Himbeere reloaded

Mein neuestes Spielzeug aus der Gadget-Ecke ist der Raspberry Pi 4. Ich nehme an, das ist den Leserinnen hier ein Begriff: Es handelt sich um einen Mini-Computer, bei dem alle Komponenten auf einer Platine sitzen. Wikipedia erwähnt, er habe die Grösse einer Kreditkarte. Das stimmt für die Breite und Tiefe, nicht aber für die Höhe. Die wird durch die USB-Anschlüsse vorgegeben und beträgt einen guten Zentimeter.

Ein weiterer Clou beim Raspberry Pi ist, dass er günstig zu haben ist. Das erste Modell von 2013 gab es in der günstigsten Variante für 35 Franken. Auch das neue Modell ist selbst mit einem kleinen Taschengeld in ein paar Wochen finanzierbar. Beim Hersteller selbst gibt es das ab 35 US-Dollar. Hierzulande kriegt man es für um die 70 Franken (Digitec), bzw. 66 Euro (Amazon).

Ich habe den Raspberry Pi seinerzeit sofort gekauft und mit viel Spass herumexperimentiert. Er war jahrelang als NAS im Einsatz, und für die Datensicherung von Windows-PCs und Macs zuständig. Allerdings war er dafür nicht optimal gerüstet. Die Backup-Festplatte war per USB2 angehängt und er war per WLAN im Netz eingebunden. Diese Konstellation limitiert die Geschwindigkeit für Datenübertragungen und macht die Synchronisation, gerade bei vielen kleinen Dateien, zu einer Geduldsprobe.

Der Raspberry Pi in der Version 4 verspricht mehr Tempo. Er hat Gigabit-Ethernet, USB3 und einen schnelleren Prozessor. Gegenüber dem ersten Modell hat er nun auch WLAN eingebaut (2.4 und 5 GHz) – beim ersten Modell brauchte es noch einen separaten USB-Adapter. Und obendrein Bluetooth. Was es bei der Inbetriebnahme erlaubt, auch drahtlose Mäuse und Tastaturen zu verwenden. Praktisch aber auch für den Kopfhörer, falls man seine Filme via Raspi auf den Fernseher bringt.

Auffällig ist, dass der Raspberry Pi nicht einen, sondern zwei HDMI-Anschlüsse hat. Man kann, sagt der Hersteller, zwei Monitore mit 4k betreiben. Ich nehme nun nicht an, dass man daraus schliessen sollte, dass der Raspi es verkraftet, zwei 4k-Monitore gleichzeitig zu bedienen. Das wäre eine beachtliche Leistung. Aber erstens fehlen mir die Monitore für diesen Zweck. Und zweitens habe ich auch keinen Anwendungsfall. Im Gegenteil – der Raspberry Pi ist in meinen Augen optimal für den monitorlosen Serverbetrieb.

Der alte (hinten) und der neue (vorn).

In einer kleinen Serie werde ich nun darüber schreiben, was ich ausprobiert habe und wie meine Erfahrungen waren. Als erstes sollte man darauf hinweisen, dass die nackte Platine allein nicht betriebsfähig ist. Der Kleine braucht natürlich auch Strom, den man in Form eines USB-C-Netzteils zuführt.

In meiner Naivität habe ich gedacht, ich könne für die ersten Versuche das USB-C-Netzteil des Macbook Pro verwenden. Denkste – das erachtet es als unter seiner Würde, mit diesem Mini-Computer zu kooperieren. Etwas enttäuschend. Das Versprechen bei USB-C ist die universelle Einsetzbarkeit – aber es war klar, dass das nicht so einfach sein würde. (Die Erklärung für dieses Problem gibt es übrigens bei The Verge zu lesen: The Raspberry Pi Foundation messed up its first USB-C device – und schuld ist demnach nicht das Netzteil des Macbooks.)

Ferner braucht man ein HDMI-Kabel, das an einem Ende einen Anschluss in normaler Grösse und am anderen Ende einen Micro-HDMI-Stecker hat. Auch das hat man mutmasslich nicht vorrätig. Entsprechend empfehle ich, das Netzteil und das Kabel gleich mitzubestellen. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich das Gehäuse ordern. Man könnte den Raspberry Pi zwar auch nackt betreiben – aber besonders schicklich ist das nicht.

Hier der neue. Man achte auf die USB3-Anschlüsse, die zwei HDMI-Stecker und die Stromversorgung per USB-C.

Man kann sich überlegen, ob man gleich das Desktop Kit bestellen will (um die 120 Euro bei Amazon). Das enthält allerdings auch Maus, Keyboard und die Mikro-SD-Karte mit dem Betriebssystem – und diese Dinge hat man vermutlich noch irgendwo zu Hause herumliegen, sodass man sie nicht extra zu bestellen braucht. Ich habe das Netzteil, das HDMI-Kabel und das Gehäuse günstig bei Microspot gefunden: Das Netzteil für 15.95, das Kabel für 14.20 und das Gehäuse für 12.55 Franken. Macht nochmals 42.70 Franken obendrauf.

Damit kann man loslegen – hier ist übrigens der Quick Start Guide und hier gibt es eine illustrierte und druckbare Anleitung: Als erstes braucht der Raspberry Pi ein Betriebssystem. Das kommt auf die Mikro-SD-Karte, die 8 GB oder grösser sein sollte, und die man mit FAT32 formatiert. Der Hersteller empfiehlt das SD Association’s Formatting Tool. Mutmasslich, weil er dem Windows-Formatierungsmodul nicht traut.

Das Betriebssystem ist unter raspberrypi.org/downloads zu finden, wobei man zwischen Raspbian und Noobs wählen kann. Noobs ist eine gute Wahl, weil alles drin ist, was man mutmasslich so benötigen wird. Wenn man sich auskennt, kommt man wahrscheinlich mit Raspbian über die Runden.

Nach dem Download entpackt man das ZIP-Archiv und legt alle Dateien in den Root-Ordner der SD-Karte. Und das wars auch schon, was es an Vorbereitungen braucht. steckt man die Karte in den Raspberry Pi, schliesst Strom, Monitor, Maus, Tastatur und allenfalls das Ethernetkabel an und freut sich auf den ersten Start.

Als nächstes erkläre ich die ersten Schritte mit dem Raspberry – und was man damit anstellen könnte. Pihole als ein Stichwort, Nextcloud als ein zweites.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Himbeere reloaded“

  1. Der RasPi 4 verkraftet tatsächlich 2x 4K. Dann allerdings nur mit 30 statt 60 Bildern pro Sekunde. Dank integriertem H.264-Decoder sollte er das sogar bei Videos schaffen, wobei ich noch nie zwei 4K-Filme gleichzeitig abspielen wollte…

    Hatte noch nie einen Monitor an einem RasPi, aber könnte mir schon Einsatzzwecke vorstellen:

    – Einsatz als Thin Client: wesentlich günstiger als „richtige“ Thin Clients (selbst wenn man in der Firma wegen Support und Verwaltbarkeit eine kommerzielle Distribution kauft)
    – Ansteuerung von „Digital Signage“-Displays: pro RasPi kann man zwei Displays per Netzwerk mit Inhalt bespielen; habe nicht nachgeschaut, aber mittlerweile gibt es bestimmt schon gute Software dafür

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