Amazons neuer Gratis-Streamingdienst im Test

Freevee streamt Filme und Serien kosten­los, aber mit Werbe­un­ter­bre­chungen. Ob das Spass macht, hängt davon ab, wie viele Spots einem zuge­mutet werden. Ich habe in einem Selbst­ver­such über­prüft.

Es gibt einen brandneuen Streamingdienst namens Amazon Freevee. Wobei «brandneu» nicht ganz der Wahrheit entspricht. Es gibt ihn seit 2019, wobei er ursprünglich IMDb Freedive hiess und an die gleichnamige Film-Website angedockt war, die auch zu Amazon gehört.

Im April dieses Jahres wurde der Dienst umbenannt und seit anfangs August ist Freevee auch in Deutschland verfügbar. In der Schweiz gibt es ihn nicht. Zumindest nicht für Leute, die kein VPN besitzen – wenn ihr versteht, was ich meine.

Der Clou bei Freevee ist die Finanzierung. Der neue Streamingdienst setzt auf die gute, alte Privatfernseh-Methode. Sprich: „Amazons neuer Gratis-Streamingdienst im Test“ weiterlesen

Die praktische Bildschirmaufnahme von Android 11

In den Schnell­ein­stel­lungen gibt es praktische Verbes­serungen. Die Bildschirm­aufzeichnung ist eine davon – weitere sind die Info-Weiter­gabe direkt an ein anderes Gerät, der Daten­spar­modus, Voice over WLAN und die Schlafens­zeit.

Als ich längst nicht mehr daran glaubte, hat mich Android 11 doch noch ereilt. Nicht mich persönlich – ich laufe nach wie vor mit meinem eigenen Betriebssystem –, sondern das Nokia 7.2, das ich für meine Berichterstattung zu Google-Smartphones einsetze.

Leider ist Android 11 auf diesem Gerät keine Freude. Es ist zu langsam und strapaziert meine Nerven. Doch darüber habe ich mich schon anderswo beklagt. An dieser Stelle soll es um eine Neuerung gehen, die mir gut gefällt.

Android 11 macht es jetzt möglich, ohne Zusatz-Apps Screencasts aufzunehmen: „Die praktische Bildschirmaufnahme von Android 11“ weiterlesen

Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?

Da meldet man einen ekla­tant rassis­tischen Tweet auf Twitter. Und was pas­siert? Nichts. Es stellt sich die Frage, was die Inhalts­richt­li­nien über­haupt wert sind.

Die erbitterten Debatten über die kulturelle Aneignung sind am Abklingen – wie das halt so ist. Denn selbst mit voller Schützenhilfe der sozialen Medien können sich die Emotionen nicht unbegrenzt auf dem Siedepunkt halten. Und schliesslich wartet schon der nächste Aufreger darauf, die öffentliche Empörung zu befeuern.

Eine Sache gibt es nachzutragen. Nämlich die Frage, ob die sozialen Medien endlich bereit sind, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

Konkret geht es mir um eine Wortmeldung von einem Herrn Gregor Keller, der auf Twitter zu begegnen ich das Pech hatte: „Hey, Twitter! Wie wärs mit sozialer Verantwortung?“ weiterlesen

Romantik über vier Paralleluniversen hinweg

«A Thousand Pieces of You» von Claudia Gray beweist, dass junge Frauen hervor­ragende Science-Fiction-Heldinnen abge­ben und dass das Multi­versum sich gut als Schau­platz für Liebes­ge­schichten eignet.

Ich liebe Bücher, die den linearen Zeitablauf durcheinanderbringen oder aber in Parallelwelten abtauchen. Darum sind Zeitreisen und das Multiversum beides Lieblingsthemen dieses Blogs.

Es ist in letzter Zeit jedoch still um diese beiden Themen geworden. Das liegt an zwei fundamentalen Problemen: Erstens setzen solche Geschichten abstrakte Gedankenakrobatik voraus. Sie neigen dazu, eine überaus komplexe Handlung zu erzählen. Das macht es für den Autor schwierig, die intellektuellen und emotionalen Bedürfnisse der Leserin beiderlei in gleichem Mass zu befriedigen.

Zweitens gibt es nur eine beschränkte Plots, die sich erzählen lassen: „Romantik über vier Paralleluniversen hinweg“ weiterlesen

Wie ein Politiker seinen gefeierten Blogging-Bettel hingeworfen hat

Moritz Leuenberger war einmal Blogger, und er eines schönen Tages hat er sich unter seines­glei­chen gemischt. Heute komme ich nicht umhin zu bemerken, dass diese Kar­riere weniger lang gedauerte als seine Amts­zeit im Bundes­rat.

In meiner kleinen Sommerserie habe ich bisher die grossen Themen ausgelotet: Wie sich unsere Wahrnehmung und das Verständnis des Internets gewandelt hat und unsere Wokeness erwachte – solche Dinge.

Heute schlägt die Amplitude der Erkenntnis nicht ganz so weit aus. Ich greife auf ein Fundstück aus meinem Archiv zurück, das Seltenheitswert hat. Es dreht sich nämlich um einen Bundesrat. Nicht nur das: sogar um einen Magistraten, der ein Blog betrieben hat.

