Wenigstens die Apps können sich sehen lassen

Es ist ein offenes Geheimnis: 2016 gilt als schlimmes Jahr. Doch immerhin: Es geht als guter App-Jahrgang in die Geschichte ein. (Aus meiner persönlichen Sicht war es aber ein sehr schönes Jahr.)

Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Die Auswahl ist leicht subjektiv gefärbt, wie es bei solchen Best-of-Listen unvermeidlich ist. Da mein Geschmack aber nicht allein massgeblich ist, habe ich einige Apps daruntergemischt, deren Besprechung beim Tagi auf grosses Publikumsecho gestossen ist. Es sind als nicht nur Apps dabei, die mir gefallen, sondern auch den Tagi-Leserinnen. For whatever it is worth.

Natürlich gilt wie immer: Wenn ich eine App übersehen haben sollte, könnt ihr gern in den Kommentaren hier oder beim Tagi drüben eine Nomination anbringen. „Wenigstens die Apps können sich sehen lassen“ weiterlesen

Ein besserer Aufklärer als Facebook

161223-curly-hair.jpg
Wo bleibt die Facebook-Kategorie für uns lockige Menschen? (Bild: Enredada, Silvia Viñuales/Flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Vor einiger Zeit bin ich auf Facebook in eine Diskussion geraten1, in der es um diesem Beitrag hier ging. Der besagt, dass Facebook es neuerdings möglich macht, Werbekampagnen nach Ethnien zu «targeten». Man kann seine Kampagne auf Afroamerikaner beschränken oder nur Hispanoamerikaner ansprechen. Genauso, wie man nach Alter, Geschlecht, Hobbies und diversen Vorlieben selektieren kann.

Ist das diskriminierend oder nicht? Eine interessante Frage, bei der ich unschlüssig bin (war). Einerseits ist die Gefahr von Ungleichbehandlung tatsächlich gegeben. Ein Restaurant könnte seine Werbekampagnen nur auf Weisse ausrichten, um farbige Besucher fernzuhalten. Andererseits ist das Targeting bei Frauen erlaubt, obwohl bei diesem Geschlecht die Benachteiligung längst nicht ausgerottet ist. Auch nach Alter darf man seine Kampagne ausrichten. Ist es okay, wenn ein Restaurantbesitzer Frauen und Alte fernhält, aber wenn er Aufroamerikaner ausgrenzt, wird es zum Problem? Ist die Schutzbedürftigkeit bei der Rasse grösser als bei den anderen Faktoren?

Mir ist klar – mit dieser Frage läuft man sehr schnell Gefahr, Zuspruch von der falschen Seite zu bekommen. „Ein besserer Aufklärer als Facebook“ weiterlesen

Der Wikipedia-Serendipitynator

161222-v-fuer-wikipedia-1.jpg
Links: Die Einstiegs-Ansicht mit den beliebtesten Artikeln.
Rechts: Die Einzelansicht für einen Artikel.

Ich habe Wikipedia auch dieses Jahr wieder eine Fünfzigernote gespendet. Weil Wikipedia aus meinem Leben nicht wegzudenken ist und sich anders als andere täglich genutzte Sites sich nicht merklich verschlechtert hat. Wikipedia ist in Zeiten von Filterblase und Fakenews ein Hort, an dem Fakten und Wissen hochgehalten werden. Und jetzt soll mir keiner kommen und auf Edit Wars, Löschdebatten und PR- und Marketingunterwanderung herumreiten. Natürlich gibt es diese Konflikte. Sie sind ärgerlich, aber mehr auch nicht. Sie sind auf alle Fälle kein Grund, Wikipedia nicht für grossartig, wertvoll und wichtig zu halten.

Mir selbst habe ich die App V für Wikipedia gegönnt, die für 4 Franken fürs iPhone und iPad erhältlich ist. „Der Wikipedia-Serendipitynator“ weiterlesen

Ich war ein lausiger Fotograf

Mit iOS 10.2 kam das Selfie-Emoji. Ich meine, allein das Wort… müsste ich es meiner Grossmutter erklären, käme ich ganz arg ins Schwimmen. Dabei hat sie zumindest eine vage Vorstellung von dem, was ein Smartphone so tut. Aber wenn ich mich zurück in meine Primarschulzeit versetze, dann wäre das Konzept für die Leute damals – mein zwölfjähriges Ich eingeschlossen – nur mit viel Aufwand vermittelbar. Das Fernsehen damals war schwarzweiss1. Telefone waren schwarz und aus Bakelit. Sie hingen an der Wand und waren nur zum Telefonieren da.

