Eine letzte Party für die Touchbar

Lange dürfte es die Touchbar nicht mehr geben. Schade – denn das BetterTouchTool und Pock führen vor Augen, dass es Apple nicht einmal ansatzweise geschafft hat, ihr Potenzial auszureizen.

Ich habe mich hier im Blog immer mal wieder um eine Errungenschaft aus dem Jahr 2016 gekümmert. Apple hat damals eine neue Steuerungsmöglichkeit für die Macbooks eingeführt, das ich im Blog nach der ersten Begegnung wohlwollend besprochen habe. Es kam sogar zu einer Sympathiebekundung: Ja ehrlich, ich mag die Touchbar, lautete sie.

Nun scheint der Moment des Abschieds nicht mehr fern. Es wird erwartet, dass die Touchbar bei den nächsten Mac-Modellen verschwindet. Medien wie «Mac Rumors» spekulierten schon im Januar darüber und brachte eine entsprechende Mitteilung, die Apple an Investoren gemacht hat, als Beleg vor.

Inzwischen versteckt Apple die Touchbar sogar

Ich halte das für wahrscheinlich, zumal es noch andere Hinweise gibt. Erstens fotografiert Apple die Macbooks im Store im Moment von schräg unten, sodass weder Tastatur noch Touchbar zu sehen sind. Wir erinnern uns: Bei der Einführung der Touchbar gab es eine Vogelperspektive, in der diese, Zitat Apple, «revolutionäre und bahnbrechende» Neuerung so richtig zur Geltung kam.

Und auch in der hier getesteten, kommenden Version des Betriebssystems gibt es keine einzige nennenswerte Neuerung für die Touchbar. Damit setzt Monterey die unrühmliche Tradition fort – keines der Betriebssystem-Update seit Sierra hatte nennenswerte Neuerungen für die Touchbar parat.

Beitragsbild: Sie feiern, als ob es kein Morgen gäbe – was für die Touchbar mutmasslich auch der Fall ist.

Ich brauche an dieser Stelle nicht die Kritik zu wiederholen, die ich schon vor zwei Jahren vom Stapel gelassen habe. Es bleibt dabei, dass das eine peinliche Fehlleistung war.

Und ja, ich halte Apple zugute, dass es auch dem innovativsten Unternehmen passieren kann, sich auf einen Holzweg zu begeben. Aber wieso nicht einfach dazu stehen? Man hätte vorher auch noch einen Anlauf nehmen können.

Die Touchbar als Ersatz für das Dock

Die Touchbar als Ersatz für das Dock wäre nach wie vor einen Versuch wert. Ich habe seinerzeit das Programm Touchswitcher getestet (Turbomässiger Programmwechsel), das genau das möglich macht und mir vielversprechend erscheint. Es hätte sich auf alle Fälle gelohnt, genau diese Funktion ins Betriebssystem einzubauen und den Anwendungen einen festen Platz in der Touchbar zu reservieren.

Aber die Chance wurde verpasst. Als Macbook-Nutzer kann man sich überlegen, ob man sich die Nutzung der Touchbar  langsam abgewöhnen will – oder ob man sie noch einmal  feiern will. Ich habe mich für letzteres entschieden und gesehen, dass es inzwischen einige weitere Programme gibt, die versuchen, das Maximum aus der Fingersteuerung des Mac OS herauszuholen.

Das BetterTouchTool

Dieses Programm (erhältlich ab 8.50 US-Dollar) stammt aus der Vor-Touchbar-Ära. Es konzentriert sich auf das Touchpad;  und ich habe es im Beitrag Wischend zum Ziel seinerzeit noch für meinen alten Mac vorgestellt. Es hält aber auch umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten für die Touchbar zur Verfügung.

Man kann jedes Programm auf die Touchbar legen, nicht bloss solche, deren Hersteller entsprechende Unterstützung bereitstellen – was Apple selbst meines Erachtens schon längst hätte tun sollen.  Es ist auf diese Weise möglich, häufig gebrauchte Befehle im Direktzugriff zu haben.

Pock

Pock ist ein kostenloser, Open-Source-Widget-Manager für die Touchbar. Das bedeutet, dass man vielfältige Informationen in seine Touchbar verfrachten kann. Das Angebot der Standard-Widget umfasst folgende Dinge:

  • Dock macht das Dock auf dem Bildschirm überflüssig und zeigt die laufenden Anwendungen und häufig gebrauchte Apps an.
  • Control Center stellt Steuerelemente für Lautstärke, Computersperren, Bildschirmschoner und Helligkeit zur Verfügung.
  • Esc liefert eine Escape-Taste.
  • Now Playing enthält Elemente zur Steuerung der Musik- bzw. Medienwiedergabe.
  • Status stellt Informationen zum laufenden Betrieb bereit: WLAN, Batterie, Datum und Uhrzeit und Tastaturgebietsschema.
  • Wetter zeigt, wie könnte es anders sein, meteorologische Informationen an.

Pock klinkt sich in die Menüleiste an und wird über das Pock-Icon und den Befehl Customize Tool Bar eingerichtet. Man zieht die Widgets per Maus auf die Touchbar und ordnet sie dann per Finger an.

So zieht man die Widgets auf die Touchbar.

Im Widgets Manager konfiguriert man die einzelnen Widgets und stellt beispielsweise beim Widget Dock ein, ob das normale Dock deaktiviert werden soll oder nicht.

Der Manager für die Widgets, inklusive Konfigurationsmöglichkeit.

Man hat auch die Möglichkeit, weitere Widgets herunterzuladen und zu installieren.

Ich habe bislang keinen Katalog gefunden, aus dem man sich bedienen könnte. Das wundert mich nicht, denn welcher Entwickler würde sonderlich viel Energie investieren wollen, wenn die Tage der Touchbar mutmasslich gezählt sind. Auch hat Pock noch seine Macken: Das Dock ist bei mir kurz nach der Installation abgestürzt und hat sich nicht mehr erholt. Was Pock für mich leider unbrauchbar macht.

Die Anwender wissen am besten, wozu die Touchbar gut wäre

Doch abgesehen von den ärgerlichen «Bugs» hat Pock ohne Zweifel genau den richtigen Ansatz: Erstens stellt das Programm eine Plattform bereit, mit der Anwender die Touchbar für exakt die Zwecke verwenden können, für die sie den grössten Sinn ergibt.

Und mir gefällt auch die Idee, mittels Touchbar alle Steuerungselemente wie das Dock und die Menüleiste vom Bildschirm zu verbannen, um am Bildschirm nur die eigentliche Anwendung zu haben. Ich bin ein Fan von spartanischen Benutzeroberflächen – es gefällt mir, wenn ich während meiner Arbeit vom Betriebssystem so wenig sehe wie menschenmöglich. Und genau dafür wäre die Touchbar das richtige Instrument gewesen. Aber Apple hat das leider nicht erkannt.

Beitragsbild: Sie feiern, als ob es kein Morgen gäbe – was für die Touchbar mutmasslich auch der Fall ist (Jade Masri, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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