Mit dem News-Fastfood aufhören


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Es fällt mir schwer, das zu glauben. Aber es scheint tatsächlich Leute zu geben, deren Horizont nicht über Facebook herausreicht. Sie hängen dort den ganzen Tag, beziehen ihre News von Mr. Zuckerbergs schönem sozialem Netzwerk, und sie gewichten eine dubiose Meldung von einem tendenziösen News-Outlet genauso nur anhand ihrer persönlichen Animositäten, so wie sie es mit seriösen Quellen tun – und da verlieren die seriösen Quellen dann oft, weil sie weniger emotional, weniger auf Vorurteile spielen und sich vielleicht sogar um Differenzierung bemühen.

Aber eben: Nur weil ich es nicht glauben mag, heisst das nicht, dass es diese Leute nicht gibt. Im Gegenteil, die Kollegen bei SRF 3 halten das Phänomen für wichtig genug, um die Filterblase zum Wort des Jahres zu machen:

Diese virtuellen Räume, auch «Echokammern» genannt, in denen man stets nur in seinen eigenen Vorlieben und Ansichten bestätigt wird, sind vom Web-User nicht nur selbstgewählt, sondern werden durch Algorithmen verstärkt: Social Media wie Facebook sind so programmiert, dass Gleiche zu Gleichen und Gleichgesinnte zu Gleichgesinnten kommen.

Mark Zuckerberg will uns bei Facebook eine wohlig-angenehme Umgebung schaffen, damit wir möglichst lange dort bleiben und dort möglichst nichts sehen, an dem wir uns reiben möchten. (Übrigens ein bisschen wie das Musikprogramm von SRF 3, das auf Durchhörbarkeit getrimmt ist – wenn dieser kleine Seitenhieb gestattet ist.)

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Die Feedly-App nutze ich täglich – ähnlich intensiv wie Newscron bzw. The Scope, Blendle.

Das stört mich an Facebook. Aber schlimmer finde ich, dass die Leute das mit sich machen lassen. Ja klar, ich bin ein Medienmensch, der versteht, dass man sich nicht bloss von Lust und Animositäten leiten lassen darf, wenn es darum geht, welche Informationen man sich zuführt. Man ernährt sich ja auch nicht nur von Fastfood… okay, blödes Beispiel. Viele Leute ernähren sich nur von Fastfood.

Weil mich das wirklich stört, habe ich in meinem letzten Patentrezepte-Video vorgeführt, dass es gar nicht so schwierig ist, sich abseits von Facebook zu informieren – mit Quellen, die etwas vielfältiger und ausgewogener sind. Natürlich sehe ich das Dilemma: Die Botschaft erreicht mutmasslich eh nur die Leute, die Diversität bei ihrer Informationsversorgung schon längst zu schätzen wissen. Ein typischer Fall von Preaching to the Choir. Aber vielleicht geht das Video bei Facebook ja doch noch viral. 😉

Fazit: Es ist wichtig, auch mal eine anderslautende Meinung auszuhalten. Und es ist wichtig zu verstehen, wie ein RSS-Feed funktioniert, weil das eine wirklich coole Technologie ist!

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „Mit dem News-Fastfood aufhören“

  1. Ich verwende “feedbin.com” als Server der Abonnements, die App “Press” auf dem Android als Client und habe alle (ausser Sport) Feeds von “srf.ch” für die Nachrichten, einige digitale Feeds und ein paar Blogs. . ..

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