Fotos, Videos und Bildcollagen – alles aus einer App

Inshot ist ein Editor, der alle multimedialen Bedürfnisse mit einer Klappe erschlagen will. Kann das gutgehen? Nach einem ausführlichen Test ist mein Verdikt ein unter Vorbehalten geäussertes Ja.

Eine der unbestreitbaren Verdienste des Smartphones besteht darin, dass es den Software-Suiten¹ den Garaus gemacht hat. Statt riesiger Programmsammlungen, die für alle möglichen und unmöglichen Tätigkeitsfelder gerüstet sind, gibt es Apps, die sich nur einer bestimmten, überschaubaren Aufgabe widmen und dafür schlank und einfach sind.

Sollte man meinen. Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Ein solches ist die InShot-App. Sie ist Video-Editor, Bildbearbeitungsprogramm und Collage-Gestalter in einem. InShot ist fürs iPhone und iPad und für Android erhältlich.

An dieser Stelle kann bereits einen Teil meines Fazits vorwegnehmen: Ich halte diese Entwicklung für falsch. Sie geht meines Erachtens mit einem anderen Trend einher, nämlich der ärgerlichen und immer häufiger anzutreffenden Software-Abos.

Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Der Hersteller versucht, Nutzerinnen und Nutzer zu der wiederkehrenden Zahlung zu bewegen, indem er ihm möglichst viel bietet. Das implizite Versprechen lautet, dass die App alle Funktionen hat, die man jemals brauchen könnte. Und damit landen wir wiederum beim Microsoft-Trick aus den 1990er-Jahren, den Leuten ein Softwarepaket zu verkaufen, von dem sie nur einen Bruchteil der Funktionen benötigen, bei dem sie aber für den ganzen Umfang bezahlen.

Was nun InShot angeht, ist der Abopreis vergleichsweise moderat: Man zahlt vier Franken pro Monat oder 12.90 Franken im Jahr. Trotzdem: Wenn ich nur den Videoeditor würde nutzen wollen, dann wäre es mir lieber, wenn ich den für sechs Franken pro Jahr separat buchen könnte.

Immerhin: Man kann die App auch für einmalige 34 Franken kaufen, was ich als fair erachte.

Also, nun zu den einzelnen Modulen:

Der Foto-Editor

Der Foto-Editor hat eine Besonderheit, die mir gut gefällt: Über die Taste Multi Edit lädt man mehrere Fotos aufs Mal. Über die Leiste am unteren Rand wählt man das Bild aus, das man in der grossen Vorschau sehen und bearbeiten möchte.

Nun gibt es bei allen Bearbeitungsschritten jeweils zwei Tasten, um die entsprechende Änderung vorzunehmen: Das einfache Häkchen rechts wendet sie nur auf das ausgewählte Bild an, das Doppel-Häkchen links auf alle geladenen Fotos.

Über den Multi-Editor lassen sich mehrere Bilder aufs Mal bearbeiten und mit den gleichen Effekten und Modifikationen versehen.

Das Multi-Edit harmoniert mit dem Ersetzen-Befehl. Wenn man ein Bild bearbeitet hat, kann man es via Ersetzen durch ein anderes austauschen, auf das vorgenommenen Bearbeitungen angewendet wird. Das entspricht nicht der Art und Weise, wie ich das machen würde – ich hätte lieber die Möglichkeit, diese Arbeitsschritte als Stil aufzuzeichnen, wie das namentlich bei Polarr möglich ist (Photoshop kann einpacken).

Trotzdem ist das ein interessantes Konzept. Allerdings ist irritierend, dass der Auf alle Anwenden-Knopf anstelle des Abbrechen-Befehls steht und es daher nicht möglich ist, ein Modul ohne Anwenden zu verlassen – stattdessen muss man unerwünschte Bearbeitungen rückgängig machen.

Eine weitere Spezialität besteht darin, dass der Editor die Fotos standardmässig auf ein quadratisches Format bringt, ohne sie zu beschneiden. Falls das Originalbild nicht quadratisch ist, wird es eingepasst, mit einer weichgezeichneten Variante des Motivs im Hintergrund.

