Tinder für Vampire

MeChat liefert das Prickeln eines verbind­lichen Flirts, aber ohne die Gefahr abzu­blitzen: Das Rol­len­spiel könnte originell sein, wenn sie nicht krampf­haft versu­chen würde, einem Geld aus der Tasche zu ziehen.

Habe ich alle guten Apps durch? Ist alles besprochen, was besprochen gehört? Diese Befürchtung hat sich mir neulich aufgedrängt, als ich im Beitrag Software-Abos sind nur noch ein Ärgernis eine Rezension der grauenvollen BeSticky-App geschrieben habe.

Mit dem heutigen Blogpost könnte sich diese Angst noch verstärken. Denn die MeChat-App ist auf den ersten Blick sinnlos und nur darauf getrimmt, den Leuten via In-App-Käufe das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Allerdings finde ich, dass auch die App-Store-Auswüchse es wert sind, beleuchtet zu werden. Zumal diese App in der Hitparade der Rollenspiele auf Platz sieben steht. Und auch wenn ich nicht alles verstehen muss, was es unter Göttin weiter Sonne so alles gibt, so hat sie meine Neugierde geweckt.

Also: „Tinder für Vampire“ weiterlesen

Software-Abos sind nur noch ein Ärgernis

Die BeSticky-App ist dazu da, lustige digitale Sticker für Messenger und die sozialen Medien zu fabri­zieren. Diese Sticker sind nicht son­der­lich toll – was kleben bleibt, sind haupt­säch­lich die horren­den Abo­gebüh­ren.

Eine der fragwürdigsten Apps, die mir in letzter Zeit begegnet ist, heisst BeSticky. Wenn man sie sich würde besorgen wollen – wovon ich nachdrücklich abrate –, könnte man sie sich fürs iPhone und für Android besorgen.

Zwei Fragen drängen sich auf. Erstens: Warum ist die App schlecht? Und zweitens: Wieso sollte man sich mit einer schlechten App beschäftigen, wo es unter den Tausenden von Apps in den Stores viele brauchbare gibt. Da die BeSticky-App nicht nur schlecht, sondern unglaublich missraten ist, sind die Chancen intakt, dass man sich nach dem Zufallsprinzip einen Download tätigen und vermutlich ein besseres Softwareprodukt erwischen würde als dasjenige, um das es hier gehen soll.

Also, warum die App kein grosser Wurf ist, lässt sich am einfachsten mit ein paar Screenshots demonstrieren: „Software-Abos sind nur noch ein Ärgernis“ weiterlesen

In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder

Ich sehe die Vision der freien und offenen Software in der Defensiven. Die Freiheitsrechte, die sie den Nutzern gewährt, sind nicht kompatibel zu den App-Stores. Trotzdem sollte man diese Bewegung noch nicht abschreiben.

Neulich gab es die laute Klage auf Twitter¹, mein Gspändli Rafael Zeier und ich würden zu oft Apple abhandeln und uns zu wenig um Open Source kümmern. Die Meinungen über die Setzung und Gewichtung von Themen gehen auseinander – ist ja klar. Doch wenn neue Versionen der Betriebssysteme für iPhone und iPad erscheinen, dünkt mir die Sache so klar wie selten: Das ist ein Thema, das einen beträchtlichen Anteil unserer Leserinnen und Leser direkt betrifft. Wir müssen es aufgreifen, wenn wir unseren Service-Auftrag ernst nehmen.

Abgesehen davon halte ich Open-Source bzw. freie und offene Software (FOSS) für wichtig – nicht unbedingt als Selbstzweck, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die proprietäre Softwareprodukte grundsätzlich ablehnen und sich ihnen verweigern. Aber wenn die offene Software als ernstzunehmende Alternative zu einem kommerziellen Produkt auf den Plan tritt, dann gebe ich ihr selbstverständlich eine Chance.

Bei der Diskussion hat sich mir eine weitere Frage gestellt. Und zwar die, ob freie Software an Bedeutung verliert. Die Ursache für eine solche Entwicklung läge auf der Hand: „In den App-Stores kommt die freie Software unter die Räder“ weiterlesen

«iPhones und iPads sind für Babys»

Was bisher geschah: Wichtige Ereignisse und Erkenntnisse vom grossen Prozess Apple gegen Epic – und wie die es Apple schwerer machen werden, die rigide Kontrolle künftig aufrechtzuerhalten.

Ich hatte vor, an dieser Stelle eine Übersicht zu liefern, was beim Verfahren Apple gegen Epic passiert. Zur Erinnerung: Der Game-Hersteller hat sich gegen den iPhone-Fabrikanten aufgelehnt, weil letzterer den App-Store mit eiserner Hand kontrolliert und damit die Absicht von Epic, eine Art Store im Store zu etablieren, durchkreuzt hat. Im Beitrag Wenn Kampf-Game-Hersteller Angriffslust entwickeln habe ich das schon einmal auseinandergedröselt.

