Touchbar-Schabernack

Ich habe mich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit darüber beklagt, dass Apple scheinbar jedes Interesse an einer technischen Errungenschaft verloren hat, von der es noch 2016 geheissen hat, sie werde uns Laptopbenutzer in neue Sphären katapultieren. Eine Revolution bei der Steuerung tragbarer Computer sollte sie bringen. Ein völlig neues Bedienerlebnis bei der kreativen Mediengestaltung, sei es in Photoshop, sei es in Final Cut.

Und dann? Dann ist nichts passiert. Die Betriebssystem-Updates kamen und gingen – aber sie brachten keine Neuerungen für diese so hochgelobte Errungenschaft. Man fand, wenn man suchte, kleine Hilfsprogramme, die sie etwas verbesserten. Doch der Erfinder selbst, Apple, schien der Ansicht zu sein, dass ihm diese Schöpfung schon vom Fleck weg in vollendeter Perfektion gelungen war, sodass jegliche Weiterentwicklung überflüssig oder sogar unmöglich sein würde. Hat es das in der Menschheitsgeschichte schon einmal gegeben – ein von Anfang an komplett ausgereifter Wurf?

Wohl nicht. Darum könnte auch das Gegenteil zutreffen.  Apple hat erkannt, einen Rohrkrepierer fabriziert zu haben. Deswegen soll nun der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet werden. Da die Aufmerksamkeitsspanne der Leute nicht so gross ist, werden sie diese Sache schon bald vergessen haben. Vielleicht taucht sie noch ab und zu in Artikeln mit Titeln wie «Die 250 grössten Flops in der Apple-Historie» vor. Aber das wäre ja zu verschmerzen.

Die Rede ist, natürlich, von der Touchbar. Ich habe mir seinerzeit ein Macbook Pro mit Touchbar gekauft. Einerseits, weil ich dringend ein Macbook gebraucht hatte. Andererseits, weil ich wirklich neugierig auf dieses kleine Bildschirmchen mit Fingersteuerung war, das die Funktions-Tasten ersetzt.

Heute würde ich wohl auf die Touchbar verzichten – und mir auch einen Wechsel nach Windows überlegen. Einfach, weil man so viel mehr für sein Geld bekommt. Aber vor allem, weil viele Apps von Drittherstellern sie noch immer nicht unterstützen, allen voran Firefox (der Beitrag ist etwas lange liegen geblieben. Mit Firefox Version 66 gibt es nun Unterstützung für die Touchbar). Wenn die Mozilla-Stiftung das von sich aus nicht tun will, müsste Apple etwas Geld in die Finger nehmen und nachhelfen. Die Marge bei der Apple-Hardware ist hoch genug, dass sich Tim Cook das leisten könnte.

Jedenfalls ist mir neulich aufgefallen, dass Mojave (Mac OS 10.14) auch Erweiterungen für die Touchbar verwaltet. Daraus habe ich messerscharf geschlossen, dass solche Erweiterungen existieren müssen – es sei denn, Apple hat diese Funktion eingebaut, um die Hoffnung am Leben zu erhalten.

Bei meiner Suche nach Touchbar-Erweiterungen bin ich als erstes auf den Beitrag Awesome Touch Bar apps you won’t find in the Mac App Store gestossen. Er zählt Erweiterungen auf, die Apple nicht zugelassen hat: Unter anderem Knight TouchBar 2000, das das horizontal oszillierende rote Licht von David Hasselhoffs famosem Auto simuliert. Oder Touchbar Santa, Touch Bar Dino oder Touch Bar Space Flight. Die sind nicht wirklich dazu da, die Produktivität zu erhöhen. Vielmehr treiben sie Schabernack mit der Touchbar.

Auf die Spitze treibt das aber sicher die Erweiterung namens TouchBarBar. Es stellt Knöpfe mit alkoholischen Getränken zur Verfügung. Es ist aber nicht so, dass ein Kellner nach der Betätigung einer Taste die gewählte Erfrischung sogleich servieren würde. Man hört das passende Einschenk-Geräusch. Naja.

Jedenfalls war bei mir an dieser Stelle die Hoffnung gekeimt, dass der Mac-App-Store eine schöne Kategorie mit Programmen für die Touchbar bereithält. Doch gefehlt. Man kann nach Touchbar oder Touch bar suchen und findet Programme, die man auch per Finger steuern kann. Einer der Top-Treffer: ChatMate for WhatsApp. Na danke! Da ist mir die TouchBarBar ja noch lieber!

Man könnte auch Touch Pong oder TouchBrickout spielen. Oder sich von Touch Metronome den Takt durchgeben lassen. Oder … naja, an der Stelle ist die Liste dann auch fast schon zu Ende. Fazit: Bei der Touchbar sind die Unsinns-Apps eindeutig in der Überzahl. Einigermassen einleuchtend erscheint mir  eigentlich nur das Better Touch Tool. Das habe ich seinerzeit im Beitrag Wischend zum Ziel getestet. Interessante Überlegungen in bezug auf die Touchbar gibt es dazu hier.

Zurück zu meiner Vermutung, dass Touchbar-Erweiterungen für Mojave existieren müssen, weil in den Systemeinstellungen die entsprechende Rubrik existiert. Die Vermutung hatte auch ein Mr. Unko, weswegen er in den Apple Communities die Frage Are there any extension for the Touch Bar? gepostet hat. Einzige Antwort:

The Touch Bar Extensions menu in System Preferences may also be related to beta software.

Ich nehme das mal als Nein. Schwach, Apple, ganz schwach.

Beitragsbild: Ohne Touch, dafür mit Alkohol (Chris F/Pexels, CC0).

Autor: Matthias

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