Die Absicht ist klar: Das Foto soll Instagram-kompatibel aus der App herausfallen. Im Abschnitt Leinwand lässt sich der Beschnitt und der Hintergrund jedoch anpassen. Zum Glück; denn mir gefällt diese Form des kaschierten Letterboxings überhaupt nicht. Entweder, man komponiert die Bilder gleich von Anfang an quadratisch oder man lebt mit den schwarzen Rändern.

Was den Funktionsumfang angeht, findet man die Befehle am unteren Rand. Nebst dem Punkt Leinwand gibt es Filter, Anpassen, Effekt, Aufkleber, Text, Ausschneiden (Freistellen), Retuschieren, Ersetzen, Schnitt und Drehen.

Die Effekte stechen nicht aus dem Angebot heraus, das man in anderen Apps vorfindet und die Filter fallen sogar hinter die der Fotos-App von Apple zurück. Auch die Ausschneiden-Funktion, die das Hauptmotiv des Bildes automatisch freistellen sollte, überzeugt mich nicht. Pixelmator (siehe hier) bleibt in dieser Disziplin mein Favorit.

Der Video-Editor

Die Auswahl von Video-, Audiospuren und Übergängen in der Zeitleiste ist mitunter knifflig.

Auch der Video-Editor importiert Clips standardmässig mit quadratischem, Instagram-kompatiblen Seitenverhältnis – grässlich. Wie bei der Bildbearbeitung lässt sich dieser Sakrileg über die Rubrik Leinwand korrigieren.

Der Video-Editor zeigt am unteren Rand eine Zeitleiste mit den ausgewählten Clips. Diese erscheinen entweder entsprechend ihrer Länge zoombar oder aber nach längerem Antippen als Kästchen, die man in der Reihenfolge umsortieren kann.

Einige der Befehle (Aufkleber, Text, Ersetzen) kennt man bereits aus dem Foto-Editor, aber natürlich gibt es eine Reihe von Video-spezifischen Befehlen:

Musik
In der «Musik»-Rubrik ist eine Bibliothek mit Audiotracks und -Effekten vorhanden.

Hier legt man eine Tonspur unter das Video. Es gibt hier auch Toneffekte und die Möglichkeit, ein Voiceover aufzunehmen. Man darf eigene Audio-Dateien via Mediathek einlesen, und es ist eine Bibliothek mit einer Sammlung an Musik- und Soundeffekten hinterlegt. Das macht das Vertonen leichter, wenngleich man sich in solchen Fällen immer die Frage stellen sollte, ob diese Tracks auch sauber lizenziert sind oder ob man Ärger bekommt, wenn man sein Video veröffentlicht (So läuft man auf Youtube ins Messer).

Hat man eine Audiospur markiert, kann man sie kürzen, teilen, mit Effekten versehen, auf den Takt synchronisieren und mit sogenannten Stimmeffekten ausstatten. Das sind klangliche Veränderungen, die eher schräg als nützlich wirken.

Aber es gibt auch sinnvolle Bearbeitungsmöglichkeiten: Über Lautstärke passt man den Pegel des ausgewählten Audiotracks an und blendet ihn am Anfang und/oder Ende aus.

Schliesslich gibt es auch die Möglichkeit, Audiotracks mit Übergängen zu versehen, d.h. mittels Effekt von einem auf den nächsten Track zu wechseln.

Filter

Natürlich erwartet man an dieser Stelle die gleichen Funktionen, die im Foto-Editor vorzufinden sind. Aber gefehlt: Es gibt hier zwar ebenfalls eine Auswahl an Filtern, d.h. an vorgefertigten Farblooks fürs Video. Aber man findet zwei weitere Rubriken – was ich als negativ werte. Denn selbstverständlich sollte die Bedienung über alle Module hinweg konsistent sein.

Die beiden weiteren Module sind erstens Anpassen für die Bearbeitung von Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung, etc. und zweitens Effekte. Mit ihnen kann man das Video in animierter Form verfremden. Es gibt mehrere Dutzend Effekte in elf Kategorien, aber viele davon sind so spezifisch, dass ich nur wenig praktischen Nutzen sehe.

