Einmal im falschen Flugzeug geflogen und schon gibt es dich zweimal

In einer Zeit, wo sich alles digital reproduzieren lässt, fragt sich, wie viel Einzigartigkeit noch wert ist. Hervé Le Tellier schmettert uns in seinem abgefahrenen Science-Fiction-Spektakel «Die Anomalie» ein fulminantes «Nichts!» entgegen.

Der folgende Buchtipp stammt aus diesem Podcast hier, und sei hiermit aufs Herzlichste verdankt. Einmal mehr lerne ich, dass echte Menschen viel bessere Empfehlungen machen als die Algorithmen von Amazon und Co. Die taugen, wie schon früher festgestellt, nichts.

Es geht um Die Anomalie, eine Geschichte von Hervé Le Tellier, die man sich unter dem Titel L’anomalie auch im französischen Original zu Gemüte führen könnte. Ich habe das nicht getan; was mutmasslich eine gute Entscheidung war. Denn Le Tellier verwendet eine dichte, bildhafte und manchmal poetische Sprache, und er versteigt sich ab und zu in philosophische Untiefen, sodass meine französischen Fähigkeiten ohne Zweifel aufs Gröbste überstrapaziert worden wären.

Es handelt sich um eine fulminante Geschichte, die vom Verlag als «brillante Mischung aus Thriller, Komödie und grosser Literatur» beschrieben wird.

Das würde ich nur halb gelten lassen: „Einmal im falschen Flugzeug geflogen und schon gibt es dich zweimal“ weiterlesen

Pop-Art statt Eye-Candy

Photoleap beweist, dass trotz des riesigen Angebots das Potenzial kreativer Bild­bearbei­tung nicht ausgereizt ist. Das Geheim­nis dieser App ist, dass sie komplexe Bear­beitungs­methoden auf nieder­schwellige Art bereit­stellt.

Gibt es noch neue, interessante Foto-Apps? In keiner Kategorie des App-Stores ist die Auswahl grösser, doch trotzdem machen sich langsam Ermüdungserscheinungen breit – es scheint, dass wir alles schon gesehen haben und die Eingangsfrage klar zu verneinen ist.

Bei genauem Hinschauen fällt noch etwas anderes auf: Trotz der riesigen Auswahl sind es alles in allem nur sieben Ideen bzw. Grundsatz-Konzepte, die in unzähligen Varianten umgesetzt werden. Nämlich die folgenden: „Pop-Art statt Eye-Candy“ weiterlesen

Maschinell übersetzen, virtuell lieben, retrofuturistisch fotografieren

64 Links und 21 Herzchen – und dieses Mal ist der Rückstau besonders gross: Es ist wieder einmal Zeit für einen selbstreflexiven Rückblick…

Seit der letzten Ausgabe mit der Übersicht meines journalistischen Schaffens der letzten Zeit sind einige Wochen verstrichen. Entsprechend umfangreich präsentiert sich die heutige Sammlung. Sie fängt mit meiner neuen Rubrik an, die den schönen Namen «Schüsslers digitale Lebenshilfe» trägt. Sie ist beim Tagesanzeiger, der BAZ, beim Bund, der Berner Zeitung und dem Landboten zu finden.

  • So stellen Sie Mitteilungen auf Ihrem Gerät optimal ein Nichts verpassen, aber auch nicht ständig abgelenkt werden: Tipps für die Einstellungen von iPhone, iPad, Windows und Android.
  • ❤️ Welches ist die beste Übersetzungs-App? Google Translate ist das bekannteste Tool, um Texte in andere Sprachen zu übertragen. Es gibt aber starke Konkurrenz, wie unser Vergleich zeigt.
  • Vier Apps für einen besseren Mac-Desktop Zweifacher Ersatz fürs Dock, mehr Übersicht in der Menüleiste und eine raffinierte Methode, um Dateien zu verräumen: So trimmen Sie Ihren Apple-Computer auf Effizienz.
  • ❤️ Die besten Männer-Apps In den Stores gibt es diverse Apps, die sich exklusiv ans männliche Geschlecht richten. Ist das unsinniges Gender-Marketing – oder praktisch? Wir prüfen fünf Beispiele.

Ich hatte was mit Lady Doom

Das sind die weiteren Beiträge, die ich für die Tamedia geschrieben habe, schön nach Monat sortiert. Fangen wir mit dem September an: „Maschinell übersetzen, virtuell lieben, retrofuturistisch fotografieren“ weiterlesen

Heute wird hier Zwietracht gesät

Ich habe mir vorgenommen, eine Wissens­lücke auszu­bügeln und endlich herauszu­finden, was auf Discord.com abgeht. Das habe ich mit Freuden getan – und bereits grosse Pläne für diese Kommuni­kations­platt­form.

