Jederzeit ein frisches Windows

Mit dem Windows-Update vom Mai 2019 (Build 1903) hat Microsoft eine Sandbox in Windows eingebaut. Ich habe sie im Video (siehe Baby steps oder Riesenschritte?) erwähnt – aber nicht ausführlich vorgestellt. Sie hatte damals ein Problem, das ich nicht übersehen konnte: Sie hat nämlich nicht funktioniert. Bei deutschsprachigen Windows-Installationen hat sie eine Fehlermeldung angezeigt.

Neulich hielt ich die Zeit für gekommen, um nachzusehen, ob diese Sandbox inzwischen funktioniert. Und in der Tat: Sie startet brav auf.

Das ist eine gute Sache. Die Sandbox erhöht die Sicherheit beträchtlich – gerade für Leute, die ab und zu fragwürdige Dinge tun. In den Bereich fällt das Anklicken seltsamer Links, das Installieren fragwürdiger Programme oder das Öffnen von Dokumenten aus unbekannter Quelle.

Solcherlei Dinge tut man am besten nicht in seiner angestammten Arbeitsumgebung, sondern in einer Art Quarantäne. Ich empfehle für solche Zwecke auch gerne eine virtuelle Maschine (siehe Virtuell ist essenziell oder, für den Browser, Das Gegenteil vom Internet Explorer). Aber dieser Weg hat zwei Nachteile: Erstens ist die Installation anspruchsvoll. Und zweitens muss man auch die virtuelle Maschine pflegen und zum Beispiel Updates einspielen.

Die Sandbox ist pflegeleichter. „Jederzeit ein frisches Windows“ weiterlesen

Stolpersteine in der Timeline

Twitter im Speziellen und soziale Medien im Allgemeinen sind ein bisschen wie Formatradio: Für gewöhnlich plätschert es vor sich hin. Man sieht einmal was Lustiges, dann etwas Ärgerliches, ab und zu einen unnötigen Auswurf eines Verschwörungstheoretikers oder Fake-News-Reposters. Aber es gibt wenig, was die Routine des Sich-Berieseln-Lassens unterbrechen würde.

Es gibt aber eine Ausnahme. Seit einiger Zeit folge ich dem Twitter-Account @AuschwitzMuseum. Was die Tweets mit mir machen, lässt sich am besten mit der englischen Redewendung stop dead in my tracks umschreiben. Sie katapultieren mich augenblicklich aus dieser Ist-alles-nur-Internet-Theater-Haltung – wenn ich einem Tweet wie diesem hier begegne: „Stolpersteine in der Timeline“ weiterlesen

Fusspilz statt Grippe

Ohne mein explizites Zutun hat es sich ergeben, dass ich mit den digitalen Patentrezept-Videos jeweils mit einem Sicherheitsthema ins neue Jahr starte. 2019 ging es um den Schutz vor Datendieben. 2018 waren die Massnahmen gegen Sicherheitslücken bei Mobil- und Desktopgeräten das Thema. 2017 stellte sich die Frage: Wurden Sie gehackt?

So schien es mir nicht verkehrt, 2020 mit Tipps zur Sicherheit bei Smartphones zu starten.

Wie üblich ist das ein weites Feld – und es gibt sehr viel, was man tun könnte und tun sollte. Da die meisten Nutzer (ich übrigens eingeschlossen) nur eine beschränkte Geduld mit solchen Empfehlungen haben und auch nicht endlos Zeit in die Absicherung der Geräte investieren wollen, habe ich versucht, mich auf die absolut wesentlichen Dinge zu beschränken und sie zu priorisieren. So kann jeder zumindest das Nötige tun und entscheiden, wie viel er von den weniger dringlichen Tipps beherzigen will.

Und das ist das Video mit den Tipps: „Fusspilz statt Grippe“ weiterlesen

Das iPhone als 3D-Scanner

Seit einiger Zeit habe ich ein iPhone 11 als Leihgerät zur Verfügung. Wie hier in einem ersten Augenschein beschrieben, hatte ich anfänglich gewisse Mühe mit Face ID. Doch die ist überwunden – inzwischen habe ich mich tatsächlich daran gewöhnt, dass man auch als Kurzsichtiger das Telefon problemlos verwenden kann. Man sollte es einfach nicht direkt vor die Nase halten, wenn man entsperren will, während man die Brille nicht auf der Nase hat.

Natürlich stellt sich irgendwann die Frage, ob man mit dem TrueDepth-Sensor für die Gesichtserkennung noch andere Dinge treiben kann als nur Gesichtserkennung. Es handelt sich schliesslich um einen Sensor, der ganz ähnlich wie die Kinect-Leiste der Xbox funktioniert. Nicht ganz zufällig: Das israelische Unternehmen Primesense, das Kinect für Microsoft entwickelt hat, wurde im November 2013 von Apple gekauft.

