Die Lösung für alle Probleme. Nur leider läuft sie nicht auf dem Smartphone

Boris und ich haben ein Problem, das ihr vielleicht auch kennt: Es sind die Nachrichten, die man nicht beantwortet, weil man sich nicht mehr erinnern kann, in welcher App man sie eigentlich bekommen hat.

Gibt es Softwareprogramme, die es nicht gibt? Das war die Frage in meinem Blogpost Auf der Suche nach dem schwarzen Softwareschwan. Ich wollte wissen, ob Ihr in eurem Alltag für alle wesentlichen Aufgaben eine passende Anwendung gefunden habt oder ob es Lücken gibt – Dinge, die ihr entsprechend nur auf Umwegen oder gar nicht vernünftig erledigt bekommt.

Die Resonanz auf die Frage war nicht riesig. Ich schliesse daraus, dass die Lücken im Angebot relativ klein sind. Die meisten Leute haben offenbar ein  Instrumentarium zur Hand, mit dem sie einigermassen zufrieden sind. Und das ist gut zu wissen.

Ein paar interessante Antworten gab es – und zwar ausschliesslich auf Facebook. (Was, nebenbei bemerkt, überraschend ist. Früher kamen die spannenden Inputs eher auf Twitter herein.)

Boris schreibt:

Ich wünschte mir eine Art Meta-Messanger, wo alles aus Whatsapp, Insta-Chat, Facebook Messenger,  eventuell auch Mail, etc. einläuft und übersichtlich dargestellt wird.

Das halte ich für einen ausgezeichneten Vorschlag! Mir geht es auch so: Wenn ich eine Nachricht lese, aber nicht gleich Zeit zum Antworten habe, ist das Risiko gross, dass ich überhaupt nicht antworten werde – oder erst Tage oder Wochen später, wenn es schon längst zu spät ist.

Das passiert vor allem dann, wenn eine Nachricht auf einem Kanal eingeht, den ich selbst nicht intensiv nutze. Da ich die entsprechende App nicht routinemässig  öffne, sehe ich nicht, dass dort noch eine Antwort offen ist. Und eben: Wenn man die Nachricht einmal gelesen hat, dann verschwindet die Benachrichtigung und die Ungelesen-Markierung. Es bleibt dann nur das eigene Gedächtnis, das einen an die Pendenz erinnert – und auf das ist in meinem Fall leider kein Verlass.

Man könnte dieses Problem auf unterschiedliche Weise angehen:

  • Man kann es sich zur Gewohnheit machen, Nachrichten nur zu lesen, wenn man auch die Musse hat, sogleich zu antworten. Das Gegenargument ist allerdings, dass man natürlich wissen will, ob es dringend ist oder nicht.
  • Es wäre möglich, sich manchen Kanälen zu verweigern und die Zahl der Chat-Apps auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren. Das würde aber allenfalls als unhöflich aufgefasst. Und es ist auch nicht in jeden Fall praktizierbar. Wenn man Twitter verwendet, muss man es sich gefallen lassen, dort mit Direktnachrichten eingedeckt zu werden.
  • Man könnte sich eine Notiz in eine To-Do-App machen. Aber im Ernst: Wer hat dafür die Nerven?

Darum wäre tatsächlich eine App sinnvoll, die eine Art globalen Posteingang für alle Chat-Apps und Messenger bildet. Das wäre eine gute Funktion fürs Betriebssystem und könnte beispielsweise in die Schnittstelle für die Benachrichtigungen integriert werden.

Walid hat auf Pidgin hingewiesen. Das ist ein universeller Messenger für diverse Protokolle, der obendrein Open-Source ist. Ich kenne den natürlich, auch wenn ich ihn selbst nie im produktiven Einsatz hatte. Das liegt wohl daran, dass ich seinerzeit – als AIM und MSN Messenger noch ein Thema  waren – mit IRC ganz zufrieden war.

Darum die Frage: Wäre Pidgin eine Lösung des Problems? Ich hatte Pidgin als Client für die aus der Desktop-Chat-Ära stammenden Protokolle auf dem Radar: Also, nebst den oben erwähnten auch ICQ, Yahoo Messenger, XMPP und Dinge in der Art. Doch wenn man sich die Plugins-Liste ansieht, dann ist man beeindruckt: Ob Telegram, Threema, WhatsApp oder Slack, Skype oder Weechat – es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt.

Mit anderen Worten: Das wäre genau die Lösung. Wenn es sie denn für die mobilen Plattformen gäbe. Aber Pidgin stammt aus der Desktop-Welt und ist für Windows, Linux und Mac erhältlich, nicht aber für Android und iOS.

Aber eben: Das ideale Gerät, das mich an zu beantwortende Nachrichten erinnern soll, ist das Smartphone – das habe ich zu Hause, im Büro, unterwegs und überall zur Hand. Wenn erst meinen Windows-PC hochfahren muss, verpasse ich doch wieder eine Menge Nachrichten.

Es sieht aber nicht so aus, als ob sich daran bald etwas ändern würde. Als Grund, dass es keine Version fürs iPhone und iPad gibt, gibt der Entwickler das Apple Developer Agreement an:

Die Vereinbarung verlangt von den Entwicklern, Apple zu erlauben, zusätzliche Einschränkungen über die eigene Lizenz hinaus zu akzeptieren. Zu diesen zusätzlichen Einschränkungen gehören die bekannte «5-Geräte-Begrenzung» und ein Verbot der Weiterverteilung der Anwendung. Aus den Bedingungen der Vereinbarung geht  klar hervor, dass der Entwickler  nicht der Vertreiber der Anwendung im App Store ist – Apple ist es.

Wir sind somit am Punkt, an dem wir feststellen können, dass es Software für alles gibt – aber dass wir Nutzer nur davon profitieren, wenn wir auch jede App installieren dürfen, die wir installieren wollen.

Eine weitere Empfehlung war u.a. Rambox. Ich habe aber keine Ahnung, was das ist – werde aber Nachforschungen einleiten. Wenn dabei etwas herauskommt, erfahrt ihr es hier im Blog.

Beitragsbild: Benjamin Sow, Unsplash-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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