Ifttt beim Roomba. Oder doch nicht

In unserem Haushalt gibt es seit einiger Zeit einen Angestellten für die Bodenpflege. Er wird nicht entlohnt und auch nicht unbedingt wie ein Familienmitglied behandelt – aber das wäre auch übertrieben, da es sich um eine Maschine handelt; den Saugroboter Roomba 980 von iRobot, (hier vorgestellt). Immerhin hat er einen Namen: Er heisst nämlich Saugbert II, ist aber nicht getauft.

171213-ifttt-roomba.png
Links: Ja bitte: Die ganze Twitterosphäre muss wissen, wenn meine Wohnung gesaugt wurde.
Rechts: Das ist auch noch nett. In der Roomba-App rapportiert der Roboter, wo er überall gesaugt hat. Das ist ein ziemlich akkurater Grundriss unserer Wohnung und bei den weissen Flächen stehen in aller Regel Möbel im Weg

Wie auch immer: Saugbert II macht seine Sache ganz gut, wobei es in der Familie gewisse Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, ob man die von Saugbert ignorierten Ecken nun noch selbst sauberkeitsmässig perfektionieren müsste oder nicht. Aber darum geht es an dieser Stelle nicht. Stattdessen sollen hier die Fortschritte erwähnt werden, die Saugbert II inzwischen gemacht hat. Er ist nmlich, wie sich das für ein modernes Gadget gehört, smart. Das heisst, er kommuniziert via WLAN mit der Welt, und er lässt sich per App steuern.

Die App war anfänglich aber eine Enttäuschung. Dank WLAN konnte man Saugbert zwar von überallher administrieren und zum Putzen aufbieten. Aber das wars dann auch schon. Eine weitergehende Kooperation mit dem smarten Home war mit Saugbert II nicht zu machen.

Das ist seit Kurzem besser geworden: Seit Ende November harmoniert Roomba mit Iftt.com, dem kleveren Heimautomatisierungs-Internet-of-Things-Dienst, der in diesem Blog schon öfters Thema war.

Der Roomba-Kanal von ifttt.com umfasst eine Handvoll lustiger Aktionen: Man kann den Roboter automatisch stoppen, wenn man einen Anruf auf dem Smartphone erhält (via Ifttt-App für Android und iPhone/iPad). Man kann ihn auch in die Homebase schicken, wenn man sich dem Haus nähert – sodass man beim Türöffnen eben nicht von Sauglärm, sondern von der (Illusion einer geputzten), ruhigen Wohnung empfangen wird. Man kann sich auch Mails zum Status des Roboters schicken lassen, vollendete Putzaktionen mittels Hue-Lampe signalisieren und Quatsch mit Social Media treiben, beispielsweise Putzaktionen per Tweet starten oder über vollendete Putzereien auf Facebook informieren. (Die Freunde werden es danken.)

Und auch meine Forderung im Tagi-Artikel von Anfang 2016 wurde erhört: Man kann die Einsätze des Roboters jetzt über den Google-Kalender planen: Man wählt aus seinen Google-Kalendern denjenigen, der die Saugroboter-Anweisungen enthält, gibt an, welches Stichwort im Kalendereintrag die Putzaktion auslöst, und bei Time before event starts setzt man einen Zeitversatz nach vorn. Das gewisserweise noch klever. Wenn man als Stichwort «Schwiegermutter» und als Zeitversatz drei Stunden angibt, ist die Wohnung bzw. wenigstens der Wohnungsboden blitzblank sauber, wenn die Schwiegermutter anrückt. Okay, ein stereotypes Beispiel. Aber ich konnte nicht widerstehen.

Leider konnte ich bislang noch nicht testen, wie gut oder schlecht das funktioniert. Irgendwie habe ich nicht begriffen, wie man den Roboter mit seinem Roomba-Webaccount verbindet. Da müsste die App (iPhone/iPad und Android) weiterhelfen, doch die tut es nicht. Entweder ist noch ein Update ausstehend, oder ich stehe auf dem Schlauch.

Laut diesem Dokument hier ist Ifttt bislang nur in den USA und im vereinigten Königreich erhältlich (Installationsanleitung hier). Damit ist der Anlass für diesen Blogpost hinfällig und ich müsste ihn eigentlich löschen und was anderes schreiben. Aber vielleicht hat iRobot ein Einsehen und lässt auch die Nutzer in anderen Ländern diese nette Funktion nutzen – zumal es keinen vernünftigen Grund gibt, sie nur in einigen Ländern und nicht gleich weltweit einzuführen. Darum hier der kleine Hinweis zu Handen von iRobot und anderen gleichermassen beschränkten Unternehmen:

Das Internet ist ein globales Konstrukt, das nicht nur in den USA und im vereinigten Königreich geschätzt und gern genutzt wird. Es ist daher vernünftig und ein Zeichen von Nichtborniertheit, eine Funktion gleich weltweit einzuführen und allen Kunden zur Verfügung zu stellen. Man verhindert so auch den Anschein, man halte sich und sein Land für etwas Besseres.

Ein anderen Punkt ist mir aufgefallen. Für die smarte Heimautomatisierung müsste ein System wie Ifttt die grobe mentale Verfassung von uns Nutzern kennen. Es müsste wissen, wann wir ruhebedürftig sind, weil wir konzentriert arbeiten wollen oder einfach Erholung brauchen. Eine sinnvolle Regel für den Roomba wäre nämlich: Starte nicht, wenn ich meine Ruhe haben will. Genauso wäre es nötig, dass das System weiss, ob wir nur schnell oder für länger aus dem Haus gehen. Dann könnte man nämlich eine Regel verwenden wie: Starte eine Saugtour, wenn ich zum Arbeiten aus dem Haus gehe und seit der letzten Saugtour mindestens 18 Stunden verstrichen sind.

Und selbstverständlich müsste es in einem solchen System auch möglich sein, mehr als einen Bewohner zu berücksichtigen. Denn selbstverständlich wäre es nett, wenn Saugbert II bei seiner Arbeit nicht nur meine Abwesenheiten und Ruhebedürftigkeiten berücksichtigen würde, sondern auch die der anderen Familienangehörigen.

Fazit: Es braucht ein System, das den Status der Bewohner in maschinenlesbarer Form abbildet. Dieses System könnte mit relativ wenigen simplen Regeln den Roboter dazu bringen, sich an die Lebensgewohnheiten anzupassen – und das wäre um Welten besser als der starre Saugplan, den man bis anhin einprogrammieren muss.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen