Was Trump mit Google gemeinsam hat

Rückblick der Woche 22: Trump haut Twitter auf die Finger; Bei Twitter kann man Tweets zeitgesteuert absetzen; Apple will durch eine Übernahme Siri unter die Arme greifen; Google bastelt am Page-Rank-Algorithmus

Trump haut Twitter auf die Finger

Trump hat einen dicken noch dickeren Hals bekommen, nachdem Twitter einen seiner Tweets gefact-checkt hat. Auf dieser Seite hier steht, dass die Behauptungen des Präsidenten unbegründet seien: Trump hatte angedeutet, dass Briefwahl und -abstimmungen – wie sie hierzulande seit Jahrzehnten praktiziert werden – Betrug und Fälschungen fördern würden. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom wollte diesen Weg erleichtern. Der Grund ist die Corona-Pandemie – aber natürlich ist die Möglichkeit, per Brief abzustimmen und zu wählen, generell eine gute Sache, weil sie die Stimmbeteiligung erhöht.

Der Präsident empfand das nun offenbar als persönliche Beleidigung. „Was Trump mit Google gemeinsam hat“ weiterlesen

Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen

Apps, die einem den letzten Nerv rauben – durch hirnlose Werbung. Oder aber, indem sie einen für dumm verkaufen wollen.

Hier steht klar und deutlich: «Matthias, es ist Zeit, dass du deine Zeit für sinnvolle Dinge verwendest!» (Karolina Grabowska, Pexels-Lizenz)

Manchmal klicke ich aus purer Rachsucht auf ein Online-Banner. Zum Beispiel dann, wenn eine dieser werbefinanzierten Apps mich besonders aufdringlich mit übergriffigen Anzeigen gepiesackt hat. Vor allem bei Spielen gibt es sehr viel Werbung. Und dort ist sie besonders nervtötend – wie ich feststellen durfte, als ich die  Games für meinen Beitrag Da läuft man sich gleich viermal die virtuellen Hacken wund getestet habe.

Unterbrecherwerbung will einen mit allen möglichen fiesen Tricks dazu bringen, sie anzuklicken. Sie verschwindet nicht von alleine, sondern muss vom Nutzer entfernt werden. Zum Schliessen gibt es ein kleines x-Symbol: Das zeichnet sich dadurch aus, dass es nie in der gleichen Ecke zu finden ist: Man muss es somit immer erst suchen. Und es ist winzig, dass man möglichst leicht daneben tippt.

Die «Dark pattern» im Software- und Nutzerinterface-Gestaltung

Auch die Werbung selbst nutzt Tricks, die höfliche Leute als «fragwürdig» bezeichnen würden. Wenn man es weniger zurückhaltend ausdrücken will, nimmt man das Wort hinterfotzig in den Mund. „Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen“ weiterlesen

Twitter, nur ohne den Zahlenverhau

Eine Browser-Erweiterung entfernt die Anzahl Likes, Retweets und Follower aus der Benutzeroberfläche von Twitter. Das klingt unsinnig – ist es aber nicht.

Der scharfsinnige, hier schon einmal erwähnte Ezra Klein hat mich auf eine Browser-Erweiterung namens Twitter Demetricator aufmerksam gemacht, die es für Firefox und für Google Chrome gibt.

Na, wie viele Likes hat dieser Tweet wohl eingesammelt?

Sie blendet bei den Retweets, Antworten und Favoriten die Zahlenangaben aus. Man erfährt auch nicht mehr, wie viele Follower ein Account hat und wie vielen Leute er folgt.

Das klingt auf den ersten Blick völlig unsinnig. Als Twitter-Nutzer ist man gewohnt, diese Informationen bei Relevanzabwägungen routinemässig miteinzubeziehen. Wenn etwas mit vielen Herzchen versehen oder häufig retweetet wurde, dann beurteilen wir es als wichtiger als Meldungen, die scheinbar unbeachtet durch die Zeitleiste flutschen.

Der Urheber der Erweiterung ist ein Künstler namens Ben Grosser. Er schreibt: „Twitter, nur ohne den Zahlenverhau“ weiterlesen

Die etwas zu private Suchmaschine

Ich soll unbedingt eine neue Suchmaschine besprechen, sagte Laura neulich zu mir. Das mache auch – allerdings schneidet Privado.com nicht sonderlich gut dabei ab.

Neulich wurde ich in einem netten Mail dazu aufgefordert, mir doch gefälligst die Suchmaschine privado.com anzusehen. Als Grund wurde mein Blogpost Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle! angegeben, in dem ich qwant.com erwähnt hatte.

