Für die etwas Fleissigeren und Begabteren unter uns

Falls ich doch noch zum Ukulenen-Virtuosen heranreifen sollte, wird die Yousician-App daran schuld gewesen sein.

Aus Gründen, die hier nicht näher erläutert werden sollen, gibt es in unserem Haushalt neuerdings eine Ukulele. Ja, so ein Ding, mit dem man in Handarbeit Töne herstellt, die im Idealfall nicht allzu grässlich klingen. Es soll sogar Leute geben, die sogar Wohlklingendes zustande bringen. Für mich völlig unvorstellbar. Aber in musikalischen Belangen bin ich leider kein Massstab.

Ich bin sosehr kein Massstab, dass ich generell eher davon abrate, die mit Musik getaggten Beiträge hier im Blog überhaupt zu lesen. Sie sind wahrscheinlich von einer derartigen Naivität und einem Unwissen geprägt, dass man die Zeit, die man fürs Lesen bräuchte, auf alle Fälle für etwas Sinnvolleres einsetzen könnte. Ich halte mir aber zugute, dass ich mir meiner diesbezüglichen Unfähigkeit ansatzweise bewusst bin und daher wenigstens nicht dem Dunning-Kruger-Effekt zum Opfer gefallen bin.

Wie auch immer: wider besseres Wissen schreibe ich heute über eine App, die in den Bereich gehört, von dem ich keine Ahnung habe: Diese App steht in einem direkten Zusammenhang mit der besagten Ukulele. Ich stand nun nämlich vor der Frage, wie dieses Instrument denn zu stimmen wäre. Und ja, immerhin, das können auch erfahrene Musiker nicht unbedingt nach Gehör. Also gleich los, um ein Stimmgerät zu kaufen?

Fast gut, oder? (Wenn es an der Ukulele eine D-Saite gäbe.)

Nein, natürlich nicht. Es muss natürlich Apps für diesen Zweck geben. Und tatsächlich gibt es die Tuner-App. Sie ist in einer kostenlosen Lite-Variante und einer 5-fränkigen, werbefreien Kaufversion fürs iPhone und iPad erhältlich. Für Android könnte man Tuner – gStrings Free verwenden, aber diese App habe ich nicht näher angeschaut.

Diese App scheint ihren Zweck zu erfüllen, zumal wenn man eine Ahnung hat, wie diese Ukulele denn gestimmt werden müsste. Das kann man im Netz ergoogeln. Aber es muss doch einen besseren Ansatz geben, der sich auch für Komplett-n00bs wie mich bewährt?

Und ja, das gibt es: Ich bin bei der App Yousician gelandet. Sie existiert fürs iPhone und iPad und für Android. Und sie behauptet, sie könne meinen «inneren Musiker» von der Leine lassen.

Um es vorwegzunehmen: Mein innerer Musiker fand, er sei noch nicht bereit für die grosse Welt und würde lieber noch einen Zug an der Bong nehmen und sich ein paar weitere Jährchen Zeit lassen. Doch wenn er etwas kooperativer wäre, dann würde ich dieser App eine Chance geben.

Falls die Welt jemals eines dieser Stücke von mir hören wird, ist Yousician definitiv die beste App der Welt.

Denn sie erledigt die Sache mit dem Stimmen einwandfrei. Es gibt auf der Hauptseite rechts oben neben der Suchfunktion und den Einstellungen ein Stimmgabel-Symbol. Tippt man darauf, dann erscheint eine schematische Darstellung des Ukulenenkopfs, bei dem die einzelnen Wirbel mit den Tonhöhen beschriftet sind, die man einstellen sollte.

Während man das tut, zeigt eine Skala, ob man sich der korrekten Tonlage nähert. Wenn das der Fall ist, wechselt die Anzeige in der Mitte von Rot auf Grün. Hurra, das schaffe sogar ich!

Doch eben: Yousician ist mehr, als ich eigentlich wollte. Die Funktion zum Stimmen ist nur ein kleiner Teil. Eigentlich ist diese App ein digitaler Musiklehrer, der einem Gitarre, Klavier, Ukulele, Bass oder Gesang beibringt.

Zu diesem Zweck gibt es Videolektionen, die bei Adam und Eva anfangen: Man lernt, wie man das Instrument hält, über die Saiten streicht und ihm so etwas wie einen Akkord entlockt. Im Abschnitt Learn sieht man, welche «Missionen» man erfüllen sollte. Es gibt die Übungen, Workouts genannt.

Zugegeben, sonderlich fleissig war nicht.

Und wie nicht anders zu erwarten, ist die App mit den üblichen Mitteln des digitalen Zeitalters angereichert: Die App führt vor Augen, ob man fleissig oder faul gewesen ist, man kann sein Musiker-Level erhöhen, anderen Nutzern folgen oder sich folgen lassen. Und es gibt Challenges, bei denen man sich vor anderen Nutzern blamieren kann – so stelle ich mir das zumindest vor. Denn natürlich werde ich einen Teufel tun und diese Rubrik jemals öffnen!

Fazit: Wie nicht anders zu erwarten, kommt diese App bei mir in die Schublade mit den Wenn ich einmal Zeit-habe-Ideen. Denn bei meiner feinmotorischen Ausgangslage erscheint eine zeitliche Investition in die Förderung dieses Talents als eher wenig aussichtsreich. Aber klar – man kann einer solchen Beschäftigung auch einfach für sich und aus reinem Spass an der Freude nachgehen. Und das tue ich vielleicht irgendwann sogar.

Und dann wäre diese App für mich ein guter Weg. Klar, viele werden nun darauf hinweisen, dass man gerade als begabungsfreie Vollnilpe mit einem richtigen Lehrer besser bedient wäre. Der kann nämlich etwas, was der Videolehrer nicht kann: persönliche Hilfestellung bieten. Die Videolehrer sind womöglich in der Tat eher etwas für Naturtalente, die nur wenig Anleitung brauchen.

Aber was mich angeht, finde ich es schön, wenn ich in solchen Situationen unbeobachtet vor mich hin dilettieren kann. Keiner, der die Augen verdreht – was zugegeben einem gestandenen Musiklehrer nicht passieren sollte. Trotzdem weiss ich natürlich, dass er weiss, dass ich es niemals lernen werde. Und das ist Grund genug, mich dem nicht auszusetzen.

Als Gratisnutzer kann man eine Lektion pro Tag absolvieren. Aber klar, wenn man die Sache nur einigermassen ernsthaft angehen will, dann wird man auch fürs Abo bezahlen wollen. Das kostet 31 Franken pro Monat, 61 Franken für drei Monate oder 185 Franken im Jahr – das macht 16 Franken pro Monat. Und damit ist diese App auch eine gute Alternative für Leute, die sich richtige Musikstunden nicht leisten können.

Übrigens, damit dieser Witz auch noch gemacht ist: Sagt dreimal ganz schnell Ukulelenlehrer hintereinander….

Beiragsbild: So sieht es in einem bildungsbürgerlichen Haushalt aus…

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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