mit dem Kothäufchen.

Die beiden meckernden Besserwisser sind Marko Ković und Denis Uffer. Ković ist Sozialwissenschaftler und Mitbegründer des 2012 gegründeten Vereins der Schweizer Skeptiker, die sich neuerdings Forum für kritisches Denken nennen. Uffer ist Neurologie und im Vorstand des gleichen Vereins, was einen deutlichen Fingerzeig gibt, welche Themen die beiden ihrem Gemecker unterziehen. Es sind natürlich die Lieblingsgebiete der skeptischen Denker: Verschwörungstheorien und -mythen, Pseudowissenschaften, Aberglaube, Fakenews und mediale Desinformation.

Spätestens an dieser Stelle ist ein Disclaimer angebracht: „Mit Spott und Fakten gegen die Schwurbler“ weiterlesen

Retten wird uns nur der Fortschritt

Nach der Pandemie ist vor der Klimarettung. Und darum sollten wir uns überlegen, ob wir uns diese ständige Bedenkenträgerei noch leisten können – findet übrigens auch Frank Schätzing.

Wir dürfen die leise Hoffnung hegen, dass das, was wir in diesem Pandemie-Tunnel sehen, das Licht am anderen Ende ist.

Der Hauptgrund für den leisen Optimismus sind die Impfungen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir ohne die grandiose Leistung der Biotech-Unternehmen noch lange an dieser Seuche herumgedoktert hätten. Darum freue ich mich, dass der technische Fortschritt wieder einmal gezeigt hat, wozu er in der Lage ist.

Ich bin in einer Zeit gross geworden, in der Fortschritt ein Schimpfwort war. Das war in den 1980er-Jahren, in denen man bei diesem Stichwort daran dachte, wie Computern zu wegrationalisierten Arbeitsplätzen führen.

Tschernobyl und Waldsterben

Man dachte an das vergiftete Geschenk der Atomspaltung, die uns nicht wie erhofft unbeschränkte Mengen an sauberer Energie, sondern Tschernobyl und die atomare Aufrüstung gebracht hatte. Man dachte an ungebremstes Wachstum, Luftverpestung und Waldsterben. „Retten wird uns nur der Fortschritt“ weiterlesen

Der ganz normale Hass bei Facebook

Ein Kommentar auf der Facebook-Seite der NZZ, der Gewalt an der Klimajugend verherrlicht, bleibt trotz Aufforderung zum Löschen viel zu lang unwidersprochen stehen.

Ich habe mich letzten Freitag über die NZZ aufgeregt.

Es geht um diesen Beitrag hier, eine ausführliche Reportage zur Klimajugend, die in einem Dilemma steckt. Die Coronakrise hat ihren Kampf in den Schatten gedrängt und die Protestbewegung mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, wie sie ihr Anliegen wieder ins Gespräch bringt. Wie weit darf sie für diesen Zweck gehen? Welche Mittel sind in Ordnung, wo verläuft die Grenze?

Diese Fragen werden in der Reportage differenziert behandelt, indem Exponenten, die mit den Mitteln des Systems operieren, den Exponenten gegenüber gestellt werden, die laut über Gewalt nachdenken: „Der ganz normale Hass bei Facebook“ weiterlesen

Laufen in Zeiten der Pandemie

So peinlich dieses Geständnis an dieser Stelle auch ist. Aber: Wir haben uns ein Laufband angeschafft und sind obendrein ganz zufrieden damit.

Diese Pandemie macht uns nun schon seit bald einem Jahr das Leben schwer. Sie führt dazu, dass wir viel zu Hause hocken und uns mit Homeoffice und Kontakteinschränkungen manchmal wie Gefangene fühlen. Das nötigt uns eine stoische Duldungshaltung ab – und auch die Fähigkeit zur Improvisation.

Es gibt eine Errungenschaft in diesem Haushalt, die auf die Coronapandemie zurückzuführen ist. Ich bilde mir ein, dass sie mit ebendieser Fähigkeit zur Improvisation zusammenhängt. Böse Zungen würden nun ins Feld führen, dass es hochgegriffen und beschönigend sei, einen Frustkauf «Improvisation» zu nennen. Und ja, ich teile die Ansicht, dass es sich die Leute oft zu einfach machen, wenn sie sämtliche Probleme in ihrem Leben mittels Konsum zu lösen versuchen. Doch weil es im vorliegenden Fall um ein simples Problem und eine effektive Lösung geht, bin ich grosszügig.

Aber etwas konkreter: „Laufen in Zeiten der Pandemie“ weiterlesen