Der zuverlässigste Lotse durch den Verkehrsdschungel

Ich habe einen neuen Liebling, was die multimodale Reiseplanung angeht. In dieser Disziplin macht Routerank so schnell keiner etwas vor.

Ich habe neulich zwei Apps fürs Reisen vorgestellt: Citymapper und, mit einigen kritischen Untertönen und drei Empfehlungen für die SBB, Smartway.

Daraufhin habe ich den Tipp bekommen, mir doch einmal routerank.com anzuschauen. Auch das ist ein Dienst, der sich der multimodalen Reiseplanung verschrieben hat: Er berücksichtigt «die gesamte Route von Tür zu Tür inklusive der Vielzahl aus allen relevanten Verkehrsmitteln wie Flugzeug, Bahn, öffentlicher Nahverkehr, P+Rail, P+Ride, Pkw, Mietwagen, Car-Sharing, Car-Pooling, e-Bike, Fahrrad und Fusswege», wie es auf der Über-uns-Seite heisst.

Und bevor ihr fragt: Ja, es gibt Routerank auch als App (iPhone/iPad und Android).

Natürlich sehe ich mir als Erstes jene Verbindung an, die ich für den Test solchen Apps immer ausprobiere: Das ist die Fahrt von meinem jetzigen Wohnort zu dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin.

Er ist öV-mässig eine Herausforderung: „Der zuverlässigste Lotse durch den Verkehrsdschungel“ weiterlesen

Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?

Ein Verein kämpft gegen 5G und gegen jegliche elektromagnetische Strahlung – und er verlangt auch WLAN-freie Zonen. Ich habe versucht herauszufinden, ob diese Forderung ernst gemeint ist – und was hinter ihr steckt.

Auf Facebook bin ich einer, Zitat, «nationalen und hoffentlich zukunftsweisenden» Umfrage zu 5G begegnet. 5G: Das ist dieser neue Mobilfunkstandard, der heftig angefeindet wird. Es gibt Leute, die ihn unbedingt verhindern wollen. Zu diesem Zweck setzen sie einiges an Aktivitäten in Gang.

Der Facebook-Post mit Umfrage zu 5G.

Eine dieser Aktivitäten ist eben diese Umfrage. Sie stammt, genauso wie der gesponsorte Facebook-Post, von einem Verein namens «Stopp 5G in Winterthur».

Bei dieser Ausgangslage hat man eine ziemlich klare Vorstellung davon, was Sinn und Zweck dieser Erhebung ist. Und ein Blick auf die Fragen bestätigt die schlimmsten Vermutungen. Wenn ich es jemals mit Suggestivfragen zu tun bekommen habe, dann bei diesem demoskopischen Meisterwerk: „Sollten wir nicht nur 5G verhindern, sondern auch den Mobilfunk abschaffen?“ weiterlesen

Die Maus zeigt den Kindern, was es geschlagen hat

Die Mousetimer-App visualisiert einen Countdown auf kindgerechte Art und Weise.

Kinder haben die beneidenswerte Gabe, im Hier und Jetzt zu leben und sich keinen Deut um die Pläne ihrer Eltern zu scheren. Ob sie nun schleunigst nach Hause zum Essen oder beim Elki-Turnen antreten sollten, ob Zeit fürs Bett wäre oder der Papa zum Einkaufen möchte – wenn noch nicht fertiggespielt ist, dann hat man als Erziehungsberechtigter einen schweren Stand.

Einen Trick gibt es allerdings, der die Durchsetzung solcher Pläne ein bisschen erleichtert: Man kündigt sie rechtzeitig an und gibt den Kindern die Gelegenheit, zu einem Ende zu kommen. Der Trick funktioniert nicht immer und verhindert Tränen oder den Tobsuchtsanfall nicht mit Sicherheit. Aber die Erfolgsquote ist gut genug, dass ich ihn hier nachdrücklich empfehle.

Und noch besser: Eine App macht die verbleibende Zeit für das Kind fassbar. „Die Maus zeigt den Kindern, was es geschlagen hat“ weiterlesen

Statt um Word geht es hier nun ums Schreiben

Es hätte ein Tipp zu Textverarbeitungen werden sollen. Doch dann bin ich ganz am Anfang falsch abgebogen und habe ein Essay übers Schreiben verfasst.

Was ist das Schwierigste an meinem Job? Viele denken, es sei das Schreiben. Kein Wunder, wo viele Autoren davon erzählen, wie sie heldenhaft gegen ihren ärgsten Feind ankämpfen – jener Feind, der Schreibblockade heisst und sogar eine Wikipedia-Seite hat.

Und natürlich: Es gibt die Momente, wo man nicht weiss, wie man einen Text nun aufzäumen könnte. Der berühmte erste Satz sollte tatsächlich nicht allzu fade daherkommen – und dann zügig zum Kern der Sache hinführen, weil man sein Publikum nicht langweilen sollte. Das ist nicht immer einfach.

