Das ist das langsamste Programm der Welt

Meine epische RAW-Konverter-Testreihe gipfelte neulich im Tagi-Artikel So einfach werden Ferienfotos verbessert. Man könnte annehmen, dass die Sache nun gut ist. Doch nein. Raw Therapee muss nun auch noch sein.

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«Keine Rückmeldung» – das ist bei diesem Programm quasi der Normalzustand.

Raw Therapee ist ein Programm aus der Open-Source-Welt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es während und nach dem Start meinen Computer für einige Zeit fast komplett blockiert. Wer mich kennt, weiss, dass mich das nicht für eine Software einnimmt. Ich verstehe, dass ein Programm dieser Art zwangsläufig einen beträchtlichen Leistungshunger an den Tag legt. Aber ich mag es trotzdem nicht, wenn ich während des Starts noch nicht einmal ein paar Wörter in den Texteditor (Notepad!!!) eintippen kann.

Auch bei simplen Interaktionen mit der Oberfläche wird der Rechner sogleich träge und reagiert nurmehr schlecht. Der Taskmanager zeigt keine übertriebene Auslastung. Es könnte damit zu tun haben, dass in der Dateiverwaltung auch die Ordner der Laufwerke im lokalen Netz abgesucht werden und das den Computer bremst. Ich also tunlichst darauf, bei Dateiverwaltung nichts anzuklicken.

Die Oberfläche ist schwarz und dreigeteilt, wie es sich gehört. „Das ist das langsamste Programm der Welt“ weiterlesen

Wo bleiben die Echse und Spok?

Trilogic (2 Franken fürs iPhone/iPad) ist ein Spiel aus dem Bereich des Knobelns und Puzzelns. Es bringt das Schere-Stein-Papier-Prinzip (ohne Echse und Spock) aufs Smartphone. Aber natürlich in transformierter Form: Es gibt drei Elemente, nämlich Wasser, Feuer und, nein nicht Erde, sondern Natur, in Form eines grünen Blattes.

Am Anfang des Spiels gibt es eine rasterartige Anordnung von farbigen Feldchen: Blaue Wasserfelder, rote Feuerfelder und grüne Blätterfelder. Jedes der Elemente schlägt ein anderes: Wasser löscht Feuer, Feuer verbrennt Blatt und Blatt trinkt Wasser, wie es in der Beschreibung heisst. Damit ein Feld ein anderes schlägt, zieht man mit dem Finger ein Element-Symbol auf das Feld eines besiegbaren Elements: Dann schwappt die Farbe über und das Feld wird übernommen.

Das Ziel ist, einem Element zur Weltherrschaft zu verhelfen: Der Bildschirm sollte am Schluss entweder komplett blau, rot oder grün sein. Welches Element gewinnen soll, sieht man am Hintergrund. Wenn der umliegende Bildschirm blau ist, dann gehört der Endsieg dem Wasser.

Das klingt einfach: Man denkt sich, dass man auch ohne Nachdenken einfach bloss lang genug rumprobieren muss, bis man am Ziel ist.
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Zwei nicht allzu nervige Kinder-Apps

Ich habe mir geschworen, nicht zum Papa-Blogger zu werden. Trotzdem stelle ich hier ab und zu Kinder- und Eltern-kompatible Apps vor. In Eine App, die mein Baby stillt? ging es um Apps für frischgebackene Eltern. In Glacémonster und Katzenomi um Puzzles, die meine Tochter gerne spielt. Und hier sind nun noch einmal zwei Apps angesagt, die ihr inzwischen gefallen.

Fiete Cats AR (kostenlos fürs iPhone) ist gleichzeitig eine lustige Empfehlung für Freunde von Augmented Reality und für Fans von Apples ARkit. Sie blendet im Kamerabild eine kleine Katze ein, mit der man spielen kann. Sie will ab und zu gefüttert werden, braucht eine Dutsche, zerfetzt ein zusammengeknülltes Papier, läuft auf einem Farbkasten herum und hinterlässt dann farbige Fussabdrücke. Und ja, sie muss auch ab und zu ins Katzenkistchen.

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Besser als eine echte Katze, die ein richtiges Kistchen braucht.

Klaaaaar, ich gebe zu, das könnte man auch als dekadenten Auswuchs moderner Informationstechnologie betrachten. „Zwei nicht allzu nervige Kinder-Apps“ weiterlesen

Ein alter Groll auf Google


Besser googeln.

Auch nach fünf Jahren nehme ich es Google noch übel, dass die Instant Preview-Funktion sang- und klanglos beseitigt wurde, angeblich wegen geringer Nutzung. Ich halte die schnelle Prüfung der Suchresultate für eine der wichtigsten Aufgaben bei der Webrecherche – und den Teil, den man als Nutzer nur bedingt beeinflussen kann. Klar, ob Google die eigentliche Suchanfrage richtig versteht, hat man auch nur bedingt in der Hand, zumal sich die Algorithmen manchmal ziemlich begriffsstutzig anstellen. Aber man kann doch – und auch das wird im Video erklärt – seine Eingabe möglichst präzise gestalten.

