Das neue iPhone-Betriebssystem erfreut und verwirrt

iOS 16 im ersten Augen­schein: Apple macht den Sperr­bild­schirm besser, aber auch kompli­zier­ter – insbeson­dere dann, wenn man für den Home­screen ein anderes Hinter­grund­bild fest­legen will.

Gestern ist iOS 16 aufgetaucht, die neueste Version des iPhone-Betriebssystems. Das Highlight ist der neue Sperrbildschirm – der insbesondere dann schick aussieht, wenn man ein Bild hat, dessen Vordergrundmotiv vor der Uhr zu stehen scheint. (Dieser Trick funktioniert mit Bildern mit einem ruhigen Hintergrund oder mit Porträt-Bildern mit Tiefeninformationen.)

Doch das schicke Aussehen ist das eine. Bei den Funktionen habe ich ziemlich mit dieser Neuerung gehadert, weil sie nicht nur Fortschritt, sondern auch einen vermeintlichen Rückschritt zu bringen scheint.

Aber dazu komme ich gleich. Erst einmal der Hinweis, was er sonst noch kann. Er kann jetzt nämlich mit kleinen Informationshäppchen bestückt werden, sodass man den nächsten Termin oder die Wetterprognose sieht, ohne das Telefon entsperren zu müssen. Das ist nützlich, wenn man keine Smartwatch besitzt, auf der man derlei Informationen ablesen könnte.

Natürlich ist diese Neuerung hauptsächlich für Käufer des neuen iPhone 14 Pro und Pro Max gedacht: Die beiden Modelle haben ein Always-On-Display, das bei Nichtgebrauch des Telefons dunkler wird, aber nicht komplett ausgeht. Für Besitzerinnen aller anderen iPhone-Modelle (mich eingeschlossen), ist das bloss eine kleine Verbesserung – aber immerhin: Wenn man doppelt aufs Display tippt, um es aufzuwecken, sieht man die Informationen, ohne dass man das Telefon in die Hand nehmen und aufwecken muss.

Tut uns Apple das wirklich an?

Ein neues Hintergrundbild muss erst einmal für den Sperr- und Home-Bildschirm eingerichtet werden.

Allerdings scheint mir dem neuen Sperrbildschirm eine alte, überaus beliebte Möglichkeit verloren gegangen zu sein: Bis und mit iOS 15 war es möglich, für den Sperrbildschirm und den Homescreen separate Hintergrundbilder zu verwenden. Das scheint nicht mehr zu gehen: Wenn man das Bild wechselt, wird es für beide Ansichten benutzt.

Ich habe jedoch einen Trick entdeckt, mit dem es noch funktioniert – zum Glück, weil ich auf dem Sperrbildschirm gern ein Familienfoto habe, als Hintergrund für die Homescreens aber ein neutrales Wallpaper bevorzuge.

Bei iOS 16 lassen sich mehrere Sperrbildschirme auch mit unterschiedlichen Informationsangaben einrichten und per Wischgeste wechseln.

Und es ist ganz einfach – es gibt nämlich die Möglichkeit, mehrere Sperrbildschirme mit unterschiedlichen Einstellungen zu verwenden. Dazu tippt man den Sperrbildschirm an und hält den Finger gedrückt, bis das sich Bild verkleinert. In dieser Darstellung kann man durch horizontales Wischen zwischen den Sperrbildschirmen wechseln – übrigens: Man wechselt so auch den Fokus; siehe unten.

Links am Anfang findet sich der zuvor benutzte Sperrbildschirm mit dem altbekannten Foto.

Darunter gibt es den Knopf Anpassen, über den man einen weiteren Sperrbildschirm hinzufügen kann, wenn man denn möchte. Und ein Extra-Tipp: Um in dieser Ansicht einen unerwünschten Sperrbildschirm zu löschen, wischt man ihn nach oben, bis das Papierkorb-Symbol erscheint, das ihn dann vollends beseitigt.

Den Sperrbildschirm austauschen

Um diese Sperrbildschirme und Hintergrundbilder systematisch zu verwalten, begibt man sich in den Einstellungen zur Rubrik Hintergrundbild. Dort gibt es eine Vorschau mit Sperrbildschirm und Homescreen, wobei bei beiden einen Knopf Anpassen gibt. Tippt man beim Sperrbildschirm auf Anpassen, erscheint das Menü Neues hinzufügen.

Nun erhält man eine umfangreiche Auswahl an Möglichkeiten, die nebst den Standard-Wallpapers von Apple auch eine Ansicht mit Live-Wetter und astronomischen Daten in Echtzeit, Farben und Farbverläufe und die Option Zufällige Fotos umfasst. Das sind alles schöne Optionen, doch um ein eigenes Bild zu verwenden, betätigen wir den Knopf Fotos.

