Wer hat den schönsten virtuellen Gipfel?

Die Schweizer Gipfel-Iden­ti­fi­zie­rungs-App Peakfinder hat in letzter Zeit Kon­kur­renz bekommen. Der gewich­tigste Heraus­for­derer is Peakvisor. Kann er bestehen?

Die ultimative «Was ist das für ein Berg?»-App ist natürlich Peakfinder (fürs iPhone und Android). Auf die sind wir hierzulande besonders stolz, weil sie von einem Schweizer Entwickler stammt und von internationalen Medien wie «National Geographic» gelobt wurde. Das haben wir selten.

Peakfinder, daran ist nicht zu rütteln, erfüllt den Zweck nach wie vor. Die Augmented-Reality-Erweiterung hat sie noch einmal aufgewertet. Sie erlaubt es, die Berge nicht nur als Konturlinien zu sehen, sondern als Überlagerung des Live-Kamerabilds. Das lässt dann keinen Zweifel mehr daran, welches Spitzchen welchen Namen trägt. Und wie auch «National Geographic» herausstreicht, funktioniert die App auch in der Wildnis, wo kein Mobilfunksignal hinreicht.

Trotz voller Zufriedenheit mit der App kam ich nicht umhin, ein Konkurrenzprodukt anzusehen: Das heisst Peakvisor und ist fürs iPhone und Android erhältlich.

Nebenbei bemerkt, gibt es eine Ladung weiterer Konkurrenten wie PeakLens (Android), AR AlpineGuide (iPhone/Android), Peakview (iPhone/Android), die aber keinen ausgereiften Eindruck machen.

Nicht nur Berge identifizieren, sondern auch navigieren und Touren planen

Also Peakvisor: Diese App funktioniert ähnlich wie die Augmented-Reality-Ansicht von Peakfinder, hält darüber hinaus aber noch einige Zusatzfunktionen bereit. Die spannendste präsentiert sich, wenn man das Smartphone waagrecht hält. Dann erscheint in der Mitte des Live-Bilds der Kamera eine Kompassscheibe mit einem Kartenausschnitt, das die Gipfel in der Umgebung zeigt. Tippt man die Scheibe doppelt an, erscheint eine Karte mit Höhenlinien. Als Hintergrund kann man entweder Satellitenbilder oder eine Geländedarstellung wählen.

Peakvisor hat die detaillierteren Karten – benötigt aber auch viel grössere Datendownloads.
Peakfinder mit einer einfachen, zeitlos schönen Darstellung.

In dieser Ansicht kann man auch Gipfel, Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten antippen. Daraufhin erscheint ein Label mit Name, weiteren Informationen und der Möglichkeit, sich eine Route mit Höhenprofil dorthin zeigen zu lassen. Ausserdem gibt es die Möglichkeit des «Teleportierens»: Wenn man diese Funktion benutzt, sieht man das Panorama vom gewählten Standort aus; dann logischerweise ohne AR, sondern mit einem neutralen Hintergrund.

An dieser Stelle lässt sich erkennen, dass Peakvisor nicht nur die Berge vor Ort anzeigen will, sondern auch ein Hilfsmittel für die Planung von Wanderungen und Ausflüge ist: Man erkundet mit ihr Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und entscheidet mittels eines Blicks aufs virtuelle Panorama, ob die Aussicht es wert ist, den Ausflug in Angriff zu nehmen. Und ja, das ist auch mit Peakfinder möglich: Auch diese App zeigt das Panorama von frei wählbaren Positionen aus an. Aber Peakvisor hat für die Planung mehr zu bieten.

Export im vielseitigen GPX-Format

Ausserdem kann Peakvisor Wanderungen und Touren nachverfolgen. Nach Abschluss visualisiert man sie als 3D-Karte und exportiert sie als GPX-Datei. Das ist ein Standardformat, mit dem sich einiges anstellen lässt.

Peakvisor lässt sich kostenlos nutzen. Es gibt eine Pro-Version, die dreissig Franken im Jahr oder neunzig Franken als Einmal-Kauf kostet. Dafür erhält man zusätzlich Offline-Wanderwege und topografische 3D-Karten.

Peakvisor und Peakfinder tun im Kern das gleiche, doch beim Funktionsumfang unterscheiden sie sich deutlich. Ich finde jedoch nicht automatisch die App besser, die mehr zu bieten hat. Entscheidend sind die Ansprüche, die die Benutzerin und der Benutzer stellt. Will man sich schlau übers Panorama machen – oder sucht man ein ausgeklügeltes Instrument für die Planung von Wanderungen und Skitouren und für Navigation in hügeligem Gelände?

Einfachheit hat ihren besonderen Reiz

Was mich angeht, mag ich den schlanken, simplen Peakfinder – dem ich auch weiterhin den Vorzug gebe. Er entspricht meinem Ideal einer Smartphone-App: Die hat einen Zweck, der sich mit einem Wort erklären lässt – man nennt das technisch-denglisch auch gerne Single Purpose App. Wie hier auch schon festgestellt, geraten die in den Hintergrund. Stattdessen gibt es immer komplexere Apps, die ein teures Abo mit einem grossen Funktionsumfang rechtfertigen wollen.

Peakfinder ist im Vergleich pflegeleichter, und die App lässt sich hervorragend durch die Swisstopo-App ergänzen (Das Schweizer Sackmesser unter den Karten-Apps).

Sowohl Peakfinder als auch Peakvisor funktionieren offline und müssen daher die notwendigen Daten herunterladen und gelegentlich aktualisieren. Die Datenmengen, die Peakvisor für diesen Zweck benötigt, sind deutlich grösser; sodass man vor dem Ausflug daran denken sollte, die Karten fürs Zielgebiet zu laden.

Beitragsbild: So sieht der Alpstein von unten aus (Sergio García, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen