Die Cloud ist ganz schön bevormundend

Ganz früher war die Foto-Ablage einfach: Man hat seinen fertigen Film entwickelt zurückbekommen und die Abzüge in einer Schuhschachtel verstaut. Oder, wenn man ein Streber war, hat man ein Album gekauft und die Abzüge dort eingeklebt. Leute, die Diafilme vollgeknipst haben, mussten die Magazine irgendwo unterbringen – möglichst so, dass sie für die gefürchteten Diaabende griffbereit waren.

Dann kamen die Digitalkameras. Das Archivieren war wiederum einfach: Man hat die Bilder auf die Festplatte kopiert und, wenn man ein Streber war, mit Schlagworten versehen (siehe Wo künstliche Intelligenz den Alltag erleichtert, Abschnitt «Vergebene Liebesmüh»). Doch es ging auch gut ohne. Man wusste in allen Fällen, wo die Bilder sind und hatte sie einigermassen vernünftig sortiert. Eine thematische oder chronologische Ordnerstruktur auf der Festplatte ist zwar ein primitives Ordnungsverfahren – aber es ist immerhin eines.

Dann kam die Cloud mit ihren grossartigen Versprechen: Die übernimmt den ganzen Aufwand für uns. Sie kümmert sich ums Speichern, verschlagwortet den Kram mittels Bilderkennung und hält ihn auf Abruf bereit. Könnte es schöner und bequemer sein?

Das klingt in der Theorie toll. In der Praxis entsteht ein fürchterliches Tohuwabohu.  „Die Cloud ist ganz schön bevormundend“ weiterlesen

Eine App für Kamele und Sponge Bob

Es gibt ein paar Themen, die in diesem Blog in einer gewissen Regelmässigkeit auftauchen. Das hier habe ich zum ersten Mal 2012 bebloggt – leicht satirisch, was aus heutiger Sicht eine fragwürdige Idee war. 2015 war ein sachlich-serviceorientierter Beitrag an der Reihe: Mit diesem Trick hier spare ich tagtäglich Zeit. Und das tue ich auch heute noch: Der Tipp ist ein echter golden Oldie!

Heute also das gleiche Thema. Es ist nämlich nach wie vor ungelöst und inzwischen auch auf den Mobilgeräten anzutreffen.

Es geht um die Formatierungen, die man via Zwischenablage von der Ursprungsquelle in sein Dokument einschleppt. Anfänglich war das kein Problem, weil mobile Apps typischerweise keine Formatierungen benutzt haben, sondern Inhalte als Nur-Text gespeichert haben. Doch inzwischen gibt es in vielen Apps, zum Beispiel für Mail oder Notizen Unterstützung für Formatierungen. Das alte Ärgernis ist somit wieder da: Man kopiert einen kurzen oder längeren Text und fügt ihn in ein eigenes Dokument ein und bekommt nicht nur den Inhalt, sondern auch die extravaganten Formatierungen mitgeliefert.

Das ist sieht im harmlosesten Fall nur hässlich aus. Manchmal bringt es auch das ganze Dokument durcheinander. Zum Beispiel dann, wenn der Ursprungstext in eine Tabelle gepackt war, die mitkopiert wird.

Darum auch hier wieder einmal die Frage:  „Eine App für Kamele und Sponge Bob“ weiterlesen

Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist

Ist fernsehen noch ein Ding? Ich habe neulich mit Digichris eine Nerdfunk-Sendung zu dieser Frage gemacht: Der Strassenfeger wurde weggefegt. Während der Vorbereitungen für die Sendung habe ich zum Nein tendiert. Netflix hat unser Sehverhalten nachhaltig verändert. Live schalten wir noch zum Tatort ein und einmal im Jahr zum Concours eurovision de la chanson. (Ja, ich bin so alt, dass ich den nicht Eurovision Song Contest nenne.)

Doch während der Sendung habe ich gemerkt, dass meine Meinung nicht in Stein gemeisselt ist: Der Ereignischarakter der «Strassenfeger», die es heute kaum mehr gibt – die haben etwas für sich. Sie haben etwas Verbindendes für die Fernsehnation. Und diese Klammerfunktion ist etwas, das die Kreise mit dem No-Billag-Vernichtungswunsch nicht erkannt haben oder geringschätzen. Aber es geht ja nicht nur ihnen so: In meiner Jugend herrschte in meiner Familie die (nicht ganz einhellige) Meinung, das Fernsehen sei ein Verdummungsmedium.

Ausdruck dieses Zeitgeistes war Neil Postmans Buch Wir amüsieren uns zu Tode, das ich seinerzeit in der Schule gelesen habe. Ich erinnere mich, dass mich mein Lehrer explizit aufgefordert hat, es kritisch zu lesen und die Aussagen zu hinterfragen. „Weil Fernsehen noch nicht ganz passé ist“ weiterlesen

Da weinen Bildbearbeiter vor Glück!

