Nachtigall, ick hör dir pfeifen

Die App Zwitschomat klärt Naturbanausen wie mich darüber auf, welchen Vogel ich gerade singen höre – egal, ob ich von der Vorführung nun erfreut oder genervt bin.

Apps, die uns die Welt erklären: Es gibt bestimmt Leute, die darob die Nase rümpfen, weil sich das Smartphone in dieser Rolle gar wichtig macht. Mich stört das allerdings nicht. Ich bin mir bewusst, dass ich in manchen Bereichen erschreckende Bildungslücken aufweise und habe keine Mühe, mir auf technischem Weg über die hinweghelfen zu lassen.

Zwei Apps, die mir beim Verständnis meiner Umwelt helfen, habe ich in den Beiträgen Floraler Ermittlungshelfer und Wie wäre es mit einem QR-Code? vorgestellt. Sie finden sagen einem, mit was für Pflanzen man es zu tun hat, wenn man das nicht selbst weiss.

Nun besteht die Natur bekanntlich nicht nur aus Gewächsen. Es gibt auch Tiere, insbesondere solche, die Geräusche von sich geben. Zu den lärmigsten Kreaturen gehören, gerade in dieser Jahreszeit, die Vögel. Sie krächzen, piepsen, zwitschern und jubilieren, dass es eine Freude ist. Oder ein Ärgernis: „Nachtigall, ick hör dir pfeifen“ weiterlesen

Zwei Klempner für Amerikas Seelennotstand

Nach Verbrechen, der Bibel und Sex nun auch noch die USA – ich bespreche «OK, America?» von «Die Zeit» und analysiere, warum es ausgerechnet einer Wochenzeitung gelungen ist, eine stringente Podcast-Strategie auf die Beine zu stellen.

Ich kann nicht versprechen, dass ich hier im Blog alle Podcasts von «Die Zeit» besprechen werde. Ich habe zwar hier «Zeit Verbrechen», hier «Woher weisst du das?», in dem es um Sex geht, vorgestellt. Und hier «Unter Pfarrerstöchtern» zur Bibel.

Aber es gibt bei «Die Zeit» noch eine ganze Menge mehr zu hören. Auf dieser Seite habe ich  ein Dutzend Serien gezählt. Plus drei, die im Moment auf Eis liegen. Zu den pausierenden Produktionen gehört ausgerechnet der Digitalpodcast mit dem klingenden Namen Wird das was? – was in dem Fall selbstreferenziell gemeint sein könnte.

Ob das noch was wird?

Zugegeben: Tech-Podcasts gibt es mehr als genug, auch in meinem Podcatcher. Ich bin mir übrigens meiner Schuld bewusst, selbst zu diesem Missstand beizutragen, indem wir auch beim Nerdfunk dieses übernutzte Feld beackern. „Zwei Klempner für Amerikas Seelennotstand“ weiterlesen

Wie man Fotos ohne Cloud verschlagwortet

Eine automatische Inhaltsanalyse von Fotos, die offline funktioniert: Das ist mit Excire möglich. Zwar leistet sich die Software gelegentliche Fehler und Auslassungen, ist aber trotzdem eine Empfehlung wert.

Regelmässige Leserinnen dieses Blogs werden festgestellt haben, dass ich eine pedantische Ader habe. Die zeigt sich nicht in allen Lebenslagen. Zum Beispiel habe ich kein Problem mit einem unaufgeräumten Büro. Aber in digitalen Dingen kenne ich keine Gnade. Darum habe ich neulich mein Blog auf Vordermann gebracht. Und ich kann mich mit Inbrunst um digitale Metadaten kümmern. Bei der Musik. Vor allem aber bei den Fotos.

Ich habe seinerzeit in Lightroom meine Digitalfotos akribisch verschlagwortet. Ich habe eine Bildlegende gesetzt und Stichworte vergeben und manchmal sogar eine ausführliche Beschreibung verfasst. Und das, nach den Ferien, bei Hunderten von Bildern. Und es war mir wichtig, die Bilder mit präzisen GPS-Daten zu versehen. Das war vor zehn Jahren recht aufwändig, aber ich hatte eine ausgeklügelte Methode entwickelt.