Aber es ist ohne Zweifel so, dass die Seelenpein, die viele Autoren angeblich bei ihrer Arbeit empfinden, vor allem ein Mittel für die Selbstüberhöhung ist. Schliesslich ist man vor allem ein Künstler – und ein Künstler hat zu leiden, während er seine Kunst produziert. Der Schmerz verleiht dem Werk Bedeutung, erhöht den Marktwert und nötigt dem Publikum Ehrfurcht ab.

Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Kritik etwas milder ausfallen wird. „Statt um Word geht es hier nun ums Schreiben“ weiterlesen

Eine artistische Windows-App für Ordnungsfanatiker

Eine heisse Empfehlung für einen aufgeräumten Download-Ordner: File Juggler verschiebt heruntergeladenen Dateien automatisch in den Ordner, wo sie hingehören.

Kennt ihr das Problem mit dem Download-Ordner? Dieser Ordner kann gemäss meiner Beobachtung zwei Zustände aufweisen:

  1. Total zugemüllt. Es finden sich Hunderte oder Tausende Dateien darin, die ihr Besitzer heruntergeladen, aber nie vernünftig verräumt hat.
  2. Leer, beziehungsweise penibel aufgeräumt. Wenn das der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass der Besitzer des fraglichen Downloadordners ein Sauberkeitsfanatiker ist, der sogleich nach dem Herunterladen hingeht und jede einzelne Datei in den dafür vorgesehenen Ordner verschiebt. Das verhindert das Chaos – aber es braucht leider auch viel Zeit.

Ich gehöre zur zweiten Sorte: Ich räume alle die Dateien, die in meinen Downloadordner wandern, sogleich an die richtige Stelle: PDF-Dateien in mein Artikel-Archiv oder in den Ordner mit dem Recherchematerial. Sicherheitskopien der Nerdfunk-Manuskripte aus Google Docs werden in meinen Nerdfunk-Ordner gesteckt. Backups meiner WordPress-Blogs gehören ins Backup-Verzeichnis. Und so weiter.

So herrscht jene Ordnung, die mir als leicht neurotisch veranlagtem Dateien-Mikromanagers zusagt. Der Nachteil ist, dass ich viel Zeit darauf verwende, Dateien aus diesem Download-Ordner an die richtige Stelle zu verschieben. „Eine artistische Windows-App für Ordnungsfanatiker“ weiterlesen

Rezepte für alle Geschmäcker (ausser jene von Kannibalen)

Heute ist ein fast so kontroverses Thema wie die Frage nach der besten Religion angesagt: Es geht nämlich um die empfehlenswertesten Koch-Apps.

Die besten Rezept-Apps – die standen schon lange auf meiner Themenliste. Aber gibt es ein kontroverseres Thema als das? Mir fällt nur gerade eines ein: «Die schönsten Religions-Apps.»

Doch gerade nach den Glaubensbekenntnissen kommt die Ernährung als Gebiet, wo Überzeugungen nahtlos in Ideologien übergehen und Weltanschauungen aufeinanderprallen: Manche mögen es heiss und fettig, andere naturbelassen und knackig. Es gibt die Leute mit der Laktoseintoleranz – und solche mit null Verständnis für hipsterige Zutaten wie Quinoa, Avocado, Blumenkohl oder Sriracha-Sauce.

Da gibt es Leute, die keine Konservierungsmittel vertragen und andere, die mit gänzlichem Unverständnis darauf reagieren, dass ein Gericht nicht in der Plastikschale gereicht wird und mindestens 350 Lebensmittelzusätze aufweist.

Für mich stellt sich die Frage: Kann man solche Apps vorstellen und neutral bleiben? Denn ich habe keine Lust, für die eine oder andere Position Stellung zu beziehen oder bezüglich meiner persönlichen (nicht allzu aussergewöhnlichen Vorlieben) die Hosen allzu weit herunterzulassen.

Aufgefallen ist mir, dass es sich manche Apps einfach machen: „Rezepte für alle Geschmäcker (ausser jene von Kannibalen)“ weiterlesen

Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?

Der angeblich so geniale Netflix-Algorithmus nimmt es uns ab, lange nach Filmen und Serien suchen zu müssen. Doch bei näherer Betrachtung ist das gar nicht so toll – ganz im Gegenteil.

Netflix ist bekanntlich unglaublich stolz auf diesen Algorithmus, der uns immer gleich etwas zum Anschauen vorsetzt. Mehr als achtzig Prozent der Filme und Serien, die sich die Leute ansehen, seien von diesem Algorithmus vorgeschlagen worden, habe ich hier gelesen.

Dieser Beitrag ist interessant: Er erklärt ein bisschen etwas darüber, wie der Algorithmus funktioniert. Es gibt hyperspezifische Mikro-Genres wie «visuell beeindruckende Nostalgie-Dramen» (siehe auch hier) und viele Datenpunkte über den Nutzer, die am Schluss – irgendwie – bestimmen, was wir uns ansehen.

