Als Windows erst für eine Randbemerkung gut war

Neulich hat mich ein grosses Tech-Unternehmen freundlich darauf hingewiesen, dass es in seinen Reihen einen nicht ganz runden, aber dennoch formidablen Geburtstag zu feiern gebe. Beim Unternehmen handelt es sich um Microsoft, beim Geburtstagskind um Windows. Das Betriebssystem kam am 20. November 1985 auf den Markt, nachdem das Entwicklerteam ziemlich lange mit ihm schwanger gegangen war.

Schon 1981 waren erste Arbeiten aufgenommen worden. Die Ankündigung erfolgte 1983, nachdem Apple schon die Lisa, aber noch nicht den Macintosh lanciert hatte. Ich hatte nie die Gelegenheit, ernsthaft mit Windows 1.0 zu arbeiten. Aber was man so hört, muss es ein ziemlicher Murks gewesen sein. Und schon damals hat Microsoft die Idee gehabt, Windows als grafischen Wurmfortsatz für DOS zu konstruieren. Wahrscheinlich aus der grandiosen Überlegung heraus, dass man der Kundschaft so zwei Produkte statt nur eins verkaufen kann. „Als Windows erst für eine Randbemerkung gut war“ weiterlesen

Liebes digitales Tagebuch…

Führt man heute noch Tagebuch? Auf die klassische Weise, auf gebundenem Papier und mit Bleistift wohl nicht – wo die Tränen auf dem Papier von Liebeskummer und die zittrige Schrift von seelischer Verzweiflung zeugen. Ich erinnere mich, dass ich in meinen Teenagerjahren einige Bände auf diese Weise vollbekommen habe.

Ich hoffe, dass ich mich richtig erinnere und einmal all diese Hinterlassenschaften in einer anständigen Bücherverbrennung beseitigt wurden. Es könnte jedoch auch sein, dass meine Eltern sie im Bemühen um mehr Platz im Keller an einen Flohmarkt gebracht und an eine unbekannte Partei veräussert haben. Vielleicht sitzt irgendwo einer mit einem guten (oder schlechten) Glas Rotwein auf seinem Chaise longue und versucht, den Niederschriften einen Sinn zu entlocken. Wie das gelingt – mit Entsetzen, Amüsement oder Unverständnis –, wage ich allerdings nicht zu prädizieren.

Also: Es gibt gute Gründe, kein Tagebuch zu führen. Man muss nicht daran denken, diese Zeugisse seines jugendlichen Reifeprozesses rechtzeitig zu vernichten, bevor sie den Kindern oder dem posthumen Entrümpelungskommando in die Hände fallen. Und man kommt selbst nicht in die Versuchung, sich zurück ins Unglück der Jugend zu katapultieren. Und nein – es ist nicht so, dass auch schöne Dinge im Tagebuch stehen könnten. Denn das Tagebuch hat man geführt, weil man im Jammertal feststeckte. Ansonsten würde es einem Teenager doch niemals einfallen, Reflexion oder Introspektion im geschriebenen Wort festzuhalten.

Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, zwar kein klassisches, aber ein digitales Tagebuch zu führen – ausser, dass einem womöglich die Zeit dafür fehlt. Jedenfalls kann man Tagebuch-Apps auf dem Smartphone mit Passwort schützen und ganz einfach der Nachwelt vorenthalten.

Ich schätze die App Day One sehr. „Liebes digitales Tagebuch…“ weiterlesen

Ein Clouddienst für Erwachsene

Neulich habe ich ein Mail bekommen, bei dem ich schon dachte, mein journalistischer Output werde neuerdings auch in Hollywood gelesen. Doch es war eine Verwechslung. Der Mann, der mir geschrieben hatte, heisst ganz ähnlich wie Christian Bale, kommt aber aus der Branche, um die es hier im Blog meistens geht. Er ist nämlich Softwareentwickler:

Ich schreibe Ihnen hier als Autor und Entwickler von Passfindr, da die Idee zu Passfindr vor etwa 20 Jahren in Zürich geboren wurde, als noch niemand von iCloud, Dropbox und Google Drive gesprochen hat. Die Idee, Web-Bookmarks, Adressen, E-Mail-Adressen, persönliche Notizen, ganze Artikel, Login-Informationen bis hin zu sensitiven Daten sicher und zuverlässig in der Cloud zu speichern.

Das ist eine interessante Idee. Und im Grund absolut naheliegend: Denn wenn man schon ein Programm hat, in dem man seine Passwörter sicher verwahrt, wieso sollte man dort nicht auch alle seine anderen sensiblen Informationen speichern? „Ein Clouddienst für Erwachsene“ weiterlesen

So landet der Liebhaber automatisch rechtzeitig vor der Tür

Neulich ging es hier im Blog um die Möglichkeit, mittels NFC-Klebern Aktionen am Smartphone auszulösen. Ich habe eine App vorgestellt, mit der man die NFC-Chips am iPhone programmiert. Beim Newsnetz habe ich das Thema in einem Patentrezept-Video aufgegriffen. Daraufhin hat mich ein Kommentator mich auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, die Tags direkt mit iOS zu beschreiben.