Ich habe eine für meinen Job eigentlich unverzeihliche Schwäche: Ich bin oft resistent, was Trends angeht. Ich höre zwar meistens relativ früh, wenn eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Aber dann denke ich: «Das ist sicher nur so eine Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird und die in zwei Wochen schon geschlachtet ist.» Will heissen: Sich damit zu beschäftigen, wäre vergebene Liebesmüh.

Was in der Tat auch häufig stimmt. Aber manchmal eben nicht. Was zur Folge hat, dass ich – wenn ich nicht mehr herumkomme, mir ein Thema näher anzusehen –, der allerletzte bin, der das tut. Und sämtliche Leute in meinem Bekanntenkreis, vor allem auch alle Leserinnen dieses Blogs hier, schon Bescheid wissen. Und ich dem Trend hinterherhechle, wie die sprichwörtliche alte Fastnacht.

Das ist mutmasslich auch beim heutigen Thema der Fall. Es existiert seit 2015 und ist nach Web-Massstäben uralt. Ich könnte versuchen, mich herauszureden, dass das Thema vornehmlich für Gamer interessant ist und mich ich nicht zu dieser Gruppe zähle – aber trotzdem.

Doch besser spät als nie: „Heute wird hier Zwietracht gesät“ weiterlesen

Der grösste gemeinsame Nenner des helvetischen Kulturschaffens

Damit der Anteil der einheimischen Produktionen irgendwann doch noch die vom Bundesrat festgelegte Quote erfüllt, erfolgt heute die Besprechung eines Podcasts, wie er schweizerischer kaum sein könnte: dem Giacobbodcast.

Das einheimische Schaffen kam bei meinen Podcast-Besprechungen bislang kaum zum Zug. Kafi Freitag, einige SRF-Podcasts (hier und hier) – und das war es auch schon. Doch es ist Besserung in Sicht: Heute gesellt sich eine längst überfällige Nennung hinzu.

Die drei gelben Quadrate stehen wahrscheinlich für die vier Landesteile.

Es handelt sich um den Giacobbodcast, der schon im Titel verrät, wer die Hauptfigur ist: Viktor Giacobbo, mit dem mich die weltbewegende Gemeinsamkeit verbindet, dass wir beide in Winterthur wohnen.

Darüber hinaus sind wir beide Moderatoren, wobei er dieses Geschäft allerdings um eine Nuance erfolgreicher betreibt als ich. Und mit dieser Erkenntnis nähern wir uns so langsam dem wichtigsten Unterschied an: Er ist nämlich, anders als ich, tatsächlich witzig. „Der grösste gemeinsame Nenner des helvetischen Kulturschaffens“ weiterlesen

Mit einem iPhone doppelt filmen

Die DoubleTake-App zeichnet am iPhone Videos gleichzeitig mit zwei Kameras auf. Damit lassen sich auch professionelle Projekte realisieren – eine Zusatzkamera zur Ausfallsicherung ist aber zu empfehlen.

Seinerzeit habe ich die DuetCam-App vorgestellt: Sie filmt mit dem iPhone gleichzeitig mit der Front- und der Rückkamera. Ideal, um eine Szene zu zeigen und die gleichzeitig zu kommentieren.

Ein Problem hat diese App: Sie verschmilzt die beiden Ansichten zu einem einzigen Video, bei dem die Selfie-Kamera als kleines Fenster in die Aufnahme der Frontlinse eingebettet ist. Das ist für eine Ad-hoc-Reportage völlig ausreichend. Aber für eine professionelle Produktion hätte man lieber getrennte Videoaufnahmen, sodass für den Schnitt alle Möglichkeiten offen bleiben.

Das ist mit der DoubleTake-App möglich, die es für zwei Franken fürs iPhone gibt. Sie stammt vom gleichen Hersteller, von dem auch die hochgelobte Filmic-App kommt. Sie ist allerdings etwas knifflig in der Anwendung – wenn man nicht aufpasst, erhält man wie bei DuetCam einen einzigen Clip, in dem die verschiedenen Perspektiven zusammengebacken sind. „Mit einem iPhone doppelt filmen“ weiterlesen

Mister Präsident, Sie sind verhaftet!

Wenn die USA den Präsidenten nicht des Amtes entheben wollen, könnte nicht die Justiz nachhelfen? Im Thriller «Der Fall des Präsidenten» exerziert Marc Elsberg diese Möglichkeit durch.

Unter uns gesagt: Das Cover des Buchs hätte mich fast davon abgehalten, es zu kaufen…

Also, wie versprochen folgt nach Blackout und Helix hier der dritte Streich zu Marc Elsberg. Ich habe das neue Werk, Der Fall des Präsidenten durchgeackert. Und zwar als Hörbuch, sodass ich als Erstes gleich die diesbezügliche Kritik loswerden muss.

