Auf dass der Nerdfunke überspringe!

Nach einer etwas längeren Sommerpause sind wir mit dem Digitalmagazin von Radio Stadtfilter fulminant gestartet. Wir haben uns einen neuen Namen verpasst und nun endlich eine eigene Website. Der neue Name: Nerdfunk. Die neue Website (folgerichtig): Nerdfunk.ch.

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Woher die Ideen für den Neustart kamen, führe ich auf der neuen Seite hier aus. Es gibt aber auch einige Hinweise in unserer ersten Nerdfunk-Sendung: Bei uns stehen die Zeichen auf Veränderung und manchmal hat man den Drang, sich neu zu erfinden. Wobei das nun auch wieder etwas hoch gegriffen ist. „Auf dass der Nerdfunke überspringe!“ weiterlesen

Die Plattformisierung der Podcasts

Ein Thema, das mich dieser Tage beschäftigt, ist die Plattformisierung des Web. «Plattformisierung» ist nun wirklich nicht ein griffiges Wort. Aber mir fehlt im Moment noch eine gute Alternative. Falls ihr eine habt: Ab in die Kommentare damit!

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Podcast super, Verbreitungsart blöd.

Der Begriff bezeichnet den Umstand, dass immer mehr Inhalte aus dem freien, für alle Internetnutzer problemlos zugänglichen Web auf Plattformen abwandern, wo die Inhalte nicht mehr so frei zugänglich sind. Beispiele sind soziale Medien wie Facebook, bei denen man einen Account besitzen muss, um die Inhalte ordentlich nutzen zu können. Viele kluge Dinge, die Leute auf Facebook sagen, könnten sie auch in einem eigenen Blog publizieren. Es ist oft einleuchtend, warum sie es nicht tun. Aber es ist halt eben schade, dass diese Inhalte nicht frei im Netz verteilt sind, sondern sich auf den Servern des Herrn Zuckerberg zusammenballen.

Ein anderes Beispiel für diese Plattformisierung ist das, was mit den Podcasts passiert. Spotify behauptet von sich, neuerdings Podcasts anzubieten. Zum Beispiel den Podcast Fest & Flauschig mit Jan Böhmermann und Olli Schulz.
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Geld, das virtuelle Wesen

Der Omega-Tau-Podcast war hier schon öfters Thema: Zweimal nebenbei (hier und hier) und einmal hauptsächlich (nämlich hier).

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Sie sind Teil einer grossen Familie, von denen die meisten Familienmitglieder nur als Datensatz existieren. (Bild: Tekke/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Ich komme nun gerne auf diesen Podcast zurück, um euch die Folge Vollgeld, Inflation und Kryptowährungen speziell ans Herz zu legen. Der Titel ist eher abschreckend – ich hätte den salopper und zugänglicher formuliert. Aber ihr habt ja nun mich, der euch sagt, dass ihr die Folge trotzdem hören sollt.

Thomas Mayer gibt Auskunft zum lieben Geld. Und zwar so, dass auch Leute wie ich das kapieren. (Ich bin als ehemaliger Wirtschaftsgymnasiast zwar nicht völlig unbeleckt, aber auch nicht wirklich auf dem neuesten Stand.)

Als erstes räumt Mayer, der u.a. für Goldman Sachs und die Deutschen Bank gearbeitet hat, mit einer alten Mär auf. „Geld, das virtuelle Wesen“ weiterlesen

Zwei weitere Serialtäter

«Serial» ist der Podcast, der uns allen vor Ohren geführt hat, dass Podcasts sich nicht in mehr oder minder geistvollen Laberrunden erschöpfen müssen. Sondern auch als ernsthafte journalistische Disziplin funktionieren – als Longform, quasi. «Serial» hat wie schon früher berichtet Nachahmungstäter auf den Plan gerufen. Und nebst den direkten Kopisten – wobei ich das Wort jetzt nicht so negativ meine, wie es klingt – gibt es auch diverse Produktionen, die sich in Stil und Form an dem grossen Vorbild orientieren.