Ist das noch Fotografie? habe ich mich neulich gefragt. Es ging um Spielereien mit der Doppelkamera des iPhones, die auch Tiefeninformationen aufnimmt. Das ermöglicht es, manuell ein Bokeh dazuzurechnen oder den Hintergrund unschärfer zu rechnen, als er es von Haus aus wäre. Ob man das mag, ist Geschmackssache – und eine Frage, wie weit man seine Bilder dem Einfluss von Algorithmen aussetzen möchte.

Nun ist mir aber neulich eingefallen, dass die Doppelkamera auch für die herkömmliche Bildbearbeitung nützlich sein könnte. Der Trick mit dem Portraitmodus des iPhones basiert darauf, dass mit Hilfe der Tiefeninformationen, Vordergrund und Hintergrund einfach voneinander getrennt werden können. Entsprechend müssten diese Informationen doch auch beim Freistellen helfen, oder? Freistellen bedeutet, dass der Hintergrund isoliert und entfernt wird. Man braucht den für sein Foto nicht oder empfindet ihn als störend. Man will in der Layoutsoftware womöglich den Text um das Objekt herum arrangieren. Oder vielleicht möchte man auch einen anderen Hintergrund einfügen.

Normalerweise ist das mit beträchtlichem Aufwand verbunden:  „Da weinen Bildbearbeiter vor Glück!“ weiterlesen

Krze Lnks

Bei einem meiner Videos ging es letzthin um nützliche Sicherheitsinstrumente im Web. Auch Kurz-URLs waren ein Thema: Man kann mit ihnen bekanntlich gefährliche Links kaschieren. Das geht so weit, dass Forbes neulich fünf Gründe aufgezählt hat, weswegen man ganz auf Kurzlinks verzichten müsse. Nebst dem Verschleierungseffekt werden die Kurzlinks oft auch fürs Tracking eingesetzt. Bit.ly zum Beispiel sagt Nutzern genau, wie die Kurzlinks genutzt werden. Das ist das eigentliche Geschäftsmodell: Gratisnutzer bekommen nur eingeschränkte Daten. Wer vollständig von der Datensammelei profitieren möchte, der muss zahlen. Wieviel, schreibt bit.ly nicht; das muss man offensichtlich je nach Branche und Unternehmensgrösse aushandeln.

Das riecht in der Tat nach einem etwas dubiosen Geschäftsmodell. Die Links sind der Kitt, der das Internet zusammenhält. Diesen Kitt zu strecken, respektive zu melken … okay, ihr merkt, dass mir die Metapher gerade um die Ohren fliegt. Was ich eigentlich sagen will:  „Krze Lnks“ weiterlesen

Eine vielversprechende InDesign-Alternative

Im Beitrag Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad habe ich Affinity Photo des englischen Softwareherstellers Serif vorgestellt. Der hat bekanntlich das ambitionierte Ziel, gegen Adobe anzustinken. Bei der Bildbearbeitung ist ihm das ganz gut geglückt, finde ich. Darum stellt sich die Frage: Klappt das beim Layout? Serif arbeitet an einem Programm namens Affinity Publisher. Das wird sich als günstigere Alternative zu InDesign positionieren, die nicht gemietet werden muss, sondern gekauft werden kann.

Damit wäre dieses Programm genau das richtige für mich: Ich schätze InDesign sehr. Doch ich brauche die Software zu selten, als dass sich der Abo-Preis von 23.70 Franken pro Monat rechtfertigen würde. Wie viel das Programm letztendlich kosten wird, wenn es fertig ist, wissen wir natürlich nicht – im Moment ist es gratis als Beta-Version zu haben. Doch wenn sich der Preis im ähnlichen Rahmen wie bei Affinity Photo bewegt, dann landen wir bei einer Grössenordnung von um die 50 Franken. Unter uns gesagt: Auch das Doppelte wäre völlig okay.

Was erwarte ich von so einem Programm? Ich werde keine riesigen Magazine, Zeitungen oder Bücher mit Tausenden von Seiten damit gestalten.  „Eine vielversprechende InDesign-Alternative“ weiterlesen

Reddit als letzter Ausweg?

Unter dem Titel Ein heisser Tipp für App-Schnäppchenjäger habe ich seinerzeit die App AppZapp vorgestellt: Ein Schweizer Produkt, das via Ifttt oder in einer App darauf aufmerksam macht, wenn man in den Stores von Google oder Apple Geld sparen kann: Man hat Softwareprodukte unterbreitet bekommen, die den Preis reduziert oder auf null gesetzt haben.