Der Beitrag zitiert auch die berühmten neunzig Sekunden, die ein Netflix-Nutzer angeblich maximal aufwendet, um seine Wahl zu treffen. Diese Zeitangabe stammt aus dem Blogpost The Power Of A Picture von 2016 von Netflix‘ Presseseite: „Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?“ weiterlesen

Mit Google die letzten Fotogeheimnisse enträtseln

Google Lens ist erschreckend gut darin herauszufinden, was auf einem Foto zu sehen ist. Wichtig ist lediglich, richtig zu scannen und zu suchen.

Neulich habe ich eine neue Geschichte für ein altes Foto und beschrieben, wie man mithilfe des Internets Recherchen zu seinen Fotos anstellt: Wie findet man heraus, wo ein Foto aufgenommen worden ist, wenn man sich partout nicht mehr daran erinnern mag?

Andreas hat mit dem richtigen Ausschnitt gearbeitet und so einen Treffer gelandet (zweiter Vorschlag rechts).
Ich hatte Google Lens auch eine Chance gegeben – aber den Fehler gemacht, den Ausschnitt nicht einzugrenzen.

Einer meiner Facebook-Freunde hat einen Versuch mit Google Lens unternommen und ist dem Geheimnis jenes Fotos auch auf die Spur gekommen.

Ich hatte die App auch ausprobiert, aber ohne Erfolg. Aber offensichtlich habe ich zu früh aufgegeben. Der Clou scheint zu sein, genau den richtigen Bildausschnitt zu wählen.

Das ist Grund genug, diese App etwas genauer unter die Lupe zu nehmen: Was taugt Google Lens, um Motive auf alten Fotos zu identifizieren?

Es gibt die App für Android. Eine separate App fürs iPhone bietet Google nicht an. Die Lens-Funktion steckt bei iOS in der Such-App von Google. Man kann mit ihr einen Suchtext eintippen, diktieren – oder aber Bildinformationen zur Suche nutzen. Dazu greift man entweder auf die Kamera des Smartphones oder aber ein vorhandenes Bild zurück.

Ich nutze die Lens-Funktion inzwischen recht gerne: „Mit Google die letzten Fotogeheimnisse enträtseln“ weiterlesen

Backstage bei Android

Die Entwickleroptionen und der Fehlerbericht: Zwei Möglichkeiten, als Android-Nutzer seine Nase in Dinge zu stecken, die einen nicht unbedingt etwas angehen.

Bei Android gibt es die praktische Möglichkeit, einen Systembericht zusammenstellen zu lassen. Ich habe sie neulich nach meinem Test der SwissCovid-App verwendet. Auf dem schon etwas älteren Huawei gab es die Meldung, die Play-Services von Google hätten nicht die erforderliche Version. Dieser Meldung wollte ich mit einem befreundeten Googler auf den Grund gehen: Denn eigentlich hätte sie nicht erscheinen sollen, weil die erforderliche Version der Play Services bereits verfügbar war.

Das Menü mit den Entwickleroptionen: Ein gefundenes Fressen für Spielkinder.

Also, um so einen Systembericht anzufertigen, öffnet man die Einstellungen. Man blättert ans Ende der Liste, tippt auf den Punkt Über das Telefon und tippt dann siebenmal auf die Zeile, in der die Build-Nummer angegeben ist. Das klingt etwas schräg, führt aber dazu, dass der Entwicklermodus aktiviert wird.

Dieser Modus sogt dafür, dass in den Einstellungen der Punkt Entwickleroptinen hinzugefügt wird. Nicht alles, was man in dieser Rubrik zu sehen bekommt, ist für uns normale Anwender interessant. Aber ein paar Dinge gibt es schon, wo man als neugieriger Mensch seine Nase hineinstecken möchte. Zum Beispiel: „Backstage bei Android“ weiterlesen

Adobes neue Kamera-App haut mich (noch) nicht aus den Socken

Ist Photoshop Camera die ultimative Kamera-App? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht.

Hier im Blog habe ich schon diverse Effekt-Kamera-Apps vorgestellt, Halide, ProCam, Camera+, Manual Camera oder neulich Hipstamatic X Analog. Doch jetzt kommt die Kamera-App, die alle anderen Kamera-Apps überflüssig macht. Oder?

Das ist Photoshop Camera, natürlich von Adobe, fürs iPhone/iPad und Android. Es sei «die Kamera-App, von der du immer geträumt hast», verspricht Adobe: «Die intelligente Kamera-App von Adobe weiss, mit welcher Linse und welchen Filtern deine Motive zur Geltung kommen – noch bevor du den Auslöser drückst.»

Das klingt einerseits spannend: Denn natürlich, wenn ein Effekt bereits beim Fotografieren angewendet wird, ist das Resultat in vielen Fällen besser, als wenn man ihn erst in der Postproduktion hinzufrickelt: So sind  Rückkoppelungen in den Entstehungsprozess möglich.

Ein Beispiel dafür ist die Schwarzweissfotografie: „Adobes neue Kamera-App haut mich (noch) nicht aus den Socken“ weiterlesen