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Wie gesellschaftliche Zustände zementiert werden, gerade wenn sie überwunden scheinen. (Bild: «4-2» von Cameron Nordholm/Flickr.com, CC BY 2.0)

Letzte Woche sind mir gleich zwei solcher Podcasts begegnet. Sie unterscheiden sich von «Serial», indem sie nicht im eigentlichen Sinn eine Geschichte über mehrere Episoden erzählen. Sie ähneln «Serial» aber, indem sie Musik pointiert einsetzen: Simple, eingängige Melodien, die als erzählerisches Stilmittel funktioniert, fast so wie die Musik im Film. Und sie sind collageartig konstruiert, indem zwischen die Erzählpassagen Soundbites und längere O-Töne eingeflochten sind, ohne dass deren Herkunft und Relevanz immer gleich aufgelöst wird, wie man das im traditionellen Journalismus tun müsste.

Revisionist History. Der kanadische Journalist Malcolm Gladwell rollt in diesem Podcast kleine und grosse historische Ereignisse auf und interpretiert sie neu; «The Guardian» hat darüber berichtet. „Zwei weitere Serialtäter“ weiterlesen

Schaut euch mal Kevins Videoblog an!

Kevin Rechsteiner, mit dem ich das Vergnügen habe, auf Radio Stadtfilter das Digitalmagazin zu bestreiten, ist ein Hansdampf in allen Gassen: Er ist Webexperte, Konzertfotograf, Mitbetreiber eines Kinos, Paartherapeut, Kaffeefan und kaffeemässiger Dokumentarfilmer. Und neuerdings strebt er offenbar auch eine Karriere als Fahrender an. Jedenfalls beschäftigt er sich unter dem Schlagwort «Minimalismus auf Rädern» mit der Möglichkeit, mobil und ohne grosse Platzansprüche zu wohnen. Und sicherlich hat er noch ein paar Facetten, von denen ich noch nicht einmal etwas ahne.

Wie auch immer: Ich finde Leute spannend, die auf vielen Hochzeiten tanzen. Mir geht es auch so, dass ich mich nicht nur auf ein Ding konzentrieren mag – allein, weil das Leben mehr zu bieten hat als eine einzige Leidenschaft. Was nun Kevin angeht, betreibt der neuerdings Video-Tagebuch, das er «Kevlog» nennt und in dem er sich so viele Dinge ausprobiert, dass ich bei jeder Produktion für die Digitalen Patentrezepte überlege, ob ich die Sache nicht doch spontaner und experimenteller angehen soll. (Was ich nicht tue, weil mein Format ein journalistisches sein soll, das kompakt und auf den Punkt informiert. Gegenargument: Passt dort nicht.)
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Wie ihr eure soziopodische Neigung bedient

Die Inhaltsangabe (Neudeutsch: «tagline») des Soziopod ist nun nicht gerade geeignet, Euphorie auszulösen: «Audiophilotechnosoziokulturellepädagnostische Diskurse» würden sie anbieten, versprechen Doktor Köbel aka Dr. Nils Köbel und Herr Breitenbach aka Patrick Breitenbach.


Einzelne Folgen des Podcasts gibt es auch als Video, z.B. hier.

Das Adjektiv muss man erst einmal geparst kriegen. Falls das geschafft ist, kommen manche Leute vielleicht auf die Idee, das Wort «Pädagnostik» bei Wikipedia erfolglos nachzuschlagen. Ofmg, denkt man sich und fühlt sich zu dumm für diese Veranstaltung. Weil nun aber Holgi neulich den Podcast nachdrücklich empfohlen hat und ich mich bei Holgi nie zu dumm fühle (was nun keine Beleidigung ist, auch wenn es so klingen könnte), habe ich mir die Folge Die offene Gesellschaft und ihre Freunde in Hamburg angehört.
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Ein weiterer ungeklärter Mord