Diese Funktion ist gut versteckt – und hat einiges an Potenzial, sowohl für Spielereien als auch für echte Verbesserungen. Man findet sie in der Kurzbefehle-App, wenn man unten in der Menüleiste Automation tippt.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Automationen für das iPhone oder iPad und solche für das Smart-Home.

Es gibt zwei Rubriken, nämlich Persönliche Automation erstellen: Die Aktion wird auf dem iPhone oder iPad ausgeführt. Es gibt auch die Variante Automation für das Zuhause erstellen. Mit der führt man Aktionen im smarten Heim aus. Zum Beispiel: Wenn jemand nach Hause kommt, schalte das Licht ein.

Aber zurück zu der persönlichen Automation: Man kann mit der nicht nur NFC-Chips beschreiben, sondern auch Kurzbefehle zu bestimmten Tageszeiten ausführen oder vom Wecker auslösen lassen und mit Orten verbinden. „So landet der Liebhaber automatisch rechtzeitig vor der Tür“ weiterlesen

Pablo fühlt sich nicht ganz ernst genommen

Wenn ich den Begriff Multioptionsgesellschaft höre, dann fällt mir immer der App-Store ein. Dort gibt es so viel Auswahl, dass man sich als sterbliches Wesen zwangsläufig überfordert fühlen muss. Am wenigsten überschaubar ist das Angebot bei den Spielen – oder vielleicht auch bei den Foto-Apps. Da gibt es so viele Titel, dass den Entwicklern inzwischen sogar die vernünftigen Namen für ihre Apps ausgegangen sind.

Das merkt man auch bei der App Becasso (für iPhone): Deren Name ist einerseits ein schlimmer Kalauer und andererseits eine grobe Beleidigung für das spanische Jahrhundert-Talent. Aber er erfüllt den (die Mittel heiligenden) Zweck: Als neugieriger App-Benutzer will man sogleich wissen, ob die App ihrem eigenen Anspruch gerecht wird oder ob sie Etikettenschwindel betreibt.

Um dieses Urteil vorwegzunehmen: „Pablo fühlt sich nicht ganz ernst genommen“ weiterlesen

Ein Blogpost über eine der ganz grossen Fragen

Ich habe mir letzte Woche einen neuen Rucksack gekauft. Das ist nun eine Sache, von der ich angenommen hätte, dass sie für dieses Blog hier irrelevant ist – denn wenn ich mir neue Unterhosen anschaffe, muss das an dieser Stelle auch nicht erörtert werden.

Nun gab es allerdings neulich ein sozialmediales Ereignis, dass bei mir einen Meinungsumschwung bewirkt hat. Eine harmlose Frage auf Twitter hat unzählige Antworten, Neben-Threads ausgelöst. Leider zeigt Twitter die Zahl der Wortmeldungen nicht an. Aber die Diskussion hat meine Timeline während ungefähr einer Woche dominiert. So gross war das Interesse nur noch bei Nobillag – und da war es kein einzelner Tweet, der die Welle ins Rollen gebracht hat.

Also, Tech-Rucksäcke interessieren. Darum hier also meine Wahl, die sicher nicht die beste, billigste oder befriedigenste ist. Für mich passt sie aber aus mehreren Gründen.

Zuerst aber zur Ausgangslage: „Ein Blogpost über eine der ganz grossen Fragen“ weiterlesen

AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen

Augmented Reality ist eine Spielerei – diese Überzeugung hatte ich lange. Sie ringt einem hie und da ein anerkennendes Nicken ab. Aber so lange Brillen wie die Hololens nicht zu unserer Grundausstattung gehören, bringt sie keinen Alltagsnutzen. Denn niemand will aufs Handydisplay starren, nur um die Welt um sich herum zu sehen – selbst wenn sie auf dem Display mit ein paar digitalen Einsprengeln angereichert ist.

Diese Überzeugung kam ins Wanken, nachdem ich ein paar wirklich beeindruckende AR-Apps aus dem Bereich der Wissensvermittlung und Bildung getestet hatte – einem Gebiet, wo man aktuell die Augmented-Realiity-App zur Berliner Mauer ergänzen könnte. Und bemerkenswert fand ich auch, dass man AR nicht nur für Unterhaltungs- oder Bildungszwecke nutzen kann, sondern auch als Werkzeug: Zum Beispiel als Messinstrument.

Mit Filmr tanzt plötzlich ein Zwerg hinter unserem Rücken durchs Büro.

Schliesslich entpuppte sich die erweiterte Realität auch als interessantes Instrument für kreative Video- und Bildproduktionen. Im Beitrag CGI für deine und meine Videos stelle ich die App Leo AR Camera vor, die mittels AR Einhörner  (und andere Objekte) ins Video einfügt. Neulich bin ich einer anderen App begegnet, die das auch kann. Die heisst Filmr (kostenlos fürs iPhone und Android) und ist eigentlich eine Videoschnittsoftware. Wenn man mit ihr aufnimmt, kann man auch tanzende Zwerge und andere 3-D-Objekte in seine Clips einfügen.

