Als der Vatikan gehackt worden war

Nach meinem Eschbach-Exzess1 ist es an der Zeit, wieder andere Autoren zum Zug kommen zu lassen. Aber es ist angebracht, in Eschbachs Umfeld nach einem Nachfolger zu suchen – denn die Mischung aus Spannung, kluger Geschichten, sympathischer Helden und dem anpassungsfähigen Erzählstil ist ganz in meinem Sinn. Ich habe darum für die Büchersuche das GPS für Literatur angeworfen und bin auf Wolfgang Hohlbein gestossen. Er schreibt, laut Wikipedia, «Bücher, die ich selbst gerne lesen würde». Das klingt zwar banal, trifft aber gerade im Unterhaltungsbereich nicht für sehr viele Autoren zu. Viele schreiben Bücher, von denen sie glauben, dass die Verlagslektoren sie gerne lesen. Und das macht einen grossen Unterschied.

180928-jerusalem-1712855.jpg
Staffage. (Bild: Walkerssk/Pixabay, CC0)

Jedenfalls passt es gut, dass es in Das Paulus-Evangelium (Amazon Affiliate) um Hacker geht – da bleibe ich auch der Rubrik der Nerdliteratur treu. Und um wie üblich die Rezension mit dem Fazit zu beginnen, würde ich dieses Buch unter Vorbehalten empfehlen. Seine Bestimmung, mich als Leser zu unterhalten, erfüllt es bestens. Es ist nicht so raffiniert konstruiert wie die Plots von Eschbach und es gibt am Ende einen klassischen Showdown mit Schiesserei und Schwertkampf, aber keinen «Kampf der Hacker» und kein Kräftemessen auf der technologischen Ebene, wie man sich das als Nerd natürlich wünschen würde. „Als der Vatikan gehackt worden war“ weiterlesen

Er digikam, sah und verwaltete

Das ist wieder einer dieser Blogposts, bei denen ich mich für den Titel entschuldigen muss. Also, ich entschuldige mich ganz herzlich für den Titel, der ein dummer Kalauer ist und nicht in diesem und in keinem anderen Paralleluniversum als Titel dienen sollte. Allerdings sollte auch keine Software Digikam heissen müssen. Und die affige offizielle Schreibweise mit kleinem D und grossem K («digiKam») macht es noch schlimmer.

180927-digikam-01.jpg
Digikam vereinigt die typischen Qualitäten und Schwächen eines Open-Source-Programms auf sich.

Aber es gibt eine solche Software, und ich habe mich entschieden, sie zu besprechen. Schliesslich kamen hier in letzter Zeit immer wieder Programme aus dem Bereich der Fotografie zum Zug – und da gehört Digikam zu den bekannten Vertretern aus dem Open-Source-Bereich. Allerdings ist dieses Programm vor allem ein Organisationsinstrument und weniger RAW-Konverter mit ausgeklügelten Entwicklungsmöglichkeiten – aber das ist nicht per se schlecht: Es wäre die perfekte Ergänzung zu DxO PhotoLab (Fotobearbeitung für Minimalisten), da dieses Programm auf die Entwicklung spezialisiert ist und nur rudimentäre Verwaltungsfunktion hat.

Nach der Installation (die lange dauert und einen Ordner von 1,24 GB Grösse auf der Windows-Festplatte anlegt, der sagenhafte 4476 Dateien enthält) begrüsst einen das Programm mit einem Assistenten, der wissen will, wo man seine Fotos gespeichert hat, welche Datenbank man zur Verwaltung nutzen möchte, wie mit Rohdatenbildern verfahren werden soll, auf welchem Weg die Metadaten gespeichert werden, ob der Vorschaumodus mit Proxy-Bildern oder den Komplettbildern arbeitet, was beim Linksklick passiert und ob Kurzinfos beim Mouseover angezeigt werden oder nicht.

