An Keksen überfressen

Neulich bin ich per Zufall auf die Website nw.de gelangt. Das ist die «Neue Westfälische»; eine Online-Zeitung, wie es andere auch gibt. Eine Besonderheit ist allerdings, dass eine sehr prominente Cookie-Warnung erscheint. Cookie-Warnungen – das sind diese lästigen Dinger, die gesetzlich vorgeschrieben sind, aber doch vor allem Zeit und Aufmerksamkeit rauben.

Üblich ist ein Banner am oberen oder unteren Rand der Seite: Es erlaubt einem, einen Blick auf den Inhalt zu werfen. Man erkennt sogleich, ob einen die Sache interessiert – oder ob man gleich wieder von dannen zieht und sich den Klick auf den «Dann akzeptiere ich halt diese verfluchten Cookies»-Knopf sparen kann.

Doch bei nw.de verdeckt ein Popup-Element so viel von der Seite, dass man keine Chance hat, es zu ignorieren. Keine Frage: In Ostwestfalen nimmt man diese Cookies nicht auf die leichte Schulter.

Als erstes fällt einem ein Bekenntnis ins Auge: «Wir schätzen Ihre Privatsphäre!» verkündet nw.de. Was augenblicklich die Frage aufwirft, wieso dann überhaupt ein solcher Dialog nötig ist. Wer die Privatsphäre seiner Nutzer schützen möchte, kann das nämlich einfach tun – und zwar, indem er keine Daten über seine Nutzer erhebt. Ja, so einfach ist es. Niemand wird getrackt. Ende der Geschichte.

Aber so einfach ist es nicht, wie nw.de in extenso erklärt: „An Keksen überfressen“ weiterlesen

Das Leben ist nicht wie «Friends»

Eigentlich geht es an dieser Stelle nie um Sachbücher – sondern  um zukunftsträchtige, fantastische oder technikverliebte Fiktion. Heute mache ich eine Ausnahme. Es geht um Talking to Strangers von Malcolm Gladwell (Amazon Affiliate).

Es gibt zwei gute Gründe, dieses Buch zu besprechen. Erstens, weil der Mann einen interessanten Sachverhalt aufwirft. Und zwar einen, das interessanter ist, als man angesichts des Titels denken würde. Ich hatte anfänglich vermutet, dass der Gladwell herumgeht und in Kneipen und auf Banhöfen x-beliebige Leute anquatscht.

Aber nein, natürlich hat einer, der bei der Kult-Zeitschrift «The New Yorker» gearbeitet und sich dort eine grosse Fangemeinschaft erarbeitet hat, höhere Ansprüche als der typische Lokalreporter, der eine Themenlücke zu füllen hat – und tut, was Lokalreporter in solchen Situationen schon immer getan haben (nämlich eine Strassenumfrage zu machen). Es geht im Buch mit dem Untertitel «What We Should Know about the People We Don’t Know» um die Kommunikationsprobleme, die mit unbekannten Menschen auftreten.

Warum kommt es zu fundamentalen kommunikativen Missverständnissen, die so gross sein können, dass Menschen bei solchen ersten Begegnungen zu Tode kommen? „Das Leben ist nicht wie «Friends»“ weiterlesen

Die Oldtimer im Softwarebereich

Das war mal eine Büchse der Pandora, die ich mit einem Facebook-Beitrag und einem Tweet geöffnet habe! Ich habe nämlich die Frage gestellt, welche Uralt-Programme in meiner Blase noch so benutzt werden. Das Resultat war eine Flut von Nennungen, die ich versucht habe, in einem Artikel für den Tagi zu kanalisieren – und in einem Video, in dem ich drei der Programme näher vorstelle.

Es sind (nicht ganz) zufälligerweise drei Programme, die nicht ganz so bekannt sind wie Word, Excel, Outlook oder Filemaker. Der Datenbank-Opa ist übrigens der geheime Gewinner dieser Umfrage, wie ich finde. Er stammt von 1985 und ist 34. Das ist in Softwarejahren mindestens fünfstellig – so steinalt wie Methusalix.

Und trotzdem hat das Programm noch viele Fans. Ich habe es nicht im Detail ausgezählt, aber es war sonnenklar, dass Filemaker die meisten Nennungen hatte. Was nach einem Nachfolge-Video zu diesem Produkt schreit, das dann auch schon in der Pipeline ist.

Im aktuellen Video ging es um drei Shareware-Programme, die drei Gemeinsamkeiten haben: Sie haben alle eine angestaubte Oberfläche, stammen bezüglich Bedienung aus einem anderen Jahrhundert – und wenn man sie beherrscht, ist man mit ihnen unglaublich effizient. „Die Oldtimer im Softwarebereich“ weiterlesen

So donnert das Mail!

Nach meiner ausführlichen Aktion mit dem Test von vier Mailprogrammen (Mailbird, Em Client, Mailspring und The Bat!) bin ich zum Schluss gekommen, dass die naheliegende Alternative zum Handkuss kommt: Mozilla Thunderbird.