Eine gewisse Herausforderung – denn Gerichtsverfahren haben die Eigenschaft, eine komplexe Materie zu sein. Das gilt auch für diesen Prozess, der seit dem 3. Mai vor dem District Court for the Northern District of California geführt wird. Diese Auseinandersetzung lebt von vielen saftigen Details, die inzwischen an die Öffentlichkeit gelangt sind. „«iPhones und iPads sind für Babys»“ weiterlesen

Ein banales Spielprinzip, das in den App-Stores Milliarden generiert

Das «Match 3»-Spielprinzip ist eine eigentliche Gelddruckmaschine. Ich analysiere die Erfolgsfaktoren anhand einiger populärer Titel von Playrix und Rovio.

Es verblüfft mich immer wieder, wie schamlos bei den Smartphone-Games abgekupfert wird. Die Entwickler leihen sich nicht nur die Spielmechanik von anderen Titeln aus – weil Spiele zu klauen ein ungesühntes Verbrechen ist.

Nein; es gibt Beispiele, bei denen sich ein Entwickler auch das ganze Drumherum aneignen: Die Powerups, die Inszenierung und auch die Methoden zur Monetarisierung – also die Tricks, bei dem die Nutzer eines kostenlosen Titels dazu gebracht werden sollen, In-App-Käufe zu tätigen.

Im Beitrag Wer hat hier von wem abgekupfert? habe ich seinerzeit die frappanten Ähnlichkeiten zwischen «Angry Birds Blast» und «Toon Blast» aufgezeigt und dargelegt, dass es noch eine Handvoll weiterer Titel gibt, die sich noch nicht einmal die Mühe machen zu verheimlichen, dass es nur darum geht, ein Erfolgs-Konzept zu kopieren. Die abgeleiteten Spiele hatten nämlich alle auch ein «Blast» im Titel.

Homescapes versus Small Town Murders

Ein weiteres solches Inzest-Pärchen ist «Homescapes» von  Playrix (iPhone und Android) und «Small Town Murders» von Rovio (iPhone und Android). Bei dem kommt man weiter, wenn man nicht die Gemeinsamkeiten, sondern den Hauptunterschied erwähnt. „Ein banales Spielprinzip, das in den App-Stores Milliarden generiert“ weiterlesen

Wenn Kampf-Game-Hersteller Angriffslust entwickeln: Epic gegen Apple

Der zweite Teil des Rückblicks der Woche 34: Der Konflikt zwischen Apple und Epic – und mit welchen Reformen Apple und Google ihre Stores zukunftstauglich machen könnten.

Das Battle Royale zwischen Epic Games und Apple! Ich verfolge es mit einigem Interesse: Ich bin zwar nicht direkt betroffen, weil mich Fortnite – ein bei Teenagern beliebtes Kampf- und Überlebensspiel – bislang kaltgelassen hat.

Aber mir gefällt, dass Epic offensichtlich nicht nur Kampfspiele fabriziert, sondern auch im richtigen Leben Konfrontationen nicht scheut. Eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse (eine längere Variante gibt es bei Wikipedia):

Am 13. August 2020 hat der Softwarehersteller ein «Fortnite» veröffentlicht, das die Spielwährung «V-Bucks» um zwanzig Prozent günstiger anbietet, wenn man sie bei der iPhone- und iPad-Version nicht als In-App-Kauf über Apples Schnittstelle, sondern direkt bei Epic erwirbt. „Wenn Kampf-Game-Hersteller Angriffslust entwickeln: Epic gegen Apple“ weiterlesen

Wie gut sind eigentlich die App-Tipps von Apple?

Eine kritische Würdigung der App-Besprechungen in der App-Store-App von iPhone und iPad – mit einem deftigen Seitenhieb auf Corporate Media.

In der App Store App von Apple gibt es den Reiter Heute, wo Spiele und Apps vorgestellt werden. Man findet dort die App des Tages und das Spiel des Tages. Und immer wieder finden sich auch Schwerpunkte wie Lern-Apps für Kinder oder ähnliche Dinge.

Candy Crush Saga? Wirklich?

Diese so genannten Storys werden von Redaktoren verfasst, die nicht namentlich genannt werden. Die Redaktoren, die Storys in Deutsch verfassen, sitzen dem Vernehmen nach in München  – so habe ich es zumindest einmal gehört. Einen Beleg für die Aussage habe ich auf die Schnelle nicht gefunden.

Ich lese diese Storys gelegentlich. Und ich finde sie leider nicht sonderlich gut.

Doch bevor ich das weiter ausführe, werde ich selbstverständlich gerne proaktiv den Einwand adressieren, der an dieser Stelle kommen muss.

