Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke

Im Beitrag Mein Laufcoach ist ein Zombie habe ich eine Besprechung von Rock My Run (oder «RockMyRun», wie der Hersteller schreibt, weil wahrscheinlich seine Leerschlagstaste kaputt ist) in Aussicht gestellt. Und heute, ladies and gentleman1, ist es so weit.

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Links: Musik, nach «Stationen» sortiert.
Rechts: Es ist nicht kostenlos, ein Rockstar zu sein. Dafür hat man mehr Features.

Also, Rock my Run ist eine für für Android und fürs iPhone erhältliche App, die von sich selbst behauptet, «the best running music in the world» zu liefern. Entsprechend hart soll der Massstab sein, der in diesem Test hier angewandt wird.

Und entsprechend hart wird das Urteil hier ausfallen. Denn bei der «besten Musik-App für Läufer» fallen zwei Dinge negativ auf. Erstens die schlechte Soundqualität. „Dieser DJ bleibt auf der (Renn-)Strecke“ weiterlesen

Charles, bring mir mal die Milch!

Charles – das Icon ist aus unerfindlichen Gründen eine reich verzierte Milchkanne, wie sie unsere Grossmütter gerne nutzen würden – gehört zu den Netzwerkutilities. Das ist eine Programmkategorie, für die ich, wie hier festgestellt, eine gewisse Schwäche habe. Warum dem so ist, bleibt mir selbst ein Rätsel. Mir fehlen sowohl Zeit als auch Fachkenntnisse, um mich im Detail damit auseinanderzusetzen, was sich auf dem Netzwerkkabel oder der WLAN-Schnittstelle im Detail tut. Und eigentlich bin ich zufrieden, wenn die richtigen Daten in ausreichendem Tempo bei mir ankommen.

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Milch. (In Form von HTTP-Kommunikation.)

Doch dann passiert es wieder, und mich packt der Rappel. Dann möchte ich doch genauer wissen, was sich hinter der Benutzeroberfläche meiner Betriebssyteme und der Programme abspielt – und was dieses oder jenes Programm genau treibt. Und dabei hilft Charles. Das Programm nennt sich selbst einen HTTP-Proxy Schrägstrich HTTP Monitor. Der Proxy dokumentiert die HTTP-Anfragen der Browser und Apps und die Antworten, die aus dem Internet zurückkommen. Der Monitor überwacht diesen Datenverkehr und ermöglicht es, nicht nur die Metadaten, sondern auch den Inhalt des Datenverkehrs zu analysieren.

Stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck: „Charles, bring mir mal die Milch!“ weiterlesen

Naja, es geht so

Neulich ist mir der Chromecast zweiter Generation in die Finger geraten, den ich schätzungsweise vor etwa fünf Jahren für eine Rezension vorgesehen habe. Daraus ist nichts geworden, weil das Teil, so handlich wie es ist, verschütt gegangen ist. Man sieht: Zum Skillset des Gadgettesters gehört eine landläufig unterschätzte Fähigkeit, nämlich jene zur zweckmässigen Organisation der Testkandidaten. Und autsch, da fällt mir siedendheiss ein, dass ich ein Dreivierteljahr hinterherhinke, was das Zurückschicken der abgearbeiteten Testgeräte angeht. Es ist nicht so, dass ich mich der Rücksendung verweigern würde. Wie hier ausgeführt, gehört auch das zu den Pflichten eines Gadgettesters. Es ist bloss so, dass diese Arbeit in der Prioritätenliste gerne nach unten rutscht. Und wie es heutzutage so ist: Die Prioritätenliste ist zu lang, der Tag zu kurz.

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Google hat einen kunstbeflissenen Bildschirmschoner in petto.

Aber ich schweife ab. Der Chromecast, zweite Generation, erhältlich für um die 40 Franken (Amazon Affiliate). Er hängt nun am Schlafzimmerfernseher, der nebst dem HDMI-Eingang praktischerweise auch einen ungenutzten USB-Port hat, über den der Chromecast mit Strom versorgt wird. Man benötigt kein zusätzliches Netzteil, muss keine Steckdose freimachen und keine Kabel ziehen. Das ist gelungen. Wieso ist das eigentlich kein Standard? Geräte wie Fernseher, an die oft weitere Dinge angeschlossen werden, sollten auch die Stromversorgung dieser Geräte übernehmen – das würde den Kabelsalat angenehm verringern.

