Rezensionen aus der Gruft

Visual Bookshelf hat alle meine Buchrezensionen auf Facebook ins digitale Nirvana befördert bzw. anonymisiert. Als alter Backup-Neurotiker hatte ich die zum Glück alle gesichert und kann sie an dieser Stelle neu auflegen:

Petros Markaris: «Die Kinderfrau: Ein Fall für Kostas Charitos»
Sehr schöne Geschichte, wunderbar unprätentiös, in dem man sehr viel lernt, ohne es überhaupt zu merken.

Stephen Fry: «Columbus war ein Engländer»
Eine ausgezeichnete Biografie, ehrlich und selbstkritisch erzählt (soweit ich das beurteilen kann) und mit einigen Momenten, in denen man sich selbst wiederfindet und völlig verblüfft ist, dass der Autor Emotionen erzählt, bei denen man es für unmöglich gehalten hätte, dass auch andere sie haben. Sehr empfehlenswert und eine gute Ergänzung zu Harry Potter. 😉

Stephen Fry: «Das Nilpferd»
Eine aberwitzige und doch verblüffend einleuchtende Geschichte, deren Auflösung völlig überzeugt. Und einem in Erinnerung ruft, wie wichtig es ist, auch scheinbar offensichtliche Tatsachen zu hinterfragen und auch scheinbar zwingende Schlüsse nicht einfach so zu glauben.
Den Stil von Stephen Fry muss man natürlich mögen – was ich tue! Und es braucht auch einen Sinn für den oft derben Humor – den ich habe. Und gegen Geschmacklosigkeiten muss man immun sein – was ich bin.
Im Moment lese ich gerade «Columbus war ein Engländer» und erkenne diverse autobiografische Elemente im «Nilpferd». Fry schöpft aus seiner Familiengeschichte und seiner Jugend und kann daher auf einen reichen Fundus an Anekdoten zurückgreifen und spinnt daraus mit Fabulierlust eine dichte Geschichte. Auch die eingestreuten Briefe, die mich in anderen Büchern manchmal eher nerven, sind in diesem Buch sehr gekonnt eingesetzt. Stilsicher, sattelfest, hervorragend erzählt, humorvoll und überraschend – was will man mehr? Für mich eine der grössten Entdeckungen seit langem.

Peter Tremayne: «Tod den alten Göttern»
Eine spannende Geschichte mit interessantem Plot, gut zu lesen und unterhaltsam. Die historische Szenerie wirkt auf mich überzeugend und ich erhielt Einblick in eine Welt, die ich nicht kannte. Die Namen sind allerdings ein Problem für mich, zumal ich die Protagonisten nicht immer auseinanderhalten konnte. Um auch noch etwas zu mäkeln, finde ich das Buch sprachlich eher bescheiden. Die Redenwedungen sind oft etwas klischee- und formelhaft. Das könnte aber auch an der Übersetzung liegen. Was die Beschreibungen, vor allem die Beschreibungen der Figuren angeht, hätten die etwas lebendiger und lebensechter ausfallen können. Auch die Dialoge könnten noch etwas mehr Würze vertragen, zumal auf dem Klappentext die Spitzzüngigkeit von Fidelma, der Heldin des Buchs, speziell gewürdigt wird.
Ab und zu hat mich das Buch an ein klassisches Point-and-click-Adventure erinnert: Man sieht die gute Nonne Burgen und banditenverseuchte Wälder durchstreifen und Hinweise, Evidenzien sowie silbrige Scheiben aufsammeln. Falls es dieses Game geben sollte, dann werde ich es mir auf alle Fälle besorgen

Robert Shea: «Illuminatus 01. Das Auge in der Pyramide»
Zu behaupten, das beste an diesem Buch sei das Cover, wäre… naja, nichts als die Wahrheit.

Markus Werner: «Zündels Abgang»
Das Erstlingswerk von Markus Werner, der zu meinen Lieblings-Autoren aus der Schweiz gehört. Und auch wenn Markus Werner einen bei jedem Buch mit einem tollen ersten Satz hineinzieht, ist der erste Satz in diesem Buch noch immer mein liebster.

Roger Schawinski: «TV-Monopoly. Die Inside-Story»
Schawinski hat das Fernsehen zwar nicht erfunden, bietet aber spannende Einblicke in den Betrieb eines kommerziellen TV-Senders. Man erfährt einiges über die Mechanismen – und würde fürchterlich gerne wissen, welche Erlebnisse Schawinski in diesem Buch nicht erzählt und warum nicht.

«Die Stadt der träumenden Bücher»
Sehr schön, sehr fantasievoll und poetisch!

Autor: Matthias

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