Nun ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass die Benachrichtigungen ausgeblieben sind. Neulich hatte ich endlich Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen. Und schuld ist, tatsächlich!, die Datenschutz-Grundverordnung:

Da hat die Datenschutzgrundverordnung zugeschlagen!

„Reddit als letzter Ausweg?“ weiterlesen

Apple klaut mir mein Taschengeld

Dieses Blog hier ist nicht in erster Linie dazu da, mich reich zu machen. Aber, wie ich hier transparent gemacht habe, hat es in den letzten Jahren doch ein bisschen Geld eingebracht: Genug, um das Hosting zu bezahlen und mir ein bisschen Taschengeld für Apps einzubringen, die ich dann wiederum hier im Blog besprechen kann.

Das wichtigste ist aber, dass ich so ein Gespür dafür entwickeln kann, wie es ist, mit Inhalten im Netz Geld zu verdienen. Das hilft, die Situation der Medien zu verstehen und sich eine Meinung zu Werbung, Native Advertising und ähnlichen Dingen zu bilden.

Nebst der Google-Werbung nutze ich auch zwei Affiliate-Programme: Hier habe ich erklärt, warum ich mit dem Amazon-Partnerprogramm experimentiere. Und ich nehme auch an Apples Affiliation-Programm teil. Das gibt mir eine kleine Umsatzbeteiligung, wenn Leser dieses Blogs Apps für iPhone, iPad, Macs und Apple-TVs oder aber Bücher und Songs kaufen, Filme oder TV-Serien mieten oder kaufen oder Apple Music nutzen – aber natürlich nur dann, wenn auch unmittelbar ein Umsatz erfolgt.

Zumindest war das bis anhin so. Wie man lesen konnte, hat Apple das Beteiligungsprogramm für Apps auf den ersten Oktober hin gestoppt. Meines Wissens gab es keine offizielle Begründung, doch Alex Olma vom iphoneblog.de dürfte den Nagel auf den Kopf treffen, wenn er Folgendes schreibt: „Apple klaut mir mein Taschengeld“ weiterlesen

Sehenden Auges ins Malware-Verderben

Im heutige Patentrezept-Video stelle ich einige nützliche Dienste im Web vor, die bei Sicherheitsfragen weiterhelfen. Ist diese Datei gefährlich? virustotal.com gibt Auskunft – oder alternativ auch virscan.org. Wenn der ganze Computer überprüft werden soll, gibt es bei eset.com eine Sponti-Möglichkeit. Dieser Scanner muss zwar heruntergeladen werden, ist aber unkompliziert genug für einen Sponti-Check.

Und erwähnen darf man an dieser Stelle natürlich auch immer clamwin.com: Das ist ein Open-Source-Programm, der unter Windows und Mac keine Echtzeitüberprüfung durchführt, sondern als On-Demand-Scanner fungiert. Das heisst, man startet ihn bei Bedarf, worauf er die Festplatte durchklopft. Aber er braucht nicht permanent Systemressourcen und sollte (theoretisch) auch zusätzlich zu einem konstant arbeitenden Scanner benutzt werden.

Wobei ich für diese Aussage meine Hand nicht ins Feuer lege: „Sehenden Auges ins Malware-Verderben“ weiterlesen

Die Maus als App

Sollen Kleinkinder ein Smartphone in die Finger bekommen? Wenn man diesem Artikel hier Glauben schenken darf, kann man ihnen stattdessen auch gleich eins mit dem Knüppel überziehen – der Effekt ist etwa der gleiche. Selbstverständlich halte ich es auch für keine gute Idee, den Nachwuchs mittels digitaler Technik ruhigzustellen. Doch mir scheint es aussichtslos, den Kindern die Geräte komplett vorenthalten zu wollen. Einerseits sind wir Eltern schlechte Vorbilder, weil es annähernd unmöglich ist, das Smartphone jederzeit ausser Reichweite zu halten. Andererseits, weil die Kleinen auch anderswo bunte Displays zu Gesicht bekommen.

Darum bin ich der Meinung, dass man es zwar nicht übertreiben sollte, aber auch keine Tabuzonen ausrufen muss. Abgesehen davon nervt mich dieser alarmistische Ton, den man Eltern gegenüber ständig anschlägt. Wenn wir nicht auf die guten Ratschläge hören, die uns in diesen klugen Artikeln und Büchern macht, dann sind die Kinder quasi verloren: Einmal ein Smartphone in den Fingern und die Dummheit ist vorprogrammiert! Eine falsche Reaktion unsererseits während der Trotzphase, und das Kind wird zu einem Wutbürger, der Trump alt aussehen lässt und Grenzen niemals nie akzeptiert! Ein Fehler beim Potty training, und der Nachwuchs brünzelt mit dreissig noch in die Hose.

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