Das ist leider überhaupt nicht originell. Aber manchmal bringt es nichts, auf Teufel komm raus originell sein zu wollen. Denn auch die Schwarmintelligenz sagt, dass Thunderbird die beste Wahl ist. Bei Alternativeto.net hat Mozillas Mailprogramm mit Abstand die meisten Likes (1912).

Beim Wechsel des Mailprogramms stellt sich üblicherweise ein Problem. Nämlich das der Datenübernahme. Es gibt zwar gewisse Standards für die Mailablage (Mbox, Maildir bzw. Eml). Aber typischerweise betreibt jedes Programm seinen proprietären Wildwuchs. Man kann auf eine Import- oder Exportfunktion hoffen oder ein Übersetzungsprogramm nutzen (ich empfehle jeweils Mailstore, siehe Vier Tricks fürs altehrwürdige E-Mail). „So donnert das Mail!“ weiterlesen

Schreiben wie Hemingway

Neulich habe ich eine App vorgestellt, die angehenden Autoren dabei helfen soll, stringente Geschichten zu verfassen. Die hat in den sozialen Medien einige Diskussionen ausgelöst. Jemand fand allein die Idee anmassend: Eine App, die einem Autor dabei hilft, ein grossartiges Werk zu verfassen!

Ein Sakrileg! Wo doch jeder weiss, dass nicht die Autoren es sind, die die Geschichten erfinden. Es ist vielmehr so, dass die Geschichten sich den passenden Autor aussuchen, von dem sie sich dann zur Welt bringen lassen. Eine Geschichte hat eine innere Logik. Sie ist zwingend. Sie muss so sein, wie sie ist.

Und das impliziert, dass es keine App braucht, die bei der Geburt helfen muss. Alles steckt schon im Autor drin. Der hat eine einzige Aufgabe: Nämlich dieses Werk möglichst direkt und unmittelbar aufs Papier zu bringen. Jegliche Hilfe kann da nur verfälschend wirken. Sowieso, wenn es sich bei Story Planner um eine App handelt, die versucht, den Autor in ein Denkschema zu drängen und ihn dazu nötigen, seine Geschichte in eine Struktur zu drängen und gewissermassen am Reissbrett zu planen. „Schreiben wie Hemingway“ weiterlesen

Catalina ist eine Zicke

Das ist so ein Fall, wo man sich von der Umwelt mehr Mitgefühl erhofft, als man dann tatsächlich erhält. Und es ist auch verständlich – denn ich selbst würde jemanden in der gleichen Situation ein empathieloses «Selber schuld!» um die Ohren hauen. Weil man es wirklich besser wissen sollte.

Und ja, ich weiss es besser. Aber immerhin hatte ich einen guten Grund, mich in solche Sparglimenten zu begeben.

Also, Folgendes hat sich zugetragen:

Ich habe die Betaversion von Mac OS Catalina installiert. Und es ist genau das passiert, was in solchen Fällen natürlich passiert: Mein produktives System hat aufgehört, produktiv zu sein. Das meiste läuft zwar noch. Doch genau jenes Programm, für das ich den Mac hauptsächlich benötige, hat den Betrieb eingestellt. Es handelt sich um Final Cut Pro, mit dem ich meine Videos schneide. Das stürzt einige Momente nach dem Start ab – und zwar auch dann, wenn man die gängigen Fehlerbehebungsmassnahmen durchexerziert.

Es ist tatsächlich so: Apple liefert eine Betaversion des Betriebssystems aus, mit der eines der wichtigsten Apple-Anwendungsprogramme nicht mehr läuft. Kann man machen. Muss man aber nicht.

Aber wie gesagt: Man hat es nicht besser verdient, wenn man auf die dumme Idee kommt, eine Beta-Version auf sein Arbeitsgerät loszulassen. Zu meiner Verteidigung sei folgendes gesagt: Ich konnte nicht anders. „Catalina ist eine Zicke“ weiterlesen

Ein atemloses Lesevergnügen

Die x-Out-Trilogie von Andreas Eschbach (Mark Zuckerbergs feuchter Traum) richtet sich an Jugendliche. Deswegen hat man als Erwachsener vielleicht den Impuls, einen Bogen darum herum zu machen. Doch ich hatte meinen Spass mit der Geschichte von Serenity und Christopher. Und darum habe ich mich an Eschbachs Trilogie herangewagt, bei der die Hürden noch etwas höher liegen. Die Hauptfigur ist Saha, ein 16-jähriges Mädchen. Und eine Identifikationsfigur für jene Leserinnengruppe, mit der ich mich nicht unbedingt identifizieren würde.

Trotzdem habe ich mich an die x-Marin-Trilogie herangewagt und es nicht bereut. Aber nach diversen Eschbach-Büchern vertraue ich darauf, dass der Autor so viel aus seinen Figuren und dem Stoff herausholt, dass ich meinen Spass habe, selbst wenn ich nicht das Zielpublikum bin.

Also, diese Trilogie hat, wie es sich für eine Trilogie gehört, drei Bände: Aquamarin (2015, Amazon Affiliate), «Submarin» (2017, Amazon Affiliate) und «Ultramarin» (2019, Amazon Affiliate). Es gibt sie als Hörbücher, die jeweils von Maximiliane Häcke gelesen werden.