Ansatzweise neurotisch

Da ich keine Fotoagentur bin, war das ansatzweise neurotisch. Ich hatte irgendwann ein Einsehen und damit aufgehört. Auch aus äusserem Anlass. Das Verschlagworten von Bildern ist zeitraubend, und irgendwann war mir der Aufwand zu gross.

Ausserdem hat sich die Erkenntnis eingeschlichen, dass die ganze Arbeit vergebene Liebesmüh sein könnte. Wir erinnern uns: „Wie man Fotos ohne Cloud verschlagwortet“ weiterlesen

Das Empire schlägt zurück: Wo Windows den Mac abtrocknet

So toll der Mac und sein Betriebssystem auch sind: In einigen Punkten kann Mac OS nicht mit der Konkurrenz mithalten. Die Top-6, wo Windows mehr zu bieten hat.

Ist das ein k. o.? Wo der Mac über Windows triumphiert: In dem Beitrag habe ich fünf Stärken eruiert, die Apples Computer den hunds­ge­wöhn­lichen PCs voraushaben. Doch dieses Duell endete nicht mit einem totalen Triumph von Mac OS. Es gibt nämlich auch einige Dinge, die Windows dem Konkurrenten voraus hat. Und darum geht es nun in dieser zweiten Runde: Um die Bereiche, in denen Microsoft obsiegt. Und ja, auch diese Rangliste hier ist natürlich subjektiv.

Platz sechs: Die Windows-Zeitleiste

Die Windows-Timeline, eingeführt mit dem April-2018-Update, ist ein nützliches Ding. Ich habe sie im Beitrag Das Patentrezept für echte Windows-Verbesserungen ausführlich vorgestellt. „Das Empire schlägt zurück: Wo Windows den Mac abtrocknet“ weiterlesen

Ist das das Nonplusultra fürs Radio?

Ich habe Hindenburg getestet, ein Programm für rasende Radioreporter und beantworte die Frage, ob das auch für Podcaster und Videoproduzenten taugt.

2012 habe ich im Beitrag Wie verwegene Kerle ihr Audio schneiden das Open-Source-Programm Audacity vorgestellt. Es ist für die Bearbeitung von Audiodateien zuständig und gehörte bei mir damals trotz der, Zitat, «angestaubten Oberfläche» zu den regelmässig benutzten Anwendungen: Audacity kam mindestens einmal pro Woche zum Einsatz, oft sogar häufiger.

Audacity: Noch so «schön» wie vor zwanzig Jahren.

Daran hat sich in den letzten neun Jahren nichts Wesentliches verändert. Die Oberfläche ist noch immer angestaubt bzw. quasi unverändert. Und ich benutze die Software noch immer regelmässig für die Nachbearbeitung der Nerdfunk-Aufnahmen und meiner (allerdings nicht mehr so häufigen) Video-Voiceovers.

Es ist somit keine Übertreibung, wenn ich sage, dass dieses Programm sich bewährt hat. Trotzdem habe ich neulich ein seit längerem geplantes  Vorhaben in die Tat umgesetzt und mir Hindenburg näher angeschaut. Nein, nicht der Zeppelin – der ist nämlich abgestürzt. Sondern die Software, die aus Dänemark stammt.

Hindenburg ist, anders als Audacity oder meinetwegen auch Adobe Audition kein universeller Audio-Editor, sondern ein Programm, das explizit für Journalisten und Produzenten beim Radio entwickelt wird. Das klingt schon einmal sehr gut: „Ist das das Nonplusultra fürs Radio?“ weiterlesen

Wenn eine künstliche Intelligenz Farbe herbeizaubert

Wie gut sind Soft­ware­programme, die aus Schwarz­weiss­auf­nahmen bunte Bilder machen? Ich habe das anhand eines authen­tischen Jugend­selfies ausprobiert.

Es ist beeindruckend, was künstliche Intelligenz bei altem Bildmaterial zu leisten vermag: Sie erhöht die Auflösung, rechtet ruckelige Filmsequenzen ruhig, entfernt Bildstörungen und macht Schwarzweiss-Aufnahmen bunt.