Muss so eine Funtkion breit genutzt werden, damit die eine Daseinsberechtigung hat? Das ist eine interessante Frage. Es gibt natürlich Argumente, die dafür sprechen. Radikales Ausmisten beugt Bloatware vor. sprechen: „Ein alter Groll auf Google“ weiterlesen

Wie wäre es mit einem QR-Code?

Im Beitrag Floraler Ermittlungshelfer habe ich eine App besprochen, die von sich behauptet, Pflanzen identifizieren zu können. Wie mein Test ergeben hat, klappt das leider nicht zuverlässig. Die App hat meinen florabezogenen Wissensdurst nicht zu stillen vermocht. Das hat mich nicht überrascht, da ich die Aufgabe für ausgesucht schwierig halte, Pflanzen anhand eines Fotos zu identifizieren: Die Grösse eines Blatts ist auf dem Bild schwer oder gar nicht abzuschätzen. Die Perspektive kann es schwer machen, die Form zu erkennen. Es gibt, je nach Situation, störende Elemente im Bild. Und selbst die Farbe von Blüten, Bättern und Stängeln kann durch die Kamera oder durch das Umgebungslicht verfälscht werden.

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Die App ist so schlau, den Aufenthaltsort miteinzubeziehen. Und sie erkennt Nachbars Katze als Katze.

Darum hat es mich gewundert, dass ich eine weitere App gefunden habe, die sich dieser schwierigen Angelegenheit stellt: Seek fürs iPhone. Die App macht es auf den ersten Blick besser als Plant Snap: Sie stellt per GPS fest, wo man sich befindet und zeigt sogleich Pflanzen und auch Tiere an, die für diese Gegend typisch sind. Tippt man aufs Plus-Symbol, kann man der App via Kamera oder Fotoablage eine Aufnahme unterbreiten, um eine Identifizierung vorzunehmen. Die App behauptet, nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere zu erkennen.

Ich probiere es mit dem Olivenbaum auf unserem Balkon. „Wie wäre es mit einem QR-Code?“ weiterlesen

Was Scharfes für die Kehle

Juhuu, der Teeologe ist zurück! Mit zwei Tees, die sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht gefällig die Kehle herunterrinnen, sondern leichte Irritation auslösen. Hoppla, scharf! Das hätte man bei beiden nicht gedacht – beim einen noch etwas weniger als beim anderen.

Der eine heisst Daily Boost, stammt vom Lipton (Amazon Affiliate) und macht einen leicht hipsterigen Eindruck. Offenbar hat auch dieses Unternehmen das unternehmerische Heil in der Produktdiversifikation entdeckt. (Kein Wunder, Lipton gehört inzwischen ja auch zu einem dieser Lebensmittelgiganten, nämlich zu Unilever.) Earl Grey ist zwar nach wie vor ein unbestrittener Klassiker, ebenso wie das Fehlen von Mischbatterien bei vereintkönigreichlichen Lavabos. Doch der junge Mensch wird wahrscheinlich nicht mehr unbedingt diesem schwarzen Tee frönen, der unter uns gesagt auch etwas langweilig schmeckt. Ich werde ihn trinken, wenn ich mal bei der Queen zu Gast bin. (Oder bei Meghan und Harry.) Aber sonst kann ich auch ganz gut ohne.

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Dass die Matterhorn-Beutel einzeln in Zelophan verpackt sind, scheint mir überflüssig. Ich hätte dafür lieber Pyramidenbeutel.

Es handelt sich beim Daily Boost um einen Grüntee, der zu meinen bevorzugten Teesorten gehört und der eine Produktdiversivikations-Steilvorlage darstellt: Man kann offenbar fast alles untermengen: Kräuter, Früchte, Vanille. Und alles, was einen exotischen Namen hat und ansonsten schwer verkäuflich ist. Vermischt man es mit Grüntee und packt es in eine fancy Schachtel, dann wird es auch gekauft. Ich glaube, das würde sogar mit gerösteten Katzenpfötchen und gehäckselten Fussnägeln von Lady Di funktionieren.

… wobei, Katzenpfötchen gibt es anscheinend tatsächlich in Tees. Es gibt nämlich eine Heilpflanze dieses Namens, sodass man kein perverser Tierquäler mit absurden Teefantasien sein muss, um die zu verwenden. Obs schmeckt, weiss ich allerdings nicht.

Also, die Schärfe im Daily Boost stammt (nicht überraschend) von Ingwer. „Was Scharfes für die Kehle“ weiterlesen

Ein Tröööt auf Mastodon!

