Ein guter Begleiter für Text-Odysseen

In meiner kleinen Reihe zu Markdown-Editoren habe ich mit Drafts 5 (Ein mit allen Wassern gewaschener Editor) schon einen ziemlich heissen Favoriten gefunden. Aber natürlich komme ich um Ulysses nicht herum. Das ist eine App fürs iPhone und iPad und den Mac, die ich 2016 zu einem meiner App-Lieblinge erkoren habe. Und auch im direkten Vergleich von Drafts und Ulysses ziehen manche Ulysses vor – zum Beispiel er hier, der die beiden Apps im Detail verglichen hat.

Seit meinem Test hat sich ein kleines, wesentliches Detail verändert. Es gibt Ulysses nicht mehr kostenlos. Man benötigt zwingend ein Abo, das 7 Franken im Monat oder 49 Franken im Jahr kostet – siehe Beitrag Immer mehr Apps wollen abonniert werden vom August 2017.

Das wirft zwei Fragen auf, nämlich erstens, ob man grundsätzlich gewillt ist, eine App zu abonnieren. Und zweitens, ob 7 Franken pro Monat nicht etwas hoch angesetzt ist.

Ymmv, was das angeht. Für mich war der Wechsel vom Bezahl-Modell – die 25 Franken habe ich seinerzeit gern aufgeworfen – zum Abo ein Grund, abzuspringen.  „Ein guter Begleiter für Text-Odysseen“ weiterlesen

Ein mit allen Wassern gewaschener Editor

Im Beitrag App-mässige Resteverwertung habe ich eine ausführliche Besprechung der App Drafts 5 versprochen. Und hier ist sie auch schon:

Drafts 5 ist ein Markdown-Editor fürs iPhone und iPad, der laut Website des Entwicklers auch für den Mac unterwegs ist. Oder, um genau zu sein: Es ist ein Editor, mit dem die meisten Nutzer hauptsächlich Markdown-formatierte Texte schreiben werden. Er lässt aber auch andere Syntax-Varianten zu, nämlich Multi-Markdown, Simple List, Taskpaper und Javascript.

Ein unscheinbarer Editor – auf den ersten Blick.

Er hat eine simple Oberfläche, die auch auf dem iPhone nicht überladen wirkt. Es gibt eine Dokumentenverwaltung, Tags, Versionsverlauf, Integration mit Siri, der Apple Watch und anderen Apps wie Text Expander und viele Export- und Weitergabemöglichkeiten. Die App kann kostenlos verwendet werden, doch für die Pro-Funktionen zahlt man ein Abo von 21 Franken im Jahr oder zwei Franken im Monat. Die Pro-Funktionen umfassen die Actions, Themes fürs Erscheinungsbild der App und die Icons, Widgets mit einer Möglichkeit zum Teilen von Texten und den Workspaces: Mit denen kann man seine Dokumente noch vielfältiger organisieren.

Da zeigt sich schon, dass der Begriff «Editor» zu kurz greift:  „Ein mit allen Wassern gewaschener Editor“ weiterlesen

Bloatware-Feind Nummer eins

Im letzten Jahr habe ich mit einer kleinen Serie zu Markdown-Editoren begonnen. Die Idee, wie im Beitrag Wir schicken Word in Rente ausgeführt, ist einfach: Wieso sollte man nicht einen simplen Editor anstelle eines aufgeblähten Textverarbeitungsprogramms nutzen? Die Markdown-Codes kann man selbst in einem normalen Texteditor benutzen. Man bräuchte somit noch nicht mal ein spezielles Programm.

Zumindest theoretisch. Praktisch möchte man trotzdem gerne eines nutzen, weil man auf ein bisschen Komfort trotz aller Askese nicht verzichten mag. Und die Zusatzfunktionen sind auch nützlich, einerseits fürs kreative Schreiben, andererseits fürs Gestalten: Da ist die Vorschaufunktion fürs formatierte Dokument, Exportmöglichkeiten für Formate wie PDF oder HTML oder Wort- und Zeichenzählung. Der im Beitrag Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten vorgestellte Editor Typora hat viele solcher Komfortfunktionen zu bieten.

Die Software, um die es heute geht, ist hingegen auf der spartanischen Seite angesiedelt. Es gibt nur die nötigsten Funktionen. Die kann man dafür aber ohne jegliche Installation direkt im Browser verwenden.  „Bloatware-Feind Nummer eins“ weiterlesen

Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten

Das ist der zweite Teil der epischen Saga. Zur Erinnerung: Wir sind mit der Mission aufgebrochen, hier zusammen den schönsten aller Markdown-Editoren zu finden. Heute ist Typora dran. Dieses Programm gibt es kostenlos für Windows, Mac und Linux.