Ich schweife schon wieder ab. „Naja, es geht so“ weiterlesen

Vorhang zu für Mojave


Warum es gut ist, dass Apple kleinere Brötchen bäckt.

Der Titel wirft die Frage auf, warum man für ein neues Betriebssystem den Vorhang schliessen und nicht aufreissen sollte. Die Antwort hängt mit dem neuen dunklen Anzeigemodus zusammen: Er macht weisse Fenster schwarz und die schwarze Schrift weiss. Viele nutzen ihn gerne bei dunklen Umgebungsverhältnissen. Um dafür die Bedingungen zu schaffen ziehe ich im Video die Jalousien zu.

Was mich angeht, nutze ich den dunklen Modus auch gerne tagsüber: Keine Frage, dass er bei mir zur Standardeinstellung werden wird. Ich finde ihn angenehm, weil ich die hellen Fenster oftmals tatsächlich als anstrengend empfinde. Ich drehe routinemässig bei meinen Bildschirmen die Helligkeit zurück. Das schmälert jedoch auch den Kontrast und macht das Lesen nicht unbedingt angenehmer. Die invertierte Darstellung ist angenehmer, auch wenn sie ungewohnt ist. Man braucht auch eine etwas höhere Schriftgrösse fürs entspannte Lesen. Aber einer der unbestrittenen Vorteile vom Web ist, dass man sich die Schriftgrösse so hindrehen kann, wie man es gerne möchte. Und nebenbei: Ein Hoch auf den Lesemodus im Browser.
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Schmeisst Google Analytics über Bord

Ich bemerke ein seltsames Phänomen. Naja, eigentlich bemerke ich tagtäglich seltsame Phänomene. Zum Beispiel das, dass es offenbar aus der Mode gerät, normal zu telefonieren. Das heisst, mit dem Telefon am Ohr. Ich sehe nur noch Leute, die das Telefon vors Gesicht halten und den Gesprächspartner auf dem Lautsprecher haben. Oder ihn über einen Kopfhörer hören, wenn es sich nicht um völlige Neandertaler handelt. Ich frage mich, was das soll. Ich verstehe es, wenn es sich um Videotelefonierer handelt: Zum Beispiel um Touristen, die via Kamera zeigen wollen, wo sie gerade sind. Klar, in dem Fall will man nicht unbedingt per Skype, WhatsApp oder Facetime eine Ansicht seiner Ohrmuschel übertragen. Aber bei normalen Telefongesprächen ohne Video halte ich das für einigermassen albern. Hat man einen Kopfhörer, dann kann man das Telefon auch in die Jackentasche stecken. Und wenn man keinen Kopfhörer hat, dann könnte man sich überlegen, ob man wirklich die ganze Umgebung mit beiden Seiten des Gesprächs belästigen will. Wenn man das Telefon am Ohr hat, hören die Umstehenden wenigstens nur die Hälfte dieser Konversation, die sie mutmasslich nicht im geringsten interessiert

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Wie viel haben diese Zahlen mit der Wirklichkeit zu tun? (Bild: Negative Space/Pexels, CC0)

Soweit dieses Phänomen, um das es hier aber gar nicht gehen soll. Das Phänomen, das ich meine, nennt sich Google-Analytics-Hörigkeit. Für Leute, die nicht wissen, was Sache ist: Google Analytics ist eine Webstatistik, die vom gleichnamigen Suchmaschinenkonzern angeboten wird und über Javascript-Codes in beliebige Websites eingebunden werden kann. Die ganze Sache ist gratis, zumindest bei oberflächlicher Betrachtungsweise. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass man den Dienst relativ teuer bezahlt, nämlich indem man Google alles über die eigene Website herausfinden lässt, was Google über die eigene Website herausfinden möchte. „Schmeisst Google Analytics über Bord“ weiterlesen

Mark Zuckerbergs feuchter Traum

Also gut, es gibt, nach dem und dem, hier noch einmal ein Eschbach-Multipack. In dem Fall ist es nahe liegend, nicht zwei, sondern gleich drei Bücher aufs Mal zu besprechen. Black Out (Amazon), Hide Out (Amazon) und Time Out (Amazon) bilden nämlich eine Trilogie mit einer durchgehenden Geschichte.