Dazu gleich mehr. An dieser Stelle aber erst der Hinweis auf einen Exkurs: „Wie ein Politiker seinen gefeierten Blogging-Bettel hingeworfen hat“ weiterlesen

Wie wir unsere Kinder elegant loswerden könnten

«Unwind» von Neal Shusterman ist das gross­artigste Buch, das ich seit Langem gelesen habe. Fast wäre es nicht dazu gekom­men, weil ich Vorbehalte hatte, mich auf diese Geschichte über­haupt ein­zulas­sen.

Es ist das beste Buch, das ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Und fast hätte ich einen Bogen darum gemacht. Der Klappentext hat zwar Interesse befeuert, aber gleichzeitig Misstrauen geweckt. Wie kommt ein Autor dazu, sich so eine Geschichte auszudenken?

Also, der Klappentext lautet wie folgt:

Nach dem Zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg haben sich die Pro-Choice- und die Pro-Life-Armee geeinigt. Nach ihrer «Bill of Life» darf menschliches Leben vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum Alter von dreizehn Jahren nicht beendet werden. Aber zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Lebensjahr kann das Kind von seinen Eltern durch einen Prozess, der «Unwind» genannt wird, beseitigt werden.

Ja, natürlich: Sciencefiction-Autoren haben die Aufgabe, sich in menschliche Untiefen vorzuwagen und sich vorzustellen, wohin technische oder auch gesellschaftliche Entwicklungen in letzter Konsequenz führen werden. Aber sich auszumalen, dass Abtreibung erst einmal verboten, gleichzeitig aber nachträglich erlaubt wird, ist ein starkes Stück. „Wie wir unsere Kinder elegant loswerden könnten“ weiterlesen

Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben

Das Inter­net hat die Part­ner­suche nicht einmal, son­dern mehr­fach verän­dert. In der Anfangs­phase, bevor es Messenger und Video­chat gab, hat es sogar für eine Renais­sance des Liebes­briefs geführt.

In meiner kleinen Sommerserie denke ich daran zurück, wie es war, als wir das Internet kennengelernt haben (und das Internet uns) – und wie wir nur langsam erahnt haben, dass es in sämtliche Lebensbereiche vordringen und viele Gewissheiten umstossen würde.

Apropos Kennenlernen: Auch das hat sich mit dem Internet verändert. Früher hat man sich bei der Arbeit oder im Restaurant getroffen. Oder man wurde von Bekannten oder Verwandten verkuppelt. Heute selektiert man die passenden Kandidaten mittels Tinder oder man vertraut sich den Algorithmen einer Dating-Plattform an.

Denn bekanntlich basiert deren Geschäftsmodell auf einer fragwürdigen Versprechung: „Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben“ weiterlesen

Offline-Medien auf dem AppleTV

Offiziell ist es nicht mög­lich – aber inof­fiziell gibt es eine Methode, um Filme auf Apples Fern­seh­box zu speichern und ohne Cloud oder lokales Netzwerk abzu­spielen.

Wie bringt man Filme auf den Apple TV?

Auf diese Frage gibt es einige naheliegende Antworten: Man verwendet die App eines Streamingdienstes, kauft Inhalte im iTunes Store, verwendet die Privatfreigabe oder installiert sich Infuse. Mit dieser App oder ähnlichen Programmen ist es keine Hexerei, Inhalte ab Mac oder Windows-PCs abzuspielen. Dazu gibt man ein Laufwerk im lokalen Netzwerk frei und greift am Apple TV darauf zu. Das ist schnell eingerichtet und funktioniert gemäss meiner Erfahrung ausgezeichnet.

Das ist gut und schön, doch in dieser Aufzählung fehlt eine Möglichkeit – und zwar eine extrem naheliegende: „Offline-Medien auf dem AppleTV“ weiterlesen

Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist

In meinem Archiv habe ich einen Text entdeckt, der heute ein Garant für einen Shit­storm wäre. Was beweist, dass die gesell­schaft­liche Entwicklung manchmal noch schneller verläuft als die techno­logische.

Bis jetzt habe ich mich in der Sommerserie als Journalist mit prophetischen Fähigkeiten dargestellt: Ich habe vorausgesagt, wie das Problem mit Napster und der MP3-Piraterie zu bekämpfen wäre und sogar die Influencer habe ich am Horizont auftauchen sehen, als es längst noch kein Insta gab.

Doch heute geht es um eine Leistung, bei der sich mein Stolz in Grenzen hält. Oder, um es etwas weniger verblümt zu sagen: für die ich mich in Grund und Boden schämen sollte. Am 13. September 1999 ist der fragliche Artikel erschienen: „Ich war in meinen jungen Jahren ein alter Sexist“ weiterlesen

Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!

Sommerserie, Teil 2: Beim Blät­tern im Archiv bin ich auf einen Text gestos­sen, über man nur schmun­zeln kann – weil er von einer aus heuti­ger Sicht rühren­den Naivi­tät zeugt.

Manches von den Dingen, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben habe, erschliesst sich mir heute nicht mehr so ganz. Zum Glück ist es selten so, dass ich meiner Argumentation nicht folgen könnte oder zum Schluss komme, dass ich etwas Wesentliches übersehen oder nicht verstanden hatte. Aber es kommt vor, dass ich die Relevanz infrage stelle. Wieso habe ich des Themas angenommen? Gab es nichts Wichtigeres?

Diese Frage erinnert mich daran, was es damals alles nicht gegeben hat:  „Wer hat den Influencer erfunden? Ich wars!“ weiterlesen