Davon könnte man sich bereits überfordert fühlen: „Er digikam, sah und verwaltete“ weiterlesen

Weil ich mir das wert bin

Ich habe zwar mehrere Jobs, bin aber bei allen festangestellt bzw. fester Freier. Nun kommt es aber trotzdem vor, dass man gelegentlich wissen möchte, wie viel diese oder jene Arbeit eigentlich wert wäre, wenn man sie verrechnen würde. Was müsste man verlangen, wenn man zwei, drei Stunden für jemand etwas tut?

180926-hourly-rate-calculator.png
In vier Schritten erfährt man seinen optimalen Stundenansatz.

Die Antwort auf diese Frage ist schwierig. Gerade wenn man festangestellt ist, fällt es einem schwer, den Wert seiner Arbeit in Form einer Zahl auszudrücken. Persönlich hält man sich vielleicht für so genial, dass der Betrag auch mit fünf Stellen noch zu gering erscheint. Umgekehrt möchte man sich die Peinlichkeit ersparen, eine so hohe Zahl zu nennen, dass der andere unwillkürlich zusammenzuckt. Was also tun? Eine gute Möglichkeit ist, nach empfohlenen Tagessätzen zu googeln. Als Journalist findet man dann vielleicht das PDF Der Leitfaden für den Arbeitsalltag von Freien JournalistInnen von Syndicom, in dem es Folgendes heisst:
„Weil ich mir das wert bin“ weiterlesen

Die WLAN-Maschen enger ziehen


WLAN mit maximalem Tempo.

Das Patentrezept-Video diese Woche dreht sich um einen der grossen Klassiker: Das WLAN, das nicht so zuverlässig und schnell ist, wie es sein könnte. Es gibt Tipps zur Optimierung. Und zwar zu den Router-Einstellungen, der Positionierung des Access-Points und zu den Diagnosemöglichkeiten.

Ich hatte auch die Gelegenheit, fürs Video einen Mesh-Router zu testen. Das ist eine neue Technologie, mit der sich WLAN-Netze ohne viel Heckmeck ausdehnen lassen. Zu diesem Zweck verteilt man einfach weitere Router an strategisch günstigen Positionen – und die erledigen die Magie. Ich kann nun an dieser Stelle leider nicht sagen, wie effektiv die Erweiterung in der Praxis funktioniert. Das aus zwei Gründen: Erstens hatte ich nur einen Router zur Verfügung. Und zweitens ist mein Domizil auch mit einem Router recht gut erschlossen, sodass ich vom beschriebenen Problem selbst gar nicht wirklich tangiert bin. Aber ich will mir auch nicht vorwerfen lassen, Betroffenheitsjournalismus zu betreiben (zwinker).

Der fragliche Mesh-Router heisst Google Wifi und wurde mir von Digitec als Testgerät zur Verfügung gestellt (hier trotzdem der Amazon-Affiliate-Link). „Die WLAN-Maschen enger ziehen“ weiterlesen

Wer Office hat, braucht keine Feinde mehr

180924-angry-annoyed-cafe-52608.jpg
Symbolbild: Ich, an einem hektischen Tag, an dem ich mich statt zu arbeiten mit dem 🤬-Office herumschlage. (Bild: Tim Gouw/Pexels, CC0)

Dieser Beitrag könnte eine Diskussion um die Frage provozieren, warum man heute noch Office benutzt – und warum es unbedingt die Office-Variante von Microsoft sein muss, wo die Open-Source-Welt doch OpenOffice bzw. LibreOffice bereithält. Ich würde beiden Fragen gerne aus dem Weg gehen, weil IMHO Microsoft Office durchaus eine Existenzberechtigung hat. In meinem Fall spielt viel Gewohnheit mit. Und die beiden Umstände, dass die Office-Varianten aus der Open-Source-Welt zu wenig eigenständig sind ich mich mit Google Docs nicht anfreunden kann bzw. will, weil meine Daten mir gehören.

Nun gibt es jedoch Momente, wo ich Office mitsamt seinem Mutterkonzern auf den Mond schiessen möchte. Vor einem Jahr hatte ich so einen Moment. Und neulich wieder. Just an einem Tag, wo es so viel zu erledigen gab, dass ich nun überhaupt keine Musse hatte, mich mit Software-Sperenzchen herumzuärgern.