Das Mail stammt von einer gewissen Lara, die angibt, Privacy-Expertin bei YourPrivacyBrands zu sein. Die dazugehörende Website trägt ein .com am Ende und zeigt (zum Zeitpunkt, während ich diesen Beitrag schreibe), nur das Listing eines Webserver-Verzeichnisses, das bis auf den Ordner cgi-bin leer ist.

Das ist übrigens die perfekte Methode, wie ihr bei mir Eindruck schindet und Vertrauen gewinnt: „Die etwas zu private Suchmaschine“ weiterlesen

Ein erster Blick auf die SwissCovid-App

Ein erster Augenschein von SwissCovid, der Schweizer Kontakttracing-App.

Die SwissCovid-App zeigt auf dem Hauptbildschirm, dass das Tracking aktiv ist.

Die Schweizer Kontakt-Tracing-App wurde anfänglich unter dem Namen DP-3T-App gehandelt. Das sperrige Kürzel steht für Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing, und soll zum Ausdruck bringen, dass die Datenspeicherung nicht zentral auf einem Server, sondern dezentral auf den einzelnen Geräten erfolgt – was nicht nur für mich, sondern auch für viele Leute eine Voraussetzung ist, um die App überhaupt zu verwenden.

Der offizielle Name ist jetzt SwissCovid. Das ist auch seltsam, weil es nach einer Variante des Virus klingt, die nur Schweizer befällt. Aber abgesehen davon macht sie einen brauchbaren Eindruck – so weit man das bei einer App sagen kann, bei der der eigentliche Vorgang völlig unsichtbar im Hintergrund passiert. „Ein erster Blick auf die SwissCovid-App“ weiterlesen

Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude

Intransparent und nicht benutzerfreundlich: Zwei nervige Erlebnisse mit zwei Schweizer Webshops.

Gutscheine sind in der Theorie eine tolle Sache. Man kann einkaufen gehen, muss aber nicht das eigene Portemonnaie zücken: Man bekommt ein Geschenk, das man sich obendrein selbst aussuchen darf.

In der Praxis sind Gutscheine nervig und umständlich. Ich hatte in der letzten Zeit zwei Fälle, bei denen ich mich einfach nur genervt habe.

Der eigentlich harmlose Fall betrifft Cede.ch.

Ich hätte da eine Verschwörungstheorie…

Der Winterthurer Versandhändler von Ton- und Filmträgern, Büchern und Spielen hat mir einen Gutschein von 10 Franken zukommen lassen. Erstes Ärgernis war die Mindestbestellmenge von 35 Franken. Die Musik-CD, die ich meinem Göttimeitli schenken wollte, («Schwiizergoofe 8») lag mit 29.90 genau 5.10 Franken darunter. (Ist es eine Verschwörungstheorie, wenn ich vermute, dass der typische Bestellbetrag bei Cede.ch just ein bisschen unter diesen 35 Franken liegt?)

Jedenfalls habe ich den neuen Asterix («Die Tochter des Vercingetorix») obendrauf gelegt – und mich schon mal ein bisschen geärgert, dass ich 13 Franken ausgebe, um zehn zu sparen. „Bei Cede.ch und Digitec einzukaufen, ist auch nicht die reine Freude“ weiterlesen

Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen

Mit den Podcasts ist eine Unsitte aus der US-amerikanischen Radiokultur auch hierzulande eingeschleppt worden: Die ungenügende Trennung von Werbung und Inhalt.

Es war 1990 1991 im Spätsommer, als ich einen Freitagabend in Nashville im «Opryland» verbrachte. Auf der Bühne des Grand Ole Opry House gab es eine Parade von Sängern zu sehen, die zwei Gemeinsamkeiten hatten: Jeder hatte einen Cowboyhut auf dem Kopf und alle gaben Countrysongs zum Besten. Im Bible Belt ist dieses Genre alternativlos.

Aber es erlebte auch im Rest des Landes einen Höhenflug. Das war Billy Ray Cyrus zuzuschreiben: Ein junger Schönling, der mit Achy Breaky Heart ein Stück auf Lager hatte, das als County-Rock galt – das ich aber eher als leicht traditionell angehauchten Schlager bezeichnen würde.

