Fünf Tricks für störrische RAW-Dateien

Wie man RAW-Dateien zu Gesicht bekommt und nach JPG konvertiert – vor allem auch dann, wenn so neue Kameras mit im Spiel sind, dass die gängigen RAW-Entwickler sich den Bildern komplett verweigern.

Wie letzte Woche (hier und hier) beschrieben, hatte ich die Z5 von Nikon in den Fingern. Ich habe mit ihr fotografiert; und zwar aus unerfindlichen Gründen nur im Rohdatenformat (RAW).

Das heisst bei Nikon NEF. Und von diesen NEF-Dateien hatte ich nach meiner Fototour ein paar Dutzend auf der Festplatte. Und wer sich mit der digitalen Fotografie im Allgemeinen und dem RAW-Format im Speziellen auskennt, der weiss, was jetzt kommt. Genau: Ich konnte diese Dateien weder mit Windows noch mit meinem Mac öffnen.

Zwar ist es so, dass sich der Mac von Haus aus auf RAW-Dateien versteht. Das Problem ist allerdings, dass die Hersteller ihre RAW-Formate mit jedem Modell anpassen. Das bedeutet, dass auch RAW-taugliche Programme mit den Fotos aus den ganz neuen Kameras nichts anfangen können. Man hat also eine brandneue Kamera, mit der man viele mutmasslich supertolle Fotos geschossen hat – die man sich aber nicht ansehen kann.

Das ist unglücklich. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, das Problem zu beheben:

Erstens könnte man sich die Software des Kameraherstellers besorgen. Die müsste so aktuell sein, dass sie auch das neueste Format beherrscht. Im Fall der Z5 wäre das Nikon Capture. Von Sony gibt es einen RAW-Viewer, von Canon den RAW Codec. Das wäre sicherlich okay, um die Zeit zu überbrücken, bis der angestammte RAW-Entwickler das neue Format beherrscht. Zur Erinnerung: Ich habe hier im Blog jede Menge solcher Programme getestet und vorgestellt.

Zweitens – und das habe ich auf die Schnelle getan – könnte man sich im Netz umschauen, ob es eine Online-Konvertierung gibt. Und ja, ich bin bei iloveimg.com fündig geworden. Das Modul RAW in JPG konvertieren versteht sich auf allerhand Rohdatenformate: Nicht nur NEF, sondern auch CR2 von Canon, RW2 von Panasonic, ARW und SR2 von Sony, ORF von Olympus, PEF von Pentax und RAF von Fujifilm.

Das funktioniert simpel: Man lädt die RAW-Datei hoch, wartet auf die Konvertierung und lädt das Resultat wieder herunter. Man kann auch mehr als ein Bild aufs Mal konvertieren. Aber es liegt auf der Hand, dass sich diese Methode nur für wenige Bilder eignet und keine dauerhafte Lösung ist.

Drittens gibt es für Windows 10 eine simple und praktische Lösung. Im Store gibt es, von Microsoft selbst, die Raw Image Extension. Sie klinkt sich ins Betriebssystem ein, sodass die RAW-Dateien mit Voransicht im Windows-Explorer erscheinen und in der Fotos-App (Aus einem Mauerblümchen wird eine richtige Foto-App) geöffnet werden können.

Mit der Raw Image Extension zeigt der Explorer Miniaturen der RAW-Dateien an.

Die Entwicklung ist nicht sonderlich schnell und wohl auch nicht extrem akkurat. Aber es reicht auf alle Fälle für einen ersten Eindruck. Es gibt auch eine Möglichkeit, ein Bild nach JPG zu konvertieren; die ist allerdings nicht offensichtlich. So geht es:

Man öffnet das Bild in der Fotos-App und klickt auf die Schaltfläche Bearbeiten und erstellen > Bearbeiten. Man kann das Bild mit Anpassungen oder Filtern versehen, man muss aber nicht. Für den Export als JPG klickt man auf die Schaltfläche Kopie speichern unten rechts und gibt den Dateinamen und Speicherort an.

Übrigens basiert diese Windows-Erweiterung von Microsoft auf der offenen Libraw-Bibliothek (libraw.org). Die steckt auch im Fast Raw Viewer, der demnächst auch zu besprechen sein wird.

Viertens lohnt es sich auch einfach, einmal die Apps durchzuprobieren, die man so auf der Festplatte hat und die fürs Öffnen von RAW-Dateien infrage kommen könnten. Valide Kandidaten sind jene Programme, die beim Rechtsklick auf eine der RAW-Dateien im Öffnen mit-Menü erscheinen.

Ich habe auf diese Weise festgestellt, dass die Affinity-Programme hervorragend mit dem neuen NEF-Format der Z5 zurechtkommen und ich meine Fotos in Affinity Publisher (Eine vielversprechende InDesign-Alternative) begutachten kann.

Fünftens (oder wahrscheinlich besser Nulltens): Man könnte schon beim Fotografieren an das Problem denken, und nicht nur RAW-, sondern auch JPEG-Dateien aufnehmen. Dann hat man von jedem Bild eine Variante in bester Qualität und eine mit maximaler Kompatibilität.

Das wollte ich eigentlich tun, habe auf die Schnelle aber die richtige Option im Menü nicht gefunden. Und dafür gibt es nur ein mögliches Urteil: Das ist ein bisschen peinlich für Nikon, weil die Optionen am Display nicht sonderlich leicht verständlich sind. Aber es ist massiv peinlich für mich, weil ich doch ein so grosser Foto-Experte bin…

Beitragsbild: Anders als rohe Eier geben rohe Bilddateien ihr Inneres nicht ohne Weiteres preis (Miguel Andrade, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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