Homeoffice, Level 2

Tipps zur Arbeit zu Hause: Wie man sich absichert und organisiert – und wie man Firefox davon abhält, einem zu sehr auf den Wecker zu fallen.

Das Homeoffice – der Ort, wo man in Unterhosen mit seinem Chef videotelefoniert oder vom Sofa aus geschäftliche Gespräche führt. (Falls man in der unschönen Situation ist, überhaupt direkt mit Menschen reden zu müssen und nicht alles per Mail oder Instant-Messanger abwickeln zu können.

Dieses Homeoffice hat uns wieder. Und darum gibt es einige Tipps in Videoform, die sich mit dem Homeoffice auf Level zwei beschäftigen. (Etwas ärgerlich ist, dass wir nicht genau wissen, wie viele Level dieses MMOG eigentlich hat.) Es geht um Sicherheit und um Komfort – und darum, wie man Privates und Berufliches auf seinen eigenen Geräten getrennt hält.

Webseiten ins Job-Ghetto verbannen

Mein persönliches Highlight ist nach wie vor die im Beitrag Container für Webseiten vorgestellte Firefox-Erweiterung Multi-Account Containers: Sie hilft, Slack, Gmail mit meinem Job-Account und das berufliche CMS in eine separate Umgebung zu verbannen. Das sind jedenfalls die Tipps:


Sicher und entspannt im Homeoffice

Ergänzen würde ich ausserdem den Hinweis auf Rescue Time. Das ist eine Anwendung, die ich im Beitrag Wo all diese Stunden hinwandern vorgestellt habe. Sie zeichnet auf, was man an seinem Computer so tut und hilft einem, die private und die berufliche Zeit in einer Auswertung auseinanderzuhalten. Allerdings benötigt man für aussagekräftige Reports inzwischen einen bezahlten Account – die Gratisvariante ist inzwischen so wenig aussagekräftig, dass man es mit der auch bleiben lassen kann.

Selbst hadere ich mit mir, ob das Homeoffice eine Rechtfertigung wäre, einen neuen Windows-PC anzuschaffen. Ich habe nach wie vor die anfangs 2013 gekaufte und hier beschriebene Maschine im Einsatz. Nach bald acht Jahren ist er nicht mehr so ganz auf dem neuesten Stand. Insbesondere mit den acht Gigabytes Arbeitsspeicher stosse ich immer wieder an Grenzen – was auch damit zu tun hat, dass Firefox nach wie vor nicht sehr sparsam mit dem Memory umgeht.

Doch was tun, wenn der Browser lahmt?

Doch ich schiebe die Neuanschaffung – trotz der Tipps zuhanden der Tagi-Leser im Beitrag Tipps für das neue Arbeitsgerät – vor mir her. Der Grund ist, dass ich keine Lust auf die Inbetriebnahme des neuen Computers habe:

Daten und Anwendungen zu übernehmen, ist bei Windows (anders als beim Mac) eine mühselige Angelegenheit. Das liegt daran, dass Microsoft denkt, alle Nutzer würden nur noch moderne Apps verwenden und ihre Daten bei Onedrive lagern – in dem Fall müsste bräuchte es nämlich überhaupt keine Migration.

Da das bei mir aber nicht der Fall ist, artet die Einrichtung in echte Arbeit aus. Und wenn man die für seinen privaten Computer leistet, muss man sie wohl oder übel in der Freizeit erledigen – selbst wenn man hinterher den Computer zum grösseren Teil für Berufliches benutzt. Ich würde es dieses Mal sicherlich mit einer Cloning-Aktion (zum Beispiel wie hier beschrieben) probieren – aber damit rechnen, dass es nicht klappt und ich es mit der herkömmlichen Methoden einen zweiten Anlauf wagen darf.