Abschliessend das Bild für den Homescreen austauschen

Das neue Bild gilt nun für den Sperrbildschirm und den Homescreen.

Wenn das Bild zurechtgerückt und angepasst ist, lässt es sich über den Knopf Fertig in der rechten oberen Ecke speichern. Nun erscheint es in der Voransicht für Sperr- und Home-Bildschirm.

Doch durch ein Tippen auf den Knopf Anpassen unterhalb des Home-Bildschirms haben wir die Möglichkeit, dort zum angestammten, neutralen Bild zurückzukehren. Tipp: Das findet man am einfachsten, wenn in der Bildbeschreibung z.B. das Wort «Wallpaper» steht. Wie man das dort einfügt, beschreibe ich hier.

Kurz zusammengefasst: Man wählt ein Bild für den Sperrbildschirm, das in einem ersten Schritt auch beim Homebildschirm zur Anwendung kommt. Doch wenn man dann das Foto für den Homescreen austauscht, erzielt man das gewünschte Resultat.

Intuitiv ist das nicht

Doch nun lässt sich das Hintergrundbild für den Homescreen austauschen – worauf alles wieder so ist, wie es sein sollte.

Und ja, das ist umständlich und nicht intuitiv. Es passt nicht zur Benutzerfreundlichkeit, die man Apple gemeinhin nachsagt.

Meines Erachtens wäre es einfacher, Homescreen und Sperrbildschirm ganz zu trennen. Denn wenn man an beiden Orten das gleiche Bild verwenden will, wäre es allemal einleuchtender, es zweimal auszuwählen, als es für getrennte Motive auseinanderklamüsern zu müssen.

Soweit der neue Sperrbildschirm. Hier noch einige weitere Beobachtungen, von denen ich ein paar in künftigen Beiträgen gesondert ansehen will:

Fokus

Bei den Fokus-Einstellungen (So stellen Sie Mitteilungen auf Ihrem Gerät optimal ein) ist es nun möglich, separate Sperrbildschirme und Homescreens einzurichten. Das ist sinnvoll: Wir können fürs Arbeiten unsere wichtigsten Apps zuvorderst auf dem Homescreen platzieren und via Widgets genau die Informationen anzeigen lassen, die wir benötigen. Im privaten Kontext sind andere Widgets und Informationen interessant.

Allerdings: Das entsprechend anzupassen, macht einen beträchtlichen Aufwand. Ich frage mich, wie viele Leute den auf sich nehmen. Apple hilft jedoch nach Kräften, indem es vorfabrizierte Homescreens gibt. Ich finde den für den Fokus «Arbeiten» gelungen und konnte ihn mit kleinen Modifikationen praxistauglich machen. Ich habe vor, einen Fokus «Reisen» einzurichten: Denn SBB-, Karten- und Podcast-Apps, sowie das Wallet gleich griffbereit zu haben, ist eine beträchtliche Erleichterung.

Dafür muss ich jedoch erst herausfinden, ob es möglich ist, manuell einen eigenen Homescreen einzurichten. Denn anders als im Fokus «Arbeiten» wird mir bei einem selbst eingerichteten Fokus kein passender Homescreen vorgeschlagen. Falls jemand einen Tipp hat, wie sich das bewerkstelligen lässt, freue ich mich über einen Kommentar.

Doppelte Bilder

In der Fotomediathek gibt es neu die Möglichkeit, doppelte Bilder und Videos auzusortieren. Die Duplikate finden sich bei Alben am Ende der Liste bei Sonstige. Falls es keinen Eintrag gibt, hat iOS keine doppelten Bilder gefunden oder noch nicht gesucht – die Suche scheint stattzufinden, wenn das Telefon nicht anderweitig benutzt wird und am Stromkabel hängt.

Blockierungsmodus (Lockdown-Mode)

Der Lockdown- bzw. Blockierungsmodus, den ich im Beitrag Der Modus für Extra-Sicherheit beim iPhone und iPad bereits separat besprochen habe.

Bilder freistellen

Die Möglichkeit, das Hauptmotiv eines Fotos durch Antippen loszulösen (freizustellen) und in einer anderen App zu platzieren. Diese Funktion habe ich im Beitrag Ein erster Blick auf iPadOS 16 vorgestellt.

Nachtrag: da Capo!

Zehn weitere Tipps und Tricks finden sich im Beitrag Die kleinen, umso nützlicheren Neuerungen in iOS 16.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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