Das iPad als astronomische Uhr

Die App «Sternwarte» zeigt auf einem einzigen Schirm nebst der Uhrzeit viele astronomische Informationen an: Die Planeten, die am Himmel sichtbar sind, Mondphase, Zeitgleichung, Sternzeit, und vieles mehr.

Manche iPad-Besitzer setzen das Tablet bei Nichtverwendung in eine Halterung und nutzen es als digitalen Bildrahmen oder als Wetterstation. Eine schöne App für diesen Zweck ist auch Sternwarte oder im Originaltitel Emerald Observatory. Diese App zeigt in einer einzigen Ansicht die Uhrzeit und diverse astronomische Informationen – schön genug, um auf den Bürotisch oder das Bücherregal gestellt zu werden.

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Die App Sternwarte mit umfangreichen Informationen aus der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit. Im Bild wird der 11. August 1999 angezeigt, an dem es in Mitteleuropa eine Sonnenfinsternis gab. Sie ist auch im Finsternis-Simulator ersichtlich.

Die App kann vertikal oder horizontal betrieben werden. Zuunterst zeigt sie das Datum an (leider nur in amerikanischer Notierung mit führendem Monat) und darüber gibt es (von einer Atomuhr gesteuert) die exakte Uhrzeit am Aufenthaltsort. Die Zeitzone kann automatisch per GPS oder manuell bestimmt werden.

Nebst der lokalen Zeit wird auf einem kleinen Ziffernblatt die koordinierte Weltzeit (UTC) angegeben, ausserdem die Sonnenzeit. Sie entspricht genau dem Sonnenstand. Als dritter Ziffernblatt gibt es die Sternzeit. Sie kennt man natürlich aus «Star Trek», aber dabei handelt es sich um eine fiktive Einheit. Die App zeigt die Zeitskala, die in der Astronomie für die Sternbeobachtung verwendet wird.

Hilfsmittel für Planetenbeobachtungen
Ausserhalb des grossen Ziffernblatts sind sechs farbige Ringe angeordnet. Es gibt je einen Ring für Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur und den Mond, und auf dem Ring wird angegeben, wann innert 24 Stunden der Himmelskörper über dem Horizont steht.

Die zwölf Pfeile geben Sonnenpositionen an: Der beiden Pfeile in Orange markieren den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang. Der gelbe Pfeil zeigt den Sonnenhöchststand an. Der dunkelblaue Pfeil steht ihm gegenüber und markiert den Zeitpunkt, an dem die Sonne am tiefsten unter dem Horizont steht. Die blauen Pfeile zeigen die Punkte an, bei denen die Sonne 6°, 12° und 18° unter dem Horizont steht. Das gibt Anfang und Ende der bürgerlichen, nautischen, astronomischen Dämmerung an. Bei der bürgerlichen Dämmerung ist Lesen im Freien noch möglich, bei der nautischen Dämmerung kann man den Horizont noch erkennen und bei der astronomischen Dämmerung ist es dunkel genug für Himmelsbeobachtungen (wenn man die Lichtverschmutzung ausser Acht lässt).

Die goldene Stunde nutzen
Die dunkelgelben Pfeile zeigen die Zeiten an, an denen die Sonne 15° über dem Horizont steht – das ist die «golden hour», zu der Fotografen ihre stimmungsvollsten Bilder schiessen.

Im Hintergrund des grossen Ziffernblatt gibt es ausserdem eine (virtuelle) Planetenmaschine, auch bekannt als Orrery. Sie zeigt die Positionen der sechs innersten Planeten und dem Erdenmond im Sonnensystem, gesehen von einem Punkt über dem Nordpol der Sonne – die Sonne steht entsprechend genau in der Mitte des Ziffernblattes. Die ungefähre Position der Sternzeichen wird durch die entsprechenden Symbole angegeben.

Ausserhalb des Ziffernblatts sind weitere Instrumente angeordnet: Links oben ist die aktuelle Mondphase ersichtlich, in der rechten oberen Ecke (bei der Querlage) sieht man die Erde mit dem Lichtkegel der Sonne; der rote Punkt markiert den aktuellen Aufenthaltsort.

Sonnen- und Mondfinsternissen auf der Spur
Die beiden Instrumente links zeigen die Höhe und den Azimut eines wählbaren Himmelskörpers an – daraus lässt sich dessen Position ableiten. Beim Tippen auf eines der Instrumente wird zwischen den inneren Planeten, Sonne und Mond durchgewechselt. Rechts findet sich der Finsternis-Simulator. Er zeigt Sonne, Mond und Erde an. Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis stehen die beteiligten Himmelskörper bei den roten Markierungen, und im inneren des Instruments wird der Verlauf der Finsternis gezeigt.

Darunter gibt es das Instrument namens Zeitgleichung. Sie zeigt in Minuten den Unterschied zwischen der wahren Sonnenzeit und der normalen Zeit. Eine positive Zahl bedeutet, dass die Sonnenzeit voraus ist – eine Sonnenuhr würde entsprechend um die angegebene Minutenzahl vorgehen.

Fazit: Sternwarte ist eine spannende, schön gemachte App für astronomisch Interessierte, die in kompakter Darstellung sehr viele Informationen zeigt – und die man erst einmal lesen und interpretieren können muss. Die Hilfe zu der App ist in Deutsch, aber nicht sehr detailliert – was aber nur nicht wirklich ein Nachteil ist, da Wikipedia astronomische Themen in aller Ausführlichkeit erläutert.

Astronomische Zeitreisen wagen
Und die App weckt auch den Forscherdrang – über die Taste Einst. kann man auch die Zukunft und die Vergangenheit inspizieren. Tippt man darauf, erscheinen rechts und links je sieben Zeiteinheiten, um die man die Zeit um Minuten, Stunden, Tage, Phasen, Monate, Jahre und Jahrhunderte verstellen kann. Tippt man links, springt man in die Vergangenheit, tippt man rechts, geht es in die Zukunft. Beim Verändern der Zeit werden alle Instrumente sofort angepasst, sodass man sieht, wie sich die Planetenpositionen, Mondphasen oder Zeitgleichung verändern. Die Taste Zurück setzt die Zeit wieder in die Gegenwart.

Über das i-Symbol in der rechten unteren Ecke erreicht man die Einstellungen der App. Hier kann man den Wecker programmieren und die automatische Bildschirmsperre für den Betrieb am Netz oder auch für den Akkubetrieb deaktivieren.

1 Franken im App Store (nur für iPad, ab iOS 4.3 und neuer). Informationen des Herstellers finden sich unter emeraldsequoia.com.

Autor: Matthias

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