Zugegeben: Der Nerdfaktor dieser drei Titel ist auf den ersten Blick vergleichsweise niedrig. Aber es gibt ihn. Und wenn man genau hinsieht, dann ist diese Trilogie eine Sciencefiction-Geschichte im eigentlichen Sinn: „Ein atemloses Lesevergnügen“ weiterlesen

Geld-Apps, die nicht stinken

Geld stinkt bekanntlich nicht, und das gilt auch für die Apps, die ich im aktuellen Patentrezept-Video vorstelle. Das liegt aber daran, dass ich die Apps handverlesen habe – denn im Bereich der Finanz-Apps gibt es einige, die schon ein bisschen einen komischen Geruch haben.

Zum Beispiel die Apps, die einem versprechen, man könne mit ihnen Geld verdienen. Googelt man danach, findet man unzählige Artikel. Zum Beispiel den Beitrag «20 Apps That Make You Money» von der Huffpo, den ich hier nur mit einem gewissen Widerwillen verlinke. Weil da zum Beispiel Apps vorgestellt werden, mit denen man fürs Ausfüllen von Umfragen bezahlt wird. Erstens frage ich mich, ob das die Datenqualität erhöht, wenn man Antwortgeber mit dem Versprechen auf Geld anlockt.

Zweitens leuchtet mir nicht ein, warum man sich auf Umfragen stürzen sollte, wenn man für einen Arbeitsaufwand von 20 Minuten mit 1 US-Dollar entlöhnt wird. «20 Apps That Make You very little Money» wäre der passendere Titel gewesen. Ich erinnere hier an den Hourly rate calculator, den ich im Beitrag Weil ich mir das wert bin vorgestellt habe: Damit kann man sich ausrechnen, wie viel Stundenlohn man haben sollte, damit sich der Aufwand lohnt. Dass drei US-Dollar zu wenig sind, ist aber auch ohne aufwändige Berechnung klar. „Geld-Apps, die nicht stinken“ weiterlesen

Spass macht es. Aber zu teuer ist es.

Selbst mit Tomaten auf den Sehwerkzeugen kommt man nicht um eine Feststellung herum: Diese elektrischen Trottinette sind der neue heisse Scheiss. Denn selbst wenn man Liebesäpfel auf den Augäpfeln hat, stolpert man bald auf jedem Trottoir über eines dieser Dinger…

… kurze Unterbrechung für Nichtschweizer: Trottinette sind die Dinger, die man in Deutschland Kickboard oder Tretroller nennt. Das Trottoir ist der Gehweg.

Also, diese Hipsterteile sind überall. Und nicht nur das: Sie werden auch fleissig benutzt. Die Vertrottinettisierung der Innenstädte ist jedoch noch nicht so weit fortgeschritten wie in Schweden. Als wir diesen Sommer in Stockholm waren, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Form der Fortbewegung dem guten alten Velo (🇩🇪🇦🇹: Fahrrad) den Rang abgelaufen hat. In der Hauptstadt Schwedens war diese neumodische Ausprägung eines fahrbaren Untersatzes dem Drahtesel ungefähr im Verhältnis eins zu fünf überlegen.

Darum wollte ich mich nicht als Hintlerwädler und Fortschrittsverweigerer äussern – und auch einmal eine Runde mit einem solchen Gefährt drehen. „Spass macht es. Aber zu teuer ist es.“ weiterlesen

Die fette, hässliche Mailfledermaus

Neulich habe ich ein Video gemacht, in dem es um Programme ging, die mehr als zwanzig Jahre alt sind und die man heute noch problemlos benutzen kann. The Bat! hätte ausgezeichnet in diese Sammlung gepasst: Laut Wikipedia gibt es dieses Mailprogramm schon seit 1997.

Bei dem Video habe ich es ausgelassen. Dafür bekommt das Mailprogramm nun eine separate Besprechung. Und zwar in der Reihe mit Mailbird, Em Client und Mailspring. Denn ein Leser hier im Blog hat es mir in einem Kommentar empfohlen. Woraufhin mir eingefallen ist, dass ich es schon einmal vorgestellt hatte. Nämlich am 27. August 2001 als «Tipp der Woche» mit dem Titel «Die Fledermaus bringt Netzpost».

Damals hatte The Bat! Funktionen, die man anderweitig vergebens gesucht hat. Ich habe sie in meinem Artikel aufgezählt:

Zum Beispiel die Funktion, mit der man grosse Mails direkt vom Server löschen konnte, ohne dass man sie erst herunterladen musste. Denn man erinnere sich: Anfang der Nullerjahre wurde Spam zum enormen Problem. Und es gab Viren wie Loveletter-/Iloveyou, die enorme Mailmengen generiert haben. Tausende von Mails via Modemverbindung herunterzuladen, war eine Plage. Das war es eine riesige Erleichterung, den digitalen Müll direkt auf dem Server zu löschen. Denn was es (standardmässig) auch noch nicht gab, war Webmail. „Die fette, hässliche Mailfledermaus“ weiterlesen