Eine App für Kamele und Sponge Bob

Es gibt ein paar Themen, die in diesem Blog in einer gewissen Regelmässigkeit auftauchen. Das hier habe ich zum ersten Mal 2012 bebloggt – leicht satirisch, was aus heutiger Sicht eine fragwürdige Idee war. 2015 war ein sachlich-serviceorientierter Beitrag an der Reihe: Mit diesem Trick hier spare ich tagtäglich Zeit. Und das tue ich auch heute noch: Der Tipp ist ein echter golden Oldie!

Heute also das gleiche Thema. Es ist nämlich nach wie vor ungelöst und inzwischen auch auf den Mobilgeräten anzutreffen.

Es geht um die Formatierungen, die man via Zwischenablage von der Ursprungsquelle in sein Dokument einschleppt. Anfänglich war das kein Problem, weil mobile Apps typischerweise keine Formatierungen benutzt haben, sondern Inhalte als Nur-Text gespeichert haben. Doch inzwischen gibt es in vielen Apps, zum Beispiel für Mail oder Notizen Unterstützung für Formatierungen. Das alte Ärgernis ist somit wieder da: Man kopiert einen kurzen oder längeren Text und fügt ihn in ein eigenes Dokument ein und bekommt nicht nur den Inhalt, sondern auch die extravaganten Formatierungen mitgeliefert.

Das ist sieht im harmlosesten Fall nur hässlich aus. Manchmal bringt es auch das ganze Dokument durcheinander. Zum Beispiel dann, wenn der Ursprungstext in eine Tabelle gepackt war, die mitkopiert wird.

Darum auch hier wieder einmal die Frage:  Ich verstehe nicht, warum die Betriebssysteme das standardmässig so handhaben. Man will nicht die fremden Formatierungen nutzen, sondern die eigenen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Und erschwert wird das Problem durch den haarsträubenden Umgang vieler Leute mit ihren Textverarbeitungsprogrammen.

Neulich hatte ich das Problem am iPhone. Da gibt es nun noch nicht einmal einen Texteditor, mit dem man schnell ein Nur-Text-Dokument anlegen könnte, um unerwünschte Formatierungen zu entfernen. Ich habe mir deshalb die App Text Case besorgt, die es für 1 Franken fürs iPhone gibt. Die hat zwar einen anderen Sinn und Zweck. Aber die entfernt die Formatierungen quasi nebenbei.

Man beachte: Sogar die Falle mit dem scharfen S (ß) hat diese App erkannt und umschifft.

Die eigentliche Idee ist, die Gross-Kleinschreibung zu verändern. Wenn man zum Beispiel einen Text in Grossbuchstaben übernehmen möchte, muss man ihn wohl oder übel abtippen, um normale Gross-/Kleinschreibung zu erhalten.

Da das mühsam ist, bieten viele Text- und Layoutprogramme einen Korrekturbefehl an: Bei Word übrigens Umschalttaste + F3: Da rotiert man die unterschiedlichen Schreibweisen durch.

Bei deutschen Texten erspart einem der Befehl die Handarbeit nicht ganz. Das liegt daran, dass wir Nomen mit grossem Anfangsbuchstaben schreiben. Was ein Nomen ist, lässt sich nicht ohne Textverständnis feststellen. Das führt leider dazu, dass ein simpler Algorithmus nicht in der Lage ist, die Schreibweise zu korrigieren. Trotzdem ist der Aufwand deutlich geringer, alle falschen Kleinbuchstaben in Grossbuchstaben zu verwandeln, als umgekehrt.

Text Case kann aber noch viel mehr:

  • Die App verwandelt Texte mit Title Case in Title Case: Aus unerfindlichen Gründen gibt es im Englischen die Regel, dass in Titeln die meisten Wörter mit grossem Anfangsbuchstaben geschrieben werden. Es gibt variierende Ausnahmen: Oft bleiben Präpositionen klein. Man kann in der App aus vier Varianten wählen, wenn einem diese Funktion wichtig ist.
  • URL encoded ermöglicht es, Texte sicher in Internetadressen zu verpacken. Zum Beispiel werden Leerzeichen als %20 codiert, was verhindert, dass die Adressen beim Leerzeichen «auseinanderbrechen».
  • Mit URL decoded werden solche URLs auch wieder decodiert.
  • Uppercase macht aus allem Grossbuchstaben, Lowercase entfernt jegliche Grossbuchstaben und macht alles klein.
  • Capitalise schreibt jedes erste Wort im Satz mit grossem Anfangsbuchstaben. Und Capitalise Words schreibt jedes Wort mit grossem Anfangsbuchstaben.
  • Reversed dreht den ganzen Satz um. Wozu auch immer das gut sein könnte.
  • Camel Case erzeugt Binnenmajuskel, indem Leerzeichen entfernt und alle Anfangsbuchstaben gross gesetzt werden. Hervorragend für Leute, die gerne lange Hashtags à la #DiesIstEinLangerNutzloserHashtagAusEinemGanzenSatz produzieren. Verwand damit ist der Pascal Case: Er macht auch den Anfangsbuchstaben des ersten Worts gross.
  • Es gibt auch die Variante Hashtags, die automatisch für jedes Wort einen Gartenhag setzt.
  • Snake Case fügt anstelle von Leerzeichen einen Unterstrich (Underscore) ein. Beim Kebab Case stehen statt der Unterstriche Bindestriche.
  • Und last but not least: Mocking Spongebob: Bei dieser Variante werden buchStaBen nach dEm zuFallspRInziP gROSs geschriebEN.

Fazit: Das ist eine grossartige App, die man unbedingt braucht. Man kann die App separat starten, auf Use Copied Text tippen, um den Inhalt der Zwischenablage zu übernehmen, und dann die gewünschte Variante nochmals antippen, um sie wieder in die Zwischenablage zu kopieren. Um bloss die Formatierungen zu entfernen, kopiert man den Inhalt des Feldes Input Text.

Schneller geht es über den Teilen-Befehl, wo man den Befehl als Convert Text in der zweiten Reihe einfügen kann: Da braucht man dann nur die Variante anzutippen, den man benutzen möchte. Und noch viel schneller kommt man über einen Siri-Befehl ans Ziel, wo man für die gewünschte Umwandlung einen Sprachbefehl benutzt.

Bild: (8moments/Pixabay, CC0)

Autor: Matthias

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