Das dürfte mit ein Grund gewesen sein, weswegen Microsoft Kinect im Oktober 2017 eingestellt hat. Darum: Kurze Schweigeminute für die Technologie, deretwegen ich am 30. August 2010 im «Tagesanzeiger» behauptet hatte, der «Gamecontroller gehöre demnächst zum Alteisen»:

Nun [nach der Wiimote] geht Microsoft noch einen Schritt weiter und schafft den Controller komplett ab. Der Spieler steuert die Konsole mit freien Händen, dafür mit umso mehr Körpereinsatz.

Da haben sowohl Microsoft als auch ich die Trägheit der Nutzerschaft unterschätzt, die lieber auf dem Sofa sitzt, statt sich vor dem Fernseher abzumühen. Immerhin – gewisse Vorbehalte waren damals zu erkennen: „Das iPhone als 3D-Scanner“ weiterlesen

Das Revival des Hörspiels

Blood Ties – zu Deutsch: Blutsbande.

Der Auslöser für diesen Blogpost ist der Podcast Blood Ties (RSS, iTunes, Spotify). Er erzählt, wie Eleonore und Michael Richland in die Bredouille geraten, nachdem die Eltern der beiden mit einem Flugzeug abgestürzt sind. Die Mutter ist tot, der Vater verschwunden. Und nicht nur das: Es ruft auch noch eine Reporterin an, die sagt, sie hätte belastende Informationen über den Vater Richland, einen Kardiologen von Weltruhm.

Der Podcast selbst ist ganz unterhaltsam, aber kein Meilenstein in der Podcastgeschichte. Zumindest inhaltlich nicht: Die Handlung ist ein locker-flockiges Gemisch aus Familiengeheimnissen, einer Verschwörung und #MeToo. Die etwas naive Hauptfigur, Eleonore Richland, muss erkennen, dass ihr Vater nicht der war, als den sie ihn kannte. Und auch ihr Bruder kommt reichlich schräg rüber.

Was ich allerdings bemerkenswert finde: Es handelt sich hier um einen Podcast mit fiktionalem Inhalt. «Blood Ties» ist ein klassisches Hörspiel. Diese Geschichte wäre früher im Radio ausgestrahlt worden. Selbst die Länge von um die 20 Minuten pro Folge würde passen.

Ich habe mich daraufhin gefragt, wie es eigentlich um das Hörspiel bestellt ist. „Das Revival des Hörspiels“ weiterlesen

So läuft man auf Youtube ins Messer

Ich war neulich im Zoo Zürich und habe während des Besuchs ein Video gebastelt und bei Youtube hochgeladen. Hier kann man es sich ansehen.

Nun passierte das, was häufig passiert, wenn man ein Video bei Youtube hochlädt. Es gab nämlich einen Urheberrechtsanspruch:

Ein Urheberrechtsinhaber hat mit Content ID einen Anspruch auf Inhalte in deinem Video erhoben. Dies ist keine Urheberrechtsverwarnung [und kein Copyright strike, Anmerkung des Autors]. Dieser Anspruch hat keinerlei Auswirkungen auf deinen Kontostatus. Der Urheberrechtsinhaber erhält entweder Einnahmen aus Werbeanzeigen in deinen Videos oder statistische Daten rund um die Aufrufzahlen für deine Videos.

Hinweis: Dein Video wurde vom Urheberrechtsinhaber oder von einem Vertreter des Urheberrechtsinhabers manuell geprüft.

Ein Urheberrechtsanspruch?

Das fand ich nun einigermassen überraschend. Ich bin mir des Problems natürlich bewusst. Für Videos, die bei Youtube oder sonstwie offen im Netz landen, verwende ich nicht irgendwelche Musik. Ich setze natürlich auf passend lizenzierte Musik. „So läuft man auf Youtube ins Messer“ weiterlesen

Potz Pulverdampf und Pistolenrauch

Eine Nebenwirkung von Kindern besteht darin, dass man selbst immer mal wieder in seine Kindheitstage zurückversetzt wird. Das passiert dann, wenn man dem Nachwuchs die Geschichten vorliest, die man selbst vor einer Handvoll Jahrzehnten vorgelesen bekommen hat.

Ich geniesse das. Es ist eine gesunde Form von Sentimentalität. Und man hat die Gelegenheit, die Erzählungen der Kindheit mit den Augen eines Erwachsenen neu zu entdecken. Und es ist schön zu sehen, dass manche Geschichten das aushalten und ihren Reiz behalten. Und nicht nur das: Sie geben einem die Gelegenheit, ein paar Finessen zu entdecken, die einem als Kind entgangen sind.

Mir geht das mit den Büchern von Otfried Preussler so. Die kleine Hexe, der kleine Wassermann, das kleine Gespenst, Hotzenplotz und später auch der starke Wanja und Krabat fand ich als Bub toll. Und sie gefallen – soweit sie schon alt genug dafür ist – auch meiner Tochter.

Ich erzähle sie aus den gleichen alten Büchern. Meine Mutter hat sie nämlich sorgfältig aufgehoben und uns fürs abendliche Geschichtenerzählen überlassen. „Potz Pulverdampf und Pistolenrauch“ weiterlesen

Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind

Die allgemeine Einstellung beim Mac.