Diese Restauration verändert unsere Wahrnehmung: Digital aufgefrischte Zeitdokumente wirken nicht mehr wie historische Artefakte, die uns heute nichts mehr angehen. Die gefühlte Distanz wird kleiner – auch wenn uns die Bilder natürlich niemals so direkt betreffen, wie ein Selfie, das wir selbst vor drei Tagen fabriziert haben.

Diesen Effekt habe ich im Beitrag Und plötzlich wirkt die Vergangenheit frisch und lebensecht (Abo+) beschrieben und einige eindrückliche Beispiele zusammengesucht, die die Möglichkeiten solcher Algorithmen demonstrieren. Es gibt inzwischen nämlich eine lebendige Szene, die sich der Aufgabe verschrieben hat, das letzte aus alten Filmaufnahmen herauszuholen.

Seit ich den Artikel geschrieben habe, wollte ich selbst eine solche Software ausprobieren. Als Testobjekt habe ich folgendes Foto ausgesucht, das mich in meinem Jugendzimmer zeigt – und das ich ohne Koketterie als Perle aus meinem Fotoarchiv bezeichnen würde. „Wenn eine künstliche Intelligenz Farbe herbeizaubert“ weiterlesen

Ist das ein k. o.? Wo der Mac über Windows triumphiert

Was kann Mac OS besser als Microsofts Betriebssystem? Meine Top-Fünf-Rangliste mit Apples Vorteilen – und einem weiteren Vorteil, der ausser Konkurrenz läuft.

Neulich feierte Mac OS ein rundes Jubiläum, was ich für die Tamedia-Zeitungen mit 20 Tipps zum 20. Geburtstag (Abo+) gewürdigt habe.

Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, bei denen Mac OS Windows überlegen ist – ohne Wenn und Aber.

Und damit diese Erkenntnis nicht mein Privatvergnügen bleibt, hier eine Rangliste mit meinen persönlichen Favoriten:

Platz fünf: Die mitgelieferten Apps

Ich bin kein grosser Fan von Apple Mail. Trotzdem ist dieses Mailprogramm ohne Zweifel um Welten besser als die Mail-App von Microsoft. Das Gleiche gilt auch für den Kalender und die Kontakte. Apple punktet ausserdem bei der Musik- und der Podcast-App, bei Fotos und iMovie – auch wenn Windows bei diesem Punkt aufgeholt hat (Aus einem Mauerblümchen wird eine richtige Foto-App).

Nicht zu vergessen: „Ist das ein k. o.? Wo der Mac über Windows triumphiert“ weiterlesen

Ein Podcast über ein poetisches Geschichtsbuch

Da ich mich bei der Religion schon aufführe wie ein Veganer, der sich reflexartig von den Fleischfressern distanziert, habe ich mir selbst eine Therapie verortet: Ich höre mir jetzt den Podcast «Unter Pfarrerstöchtern» an.

Neulich wollte meine Tochter (knapp 4⅔ Jahre alt) wissen, wie das mit Adam und Eva war. Sie hatte die Geschichte irgendwo aufgeschnappt und sie interessant gefunden – was sie ohne Zweifel auch ist.

Aha, dachte ich: Das sind also diese Situationen, in die man als Vater unvermittelt hineingerät: Eine komplett spontane Erklärung zu einem Thema ist gefragt, bei dem man sich vorab gerne ein paar Gedanken zurechtgelegt hätte. Ähnlich wie im letzten Sommer im Kinderzoo Rapperswil, als vor aller Augen der Elefantenbulle die Elefantenkuh bestieg.

Ich habe ihr die Geschichte erzählt, die, wie gesagt, interessant genug ist, um jederzeit erzählt zu werden. Und ich habe über mein anfängliches Zögern nachgedacht und bin zur Erkenntnis gelangt, dass das weder mit der Bibel etwas zu tun hat, noch mit Adam und Eva, sondern vielmehr mit mir selbst. Ich betrachte mich als Atheist, bzw. genauer, als Agnostiker.