Für mich war der Besuch im Mekka der Countrymusik eine leicht surreale Erfahrung. Es wurde nämlich nicht nur musiziert. Zwischendurch wurden mit breitestem Southern Drawl Witze zum Besten gegeben, von denen ich meistens den Anfang, aber selten die Pointe verstanden habe. Und zwischendurch trug der Mann, der als eine Art Conférencier war, äusserst seltsame Dinge vor:

Es schien um Seife, Traktoren und die besten Angebote in Ole mom and pop farming accessories Store (oder so ähnlich) zu gehen. Doch konnte es tatsächlich sein, dass dort in Tennessee an Konzerten zwischen den Songs Werbesprüche rezitiert werden? „Eine schlechte Angewohnheit, die Podcaster schleunigst aufgeben müssen“ weiterlesen

Jetzt könnte das Kontakt-Tracing eigentlich losgehen

Rückblick der Woche 21: iOS 13.5 ist da; Contact-Tracing-App gibt Daten weiter; Mark Zuckerberg ist ein grosser Freund des Homeoffice; Netflix beendet ungenutzte Abos

iOS 13.5 ist da

Apple hat diese Woche ein iPhone-Update veröffentlicht: iOS 13.5 integriert die Funktionen für die Covid-19-Kontaktverfolgung per Bluetooth ins Betriebssystem. Das Update ebnet den Weg für die Tracking-Apps der Gesundheitsbehörden. Wie in diesem Blog auch schon bedauert, geht es mit der Schweizer Tracing-App nicht so schnell vorwärts, wie es wünschenswert wäre. Aber immerhin weiss man inzwischen recht genau, wie die App aussehen wird (Paywall).

Aber ich konnte eine interessante Frage klären: „Jetzt könnte das Kontakt-Tracing eigentlich losgehen“ weiterlesen

Wie Youtube von Verschwörungstheoretikern ausgetrickst wird

Inakzeptable Videos können bei Youtube gemeldet werden. Nur dumm: Manche Urheber rechnen von vornherein damit, dass ihre Machwerke gelöscht werden und haben eine Gegenstrategie.

Beitragsbild: Entschuldige, aber du hast da eine Videoplattform vor dem Kopf (Rachit Tank, Unsplash-Lizenz).

Was tun, wenn einem ein Video wirklich gegen den Strich geht? Ich habe neulich über im Beitrag So radikalisieren sich die Verschwörungstheoretiker über einen solchen Fall geschrieben. Und mich gefragt: Muss man so ein Video wirklich tolerieren?

Vermutlich muss man, wenn jemand das Video auf seiner eigenen Website platziert. Allerdings richtet es auch weniger Schaden an als auf einer grossen Videoplattform wie Youtube. Dort ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Leute darauf stossen, die nicht explizit danach gesucht haben.

Verschwörungsmystischer Quatsch, freundlicherweise von Youtube vermittelt

Denn wie ich von meiner eigenen Statistik weiss, ist der Vorschlagsalgorithmus von Youtube ein potenter Publikumslieferant: 46 Prozent der Zuschauer werden über die Funktionen zur Auswahl von Inhalten angeliefert. Das klingt etwas kryptisch. Youtube sagt, dahinter würden die «Zu­grif­fe über die Start­sei­te/den Start­bild­schirm, den Abo­feed und son­sti­ge Funk­tio­nen zur Aus­wahl von In­hal­ten» stecken. 13,8 Prozent der Klicks kommen über die Videovorschläge.

Man kann davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Zuschauer durch die Plattform vermittelt wurden. „Wie Youtube von Verschwörungstheoretikern ausgetrickst wird“ weiterlesen

Was die Erweiterungen bei Firefox für Android taugen

Firefox für Android lässt darauf hoffen, dass die Browser-Erweiterungen endlich auch beim Smartphone Einzug halten. Allerdings bringt ein erster Augenschein auch Ernüchterung.

Warum gibt es für die mobilen Browser keine Erweiterungen? Darüber wundere ich mich seit Jahren. Und ja, mir ist klar, dass die meisten Leute von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen und sie darum auf den mobilen Plattformen auch nicht vermissen. Aber ich schätze die Möglichkeit, jenes Programm, in dem ich mit Abstand den grössten Teil meiner Arbeit verrichte, mit individuellen Funktionen ausrüsten zu können.

Es leuchtet natürlich ein, dass sich die Browser auf den mobilen Geräten nicht so einfach erweitern lassen wie am Desktop. Es gibt allerhand Einschränkungen: Der Platz für zusätzliche Befehle ist am Smartphone beschränkt. Die Erweiterungen müssten sich sinnvoll per Touch bedienen lassen. Es gibt Limiten bei den Ressourcen, und die Gefahr, dass zu anspruchsvolle oder schlecht programmierte Add-ons das Nutzerlerlebnis negativ beeinflussen, ist gross.

Beim iPhone und iPad kommt ein erschwerender Faktor hinzu. „Was die Erweiterungen bei Firefox für Android taugen“ weiterlesen