161221-zeitreise.jpg
Eine Rarität in meiner Fotosammlung: Ein Bild mit mir selbst drauf. Plus rechts das Reenactment.

Kommunikativ gesehen lebten wir im Mittelalter. Denn auch wenn ich nicht mehr genau sagen kann, was damals ein Ferngespräch pro Minute gekostet hat, war es doch so, dass die Nutzung des Telefons aufs Nötigste zu beschränken war. Stattdessen haben wir fleissig die Briefpost genutzt. Wie Schiller und Goethe, nur weniger literarisch. Und in denen waren Emoji bekanntlich nicht gebräuchlich. Obwohl sie zu der Zeit besonders praktisch gewesen wären. Die Schweizer Post hatte noch bis in die 1980er Jahre ein Tarifsystem, nach dem Postkarten vergünstigt transportiert, wenn maximal fünf Worte darauf standen. Wohl, weil der Pöstler an denen weniger schwer zu tragen hatte. Mit fünf Emojis erzählt man, wenn man geschickt ist, einen halben Roman.

Auch das Selfie war damals schon als Konzept völlig verquer. „Ich war ein lausiger Fotograf“ weiterlesen

Tröpfel, tröpfel, tröpfel


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ich im Moment, wo ich ein Video zu lahmem Internet für den Tagi produziert habe, selbst mit den Problem kämpfe. Die Horizon-Box der UPC-Cablecom, die bekanntlich ihre Macken hat, internetmässig aber bis jetzt immer gut funktionierte, will täglich neu gestartet werden, um zuverlässig mit dem Internet zu kommunizieren. Das WLAN ist unzuverlässiger geworden, was vor allem durch die starke Auslastung des 2,4 GHz-Bands verursacht wird. Daran ist die Cablecom auch nicht ganz unschuldig, weil diverse Wi-Free-Netze sich dort tummeln – die meines Erachtens nicht viel bringen. „Tröpfel, tröpfel, tröpfel“ weiterlesen

Haken und Ösen des neuen Macbook Pro

Wie die Welt erfahren hat (ob sie es wollte oder nicht), habe ich mein sechs Jahre altes Macbook durch eines dieser fancy-schmancy Touchbar-Modelle ersetzt. Ich hatte ausführlich Gelegenheit, nicht nur Trockenübungen abzuhalten, sondern richtige Arbeit zu erledigen – was bei einem Reszensionsexemplar des Herstellers, das einem effektiv drei Tage zur Verfügung steht, leider nicht möglich ist.

161122-dpr64.jpg
Der Lautstärke- oder Helligkeitsregler anstelle von Siri stört nicht, wenn man ihn versehentlich aufruft.

Mein grunsätzlicher Eindruck vom ersten Augenschein hat sich bestätigt: Ein tolles Gerät mit einem sehr hohen Preis. Beim näheren Hinsehen haben sich aber doch einige frappante Mängel gezeigt. Ich fange aber trotzdem mit den positiven Punkten an:

Der Bildschirm
Die Retina-Auflösung ist ein Luxus, für den ich nicht zahlen würde, wenn es die Möglichkeit gäbe, das Macbook 2016 auch in einer Nicht-Retina-Auflösung zu kaufen. Dennoch hat er seine positiven Seiten. „Haken und Ösen des neuen Macbook Pro“ weiterlesen

Das papierlose Studio

Obwohl ein Mann der Bits und Bytes und ein Verfechter des papierlosen Büros habe ich meine Manuskripte jeweils in ausgedruckter Form zu Radio Stadtfilter getragen. Ich musste mir deswegen oft Spott anhören, vor allem von maege. Aber: Es liest sich einfach angenehm von Papier. Man minimiert das Risiko, mitten im Live-Vortrag seine Notizen zu verlieren – zum Beispiel durch eine plötzliche Leere des Akkus oder einen Absturz. Oder weil man aus Versehen die App schliesst, in der gerade noch das Manuskript offen war.