Genauso schlimm wie die Veganer

Das hat ein zwiespältiges Verhältnis zu der Religion zur Folge: Leute wie ich haben das Bedürfnis, sogleich zu betonen, dass wir genauso wenig an die Geschichte von Adam und Eva glauben, wie an das fliegende Spaghettimonster. Es gibt diesen Impuls, uns abzugrenzen; ähnlich, wie das die Vegetarier und Veganer gegenüber den Fleischfressern tun. Man könnte schliesslich für einen Kreationisten gehalten werden; Gott bewahre!

Aber diesen Drang muss man kontrollieren können, fand ich. Und zwar nicht einfach so, sondern mit Souveränität und Gelassenheit.

Darum habe ich etwas getan, was ich schon länger vorhatte: „Ein Podcast über ein poetisches Geschichtsbuch“ weiterlesen

So schreibt ihr euren Erfolgsroman

Bei Reedsy gibt es nicht nur einen Texteditor für Literaten, sondern ein ganzes Ökosystem für Autoren und Verlage.

Wer dieses Blog hier auch zwischen den Zeilen liest, dem sind gewisse Dinge nicht entgangen. Beispielsweise mein innerer Drang, die Amateurliga hinter mir und die Bloggerei bleibenzulassen und mich stattdessen der Königsdisziplin zuzuwenden: der echten Literatur – oder zumindest dem Unterhaltungsgenre, wo es zwar keinen Nobelpreis zu gewinnen, aber immerhin Tantiemen zu verdienen gibt.

Diese Ambition lässt sich daran erkennen, dass ich immer mal wieder Programme vorgestellt habe, die man als richtiger Autor verwenden würde: In Schreiben wie Hemingway geht es um eine Text-App, die Stil-Empfehlungen gibt. In Mit dieser App ist der Bestseller-Roman ein Klacks um eine App, die einem bei der Konzeption und Planung seiner Geschichte hilft. Und in Kreative Texte (trotz Word) ging es unter anderem um die Textverarbeitung Papyrus, die sich explizit an Schriftsteller wendet.

Apropos Papyrus: Ich habe mich seinerzeit gefragt, ob mit dieser Software tatsächlich Bestseller geschrieben werden oder ob sie Leute kaufen, die gerne ein Buch verfassen und sich von der Software die nötige Hilfe versprechen. Nun, diese Frage kann ich inzwischen beantworten. Andreas Eschbach hat sich nämlich neulich als Anwender dieser App geoutet. „So schreibt ihr euren Erfolgsroman“ weiterlesen

Flache Bilder mit echter Tiefe

Die Loopsie-App macht aus normalen Fotos 3D-Wackel­bilder. Das ist technisch beein­druckend und amüsant und vor allem ein Indiz, dass das Ende der Fahnen­stange bei den digitalen Foto­grafie­möglich­keiten noch lange nicht erreicht ist.

Facebook ist nicht unschuldig daran, dass wir in letzter Zeit häufig Fotos zu sehen bekommen, die auf einen stereoskopischen Raumeffekt getrimmt sind. In der Timeline scheint sich die Perspektive zu verändern, wenn das Bild durchgescrollt wird. Ursprünglich war das nur bei Fotos möglich, die mit Tiefeninformationen ausgestattet sind. Doch seit gut einem Jahr lässt sich dank Künstlicher Intelligenz jedes flache Bild in eine 3D-Variante verwandeln.

Die Startseite, wo man sein Wackelbild anhand diverser Vorlagen kreieren kann.

Ehrlich gesagt, hängt mir das inzwi­schen schon wahn­sinnig aus dem Hals heraus. Trotzdem habe ich mich dazu hin­reissen lassen, die App Loopsie zu testen. Es gibt sie fürs iPhone/iPad und für Android, und sie macht im Prinzip das gleiche, allerdings mit einem etwas anderen Resultat.

Loopsie erzeugt den räumlichen Effekt durch Bewegung.

Man nennt das auch Wackel­bild, und es gibt eine analoge Vorlage: Das sind die Lentikular- oder Prismenrasterbilder, bei denen man durch leichtes Hin- und Herbewegen zwei leicht versetzte Ansichten des gleichen Motivs sieht und so den Eindruck einer stereoskopischen Aufnahme bekommt, obwohl man nur ein flaches Bild vor sich hat. „Flache Bilder mit echter Tiefe“ weiterlesen