Der hochgeschätzte @xeophin hat uns allen neulich empfohlen, einen Massen-Exodus zu mastodon.social zu veranstalten. Grund ist Twitters erratisches Verhalten. Zuletzt sah man das, als die alten Benutzerschnittstellen abgeschaltet wurden. Das sorgt dafür, dass in Twitter-Clients von Drittherstellern weniger Funktionen zur Verfügung stehen. Da ich seit Jahr und Tag Tweetbot benutze, mindert das den Spass und den Nutzen von Twitter. (Wieder einmal.)

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Hier wird mastodonisiert!

Mastodon? Der Name tönt auf alle Fälle schon mal toll. Das sind elefantenähnliche Rüsseltiere, die seit Ewigkeiten ausgestorben sind. Das gibt dem ganzen die notwendige ironische Brechung, und es wirft die Frage auf, wie man das Publizieren auf Mastodon denn nennen würde. Das ist bekanntlich wichtig, da viele der grossen Plattformen auch als Verb funktionieren: Google – googeln, Twitter – twittern. Bei Mastodon wäre das dann wahrscheinlich mastodonisieren. Dass das wie masturbieren klingt, scheint mir auch kein Nachteil zu sein.
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Wie viele Festplatten braucht die Welt?

Wo stecken eigentlich die grossen Datenmengen auf dieser Welt? Diese Frage habe ich mir neulich gestellt und bin nach etwas googeln auf die Zusammenstellung Top 10 Largest Databases in the World 2018 gestossen. Die hält Überraschungen bereit. Die weltgrösste digitale Müllhalde (a.k.a. Facebook) hat es noch nicht einmal in die Liste geschafft. Youtube (a.k.a. die weltgrösste Müllhalde für bewegte Bilder) ist bloss auf Platz sieben. Google, auch so ein Datensammler und -horter, hat es immerhin auf Platz vier geschafft.

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Eine allein reicht nicht. (Bild: Tookapic.com/CC0)

In der Liste gibt es auch Überraschungen: „Wie viele Festplatten braucht die Welt?“ weiterlesen

Die zwei Gebote der Bildbearbeitung


Für tolle Fotos braucht es nur ein paar Klicks.

Im aktuellen Patentrezept-Video zeige ich meine Lieblings-Bildbearbeitungstricks. Oberste Maxime ist für mich, mit wenig zeitlichem Aufwand möglichst viel herauszuholen. Die Resultate sind nicht ganz so gut, wie wenn ich eine halbe Stunde investieren würde – denn dafür fehlt mir die Zeit. Aber die RAW-Entwickler (ich nutze aus Gründen immer noch Lightroom 4) machen es auch wirklich einfach, mit ein paar Kniffen echte Verbesserungen zu erzielen. Wie im Video gezeigt, gerade bei schwierigen Fällen: Bei Bildern mit krassem Gegenlicht oder überstrahlendem Schnee oder Bildrauschen. oder bei Aufnahmen, die von Haus aus etwas langweilig sind.

Übrigens: Ich habe im Tagi-Beitrag zwei der gezeigten Bilder in unbearbeiteter Form angehängt. Die Idee ist, dass Leute, die der Ansicht sind, dass sie aus den Bildern etwas Besseres oder zumindest etwas anderes herausholen könnten, das auch unter Beweis stellen können. Bis jetzt (als ich den Beitrag hier schreibe) hat noch niemand die Herausforderung angenommen. Aber das kann ja noch kommen – womöglich teilen ja nicht alle meine Ansicht, dass Tempo (neben dem Resultat) das zweitwichtigste Gebot bei der Bildbearbeitung ist.

Eine Kommentatorin schrieb übrigens das folgende unter den Artikel:
„Die zwei Gebote der Bildbearbeitung“ weiterlesen

Morbus Facebook

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Pillen helfen leider auch nichts. (Bild: Hastywords/Pixabay, CC0)

Es wäre wahrscheinlich besser, Twitter und Facebook einfach abzuschalten – die Plattform befördern vor allem Dummheit und niedere Instinkte. Es bedeutet nicht, dass man sich nicht was Neues einfallen lassen darf – nachdem wir alle aus den Fehlern gelernt haben.

Das war neulich ein frustrierter Tweet von mir. Ich hatte auf Facebook mal wieder eine deprimierende Erfahrung gemacht. Ein Mann des öffentlichen Lebens, Politiker und Gemeinderat hier in der Stadt für eine freibeuterische Splitterpartei, hatte einen deplatzierten Facebook-Kommentar über eine Juso-Politikerin verteidigt. Das hat Widerspruch hervorgerufen. Doch der Mann machte das, was Leute in solchen Situationen häufig tun: Er stellte sich auf die Position, die Kritik an seinen Aussage sei bloss ein Beleg, wie Recht er doch eigentlich habe. Und er war sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, dass man eine Aussage wie, paraphrasiert: «Die Frau leidet darunter, dass sie noch nicht mal einer vergewaltigen will» einfach nicht verteidigen sollte – selbst wenn man besagte Frau nicht mag.

Zwei Dinge haben mich betrübt: „Morbus Facebook“ weiterlesen