Es gibt eine weitere kreative Möglichkeit für AR: „AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen“ weiterlesen

Ein Blick in die passwortlose Zukunft

Im Beitrag Tipps zu Passwörtern und Passwortmanagern habe ich euch versprochen, Fido2 zu testen. Und tadaa!, heute ist es so weit.

Fido2 hat nichts damit zu tun, dass der Familienhund gestorben und durch einen Welpen ersetzt wurde, dem man bequemerweise den gleichen Namen wie dem Vorgänger gegeben hat. Nein, es ist ein Versuch, Passwörter im Netz überflüssig zu machen. Die Authentifizierung findet mit einem realen Schlüssel statt. Das kann ein spezielles Stück Hardware wie ein USB-Key oder auch eine smarte Uhr oder ein anderes Wearable sein. Ich habe Schlüssel von Yubikey getestet, die mir yubikey.ch zur Verfügung gestellt hat.

Yubikeys mit verschiedenen Anschlusstypen

Die technischen Hintergründe sind reichlich komplex. Wenn ihr nichts dagegen habt, erspare ich es uns allen, sie hier im Blog auszubreiten. Man kann vieles davon in einem ausführlichen Schwerpunkt im «c’t Magazin» nachlesen; Ausgabe 18-2019, ab Seite 16: Abschied vom Passwort, Schlüssel zum Glück, Anmelde-Baukasten und Verschlossen, nicht verrammelt heissen die vier Artikel, die die Funktionsweise der Schlüssel, aber auch WebAuthn und anverwandte Dinge erklären.

Im Patentrezept-Video habe ich mich darauf beschränkt vorzuführen, wie es geht – denn die technischen Feinheiten dürfen uns Nutzer interessieren, können uns aber auch völlig egal sein. Denn seit ungefähr dreissig Jahren haben wir eh keine Chance mehr, die technische Komplexität unseres Alltags zu durchdringen. Das hat natürlich eine Reihe von Problemen – aber diese Diskussion wäre noch epischer als die Erklärungen zu Fido2 und WebAuthn.

Das Video zeigt konkret zwei Dinge: „Ein Blick in die passwortlose Zukunft“ weiterlesen

Wir haben schon alles gesehen. Ausser dieser App.

Vielleicht geht es euch wie mir: Ich stöbere zwar nach wie vor gerne in den diversen App-Stores. Aber meine Erwartungen sind nicht mehr die gleichen wie in der Anfangsphase, als diese Stores noch neu und aufregend waren. Die Apps damals waren oft ungeschliffen und nur halb fertig – aber voll von frischen Ideen und getrieben von Leuten, die nur auf die Möglichkeit gewartet hatten, ihre kreativen Ideen in Programmcode zu giessen.

Doch diese Phase hält nicht ewig – wie wir alle wissen, die wir der Kinderstube entwachsen und irgendwann in der Routine eines Erwachsenen-Alltags angekommen sind. Schon bald setzt die Reifephase ein. Für die App-Stores heisst das, dass sich die Entwickler daran machen, ihre Produkte zu perfektionieren, verschönern und mit jenen Funktionen auszustatten, für die während der Pionierphase keine Zeit war. Sie arbeiten den hinteren Teil der Prioriätenliste ab.

Damit verringert sich das Potenzial für Fortschrittssprünge und Aha-Erlebnisse. Als Nutzer schätzt man sicher das eine oder andere Feature – aber aus den Socken haut einen das Update von Version x.0 auf x.1 nicht.

Und in der Phase häufen sich die unerfreulichen Nutzerlebnisse: „Wir haben schon alles gesehen. Ausser dieser App.“ weiterlesen

Ueli, der Windows-Knecht

… den es auch für Mac OS gibt.

Als ich vor Kurzem einem Programm namens Ueli begegnet bin, konnte ich gar nicht anders, als es auszuprobieren. Obwohl es sich um eine Programmsorte handelt, die ich normalerweise ignoriere. Es handelt sich um Alternativen zum Startmenü. Klar, ich bin auch der Meinung, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber meistens sind die Alternativen auch nicht über alle Zweifel erhaben.

Ausserdem tritt man sich (bei Windows) häufig unnötige Probleme ein. Drittprogramme, die Systemfunktionen ersetzen, beeinträchtigen oft die Systemstabilität und verursachen Softwarekonflikte. Darum ist meine Empfehlung, sich mit der Standard-Shell abzufinden – falls das irgendwie möglich ist.

Aber Ueli klingt derartig nach einer Schweizer Kreation, dass mein Lokalpatriotismus geweckt wurde – obwohl ich bekanntlich komplett unpatriotisch bin. Doch den einheimischen Software-Erzeugern bloggenderweise einen Stein in den Garten zu werfen, macht einen auch nicht sofort zu einen glühenden Vaterlandsvertreter.

Also, Ueli. „Ueli, der Windows-Knecht“ weiterlesen