Mit einem iPhone doppelt filmen

Die DoubleTake-App zeichnet am iPhone Videos gleichzeitig mit zwei Kameras auf. Damit lassen sich auch professionelle Projekte realisieren – eine Zusatzkamera zur Ausfallsicherung ist aber zu empfehlen.

Seinerzeit habe ich die DuetCam-App vorgestellt: Sie filmt mit dem iPhone gleichzeitig mit der Front- und der Rückkamera. Ideal, um eine Szene zu zeigen und die gleichzeitig zu kommentieren.

Ein Problem hat diese App: Sie verschmilzt die beiden Ansichten zu einem einzigen Video, bei dem die Selfie-Kamera als kleines Fenster in die Aufnahme der Frontlinse eingebettet ist. Das ist für eine Ad-hoc-Reportage völlig ausreichend. Aber für eine professionelle Produktion hätte man lieber getrennte Videoaufnahmen, sodass für den Schnitt alle Möglichkeiten offen bleiben.

Das ist mit der DoubleTake-App möglich, die es für zwei Franken fürs iPhone gibt. Sie stammt vom gleichen Hersteller, von dem auch die hochgelobte Filmic-App kommt. Sie ist allerdings etwas knifflig in der Anwendung – wenn man nicht aufpasst, erhält man wie bei DuetCam einen einzigen Clip, in dem die verschiedenen Perspektiven zusammengebacken sind.

Den richtigen Modus wählen

Der entscheidende Knopf ist derjenige in der rechten oberen Ecke. Mit ihm schaltet man zwischen drei Aufnahmemodi um:

  • Bild im Bild zeigt eine Kameraperspektive gross, eine klein; das Resultat ist ein einzelner Videoclip. Immerhin kann man mittels Zoom-Knopf die im Fenster sichtbare Perspektive hochzoomen: Auf diese Weise bewerkstelligt man den Bildschnitt live während der Aufnahme. Das Fenster lässt sich per Finger in jene andere Ecke schieben, wo es am wenigsten stört.
  • Geteilter Bildschirm zeigt beide Kameraansichten nebeneinander und speichert einen Videoclip.
  • Getrennt sichert die Kameraperspektiven in zwei Dateien. Das ist in den meisten Fällen die Option, die man verwenden möchte.
Das ist die Bild-im-Bild-Ansicht, die ein einzelnes Video speichert.

Wie von Filmic gewohnt, kann man durch Tippen auf dem Display den Punkt antippen, der für den Fokus und die Belichtung verwendet wird.

Die App hat drei weitere Knöpfe:

  • Der Aufnahmeknopf rechts unten hat eine wenig überraschende Funktion. Er startet und stoppt die Aufzeichnung.
  • Der Knopf links unten, der wie ein Scheinwerfer aussieht, lässt einen die zwei aktiven Kameras auswählen. Die Kamera, die man als Erstes wählt und die mit A beschriftet ist, erscheint im Bild-im-Bild-Modus gross, die Kamera B als kleines, eingeklinktes Fenster. Beim iPhone 11 Pro hat man vier Kameras zur Wahl. In dieser Ansicht wählt man auch die Bildwiederholrate: 24, 25 und 30 fps stehen zur Wahl.
  • Der Knopf links oben, der eine stilisierte Speicherkarte zeigt, bietet Zugriff auf die Aufnahmen. Die im getrennten Modus aufgenommenen Clips haben am Ende des Dateinamens einen Suffix A oder B, sodass man auf einen Blick sieht, ob man die App richtig eingestellt hat – ein Testlauf vor einer wichtigen Aufnahme ist unbedingt zu empfehlen!
Zwei aus vier – leider ist es nicht möglich, alle vier Kameras aufs Mal aufzuzeichnen.

Ist das bloss Firlefanz oder wirklich nützlich?

Die Aufnahmen: Getrennt aufgezeichnete Clips sind an den Buchstaben am Ende des Dateinamens zu erkennen.

Die Aufnahmen erscheinen übrigens nicht automatisch in der Kamera-App des iPhones. Man muss sie über die eben erwähnte Medienverwaltung erst speichern. Man kann sie auch direkt aus der App über den Teilen-Knopf weitergeben oder hochladen. Das erachte ich als sehr sinnvoll, denn das Rohmaterial seiner Aufzeichnungen will man nicht in seinen normalen Aufnahmen haben.

Bleiben zwei Fragen. Erstens: Kann man auch während einer Aufnahme eine Kamera austauschen? Kurze Antwort: Leider nein: Der entsprechende Auswahlknopf ist leider deaktiviert.

Und zweitens: Lässt sich diese Funktion professionell verwenden? Meines Erachtens ja: Für ein Interview nimmt man mit einem Gerät den  Fragesteller und den Auskunftgeber auf. Das geschieht aus einer unmittelbaren, intimen Perspektive, weil man für diese Aufnahme das iPhone direkt zwischen den beiden Personen aufstellen muss – einzeln ausrichten lassen sich die Linsen bekanntlich nicht.

Wie lange filmt DoubleTake am Stück?

Es bleibt die Frage, wie lange man mit DoubleTake am Stück filmen kann. So lange, wie der Akku hält bzw. freier Speicher vorhanden ist – oder fordert der Aufwand, zwei Videos aufs Mal codieren zu müssen, einen Tribut, was die maximale Aufzeichnungsdauer angeht?

Leider habe ich dazu keine schlüssigen Informationen gefunden – ich nehme an, man müsste das einfach ausprobieren. So oder so würde ich für ein wichtiges Video eine zweite Kamera mitlaufen lassen. Einerseits, weil das eine dritte Perspektive und noch mehr Möglichkeiten für den Schnitt ergäbe – und andererseits, weil ich es oft genug erlebt habe, dass Aufnahmegeräte dem Dauereinsatz nicht gewachsen sind und ohne zu fragen oder zu warnen den Dienst quittieren…

Beitragsbild: Mit der Doubletake-App wäre auch der Kameramann/Reporter mit im Bild (Angela Compagnone, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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