Bib

Die «Bild im-Bilde»-Funktion erlaubt es, ein zweites Video übers erste zu legen. Das eingefügte Video lässt sich in der Grösse und Position verändern und separat beschneiden und bearbeiten.

Vorgeschnitten

Warum dieses Modul auch immer heisst, wie es heisst – hier werden Clips am hinteren oder vorderen Ende gekürzt oder auch aufgeteilt.

Hat man einen Clip geteilt, hat man weitere Befehle in der Menüleiste zur Verfügung: Duplizieren, Spiegeln, Drehen, Einfrieren (die markierte Stelle als Standbild einfügen) und Umkehren (d.h. rückwärts ablaufen lassen)

Lautstärke

Hier passt man den Pegel der Originaltonspur der einzelnen Clips an. Sie ein- oder auszublenden, ist nicht möglich. Aber man kann die Tonspur extrahieren und dann als separate Ressource bearbeiten. Die Möglichkeiten dazu sind im Abschnitt Musik beschrieben

Geschwindigkeit

Clips lassen sich schneller oder langsamer abspielen. Mit der Option Kurve ist es sogar möglich, Temporampen zu bauen.

Zwischen den Clips kann man Übergänge platzieren, wobei die Auswahl beachtlich ist – so gross, dass man sich nach Lust und Laune austoben und sein Video völlig mit Transitions überfrachten kann.

Der Collage-Editor

Der Collage-Editor arrangiert maximal neun Fotos zu einem Gesamtbild.

Mit ihm wählt man mindestens ein und maximal neun Bilder aus und arrangiert die in unterschiedlichen Layouts. Um platzierte Bilder auszutauschen, tippt man eines lange an und zieht es dann an die gewünschte Stelle.

Um den Bildausschnitt zu verändern, bewegt man das Bild, ohne vorher lange zu drücken. Auch die einzelnen Bilder lassen sich in markiertem Zustand bearbeiten, und es gibt Effekte und Optionen für die Gesamt-Kollage, beispielsweise für Trennlinien zwischen den Bildern.

Das funktioniert einfach und erfüllt den Zweck.

Fazit: Ein dickes Ja, aber

Wie lässt sich das abschliessend alles unter einen Hut bringen? Wie angedeutet, wäre es sinnvoller, jedes Modul als separate App anzubieten: Der Collage-Editor wäre vorbehaltlos zu empfehlen. Der Foto-Editor fällt sosehr ab, dass ich ihn nicht verwenden würde, weil es schlicht bessere Alternativen gibt.

Der Video-Editor ist vielseitiger, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ich kann ihm einiges abgewinnen, auch wenn ich die Bedienung als Schwachpunkt ansehe: Die Zeitleiste macht einen gar gedrängten Eindruck und es ist schwierig, den Überblick über die Videospuren, Audiotracks und Übergänge zu bewahren. Mein Favorit bei den mobilen Video-Apps ist und bleibt derzeit Videoleap (Die beste Videoschnitt-App fürs iOS und Android).

Der Preis (12.90 Fr. pro Jahr oder 34 Franken) ist okay. Man kann die App auch kostenlos bzw. fast kostenlos verwenden. Standardmässig werden Videos mit einem Inshot-Wasserzeichen exportiert. Das lässt sich aber für einen einmaligen In-App-Kauf von vier Franken entfernen – und das ist allemal ein faires Angebot.

Fussnoten

1) Unter einer Software-Suite versteht man ein Produkt, das eine riesige Zahl an Funktionen abdeckt. Microsoft Office und die Creative Cloud von Adobe sind bekannte Beispiele. Ersteres hat sich auf die Fahne geschrieben, sämtliche Bedürfnisse zu erfüllen, die sich einem Büroarbeiter in digitaler Hinsicht stellen könnte. Zweitere kümmert sich um sämtliche gestalterischen Belange von Foto über Illustration bis hin zu Video und Animation.

Beitragsbild: Pixelflut, bewegt und unbewegt (Brett Sayles, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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