Aber ich aber eingesehen, dass dieser Anachronismus ausgemerzt werden muss. Ich lese daher meine Texte inzwischen ab Bildschirm, und zwar ab iPad. Klar, man könnte auch einen der Computerbildschirme im Studio verwenden. „Das papierlose Studio“ weiterlesen

Ein Megaposter mit der ganzen Computerhistorie

Vor längerer Zeit habe ich eine zweiteilige Radiosendung zur Computergeschichte gemacht (Vom Abakus bis zum ersten Macintosh und Von Windows 1.0 bis Chrome OS). Ich habe damals unzählige Quellen abgeklappert, um die (meines Erachtens) richtige Gewichtung hinzubekommen. Aber ohne Zweifel war Robert «Röbi» Weiss’ Poster eine grosse Hilfe. Röbi Weiss ist bekanntlich einer der grauen Eminenzen der hiesigen Digitalszene. Er hat seinerzeit dem staunenden Schweizer Fernsehpublikum den ersten Mac vorgeführt und 100 Tonnen Computer-Geschichte zusammengetragen. Er war auch mal im Digitalk-Podcast zu Besuch (Folge 16).

Neulich hat Röbi sein Poster auf den neuesten Stand gebracht. Es ist inzwischen derartig gewachsen, dass es aus zwei Teilen besteht, also doppelt so gross wie noch 2009. Man kann es für 34 Franken (plus 21 Franken Versandspesen) auf computerposter.ch bestellen.

Und man kann es unter computerposter.ch/download.html in digitaler Form herunterladen – in Form von zwei PDF-Dateien, die zusammen 22 MB gross sind. „Ein Megaposter mit der ganzen Computerhistorie“ weiterlesen

HTML, aber ohne Glump

Mach mal mein HTML sauber!1

Ihr kennt das vielleicht: Ein Dokument muss ins Web. Wichtig ist, dass die Struktur des Dokuments erhalten bleibt, also vor allem die Titel der unterschiedlichen Hierarchiestufen. Und die Links – wenn das Dokument hinterlegte URLs enthält, dann sollen die erhalten bleiben.

Wenn das Dokument in Word vorliegt, kommt man vielleicht auf die Idee, es als HTML-Datei zu speichern. Resultat: Ein völlig unbrauchbarer Quatsch. Word schreibt verpackt den ganzen Formatierungsquatsch ins Dokument, als ob man den benötigen würde. Natürlich ist es so, dass man die Formatierungen nicht vom Dokument, sondern von der Stilvorlage des Website vorgegeben werden. Ich verstehe bis heute nicht, warum die Entwickler von Textverarbeitungsprogrammen das nicht kapieren. Obwohl ich ja schon diverse Artikel zum Thema geschrieben habe, etwa den hier: Wehret den Formatierungsäxten!. (Inzwischen behelfe ich mir da übrigens mit dem im Beitrag Mit diesem Trick hier spare ich tagtäglich Zeit beschriebenen Trick.)

Manche Content-Management-Systeme verwenden einen Editor, der eine gewisse Intelligenz aufweist. Wenn man Text aus der Zwischenablage kopiert, dann wird der mit den hinterlegten Links übernommen. Doch wenn man in die Quellen schaut, sieht man unzählige Div- und Span-Tags, die man für eine einheitliche Formatierung von Hand rauspopeln müsste. Und das kann es nicht sein.

Ich behelfe mir in solchen Fällen mit wordtohtml.net. „HTML, aber ohne Glump“ weiterlesen

Mit dem News-Fastfood aufhören


Falls das Video nicht erscheint, bitte hier klicken.

Es fällt mir schwer, das zu glauben. Aber es scheint tatsächlich Leute zu geben, deren Horizont nicht über Facebook herausreicht. Sie hängen dort den ganzen Tag, beziehen ihre News von Mr. Zuckerbergs schönem sozialem Netzwerk, und sie gewichten eine dubiose Meldung von einem tendenziösen News-Outlet genauso nur anhand ihrer persönlichen Animositäten, so wie sie es mit seriösen Quellen tun – und da verlieren die seriösen Quellen dann oft, weil sie weniger emotional, weniger auf Vorurteile spielen und sich vielleicht sogar um Differenzierung bemühen.

Aber eben: Nur weil ich es nicht glauben mag, heisst das nicht, dass es diese Leute nicht gibt. Im Gegenteil, die Kollegen bei SRF 3 halten das Phänomen für wichtig genug, um die Filterblase zum Wort des Jahres zu machen:
„Mit dem News-Fastfood aufhören“ weiterlesen