«Serial» hat seinerzeit in der Podcast-Welt Wellen geworfen (siehe hier und hier). Die Podcast-Reihe, die eine Geschichte in mehreren, kontinuierlich recherchierten Folgen erzählt, ist im Moment in der zweiten Staffel. Es geht in dieser zweiten Staffel um das scheinbar unerklärliche Verschwinden des US-Sergeants Bowe Bergdahl, der unter dubiosen Umständen in die Gefangenschaft der Taliban geriet und fünf Jahre in Afghanistan und Pakistan ausharren musste. Die neueste Folge (5 O’Clock Shadow) hat mich an meine Rekrutenzeit erinnert, obwohl ich zugegeben nie in Afghanistan war. Aber dieses Disziplingetue in Situationen, wo es absolut sinnlos ist – da wäre ich auch davongelaufen.

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Warum nur?

Ende letzten Jahres hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) dieses Format aufgegriffen und in seiner neunteiligen Recherche «Wer hat Burak erschossen?» versucht, dem bislang ungeklärten Mord am türkischstämmigen Jugendlichen Burak Bektaş auf den Grund zu kommen. Burak wurde 2012 auf offener Strasse erschossen, wobei auch zwei seiner Freunde verletzt wurden. Ein Motiv für die Tat hat die Polizei bislang nicht entdecken können. Ebensowenig wie einen Tatverdächtigen oder überzeugende Anhaltspunkte. Auch die Süddeutsche hat im letzten Jahr über den Fall berichtet. „Ein weiterer ungeklärter Mord“ weiterlesen

Macht hinne!

Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins erwähnt. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Thema, das mich sehr interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. „Macht hinne!“ weiterlesen

Wissenschaft mit Einschlagskraft

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Damals hinterm… (Bild: Project Apollo Archive/Flickr.com)

Der Omega-Tau-Podcast, bereits hier und hier erwähnt, ist es wert, einmal ein bisschen ausführlicher besprochen zu werden. Nora Ludewig und Markus Völter produzieren ihn (Edit: Siehe Kommentare). Letzterer spricht – in Schwäbisch und in schwäbisch gefärbtem Englisch und es geht um technische und wissenschaftliche Themen. Das Spektrum ist breit gefasst. Es reicht von Internetthemen über die Weltraumfahrt und Aviatik bis hin zu natur- und sozialwissenschaftlichen Fragen. Davon interessiert mich nicht alles gleichermassen, sodass dieser Podcast zu denen gehört, bei denen ich nicht jede Folge herunterlade, sondern anhand der Shownotes auswähle. Ich nehme an, dass die variable Flughöhe dieses Podcasts zum Konzept gehört. Damit meine ich, dass manche Themenbereiche weit gefasst sind und allgemeinverträglich behandelt werden. Andere sind sehr spezifisch und werden ad nauseam vertieft, sodass nur Insider es so genau wissen wollen. Und auch der Umstand, dass englische und deutsche Episoden im gleichen Feed erscheinen, deutet nicht darauf hin, dass Völter auf eine maximale «Durchörbarkeit» abzielt. „Wissenschaft mit Einschlagskraft“ weiterlesen

Hörspiel 2.0

Neulich habe ich mich vergoogelt und bin beim Hörspiel «39» von WDR3 gelandet. Das verspricht zweierlei: Zum ersten will es interaktiv sein. Und zum zweiten ein «3-D Hörspiel für Kopfhörer».

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Flache Bilder zu dreidimensionalem Klang.

Was das erste Schlagwort bedeutet, wird schnell klar: Es gibt «39» auch als App für Android-Geräte und für iPhones und iPads. In der App gibt es verschwommen-psychedelische Bilder, in denen man sich mit Wischen und Zoomen von Szene zu Szene bewegt – und mitunter auch die Reihenfolge der Geschehnisse leicht variieren kann. Echte Interaktivität bietet die App allerdings nicht: Die Ereignisse verändern kann man nicht. Daher neige ich zur Empfehlung, «39» in der nicht-interaktiven Form zu geniessen. Bei der schliesst man die Augen, folgt der Geschichte, ohne auf dem Tablet wischen zu müssen. Und statt den schummrigen Bildern hat man sein Kopfkino.
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