Nachtigall, ick hör dir pfeifen

Die App Zwitschomat klärt Naturbanausen wie mich darüber auf, welchen Vogel ich gerade singen höre – egal, ob ich von der Vorführung nun erfreut oder genervt bin.

Apps, die uns die Welt erklären: Es gibt bestimmt Leute, die darob die Nase rümpfen, weil sich das Smartphone in dieser Rolle gar wichtig macht. Mich stört das allerdings nicht. Ich bin mir bewusst, dass ich in manchen Bereichen erschreckende Bildungslücken aufweise und habe keine Mühe, mir auf technischem Weg über die hinweghelfen zu lassen.

Zwei Apps, die mir beim Verständnis meiner Umwelt helfen, habe ich in den Beiträgen Floraler Ermittlungshelfer und Wie wäre es mit einem QR-Code? vorgestellt. Sie finden sagen einem, mit was für Pflanzen man es zu tun hat, wenn man das nicht selbst weiss.

Nun besteht die Natur bekanntlich nicht nur aus Gewächsen. Es gibt auch Tiere, insbesondere solche, die Geräusche von sich geben. Zu den lärmigsten Kreaturen gehören, gerade in dieser Jahreszeit, die Vögel. Sie krächzen, piepsen, zwitschern und jubilieren, dass es eine Freude ist. Oder ein Ärgernis: Denn nicht alle Vögel sind so begabt, dass sie eine ansprechende Melodie zustande kriegen, sondern die ewig gleichen zwei Töne nonstop wiederholen. Es gibt auch Vogelarten, die eine Note so toll finden, dass sie keine andere zur Vorführung bringen.

Shazam für Vogelgesang

Kohlmeise.

Mich interessiert sowohl bei den abwechs­lungs­reichen wie auch bei den lang­weiligen Dar­bie­tungen, welcher Spezies ich denn nun das un­gefrag­te Kon­zert verdanke. Um dieses Rätsel zu lüften, habe ich mir die App Zwitsch­omat besorgt.

Es gibt sie für vier Franken fürs iPhone. Für Android ist die App nicht erhältlich; bei dem Betriebssystem könnte man es mit der App Birdnet probieren, die ich allerdings nicht getestet habe.

Die App funktioniert wie folgt: Wenn man eine Vogelstimme hört, zückt man das iPhone und drückt den roten Knopf. Daraufhin nimmt die App während zwölf Sekunden auf und lässt die analysieren. Diese Analyse kann online oder offline durchgeführt werden. Bei der Online-Analyse sind die Ergebnisse besser, doch es braucht dafür logischerweise eine Internetverbindung. In einem Funkloch verrät einem die App aber ihre vorläufigen Erkenntnisse.

Direkttreffer oder Vorschlagsliste

Ein Treffer! Bei diesem uninspirierten Vor-sich-hin-Gurrer kann es sich nur um eine Taube handeln.

Das Resultat der Analyse ist in einigen Fällen ein direkter Treffer: Bei meinem Test war das bei der Türkentaube der Fall; die hätte ich allerdings sogar selbst als Taube erkannt – die Unterart war mir aber nicht bekannt.

In den meisten Fällen erhält man eine Liste mit mehreren Kandidaten. Bei meinen Tests waren es in aller Regel drei Vögel, die infrage kamen.

Blaumeise.

Zu jedem der drei Kandidaten kann man sich eine exem­plarische Gesangs­vor­führung an­hören und mit seiner Aufnahme vergleichen.

Wenn man eine Über­ein­stimmung erkennt, tippt man beim passenden Vogel auf «Richtig», woraufhin er in einer Liste eingetragen wird, in dem man mit Ort und Datum seine Vogel­beobach­tungen vorfindet.

Die Liste mit den Vogelbeobachtungen.

Ein einzelner Eintrag lässt sich in der Liste nach links wischen: Auf diese Weise erscheint ein Menü, über das man eine Aufnahme löschen kann.

Es ist auch möglich, die Analyseergebnisse noch einmal einzusehen. Über den Knopf Mehr erhält man ein Dialog mit einigen weiteren Informationen. Man erfährt, ob die Analyse auf dem Gerät oder online stattgefunden hat. Es ist hier möglich, die Aufnahme mit einer eigenen Beschreibung zu versehen und man kann sie und via E-Mail oder über den Teilen-Befehl verschicken bzw. weiterreichen.

Die Tricks für Hobby-Ornithologen

Die App hat noch einige weitere Tricks auf Lager:

  • Man kann festlegen, ob die Analyse sofort oder später stattfinden soll. Dazu tippt man auf dem Startbildschirm auf ID (für sofort) oder ID (für später).
  • Die Funktion Vogelschutz führt dazu, dass die akustischen Beispiele nicht über den Lautsprecher wiedergegeben werden, weil das die Vögel in der näheren Umgebung störend sein könnte. Stattdessen hört man sie über den Telefonlautsprecher, sodass man sein Handy ans Ohr halten muss. Als Profi hat man allerdings eh immer Kopfhörer dabei, sodass sich dieser Trick erübrigt.
  • Es gibt auch ein Vogellexikon, über das man sich Beispielaufnahmen anhört, ein Bild des betreffenden Vogels sieht und eine kurze Beschreibung nachliest.
  • Es ist schliesslich auch möglich, Aufnahmen mit der Apple Watch zu machen und später in der App zu analysieren.

Fazit: Eine sympathische App, die ich gerne benutze und die mich unseren gefiederten Freunden näher bringt – so lästig ihre Konzerte manchmal auch sein mögen. Übrigens dachte ich in meiner Naivität, dass die Analyse der Vogelstimmen einfach sei, weil mache Vögel bloss die gleichen Töne zum Besten geben. Beim SRF lese ich nun, das sei nicht der Fall. Die Zuordnung sei ähnlich schwierig wie die Transkription von Sprache:

Der Gesang eines Vogel variiert von Tier zu Tier und kann auch beim selben Vogel in verschiedenen Situationen anders klingen. Kommt dazu, dass im Wald selten nur ein Vogel alleine singt, sondern Tiere der verschiedensten Arten wild durcheinander zwitschern und pfeifen. Das macht es für die App schwierig, den Gesang eines bestimmten Vogels herauszufiltern. Und dann kommt noch der Wind dazu…

Beitragsbild: Solange der Vogel den Schnabel geschlossen hält, hilft Zwitschomat nicht weiter (Siim Lukka, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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