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Serenity und Christopher bei ihrer Flucht nach Europa in der Nähe von Rennes. (Bild: lisajules/Pexels, CC0)

Diese Trilogie hier zu behandeln, ist quasi zwingend. Die Hauptfigur und der Held ist nämlich ein waschechter Nerd. Kidd ist der beste Hacker der Welt, der es mit einem Coup fast geschafft hätte, die Weltwirtschaft zum Zusammenbruch zu bringen und uns alle zu Milliardären zu machen. Er hat alle Eigenschaften eines Nerds, inklusive einer nicht sehr sozialverträglichen Introvertiertheit, einer eher indifferenten Haltung der Körperhygiene gegenüber und einer bemerkenswerten Unerfahrenheit bezüglich physischer Interaktion mit den anderen Geschlecht. Und wo das erwähnt ist, verrate ich wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass es sich um eine Jugendbuchserie handelt und darum auch aufknospende Liebe unverzichtbar ist. Eschbach beschreibt die aber mit so viel Einfühlungsvermögen, dass man annehmen muss, dass ihm zumindest einzelne der Persönlichkeitszüge von Kidd persönlich bekannt sind.

Also, Kidd ist mit seinem Vater daran mitschuldig, dass ein Phänomen namens Kohärenz über die Welt hereingebrochen ist. „Mark Zuckerbergs feuchter Traum“ weiterlesen

Klassische Bildbearbeitung, von hinten aufgezäumt

Hier fand einer meiner lieben Leser, ich müsste doch auch Luminar noch besprechen. Es handelt sich um eine Bildbearbeitungssoftware, die es für 69 Euro für Windows und Mac gibt. Ich habe mir hier zwar vor allem RAW-Konverter angesehen – was Luminar nicht zu sein scheint. Wikipedia beschreibt das Produkt als «eine universelle Bildbearbeitungs-Software». Aber ich will hier auch nicht päpstlicher als Jorge Mario Bergoglio sein. Abgesehen davon wirbt die Software mit Dingen wie «intelligenten Filtern». Und wer mich kennt, weiss, dass ich Programmen schwer widerstehen kann, die sich wegen ihres digitalen Denkvermögens selbst loben. Ich konnte auch Photolemur nicht widerstehen, der sich mit Worten wie «Automagic Technology» und «Artificial Intelligence» selbst gelobt hat. Wie es herausgekommen ist, weiss man ja.

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Mit Filtern und Presets werden Digitalfotos schön.

Luminars Oberfläche erinnert an Lightroom: Einerseits ist sie schwarz, andererseits hat sie eine vertraute Aufteilung mit einer Leiste am rechten Rand und einer Art Filmstreifen am unteren Rand. Doch es wird sofort klar: Das ist tatsächlich kein RAW-Konverter, sondern ein klassiches Bildbearbeitungsprogramm: Man lädt ein Foto, bearbeitet es und speichert es wieder. Es gibt zwar den Befehl Stapelverarbeitung, aber keine Funktionen für den Import ab Kamera und die auf Masse getrimmte Nachbearbeitung, für die Verwaltung grosser Kataloge oder eine nichtdestruktive Arbeitsweise. Der Filmstreifen am unteren Rand zeigt auch nicht andere Fotos in der aktuellen Auswahl, sondern Effekte. Immerhin: Die werden Lightroom-mässig Presets genannt. Wir kommen an dieser Stelle zum Schluss, Luminar als eine klassische Bildbearbeitung mit einem von Lightroom inspirierten Bedienkonzept zu bezeichnen. Böse Zungen würden vielleicht auch von einem Zwitter sprechen. „Klassische Bildbearbeitung, von hinten aufgezäumt“ weiterlesen

Bots, die Fotos anstarren

Captionbot ist eine lustige kleine Webanwendung von Microsoft, die Bilderkennung betreibt. Das ist per se nichts Neues. 2015 sind künstliche Intelligenzen aufgetaucht, die Fotos analysieren und mit Schlagworten versehen. Das hat dazu geführt, dass manche Leute sich etwas dumm vorgekommen sind: Nämlich die Leute, die das bis dato selbst gemacht hatten.