Die Sache fing mit damit an, dass Word nicht daran dachte zu starten, sondern stattdessen Windows vorschickte, eine lahme Entschuldigung vorzubringen: Das Äquivalent von: «Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen!»
„Wer Office hat, braucht keine Feinde mehr“ weiterlesen

Von Verunglimpfungen und unmoralischen Angeboten

Das unerfreuliche Wort der Lügenpresse ist keine neue Erfindung. Doch hierzulande hat es trotz seiner bewegten Vergangenheit auch bei den Nazis niemand benutzt. In der Schweizer Mediendatenbank gibt es während 100 Jahren (von 1900 bis 1999) gerade mal vier Treffer (18. April 1910, Juni 1960, Februar 1983 und September 1996). Alle stammen aus der NZZ, was natürlich damit zu tun hat, dass die NZZ die einzige Schweizer Zeitung ist, die von Anfang an digital und durchsuchbar archiviert ist.

180921-newspaper-943004.jpg
Alles nur Lüge? (Bild: kalhh/Pixabay, CC0)

Wenn man im Vergleich nur die NZZ von den Jahren 2015 bis heute durchsucht, kommt man auf 87 Resultate. Das Wort Lügenpresse hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Und es ist unübersehbar so, dass ein Teil der Leute es ganz normal im Munde führen. In meinem Teil meines Facebook-Bekanntenkreises lese ich es inzwischen als normaler Begriff für die grossen Medien. Es wird auch als Abgrenzung zu den alternativen Informationsanbietern benutzt und ist ein Synonym zu Systemmedien und Mainstreammedien.

Klar, es ist ein ganz spezieller Teil meines sozialmedialen Bekanntenkreises: „Von Verunglimpfungen und unmoralischen Angeboten“ weiterlesen

Jeder ein Podcaster

Podcasts: Sie waren 2006 ein Ding, sind dann ausser bei ein paar Freaks in Vergessenheit geraten. Seit 2015 sind sie wieder ein Ding. Das liegt an bemerkenswert neuen und andersartigen Podcasts, die seitdem erschienen sind. Es liegt daran, dass das Podcasten einfacher geworden ist: Das technische Equipment, das man für einen gut klingenden Podcast braucht, ist erschwinglich und es gibt praktische Produktions- und Veröffentlichungshilfsmittel, zum Beispiel dank Auphonic und dem Podlove Player. Spotify und andere sind auf den Zug aufgesprungen, was die Verbreitung und Rezeption für Nicht-Tech-Freaks vereinfacht. Und Google hat eine Podcast-App gebracht.

180920-anchor-01.png
Direkt ab Smartphone podcasten: Jetzt braucht man nur noch eine Idee, worüber man denn reden könnte.

Aber natürlich ist der entscheidende Faktor das liebe Geld. Und da scheint sich Bemerkenswertes zu tun: Die US-Podcaster haben 2017 einen Umsatz von 314 Millionen US-Dollar erzielt. Das ist eine Steigerung um 86 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die Marktauguren behaupten, es gehe so weiter. Das lockt Investoren an und dürfte dem Genre noch weiter Auftrieb verleihen. Im deutschsprachigen Raum sind offenbar die Lebenshilfe-Podcasts auf dem Vormarsch oder «Spiritualität als Hype-Thema», wie es hier heisst: Eine Expertin für «Mindful Empowerment» erzielt millionenfache Downloads, was mich beeindruckt, da ich selbst niemals etwas anhören würde, was derartig dummdenglisch daherkommt.

Jedenfalls scheint der Podcast für diese neuen Podcaster mit dem Hang zum Influencertum vor allem ein Marketingverhikel zu sein. „Jeder ein Podcaster“ weiterlesen

Das eine Objekt der Neugierde

Heute habe ich für einmal keine Antwort auf Fragen parat, die mir die Leserschaft womöglich gar nicht gestellt hat. Nein, ich habe selbst eine Frage – respektive ein iPhone-Mysterium, das womöglich jemand für mich aufklären kann. Es handelt sich zwar um eine völlig belanglose Angelegenheit. Doch es ist nun einmal so, dass ich manchen Dingen auf den Grund gehen möchte – egal wie irrelevant es auch sein mag, die Antwort zu kennen.