Jedenfalls bin ich überzeugt, dass die PC-Verkäufer und Microsoft eine Chance vergeben, indem Sie den Umstieg von alter auf neuer Hardware nicht so komfortabel machen wie irgendwie möglich. Ich würde wahrscheinlich schon den zweiten neuen Computer anschaffen, wenn es mit dem neuen PC eine Software gäbe, die das mehr oder weniger vollautomatisch erledigt.

Bis ich mich nun zur Neuanschaffung durchringen kann, probiere ich es mit Hausmittelchen und Symptombekämpfung.

Hausmittelchen, um Firefox aufzupäppeln

Wie erwähnt ist eines der Sorgenkinder Firefox. Mozilla selbst empfiehlt die Bereinigung (den «Refresh»), wenn man mit der Performance nicht zufrieden sei. Aber das ist nun nicht gerade ein subtiles Wartungs-Instrument, sondern eher das Eingeständnis, dass Firefox auf lange Sicht nicht vor Verschleisserscheinungen gefeit ist. Warum dem so ist, will mir nicht so ganz in den Kopf. Wenn es etwas auf diesem Planeten gibt, das ewig jung und lebendig bleiben könnte, dann ist es Software.

Nach getaner Arbeit: Die Einsparung bei der Datengrössen zeigt, dass Optimierungspotienzial vorhanden war.

Das erste Mittelchen, um gängige Browser zu mehr Tempo zu verhelfen, ist Speedyfox.

Die Idee bei dieser Anwendung – die sich nicht nur um Firefox, sondern auch um Chrome, Opera und Edge und das Mailprogramm Thunderbird kümmert, besteht darin, die Datenbanken der Programme zu optimieren. Dadurch soll ein teils massiver Geschwindigkeitsgewinn zu beobachten sein: Ein bis zu dreimal so schneller Start verspricht der Hersteller.

Nach getaner Arbeit: Die Einsparung bei der Datengrössen zeigt, dass Optimierungspotienzial vorhanden war.

Ich bin bei solchen Heilsversprechen immer etwas skeptisch. Doch Speedyfox scheint tatsächlich ein bisschen etwas zu bewirken.

Ohne gemessen zu haben, fühlt sich der Start von Firefox nach der Optimierung deutlich flotter an als vorher.

Firemin will Firefox dazu bringen, unbenötigten Speicher schneller wieder freizugeben.

Zweites Instrument: Firemin.

Das Programm will Firefox dazu bringen, unbenötigten Arbeitsspeicher häufiger freizugeben, als der Browser das von sich aus tut. Dass dem so ist, lässt sich leicht beobachten: Selbst wenn man viele Reiter schliesst, reduziert sich der Speicherbedarf im Taskmanager oft über längere Zeit kein bisschen.

Ob das die Methode, Firefox mit sanfter Gewalt zum Aufräumen zu bewegen, tatsächlich bewirkt, ist anscheinend umstritten. Der Entwickler nimmt zu dieser Frage mit einer gewissen Demut und nicht zu bestreitender Logik Stellung:

Die Methode, die Firemin benutzt, um den Speicherverbrauch von Firefox zu verringern, ist nicht erhärtet, und die Debatte darüber, ob sie funktioniert oder nicht, wird bis zum Ende der Zeit weitergehen. Aber die Logik bleibt: Wenn es für Sie funktioniert, benutzen Sie das Programm. Und wenn nicht, benutzen Sie es nicht. So einfach ist es.

Da kann man nicht widersprechen. Die Methode von Firemin ist die folgende: Das Programm weist Firefox in sehr kurzen Abständen dazu an, unbenutzten Speicher freizugeben. Das tut Windows zwar von sich aus, aber nicht so häufig. Man kann selbst einstellen, wie oft der Aufruf erfolgen soll: Von ein paar Mal pro Sekunde bis zum Beispiel alle fünf Sekunden.

Was die Wirkung ist, kann ich bislang nicht abschliessend beurteilen. Mein Eindruck ist, dass Firemin ein bisschen etwas bringt.

Beitragsbild: Ketut Subiyanto, Pexels-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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