Weil ich mir das wert bin

Ich habe zwar mehrere Jobs, bin aber bei allen festangestellt bzw. fester Freier. Nun kommt es aber trotzdem vor, dass man gelegentlich wissen möchte, wie viel diese oder jene Arbeit eigentlich wert wäre, wenn man sie verrechnen würde. Was müsste man verlangen, wenn man zwei, drei Stunden für jemand etwas tut?

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In vier Schritten erfährt man seinen optimalen Stundenansatz.

Die Antwort auf diese Frage ist schwierig. Gerade wenn man festangestellt ist, fällt es einem schwer, den Wert seiner Arbeit in Form einer Zahl auszudrücken. Persönlich hält man sich vielleicht für so genial, dass der Betrag auch mit fünf Stellen noch zu gering erscheint. Umgekehrt möchte man sich die Peinlichkeit ersparen, eine so hohe Zahl zu nennen, dass der andere unwillkürlich zusammenzuckt. Was also tun? Eine gute Möglichkeit ist, nach empfohlenen Tagessätzen zu googeln. Als Journalist findet man dann vielleicht das PDF Der Leitfaden für den Arbeitsalltag von Freien JournalistInnen von Syndicom, in dem es Folgendes heisst:

Beim Honorar ist übrigens gegen oben alles offen: Gewisse Fachzeitschriften arbeiten mit Tagespauschalen von 800 Franken. Im Bereich Corporate Communication, also bei Unternehmenszeitschriften, ist ein Stundenansatz von 100 Franken realistisch. Texter in PR-Büros wiederum verlangen gut und gern 150 Franken Stundenansatz oder mehr.

Gleichzeitig ist offenbar aber auch gegen unten alles offen, wie man erfährt, wenn man auf diesen Edito-Text stösst:

Für einen Seitenaufmacher seien in der Regel zwei Tagessätze üblich, für einen «Aufmacher» auf der ersten Seite eines Bundes 2,5 bis 3. Der Tagesansatz betrage 500 Franken. (…) Kurt Brandenberger, langjähriger Journalist, fasst pointiert zusammen: «Es wird ‹hundsmiserabel› honoriert. Aber leider gibt es auch gestandene Freie, die den Redaktionen ihre Texte für ein Butterbrot überlassen, nur damit sie ab und an noch als Journalisten wahrgenommen werden. Ihre Existenz bestreiten sie mit PR-Aufträgen.»

Mit anderen Worten: Man ist so klug wie vorher. Man weiss zwar, wie viel man verlangen kann – aber wichtig es, auch die eigene Schmerzgrenze zu kennen bzw. zu wissen, wie viel Geld man braucht, damit man nicht als Working poor endet.

Und da kommt der Hourly rate calculator ins Spiel. Der nimmt eine Vielzahl von Daten entgegen: Zur Büromiete über Versicherungen, Reisekosten, Werbung, Anwaltskosten und ähnliche Dinge, aber auch zu Miete, Alltagsausgaben und Altersvorsorge. Dann gibt man an, wie viel man pro Tag arbeitet, wie lange man in den Ferien weilt und wie oft man im Schnitt krank ist.

Natürlich, wenn man nicht wirklich selbstständig erwerbend ist, dann fällt einem die Antwort auf manche dieser Fragen schwer. Zum Beispiel: Was setzt man als Miete an, wenn man nicht Alleinverdiener ist? Ich habe trotzdem die volle Miete eingetragen, weil ich das Ziel habe, mit 100 Prozent Arbeit das Familieneinkommen auch alleine bestreiten zu können.

Hypothetisch ist auch die Frage, wie viele Stunden man pro Tag denn wirklich verrechnen könne. Aber da es bloss um eine Überschlagsrechnung geht, ist es kein Problem, die Antwort aus dem Bauch heraus zu geben – und als Massstab seine eigene, realistische Erwartungshaltung an sein Erwerbsleben anzulegen. Die Zahlen werden in US-Dollar abgefragt, was aber egal ist. Da die Berechnung eh theoretischer Natur ist, kann man die Währung komplett ignorieren.

