Wer in Textverarbeitungs-Abgründe geblickt hat

Im Beitrag Jaaaaaaa! habe ich, man muss es leider sagen, eine Tirade abgelassen. Gelästert und geschnödet. Und mich völlig undankbar gezeigt, wo die Open-Source-Community doch wunderbare Arbeit leistet und mit Libre Office und Open Office zur Softwarevielfalt beiträgt und uns dringend benötigte Auswahlmöglichkeiten liefert.

Der Beitrag hat auf Twitter ein paar Wellen geworfen. Da wurde zu Recht kritisiert, dass Microsoft Office wegen der Trägheit der Nutzer zu dem Status gelangen konnte, den es heute noch immer hat. Und mir ist eingefallen, dass ich immer wieder höre, dass an den Schulen eine Office-Lektion schon als Informatikunterricht gilt. Und zwar offenbar so, dass die Schüler dann lernen, wo sie in Word klicken müssen, um ein neues Dokument zu machen.

Statt die Benutzung von Anwendungen zu lehren, müsste man natürlich die grundsätzlichen Prinzipien von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation vermitteln. Das hätte zur Folge, dass der Nutzer nicht aufgeschmissen wäre, wenn er nach einem Update plötzlich mit einer leicht veränderten Benutzeroberfläche konfrontiert ist. Er würde sich sogar zurechtfinden, wenn er plötzlich mit Libre Office arbeiten müsste.

Und er würde ein paar grundsätzliche Dinge berücksichtigen.

Martin Steiger hat dazu ganz treffend Folgendes bemerkt:

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So schreiben Profis am Tablet!

Editorial war letzte Woche Thema im digitalen Patentrezept zur mobilen Textverarbeitung. Für Freunde des geschriebenen Wortes liefere ich hier gerne eine ausführliche Beschreibung dieser App – auch, weil im Video aufgrund der gebotenen Kürze einige der netten Funktionen unerwähnt blieben.

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Die per Markdown angewendeten Textauszeichnungen sind schon beim Tippen sichtbar.

Die App des Berliner Entwicklers Ole Zorn ist für 10 Franken im Apple-App Store erhältlich. Das ist für eine mobile App auf den ersten Blick ein stattlicher Betrag. Andererseits – für eine App, die man nur ab und zu produktiv einsetzt, ist das kein Betrag. Und mir ist es lieber, wenn der Entwickler schon von Anfang an eine Ansage macht, als mit seltsamen Freemium-sperenzchen nach dem Herunterladen versucht, mich zu In-App-Käufen zu bewegen. Ich fände es sinnvoll, wenn Apple Testversionen ermöglichen würden, während der man eine kostenpflichtige App eine Woche lang ausprobieren könnte, um sie dann zu kaufen oder zu löschen – aber das ist eine Diskussion, die ich gerne bei einer anderen Gelegenheit führe.
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Es muss nicht immer Word sein

… auch am Tablet nicht. Im Video stelle ich drei Textverarbeitungs-Alternativen zu Microsoft mit Word, Apple mit Pages und Google mit Docs vor. Vorgestellt werden eine klassische Suite, ein kreatives Gestaltungsprogramm und eine spartanische Text-App für Fans von Markdown. (Siehe dazu auch Markdown ist perfekt fürs Tablet und Texte schreiben auf die archaische Art.)


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.
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Markdown ist perfekt fürs Tablet

Ich bin ein erklärter Fan der Markdown-Auszeichnungssprache. Sie ist dazu da, Texte mit einfachen Steuerungszeichen zu formatieren. Diese lassen sich auch von Nicht-Nerds sehr einfach verinnerlichen:

Für kursiven Text setzt man seinen Text zwischen Sternchen. Zwei Sternchen am Anfang und am Ende ergeben fetten Text. Und fett-kursiv benötigt, man ahnt es schon, je drei Sternchen. Für eine Überschrift der ersten Stufe setzt man am Anfang der Zeile eine Raute. Zwei Rauten ergeben, natürlich, eine Überschrift der Ebene zwei. Wenn man eine geordnete Liste haben möchte, setzt man irgend eine Zahl und einen Punkt an den Anfang der Zeile, und die Software übernimmt es dann, diese richtig zu nummerieren (wenn man einen Punkt dazwischenschiebt, muss man nicht alle nachfolgenden Punkte neu nummerieren).

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Alles, was man fürs Texten braucht.

Für Aufzählungen setzt man einen Punkt, ein Plus oder ein Divis an den Anfang. Und Unterpunkte rückt man durch Leerzeichen ein. Auch Blockquotes, Code und Links sind möglich, die Details stehen bei Wikipedia.
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Texte schreiben auf die archaische Art

MarkdownPad ist die Antithese zum modernen Textverarbeitungsprogramm: Extrem überschaubar und aufs Wesentliche zugeschnitten.

Moderne Textverarbeitungsprogramme sind Hunderte Megabytes gross, haben unzählige Funktionen und Features, und sind das, was böse Zungen als «Bloatware» (deutsch: «Blähware») bezeichnen. Das Schreiben erleichtern sie dadurch nur bedingt – denn Inspiration oder Kreativität vermitteln sie trotz aller «Featuritis» nicht.

MarkdownPad ist um die zwei Megabyte gross, hat eine Symbolleiste mit 24 Befehlstasten und fünf Menüs. Das reicht, um formatierte Dokumente zu produzieren.

Arbeiten im Code
Eine zweite Besonderheit des Gratisprogramms liegt darin, dass man nicht in einer WYSIWYG-Ansicht arbeitet. Das Kürzel steht für «What You See Is What You Get» und besagt, dass der Text mit allen Auszeichnungen dargestellt wird. Bei MarkdownPad arbeitet man in einer Code-Ansicht, in der man den Text über Auszeichnungsbefehle formatiert. Kursiver Text steht zwischen Sternen, fetter Text wird mit zwei Sternen am Anfang und zwei Sternen am Ende markiert, Titel erster Ebene stehen zwischen Gartenzaun-Symbolen und Zitate werden mit einem Kleiner-Als-Zeichen angeführt. „Texte schreiben auf die archaische Art“ weiterlesen