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Nicht falsch – aber auch nicht so ganz auf den Punkt.

Captionbot will nun nicht das Metadatenfeld mit den Schlagwörtern mit Inhalt füllen, sondern eine Bildbeschreibung abgeben. Das ist noch ein bisschen anspruchsvoller: Es geht nicht einfach nur darum, ein paar Dinge zu benennen, die auf dem Foto zu sehen sind. Nein, die Aufgabe ist, den Kerninhalt des Bildes zu erfassen. Und das Resultat sollte keine Aufzählung, sondern ein kleines Sätzchen sein. Dieses Sätzchen sollte idealerweise jemandem, der das Bild nicht sieht, eine klare Vorstellung vermitteln, was auf dem Bild zu sehen ist.

Das funktioniert in manchen Fällen ganz prächtig. „Bots, die Fotos anstarren“ weiterlesen

Windows oder Mac OS X? Die definitive Antwort.


Sieben nervige Windows-Marotten – und wie man sie abstellt.

Ist Windows ein gutes oder schlechtes Betriebssystem? Die Antwort auf diese Frage hängt natürlich von den Ansprüchen und der Erwartungshaltung ab. Ich fände Windows ein tolles Betriebssystem, wenn es nicht lästige Mödeli gäbe – zuletzt bei mir die häufigen und nervigen WLAN-Aussetzer. Natürlich, es gibt viel Detailkritik und die Diskussion um die Privatsphäre dauert an. Und wenn ich wünschen könnte, würde ich mir eine modernere Sicherheitsarchitektur wünschen, konkret eine Sandbox für Windows und abgestufte Rechte für Anwendungen. Das wäre der Stabilität und Zuverlässigkeit äusserst zuträglich.

Abgesehen davon entwickelt sich Windows in eine gute Richtung, finde ich. „Windows oder Mac OS X? Die definitive Antwort.“ weiterlesen

Retrofuturismus, Schattenplätzchen, Ethical Porn

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Spektakuläre Entwicklungen sind nicht nur mit Lightroom, sondern auch mit Alternativprogrammen möglich. (Bild: dimitrisvetsikas1969/Pexels, CC0)

Wie immer ist die neue Publisher-Ausgabe ein guter Anlass, das publizistische Schaffen der letzten Zeit Revue passieren zu lassen:

  • Tricks für farbige Schriften ist einer der Beiträge auf der «Tipps und Tricks»-Seite: Was für spezielle Möglichkeiten gibt es für farbige Schriften, die man bei normalen Fonts nicht kennt? Und: Wie stellt man es an, wenn man eine farbige Schrift denn trotzdem einmal monochrom reproduzieren möchte? Die anderen Tipps erklären, wie man in InDesign schnell die Seite wechselt, verborgene Zeichen schöner einfärbt und vertikalen Text setzt. In Photoshop gibt es mehrere Tipps zum Zeichenstift, der für Vektormasken zuständig ist. Plus Tipps zu Illustrator, etwa zum Drehen von Text.
  • Der falsche Font führt in den Knast erzählt eine lustige Geschichte rund um den ehemaligen pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif, der über Microsofts Schrift «Calibri» gestolpert ist, was der Affäre den Titel Fontgate und der Calibri den Spitznamen «Sans Sharif» eintrug. Plus: Tipps zu Google Fonts für die Print-Produktion, Plattformen fürs Ideensammeln, gestrickte Typografie und die Schrift «Krimhilde», die in den 1930er-Jahren gezeichnet wurde und aus nicht ganz unerfindlichen Gründen in Vergessenheit geraten ist.
  • Aus Adobes Schatten treten Wie der Name verrät, geht es um die Lightroom-Alternativen, die ich auch hier im Blog breitgetreten habe. Plus diverse nützliche Scripts zu InDesign, unter anderem zur schnellen Navigation in grossen Dokumenten und zu Aufräum-Hilfsprogrammen. In Photoshop gibt es ein Script, das eine Auswahl in eine Vektorpfad wandelt und Ölmalerei simuliert. Und abschliessend vier Schriften von Schwarzschild, die sich durch Retrofuturismus auszeichnen.

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