In drei Schritten kommen nun die Geschäftskosten, die privaten Kosten und die Zahl der verrechenbaren Stunden pro Woche bzw. im Jahr zusammen. In einem vierten Schritt legt man fest, wie viel Gewinn (Profit) man machen möchte. Das in einer Zahl auszudrücken, ist schwierig. Aber wenn man am Schluss einen Richtwert haben will, dann sollte man hier einen nicht allzu überzogenen, aber auch nicht zu bescheidenen Wert eintragen.

Das Resultat ist in meinen Fall niedriger ausgefallen als erwartet. Als Journalist sind die Berufsausgaben relativ gering; man braucht keine Sekretärin, nicht unbedingt ein separates Büro, keine Werbekosten und hat, je nach Themenfeld zumindest, wahrscheinlich auch kein riesiges Budget für Rechtsstreitigkeiten. Vermisst habe ich ein explizites Feld für die Steuern – was die Frage aufwirft, wie die Amis ihre Steuern bezahlen und ob die Berechnung überhaupt auf andere Länder als die USA anwendbar ist. Wahrscheinlich nicht, wenn man es genau wissen möchte. Vermutlich doch, wenn man mit einem ungefähren Resultat zufrieden ist. Jedenfalls habe ich im Feld «How much will you be spending on anything else?» eine sehr grosszügig bemessene Summe eingetragen, die die Steuern abdeckt und ein solides Polster für Dinge enthält, die allenfalls vergessen gegangen sind.

Update dazu: Wenn man, wie Blogging Tom, genau hinschaut, sieht man das Feld What’s your tax rate?, wo man den Steuersatz einträgt. Der ist aber kaum auf die Schweiz übertragbar.

Noch ein Update dazu: Wenn man den Screenshot oben anschaut, dann sieht man, dass da beim Step four das Feld für die Steuern noch fehlte. Das kam anscheinend dazu, während der Beitrag hier auf Halde lag. Das bedeutet, dass ich doch nicht ganz so schlimme Tomaten auf den Augen habe.

Der Stundenansatz-Rechner von usepastel.com gibt einem zwei Zahlen: Den Break-even und den optimalen Ansatz. Der Unterschied macht hier einzig die Profit-Angabe; aus der Differenz speist sich der jährliche Gewinn. Man kann die Zahlen auch verändern und so mit den Resultaten spielen. So kann man zum Beispiel herausfinden, wie weit man mit den verrechenbaren Stunden heruntergehen kann, um trotzdem noch auf den angestrebten Wert zu kommen – denn dieser Wert unter Kontrolle zu haben, ist entscheidend.

Fazit: Keine Raketenwissenschaft, aber dennoch nützlich, wenn man sich nicht zu günstig (oder übertrieben teuer) verkaufen möchte.

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Weil ich mir das wert bin“

  1. Ein schwieriges Thema! Der gezeigte Rechner ist gut um zu sehen, wie viel man mindestens verlangen muss. Dies hilft bei der Einschätzung, ob man seinen Businessplan realistisch entworfen hat. Bei IT-Dienstleistern sind übrigens etwa 60% der Stunden verrechenbar, 80% ist schon ein Spitzenwert.

    Wobei man meiner Meinung nach von der Bezahlung nach Stunden wegkommen sollte. Wenn meine Heizung gewartet werden muss, kann entweder ein flinker Techniker mit Erfahrung kommen, oder einer frisch ab der Lehre, der länger braucht. Bezahlen möchte ich in beiden Fällen gleich viel.

    Besonders in der IT ist die Differenz zum Teil krass: jemand mit nicht so fortgeschrittenen Kenntnissen installiert eine Software von Hand auf allen Rechnern, verlangt 150 Fr./h dafür und hat zehn Stunden. Ein erfahrener Dienstleister würde die Installation automatisieren und bräuchte nur vier Stunden, würde dafür aber 180 Fr./h verlangen. Da ist dann entweder einer zu teuer oder der andere zu günstig. 🙂

    Für einen optimalen Stundensatz sollte man sich daran orientieren, was die Konkurrenz verlangt. Und was ich gelernt habe: nicht zu günstig sein. Für 80 Fr./h programmieren könnte man, aber die Kunden glauben nicht, dass man es kann. 🙂

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