Dieser Einwand lautet: «Natürlich, du kannst gar nicht anders, als diese Storys schlecht zu finden. Schliesslich fühlt ihr Journalisten euch bedroht, wenn Unternehmen sich direkt ans Publikum wenden – ihr bleibt dann aussen vor.»

Und der Einwand ist nicht von der Hand zu weisen. „Wie gut sind eigentlich die App-Tipps von Apple?“ weiterlesen

Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen

Apps, die einem den letzten Nerv rauben – durch hirnlose Werbung. Oder aber, indem sie einen für dumm verkaufen wollen.

Hier steht klar und deutlich: «Matthias, es ist Zeit, dass du deine Zeit für sinnvolle Dinge verwendest!» (Karolina Grabowska, Pexels-Lizenz)

Manchmal klicke ich aus purer Rachsucht auf ein Online-Banner. Zum Beispiel dann, wenn eine dieser werbefinanzierten Apps mich besonders aufdringlich mit übergriffigen Anzeigen gepiesackt hat. Vor allem bei Spielen gibt es sehr viel Werbung. Und dort ist sie besonders nervtötend – wie ich feststellen durfte, als ich die  Games für meinen Beitrag Da läuft man sich gleich viermal die virtuellen Hacken wund getestet habe.

Unterbrecherwerbung will einen mit allen möglichen fiesen Tricks dazu bringen, sie anzuklicken. Sie verschwindet nicht von alleine, sondern muss vom Nutzer entfernt werden. Zum Schliessen gibt es ein kleines x-Symbol: Das zeichnet sich dadurch aus, dass es nie in der gleichen Ecke zu finden ist: Man muss es somit immer erst suchen. Und es ist winzig, dass man möglichst leicht daneben tippt.

Die «Dark pattern» im Software- und Nutzerinterface-Gestaltung

Auch die Werbung selbst nutzt Tricks, die höfliche Leute als «fragwürdig» bezeichnen würden. Wenn man es weniger zurückhaltend ausdrücken will, nimmt man das Wort hinterfotzig in den Mund. „Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen“ weiterlesen

Apple, der moderne Wegelagerer?

Die rigide Kontrolle, die Apple über den Store ausübt, ist stossend: Die Machtansprüche schaden dem Nutzerkomfort, wie man bei Netflix und Spotify sieht. Die Kartellklagen sind eine logische Folge.

Apple ist in einer komfortablen Position. Der iPhone-Hersteller nimmt im App-Markt eine so wichtige Rolle ein, dass niemand an ihm vorbeikommt. Und allein das bringt ordentlich Schotter ein.

Zum Beispiel, wenn ein Anbieter in seiner App Inhalte verkauft. Apple verdient an Zahlungen, die in einer App getätigt werden, kräftig mit: Bei Abos, die in der App abgeschlossen werden, sind es 30 Prozent im ersten Jahr und danach 15 Prozent.

Geht man zu weit, wenn man das als moderne Wegelagerei bezeichnet? Einträglich ist es jedenfalls. Die «Washington Post» schreibt, Netflix habe 2018 Apple 257 Millionen US-Dollar in Cupertino abgeliefert. Das muss weh tun – zumal die Summe wegen des Umsatzwachstums auf eine halbe Milliarde angestiegen wäre, wenn der Streamingdienst nicht aufgehört hätte, in der iOS-App Abos anzubieten.

So weit, Apple öffentlich anzuprangern, will Netflix trotzdem nicht gehen. „Apple, der moderne Wegelagerer?“ weiterlesen

Auch Windows macht jetzt einen auf Nanny

Beim Mac gibt es Gatekeeper schon länger: Jetzt hält auch bei Microsofts Betriebssystem eine Funktion Einzug, die regelt, aus welchen Quellen man Software installieren kann.

Das letzte Windows-Update hat mir nicht nur eitle Freude bereitet. Und auch jetzt stürzt der Grafiktreiber bei jedem Start ab. Aber gut, mit solchen Nebenwirkungen hat man als Windows-Nutzer zu leben gelernt.

Heute soll es hier um eine andere Neuerung gehen, die mir am Mai-2019-Update von Windows 10 (auch bekannt als Version 1903) aufgefallen ist. Es gibt in den Einstellungen bei Apps in der Rubrik Apps & Features nämlich neu die Option Quellen für das Abrufen von Apps auswählen. Dort stehen vier Optionen zur Auswahl:

  • Überall
  • Überall – aber benachrichtigen, falls eine vergleichbare App im Microsoft Store verfügbar ist
  • Überall – aber vor der Installation einer App warnen, die nicht aus dem Microsoft Store stammt
  • Nur Microsoft Store (empfohlen)

Das ist bemerkenswert. „Auch Windows macht jetzt einen auf Nanny“ weiterlesen