Typora präsentiert sich so minimalistisch, dass man diesen Editor leicht mit dem Windows-Editor (Notepad) verwechseln könnte. Aber nur auf den ersten Blick. Man merkt schnell, dass bei Typora eine Design-Absicht hinter der kargen Erscheinung steckt und nicht bloss Feature-Armut. Es gibt zum Beispiel einen angenehmen Abstand zwischen Fensterrand und Text. Bei Notepad kleben die Buchstaben direkt am Menü und an den Kanten, was nicht schön aussieht. Und die Bildlaufleiste am rechten Rand ist hübscher als der typische Windows-Scrollbalken: Bloss eine dezente, schmale Fläche im Verhältnis des sichtbaren zum ganzen Text.

Oberfläche

Typora hat, anders als die meisten Markdown-Programme, keine zweigeteilte Oberfläche.  „Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten“ weiterlesen

Wir schicken Word in Rente

Es scheint, dass sich (nach den RAW-Konverter-Auswüchsen dieses Jahres) eine neue Mission für dieses Blog abzeichnet: Nämlich eine übertrieben ausführliche Testreihe für Markdown-Editoren. Ich mache aber keine Versprechen – denn es ist durchaus möglich, dass mich die Lust dann doch vorzeitig verlässt. Denn es liegt auf der Hand, das Markdown-Editoren nicht ganz so fancy sind wie Programme, die unsere nicht über alle Zweifel erhabenen Fotos in wahre Wunderwerke verwandeln.

Also, lassen wir uns überraschen, ob das nun eine unendliche Serie wird oder ob ich gleich am Anfang ein so tolles Programm finde, dass sich jegliches weitere Suchen erübrigt. Bevor wir aber loslegen, eine kleine Einführung in Markdown. Es handelt sich um eine Auszeichnungssprache für Textdokumente. Formatierungen werden nicht per Wysiwyg hinzugefügt, sondern über Steuerzeichen.

Steuerzeichen? Die erinnern an die Texteditoren der ersten Stunde, die wir seinerzeit unter DOS oder bei noch archaischeren Betriebssystemen benutzt haben. Und ja, es ist anachronistisch und frappant rückwärtsgerichtet – wie die Analogfotografie und jene Leute, die ihre Vinylplatten vor die Tür stellen, um Platz für Tonträger auf Schellack zu machen.

Aber dieser Trend lässt sich leicht erklären: „Wir schicken Word in Rente“ weiterlesen

Wer in Textverarbeitungs-Abgründe geblickt hat

Im Beitrag Jaaaaaaa! habe ich, man muss es leider sagen, eine Tirade abgelassen. Gelästert und geschnödet. Und mich völlig undankbar gezeigt, wo die Open-Source-Community doch wunderbare Arbeit leistet und mit Libre Office und Open Office zur Softwarevielfalt beiträgt und uns dringend benötigte Auswahlmöglichkeiten liefert.

Der Beitrag hat auf Twitter ein paar Wellen geworfen. Da wurde zu Recht kritisiert, dass Microsoft Office wegen der Trägheit der Nutzer zu dem Status gelangen konnte, den es heute noch immer hat. Und mir ist eingefallen, dass ich immer wieder höre, dass an den Schulen eine Office-Lektion schon als Informatikunterricht gilt. Und zwar offenbar so, dass die Schüler dann lernen, wo sie in Word klicken müssen, um ein neues Dokument zu machen.

Statt die Benutzung von Anwendungen zu lehren, müsste man natürlich die grundsätzlichen Prinzipien von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation vermitteln. Das hätte zur Folge, dass der Nutzer nicht aufgeschmissen wäre, wenn er nach einem Update plötzlich mit einer leicht veränderten Benutzeroberfläche konfrontiert ist. Er würde sich sogar zurechtfinden, wenn er plötzlich mit Libre Office arbeiten müsste.

Und er würde ein paar grundsätzliche Dinge berücksichtigen.

Martin Steiger hat dazu ganz treffend Folgendes bemerkt:

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So schreiben Profis am Tablet!

