Kreative Texte (trotz Word)


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Warum gibt es Word heute noch? Nicht, weil das Programm ein grossartiger Wurf softwareingeniöser Schaffenskraft wäre. Im Gegenteil: Word hat viele Mängel und ist ein Moloch. Doch es wird Ende der 1980-er Jahre vielen so gegangen sein wie mir: Als wir damals erstmals mit Computern in Berührung kamen, war Word eines der Programme, mit denen wir uns am intensivsten auseinandergesetzt haben. Die Computerwelt war neu und aufregend, und was Word alles ermöglichte, war grossartig. Was mich angeht, habe ich vorher meine Texte mit der Maschine geschrieben. Die hatte zwar einen Speicher für um die 16’000 Zeichen und rudimentäre Bearbeitungsmöglichkeiten. Im Vergleich dazu war die Combo aus Compi und Textverarbeitung grossartig!

So wurde Word zum Inbegriff einer Textverarbeitung: Sie ist für viele Leute genauso, wie eine Textverarbeitung sein muss. Und zwar einfach, weil wir schon so lange damit arbeiten, dass uns der Anblick des Fensters (trotz des Ribbons) derart vertraut ist.

Dabei ist Word ja eigentlich keine Textverarbeitung, sondern eine Verarbeitung für Bürotexte und geschäftliche Kommunikation. Sie hat zwar über die Jahre allerhand andere Funktionen aufgepropft erhalten, aber es kommt nicht von ungefähr, dass Word noch immer Teil einer Software-Suite namens Office ist. Wie eine Textverarbeitung auch aussehen könnte, hat sich Apple mit Pages überlegt. Nicht mit sonderlich grossen Erfolg, wie ich finde: Pages ist eigentlich mehr eine Layoutsoftware und stellt das Formale noch mehr in den Vordergrund als Word.

Dabei – und darum geht es im Patentrezepte-Video vom letzten Sonntag – ist das Formale für viele Schreiberlinge, pardon: Autoren Nebensache. Sie sollten eigentlich gute Inhalte abliefern. Und da sind all die Formatierungsfunktionen mehr Ablenkung als Hilfe. Um einem zu helfen, einen guten Text zu schreiben, sollte einem die Software helfen, seine Fakten im Blick zu haben und auch komplexe Sachverhalten zu strukturieren. Sie muss eine sehr gute und unaufdringliche Korrekturfunktion aufweisen. Auch eine stilistische Kontrolle zu Aspekten des Textes, die sich statistisch erheben lassen – Satzlänge, Komplexität der Struktur, Passiv- und Nominalkonstruktionen und derartiges – wäre hilfreich.

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Die Mindmap-Funktion: Nicht, um sein Dokument mit den entsprechenden Grafiken anzureichern, sondern um die Struktur komplexer Werke zu planen.

Wenn man sich das mal vor Augen führt, würde eine Textverarbeitung ganz anders aussehen als Word. Ich Video erkläre ich, wie man sich Word weniger so zurechtbiegt, dass es weniger Ablenkung gibt. Ich stelle die Alternative Papyrus.de vor, die ich persönlich interessant finde, aber als etwas ungeschliffen erlebt habe. Plus die Danger Text-App, die ich vor Kurzem hier im Blog vorgestellt habe.

Autor: Matthias

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