An dieser App hätte Janis ihre Freude gehabt

Oder auch nicht. Der Titel ist reine Spekulation. Es geht hier um die schöne App Joplin, in der man seine Notizen verwaltet.

Neulich habe ich Dokuwiki vorgestellt: Ein Wiki auf meinem Webserver, das ich für Notizen und persönliche Dokumentationen brauche. Andi hat mir daraufhin auf Facebook nahegelegt, doch einmal Joplin anzusehen.

Nein, nicht Janis. Sondern diese App hier, die sich um Notizen kümmert, die automatisch via Cloud synchronisiert und obendrein Open-Source ist. Es gibt sie fürs iPhone, für Android, Windows, Mac und Linux.

Da ich alles tue, was Andi sagt, habe ich mir die App auch gleich besorgt. Sie macht auf dem iPhone einen schnörkellosen Eindruck. Nach dem Start klickt man aufs Plus und gibt an, ob man eine To-do-Liste, eine Notiz oder ein Notizbuch anlegen möchte.

Legt man eine Notiz an, braucht die einen Titel, und dann kann auch schon loslegen. Der Clou – und der Grund, weswegen Andi mir die App überhaupt empfohlen hat – ist nun, dass man für die Formatierung Markdown verwenden kann. Man muss nicht – wenn man keine Tags verwendet, dann hat man eine Notiz mit reinem Text. Wenn man aber Links, Auszeichnungen oder Titel benötigt, dann sind die über die simple Markdown-Syntax schnell hinterlegt.

Die mit Markdown formatierte Notiz und das Bearbeitungsmenü rechts.

Über das Menü rechts oben fügt man seiner Notiz ein Foto oder eine beliebige Datei hinzu. Über den Share-Befehl (Teilen) kopiert man sie oder reicht sie per Facebook, Twitter, WhatsApp oder Zwischenablage weiter. Man kann Etiketten (Tags) hinterlegen, eine Notiz in eine To-Do-Liste umwandeln und vice versa. Der Befehl View it on map (Auf der Karte anzeigen) zeigt an, wo man eine Notiz erfasst hat, sodass man sie auch nach Ursprungsort sortieren kann. Und über Delete löscht man die Notiz.

Das wirklich unkompliziert und durchdacht – und genauso, wie man es sich als Nerd und Markdown-Liebhaber wünscht.

Etwas verwirrend ist dann der nächste Start der App: In der Welcome-Ansicht fehlt die Notiz, die man beim letzten Mal angelegt hat. Wenn man auf die Idee kommt, das Menü links oben zu bemühen, dann klärt sich dieses Rätsel aber sehr schnell. Dort erscheinen die Notizbücher. Wenn man hier das Notizbuch «Welcome (Mobile)» auswählt (das unglücklicherweise den gleichen Namen wie die Startseite hat), dann sieht man dort seine Notiz – plus vier Notizen, die eine Anleitung und Tipps und Tricks zur App liefern.

In diesem Menü links stehen auch die Tags zur Auswahl, über die man seine Notizen in einer Notizbuch-übergreifenden Weise organisiert.

Beim Bearbeiten kommen einem keine unnötigen Menüs oder Befehle in die Quere.

Hat man über das Menü links ein Notizbuch ausgewählt, stehen über das Menü rechts Befehle zum Bearbeiten, Konfigurieren und zum Löschen des Notizbuchs zur Verfügung. Und man kann die Notizen nach Datum der Bearbeitung, Erstellung und nach Titel sortieren. Die Suchfunktion steht überall zur Verfügung – was die Leute schätzen werden, die keine grosse Energie in die Struktur ihrer Notizen investieren wollen.

Bleibt die Frage nach der Synchronisation: Tippt man auf das Menü links und Synchronise, dann wird erklärt, wie man den Abgleich mit der Dropbox einrichtet: Man holt sich (manuell) ein Token und trägt es dann in die App ein. Das wäre eine gute Idee – wenn ich nicht dabei wäre, die Dropbox aus meinem Arbeitsalltag zu entfernen.

Doch an dieser Stelle ist nicht offensichtlich, dass Joplin auch andere Synchronisations-Optionen beherrscht. Die stöbert man über das Menü rechts und Configuration (Konfiguration) auf. Nebst Dropbox stehen Onedrive, WebDav und das Dateisystem zur Auswahl. Und vor allem auch Nextcloud. Mit dieser Lösung synchronisiert man die Notizen über den eigenen Server, ohne dass man von fremden Cloudservern abhängig wäre. Auch das ist ein Riesen-Plus.

Über das rechte Menü und Verschlüsselungskonfiguration richtet man es ein, wenn die Notizen verschlüsselt synchronisiert werden sollen. Standardmässig sind sie unverschlüsselt – und die App weist einem deutlich darauf hin, dass man sein Passwort nicht vergessen darf, weil sonst die Notizen verloren sind. So, wie das bei einer echten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unweigerlich der Fall ist.

Fazit: Das ist eine tolle App und allemal eine Alternative zu Onenote und Evernote. Man hat nicht ganz die Funktionsvielfalt der kommerziellen Lösungen. Aber dafür volle Kontrolle und die ganze Markdown-Power zur Verfügung. Merci, Andi, für die Empfehlung!

Einige Tipps:

  • Die App erscheint standardmässig in Englisch. Sie beherrscht aber auch deutsch. Dafür klickt man rechts oben aufs Menü, wählt Configuration (Konfiguration) und schaltet bei Language auf Deutsch um.
  • In den Einstellungen legt man auch das Standard-Zeitformat, Synchronisations-Optionen, Erscheinungsbild und den Notizen-Verlauf fest.Er versioniert die Notizen für die angegebene Anzahl Tage.
  • Im Abschnitt Zusatzprogramme bei den Einstellungen lassen sich nebst Markdown auch andere Syntax-Varianten einschalten,zum Beispiel Deflist, ^sup^ oder Abbreviation. Aber fragt mich jetzt bloss nicht, was das ist!
  • Da Joplin als Ersatz für Evernote gedacht ist, kann man auch alle seine Evernote-Notizbücher importieren.

Beitragsbild: Das ist natürlich auch eine Möglichkeit (Min An/Pexels, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „An dieser App hätte Janis ihre Freude gehabt“

  1. Es stimmt, daß Joplin eine tolle Anwendung ist. Sie ist keines fatware wie viele andere Notizanwendungen, sondern der Fokus liegt firm an, wie man einfach Notizen, die zwischen verschiedene Geräten automatisch sich synchronisieren lassen, schreiben kann. Aber…

    Wiel die Markdown-Syntax nicht für dich oder mich kein Problem ist, für einen gewöhnliche Mensch kann das zu schwierig sein. Evernote, wogegen Joplin positioniert ist, macht das einfacher mit seinem WYSIWYG-Editor (unter die Haube benutzt Evernote HTML). Joplin könnte eine bessere Benutzeroberfläche haben (der Entwickler weißt das).

    Ein der größten Mangeln in Joplin ist die Unfähigkeit Google Drive direkt zu benutzen. Es gibt klare finanziellen Grunden dazu: Google erfördert eine offizielle Prüfung, die mindestens 15000 USD laut Joplin-Entwickler (https://github.com/laurent22/joplin/issues/402#issuecomment-506737256) kostet.

    Damit gesagt ja, Joplin ist toll.

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