180919-adult-contemplating-269334.jpg
Ich, beim Nachgrübeln. (Wenn ich Zeit hätte, zum Nachgrübeln in den Wald zu gehen. Und wenn ich so aussehen würde.) (Bild: carlosalvarenga/Pixabay, CC0)

Also, es geht um Folgendes: Die Fotos-App am iPhone zeigt im Bereich Alben pro Album an, was darin enthalten ist. Das Album «Alle Fotos» enthält bei mir 4370 Fotos, 411 Videos und 1 Objekt.

Und das wirft die Frage auf: Worum handelt es sich bei diesem einen Objekt? Und was ist die dritte Sorte von Medien, die in der Fotomediathek nebst Bildern und Videos noch enthalten sein kann? „Das eine Objekt der Neugierde“ weiterlesen

iOS 12 nervt ein bisschen weniger


Das bringt Apples neue iPhone-Software.

Gut, der Titel ist etwas polemisch: Denn nerven tut meistens nicht das Betriebssystem, sondern die Apps, die sich ständig mit Benachrichtigungen bemerkbar machen. Zum Beispiel durch Hinweise, dass dieser oder jener Kollege neulich seit längerem zum ersten Mal wieder getwittert, gefacebookt, geinstagramt oder gewasauchimmer hat. Da gibt es die Apps, die noch nicht mal so tun, als ob sie für den Nutzer sinnvolle Informationen pushen würden. Nein, sie zeigen eine Meldung an, die ausgedeutscht eigentlich nur heisst: «ÖFFNE MICH JETZT!»

Es gibt auch den Missbrauch der Benachrichtigungen in Form von Game-Center-Spam, den Apple noch immer nicht gestoppt hat. Doch um die Sache zu verkomplizieren, existieren auch nützliche Benachrichtigungen. Die sind Schuld, dass man die Misere nicht einfach durch generelles Abschalten der Benachrichtigungen behebt. Stattdessen muss man sich mit der Konfiguration einzelner Apps herumschlagen und sich die Mühe machen, Aufmerksamkeitsheischer zum Schweigen zu bringen.

iOS 12 macht das jetzt endlich einfacher: „iOS 12 nervt ein bisschen weniger“ weiterlesen

Die Venus im Vorgarten

Die erweiterte Realität, neudeutsch Augmented Reality (AR), ist eine Angelegenheit, die in der Theorie fasziniert und begeistert – und in der Praxis enttäuscht. AR ist eine Spielerei. Sie schafft es zwar, manchmal sogar ein bisschen Spass zu machen. Aber sie liefert keinen echten Gewinn.

180917-solar-02.jpg
Wie der Titel sagt…

Das liegt natürlich an der Hardware, die uns im Moment zur Verfügung steht. Die Erweiterung der Realität findet auf dem Handydisplay statt. Apple hat AR Kit im Juni 2017 für iOS 11 eingeführt. Seitdem hat das Genre Aufwind erfahren, weil es dank der Unterstützung des Betriebssystems einfach ist, Apps mit entsprechenden Fähigkeiten auszustatten. Doch die AR-Apps zeigen eigentlich nur eines: Es ist unsinnig, die Welt auf dem Smartphone-Display zu betrachten, wenn man sie gleichzeitig ohne Smartphone in Echt ansehen kann: In vollen 360 Grad, so hochauflösend wie die eigenen Augen es erlauben und ohne die kleine, störende Verzögerung, unter der das Kamerabild leidet. Da Apple das wahrscheinlich auch weiss, wirft es die Frage auf, ob bereits an den «Apple Glasses» gearbeitet wird. Und natürlich wird an den Apple Glasses gearbeitet, wie die für gewöhnlich gut informierten oder aber haltlos spekulierenden Kreise wissen. Aber selbst ohne äussere Anzeichen wäre es schlicht eine Unterlassungssünde, wenn Apple das Feld der Datenbrillen nicht beackern würde.
„Die Venus im Vorgarten“ weiterlesen