Mit diesem Trick hier spare ich tagtäglich Zeit

Das Kopieren und Einfügen ist eine der grossartigsten Errungenschaften des digitalen Zeitalters: Eine zivilisatorische Errungenschaft, die dem Umstand Rechnung trägt, dass wir in einer Remix-Kultur leben, auf den Schultern von Riesen stehen, und dass wir im kreativen Prozess nie bei Null anfangen, sondern auf Bestehendem aufbauen. Auch wenn die Urheberrechts-Trolle, die Rechteinhaber-Mafia und die Content-Industrie-Anwälte das nicht wahrhaben wollen: Es ist nichts Verwerfliches, sich Inspiration zu holen. Und tagtäglich bereits existente Informationen als Keimzeillen Keimzellen (oder Keimzeilen) in unsere Dokument einzufügen.

… wo wir sie dann so verändert, dass etwas Eigenständiges daraus wird. Aber das versteht1 sich ja von selbst2.

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Remixen gehört zur Kultur! (Bild: wetribe/Flickr.com, CC BY 2.0)

Kopieren/Einfügen hilft mir, Namen richtig zu schreiben und Tippfehler zu minimieren – was mir in diesem Blog, wie aufmerksame Leser wissen, mehr schlecht als recht gelingt. Aber ohne Kopieren/Einfügen wäre es noch viel schlimmer.

Die zivilisatorische Errungenschaft des Kopieren und Einfügens wird nun durch eine technische Widrigkeit ganz gewaltig geschmälert. Wenn man mit Text arbeitet, fügt man meist nicht nur den Text, sondern auch die Formatierung des ursprünglichen Textes ein. Das ist völliger Unsinn. Mir ist bis heute ein Rätsel, warum die Softwarehersteller nicht die Formatierung des Zieldokuments als massgeblich erachten. Denn selbstverständlich soll das resultierende Dokument kein buntes Potpurri aller verwendeten Quellen ergeben, sondern eine stringente Formatierung und Sturkturierung aufweisen.

Ich habe dieses Phänomen schon mehrfach behandelt, beispielsweise im Beitrag Wehret den Formatierungsäxten! in diesem Blog. Und im Kummerbox-Beitrag «Nackter Text statt Formatsalat» vom 19. Juni 2006, wo ich ein Makro für Word und ein Freeware-Programm zur Behebung des Problems empfohlen habe3. Das Programm Remove Clipboard Formatting, das auch heute noch verfügbar ist, habe ich jahrelang benutzt. Heute verwende ich eine andere Lösung.

Nämlich PhraseExpress. Dieses Freemium-Programm ist eigentlich dazu da, Textkürzel zu expandieren: Man tippt «mfg» und die Software macht «Mit freundlichen Grüssen» daraus. Das ist eine bessere Methode als die Autotexte in Word, wie ich im Beitrag Das Chili con carne der Kummerbox erkläre.

PhraseExpress kann über die so genannten Makros auch mit der Zwischenablage interagieren. Das öffnet produktivitätssteigernden Tricks Tür und Tor. Im Beitrag Tempo Teufel beim Bloggen erkläre ich, wie man beim Bloggen Formatierungen und Links über Tastaturkürzel generiert.

Und eben: PhraseExpress kann auch hervorragend Formatierungen entfernen. Dazu verwendet man das folgende Makro:

{#trim {#insertclipboard}}

Das fügt den Inhalt der Zwischenablage ein. Und wenn man dazu einen «unformatierten Textbaustein» verwendet, dann weren automatisch die Formatierungsinformationen entfernt. Ich habe diesen Textbaustein aufs Tastaturkürzel Ctrl + 1 gelegt und übernehme damit nun Text unformatiert aus der Zwischenablage.

Schöner Nebeneffekt: Der Trim-Befehl im Makro entfernt Leerzeichen und Absatzmarken am Anfang und Ende des eingefügten Textes. Wenn man seinen Text nicht sauber ausgeschnitten hat, wird er automatisch bereinigt – was die Produktivität massiv steigert.

Und als kleines Da-Capo sei verraten, dass ich über das Tastaturkürzel Ctrl + 2 das folgende Makro verwende:

«{#trim {#insertclipboard}}»

Es fügt den Inhalt der Zwischenablage in typografischen Anführungszeichen ein. Zitate lassen sich so mit einem einzigen Tastaturbefehl in den Text übernehmen — einfacher geht es nicht!