Bei Mac kann man bekanntlich einstellen, ob nach einem Neustart die zuvor geöffneten Apps wieder erscheinen sollen. Die Option findet sich in den Systemeinstellungen im Reiter Allgemein und heisst Fenster beim Beenden eines Programms schliessen.

Wieso nicht bei jedem Herunterfahren fragen, was der Nutzer möchte?

Und man kann bei jedem Herunterfahren im Dialog Möchtest du den Computer jetzt ausschalten? angeben, ob man seine Apps wieder öffnen will oder nicht (Beim nächsten Anmelden alle Fenster wieder öffnen).

So einfach und unkompliziert. Bei Windows ist die Sache wie nicht anders zu erwarten ein bisschen vertrackter.

Windows-Anwender sind sich eigentlich gewohnt, dass das Betriebssystem keine Anwendungen wiederherstellt. Beim Start werden nur die Programme automatisch ausgeführt, die als Selbststarter definiert sind (dazu übrigens mehr weiter unten).

Doch seit einiger stellt Windows ebenfalls Programme wieder her – aber nicht konsequent, sondern nur manchmal. Diese Verhaltensweise scheint auf das Fall Creators Update zurückzuführen zu sein. Dort hat Microsoft dem Betriebssystem beigebracht, beim Warmstart Anwendungen wiederherzustellen. „Vermeintlich einfache Dinge, die in der Realität unglaublich kompliziert sind“ weiterlesen

Wasser statt Wein predigen (und trinken)

Hm. Wenn ich euch an dieser Stelle mit guten Vorsätzen komme – wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dankend ablehnt und euch von diesem Beitrag hier abwendet? Ich würde schätzen: Zwischen 97,8 und 99,5 Prozent. Aber diese «guten Vorsätze» klingen auch unglaublich pompös und ambitioniert: Da will einer sein Leben umkrempeln, neue Tugenden zum Aufblühen bringen und ein besserer Mensch werden. Und sehr wahrscheinlich tut er das nicht nur für sich selbst – nein, die ganze Welt soll daran teilhaben. Und ihm möglicherweise nachfolgen.

Aber keine Angst: Ihr dürft weiterlesen. Ich habe nicht vor, euch zu bekehren. Und die Sache selbst ist auch kein grosses Ding: Ich habe mir nämlich etwas wahnsinnig Banales vorgenommen.

Es geht darum, regelmässig genügend zu trinken. Denn wenn man dem Internet glauben darf, ist das unglaublich wichtig. Google spukt zum Thema unglaubliche Mengen an Links aus. Auch auf Websites, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde. Hier zum Beispiel predigt ein Experte für Möbel (sic!) Wasser statt Wein.

Ja – wenn nun mein Hausarzt oder meine Mutter mir diesen Ratschlag gegeben hätten, wäre ich misstrauisch geworden. Die haben schliesslich nur mein Wohlbefinden im Sinn. Und das wirft die Frage auf, ob man den Empfehlungen der Leute glauben schenken darf, die nur unser Bestes wollen. „Wasser statt Wein predigen (und trinken)“ weiterlesen

Reykjavík dunkelgrau

Ich habe ein kleines Flair für Islandkrimis – siehe hier, hier oder auch hier. Darum habe ich mich gefreut, neulich bei Audible ein schönes Hörbuch namens Snare von Lilja Sigurdardóttir. Es gibt das unter dem Titel Das Netz auch in Deutsch – wobei die Titel verwirrend sind. Es handelt sich nämlich um eine Trilogie, bei der in Englisch der erste Teil den Titel «Schlinge» (Snare) trägt, in deutsch jedoch der zweite Teil. Der zweite Teil heisst in Englisch Trap und der dritte Cage. In Deutsch: Der Käfig. Immerhin hier waren sich die Übersetzer einig.

Lilja Sigurdardottir legt in «Snare» nicht nur zwei, sondern drei Handlungsstränge aus.

Das ist die Ausgangslage: Da ist Sonja, die sich mit ihrem Exmann Adam um das Sorgerecht des Sohns Thomas streitet und zwecks Bestreitung des Lebensunterhalts Kokain ins Land schmuggelt. Da ist Agla, die beim isländischen Bankencrash tief gefallen ist und nun den Kopf hinhalten soll für die Verfehlungen all ihrer Banken-Kollegen und -vorgesetzten, die sich vor dem grossen Knall 2008 eine goldene Nase verdient haben. Und da ist der erfahrene Zollbeamte Bragi, dem Sonjas häufige Grenzübertritte am Flughafen Keflavik längst aufgefallen sind und der sein eigenes Bündel zu schultern hat. Seine Frau ist an Alzheimer erkrankt und sein Chef droht im mit der Pensionierung.

Das ist eine spannende Ausgangslage – und Lilja Sigurdardóttir macht eine solide Geschichte daraus. Ich fühlte mich gut unterhalten – aber hundertprozentig zufrieden bin ich nicht. „Reykjavík dunkelgrau“ weiterlesen