Editorial war letzte Woche Thema im digitalen Patentrezept zur mobilen Textverarbeitung. Für Freunde des geschriebenen Wortes liefere ich hier gerne eine ausführliche Beschreibung dieser App – auch, weil im Video aufgrund der gebotenen Kürze einige der netten Funktionen unerwähnt blieben.

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Die per Markdown angewendeten Textauszeichnungen sind schon beim Tippen sichtbar.

Die App des Berliner Entwicklers Ole Zorn ist für 10 Franken im Apple-App Store erhältlich. Das ist für eine mobile App auf den ersten Blick ein stattlicher Betrag. Andererseits – für eine App, die man nur ab und zu produktiv einsetzt, ist das kein Betrag. Und mir ist es lieber, wenn der Entwickler schon von Anfang an eine Ansage macht, als mit seltsamen Freemium-sperenzchen nach dem Herunterladen versucht, mich zu In-App-Käufen zu bewegen. Ich fände es sinnvoll, wenn Apple Testversionen ermöglichen würden, während der man eine kostenpflichtige App eine Woche lang ausprobieren könnte, um sie dann zu kaufen oder zu löschen – aber das ist eine Diskussion, die ich gerne bei einer anderen Gelegenheit führe.
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Es muss nicht immer Word sein

… auch am Tablet nicht. Im Video stelle ich drei Textverarbeitungs-Alternativen zu Microsoft mit Word, Apple mit Pages und Google mit Docs vor. Vorgestellt werden eine klassische Suite, ein kreatives Gestaltungsprogramm und eine spartanische Text-App für Fans von Markdown. (Siehe dazu auch Markdown ist perfekt fürs Tablet und Texte schreiben auf die archaische Art.)


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.
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Markdown ist perfekt fürs Tablet

Ich bin ein erklärter Fan der Markdown-Auszeichnungssprache. Sie ist dazu da, Texte mit einfachen Steuerungszeichen zu formatieren. Diese lassen sich auch von Nicht-Nerds sehr einfach verinnerlichen:

Für kursiven Text setzt man seinen Text zwischen Sternchen. Zwei Sternchen am Anfang und am Ende ergeben fetten Text. Und fett-kursiv benötigt, man ahnt es schon, je drei Sternchen. Für eine Überschrift der ersten Stufe setzt man am Anfang der Zeile eine Raute. Zwei Rauten ergeben, natürlich, eine Überschrift der Ebene zwei. Wenn man eine geordnete Liste haben möchte, setzt man irgend eine Zahl und einen Punkt an den Anfang der Zeile, und die Software übernimmt es dann, diese richtig zu nummerieren (wenn man einen Punkt dazwischenschiebt, muss man nicht alle nachfolgenden Punkte neu nummerieren).

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Alles, was man fürs Texten braucht.

Für Aufzählungen setzt man einen Punkt, ein Plus oder ein Divis an den Anfang. Und Unterpunkte rückt man durch Leerzeichen ein. Auch Blockquotes, Code und Links sind möglich, die Details stehen bei Wikipedia.
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Texte schreiben auf die archaische Art

MarkdownPad ist die Antithese zum modernen Textverarbeitungsprogramm: Extrem überschaubar und aufs Wesentliche zugeschnitten.

Moderne Textverarbeitungsprogramme sind Hunderte Megabytes gross, haben unzählige Funktionen und Features, und sind das, was böse Zungen als «Bloatware» (deutsch: «Blähware») bezeichnen. Das Schreiben erleichtern sie dadurch nur bedingt – denn Inspiration oder Kreativität vermitteln sie trotz aller «Featuritis» nicht.

MarkdownPad ist um die zwei Megabyte gross, hat eine Symbolleiste mit 24 Befehlstasten und fünf Menüs. Das reicht, um formatierte Dokumente zu produzieren.

Arbeiten im Code
Eine zweite Besonderheit des Gratisprogramms liegt darin, dass man nicht in einer WYSIWYG-Ansicht arbeitet. Das Kürzel steht für «What You See Is What You Get» und besagt, dass der Text mit allen Auszeichnungen dargestellt wird. Bei MarkdownPad arbeitet man in einer Code-Ansicht, in der man den Text über Auszeichnungsbefehle formatiert. Kursiver Text steht zwischen Sternen, fetter Text wird mit zwei Sternen am Anfang und zwei Sternen am Ende markiert, Titel erster Ebene stehen zwischen Gartenzaun-Symbolen und Zitate werden mit einem Kleiner-Als-Zeichen angeführt. „Texte schreiben auf die archaische Art“ weiterlesen