Footnotes

  1. Ich habe neulich einen redaktionellen Leitfaden in die Hände bekommen, wo das Zusammenschreiben von Internetquellen als legitime Disziplin des Online-Journalismus dargestellt wird. Um Plagiate zu verhindern, wird dort der Gebrauch von Kopieren-Einfügen verboten – als ob das den Unterschied machen würde. IMHO Unsinn – wichtig ist, seine eigenen Formulierungen einzubringen, indem man den einkopierten Text komplett umschreibt und mit einem generischen Beitrag anreichert, indem man Zweit-, Dritt-, Viert- und (…)-Quellen auswertet. Zum Plagiator wird man nicht, weil man Copy-Paste nutzt, sondern wenn man ein Dummkopf ist. ^top
  2. Ich brauche hier auch nicht zu erwähnen, dass ich der Meinung bin, dass Urheber auf ihre Rechnung kommen müssen. Ich bin selbst Urheber, imfall. ^top
  3. Nackter Text statt Formatsalat
    Wenn ich Text aus einer Webseite in ein Word-Dokument einfüge, übernimmt es die ursprüngliche Formatierung. Das ist oft unerwünscht – ich würde meistens lieber die Formatierungen meines Word-Dokuments verwenden und nur den Text übernehmen.
    Sie haben völlig recht – bei der Übernahme von Text via Zwischenablage ist man meistens nur an den Buchstaben, nicht aber an Farben, Fettdruck oder Unterstreichungen interessiert. Schliesslich will man in seinem Dokument kein wildes Formatierungsdurcheinander, sondern eine einheitliche Gestaltung. Dieses Ziel erreichen Sie auf folgenden Wegen:
    Das Gratisprogramm RemoveClipboardFormatting befreit den in der Zwischenablage befindlichen Text von allen Formatierungen. Nach Betätigung des Befehls Bearbeiten > Kopieren starten Sie das Programm (am schnellsten geht das, wenn Sie eine Verknüpfung zu dem Programm ins Windows-Startmenü legen, diese mit der rechten Maustaste anklicken und via Eigen­schaften eine Tastenkombination definieren). RemoveClipboardFormatting verrichtet seinen Dienst ohne Fenster, sodass Sie sogleich den unformatierten Text im Zielprogramm einfügen können.
    In neuen Versionen von Word gibt es einen Smarttag – ein kleines Zwischen­ablagen-Symbol, das beim eingefügten Text erscheint und auch Formatierungen eliminiert. Dazu klicken Sie den Smarttag an und wählen Nur den Text übernehmen.
    Folgendes Makro fügt Text ohne die Original-Formatierung ein. Um es einzurichten, gehen Sie über den Befehl Extras > Makro > Makros, geben den Namen PlainTextInsert ein und klicken auf Erstellen. Geben Sie dann im Code-Fenster folgendes Miniprogramm ein:

    Sub PlainTextInsert()
    On Error Resume Next
    Selection.PasteAndFormat (wdFormatPlainText)
    End Sub

    Nachdem das Makro programmiert ist, weisen Sie ihm einen Tastaturbefehl nach Wahl zu. Das tun Sie über Extras > Anpassen, indem Sie auf die Schaltfläche Tastatur klicken, bei Kategorien den Eintrag Makros und dann rechts PlainTextInsert auswählen. Nun setzen Sie den Cursor in das Feld bei Neue Tasten­kombination und betätigen die gewünschte Tastenkombination – beispiels­weise Ctrl + e.
    Nun brauchen Sie nur dieses Tastaturkürzel zu drücken, und die kopierte Textstelle findet ruck, zuck den Weg aus der Zwischenablage in Ihr Dokument, ohne Formatierungen durcheinander zu bringen.
    Ergänzungen:
    – Bei Word 2007 und 2010 steuert ein Smarttag, auf welche Weise Text eingefügt wird: Ob mit der ursprünglichen Formatierung, ob mit einer Anpassung an die Formatierungen des Zieldokuments oder ob der Text unformatiert eingefügt wird. Beachten Sie dazu die folgenden Beiträge aus der Hilfe von Word bzw. von «Office online»: Steuern der Formatierung beim Einfügen von Text und Einfügen von unformatiertem Text in Word
    – Bei Word 2010 gibt es komfortable neue Möglichkeiten zum Einfügen von Text. Sie können vorgeben, ob Sie Text formatiert oder ohne Format einfügen möchten und unterschiedliche Vorgaben machen, ob der Text aus einer Drittquelle, aus dem gleichen Worddokument oder aus einem anderen Worddokument kopiert wird. Sie konfigurieren das über das Menüband Datei, indem Sie auf Optionen klicken, die Rubrik Erweitert öffnen und zum Abschnitt Ausschneiden, Kopieren und Einfügen scrollen. Geben Sie bei Einfügen innerhalb desselben Dokuments, Einfügen zwischen zwei Dokumenten, Einfügen zwischen Dokumenten, wenn Formatvorlagendefinitionen nicht übereinstimmen und bei Einfügen aus anderen Programmen die gewünschte Vorgabe. Meines Erachtens ist es sinnvoll, bei Einfügen aus anderen Programmen die Option Nur den Text übernehmen zu wählen. Beachten Sie dazu den Beitrag Einfügeoptionen aus der Hilfe zu Word bzw. von «Office online». ^top

Autor: Matthias

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