Der Erzähler, Dietmar Wunder, hat mich auf Dauer ziemlich genervt. Nicht, dass er eine unangenehme Stimme oder eine fragwürdige Aussprache hätte – nein, er wäre dem Job, eine Lesung von 14 Stunden und 42 Minuten abzuhalten, durchaus gewachsen. Aber er hat die Marotte, gegen Ende jedes Satzes eine Betonung zu setzen, was gepresst und affektiert klingt. Der Regisseur – falls es so etwas bei Hörbuchaufnahmen gibt – hätte ihn dazu anhalten sollen, seinen Hals etwas zu entspannen.

Aber gut, die Geschichte selbst ist atemlos und auf Spannung getrimmt: „Mister Präsident, Sie sind verhaftet!“ weiterlesen

Wer will schon wieder hinter meinem Rücken zu Google und Facebook verbinden?

In iOS gibt es neu die Möglichkeit, die Aktivitäten der Apps nachzuverfolgen. Auf diese Weise kommt man den notorischen Datensammlern auf die Spur. Bei der Auswertung der gesammelten Daten dürfte das iPhone aber noch zulegen.

In welchem Mass Smartphone-Nutzer von ihren Apps getrackt werden, scheint vielen Nutzern unbekannt zu sein. Ich habe das Problem hier im Blog im Beitrag Es ist noch viel, viel schlimmer aufgegriffen und im Beitrag So verhindern Sie, dass Ihre Apps Sie ausspionieren einige Tipps für Gegenmassnahmen gegeben (das Video dazu gibt es auch hier zu sehen).

Und wo ich gleich bei den Tipps bin: Eine gute Vorkehrung gegen schnüffelnde Apps und zum Schutz der Privatsphäre ist auch NextDNS: Er blockiert viele Datensammler auf Netzwerkebene, was hervorragend auch im Heimnetzwerk funktioniert – siehe Die Firewall für die ganze Familie.

Zum Glück gibt uns Apple Möglichkeiten an die Hand, das Tracking zumindest einzuschränken. In den aktuellen Versionen von iOS und iPad OS findet sich in den Einstellungen bei Datenschutz > Tracking die Option Apps erlauben, Tracking anzufordern. Schaltet man sie ab, verbessert man den Schutz der Privatsphäre merklich; auch wenn die Methode nicht perfekt ist. Trotzdem war das für mich seinerzeit ein Grund, Danke, Apple zu sagen.

Mit iOS und iPad OS 15 gibt es eine neue Option: „Wer will schon wieder hinter meinem Rücken zu Google und Facebook verbinden?“ weiterlesen

Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt

In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Produkt- und Unter­nehmens­namen begegnet, die im Original völlig harmlos klingen, in Deutsch aber hochgradig obszön daherkommen. Solche Blamagen liessen sich vermeiden.

Der heutige Blogpost könnte etwas problematisch werden. Es kommen nämlich einige unanständige Wörter darin vor.

Um das am Anfang ganz deutlich zu sagen: Das ist keine böse Absicht. Ich werde niemanden beschimpfen – höchstens als unfähig hinstellen, aber auch das in freundlichen Worten. Die bösen Worte haben eine im Grund harmlose Ursache. Die rührt daher, dass es verschiedene Sprachen gibt, in denen Wörter unterschiedliche Dinge bedeuten.

Einige Beispiele aus der analogen Welt: Da ist das Oberösterreicher Kaff Fugging, das bis 2020 Fucking hiess, was natürlich hilarious für alle jene simplen Gemüter war, die das gleichnamige englische Wort schon einmal gehört hatten. Nicht ganz so offensichtlich, aber für echte Engländer und Amis dennoch ein Grund zur Erheiterung ist das Berner Wankdorfstadion. «The Telegraph» hat es 2015 im Artikel The funniest football team names in the world gewürdigt: „Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt“ weiterlesen

So freunden sich Nikon-Kameras doch noch mit dem iPhone an

Die Smartbridge-App zeigte sich in meinem Test nicht sehr kooperativ und weigerte sich standhaft, eine Verbindung zwischen Smartphone und Kamera herzustellen. Zum Glück lässt sich das Problem beheben.

Nikon weiss, wie man gute Kameras baut. Bei der Software bin ich mir über die Kompetenz nicht so ganz im Klaren: Beim Test der Z6 habe ich seinerzeit sehr über die Snapbridge-App aufgeregt.

Aber vielleicht hat Nikon die Mankos ausgeräumt? Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen, die Snapbridge-App, die es für Android und fürs iPhone gibt, mit zwei aktuellen Kameras zu testen: mit der Z fc und der Coolpix W150.

Um gleich auf das Fazit zu sprechen zu kommen: Das ist durchzogen. Konkret gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute besteht darin, dass das grösste Manko ausgeräumt ist: „So freunden sich Nikon-Kameras doch noch mit dem iPhone an“ weiterlesen