Der zuverlässigste Lotse durch den Verkehrsdschungel

Ich habe einen neuen Liebling, was die multimodale Reiseplanung angeht. In dieser Disziplin macht Routerank so schnell keiner etwas vor.

Ich habe neulich zwei Apps fürs Reisen vorgestellt: Citymapper und, mit einigen kritischen Untertönen und drei Empfehlungen für die SBB, Smartway.

Daraufhin habe ich den Tipp bekommen, mir doch einmal routerank.com anzuschauen. Auch das ist ein Dienst, der sich der multimodalen Reiseplanung verschrieben hat: Er berücksichtigt «die gesamte Route von Tür zu Tür inklusive der Vielzahl aus allen relevanten Verkehrsmitteln wie Flugzeug, Bahn, öffentlicher Nahverkehr, P+Rail, P+Ride, Pkw, Mietwagen, Car-Sharing, Car-Pooling, e-Bike, Fahrrad und Fusswege», wie es auf der Über-uns-Seite heisst.

Und bevor ihr fragt: Ja, es gibt Routerank auch als App (iPhone/iPad und Android).

Natürlich sehe ich mir als Erstes jene Verbindung an, die ich für den Test solchen Apps immer ausprobiere: Das ist die Fahrt von meinem jetzigen Wohnort zu dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin.

Er ist öV-mässig eine Herausforderung: In meiner ehemaligen Wohngemeinde, Thalheim an der Thur, steht der Bahnhof einsam in der Landschaft – gut einen Kilometer vom Dorf weg. Es gibt Alternativen per Bus. Aber eine hervorragende Methode, um von Winterthur dorthin zu gelangen, ist das Velo: Man ist, je nach Kondition, schneller als mit Bahn oder mit der Kombination aus Bus und Bahn.

Doch die meisten Apps denken nicht daran, den Nutzer für die ganze Strecke aufs Velo zu schicken. Vielleicht gehen sie von der Annahme aus, dass passionierte Velofahrer von ganz alleine auf die Idee kommen. Und natürlich, das tun sie auch. Aber es gibt auch die etwas fauleren Leute, die sich die Bewegung zwar immer vornehmen, aber die passenden Gelegenheiten in ihrem Leben dann aber doch geflissentlich übersehen. Ihnen könnte der kleine Hinweis – «Du, die Strecke wäre mit dem Velo leicht zu schaffen» – den nötigen Anschub verleihen.

Zehn Varianten, die man in der Übersicht per Filter ausdünnnen und nach den sechs Kriterien sortieren kann.

Routerank macht genau das: In der Übersicht der Reisemöglichkeiten taucht auch das private Velo auf, mit einer Zeitdauer von 55 Minuten. Da ist viel Reserve mit dabei. Denn ohne zu Prahlen kann ich vermelden, die Strecke schon in einer halben Stunde geschafft zu haben.

Weitere Vorschläge sind die normale Zugfahrt, das private Auto und Car-Sharing. Und Routerank kommt auch auf die Idee zu empfehlen, mit dem Privatauto nach Seuzach zu fahren: Das wäre in umgekehrter Richtung (von Thalheim nach Winterthur) zwar sinnvoller, weil man sich so den Fussmarsch zum Bahnhof und den weite Umwege fahrenden Bus erspart. Aber auch so ist das eine Überlegung wert.

In der Übersicht wählt man die gewünschten Varianten aus und kann sie dann nach diversen Kriterien sortieren: Preis, Zeitbedarf, Haltestellen und Bewertung (Beste Option) sortieren. Als Option steht auch Grünste zur Auswahl: Da sieht man, auf welchem Weg man am wenigsten CO₂ ausstösst. Das ist, wen wundert es, das Velo.

Routerank schlägt auch die exotischen Routen über Andelfingen vor. Die hätte ich niemals in Erwägung gezogen. Das liegt aber an mir, da ich die Busverbindung zwischen Andelfingen und Thalheim nicht auf dem Schirm habe – die gab es zu meiner Zeit nämlich nicht.

Fazit: Anhand dieses einen Beispiels ist das Verdikt klar: Im Vergleich mit Citymapper, Smartway und anderen Apps, die ich schon ausprobiert habe, liefert Routerank mit Abstand die besten Resultate: Die relevanten Varianten sind dabei und auch die Vorschläge zum multimodalen Reise sind brauchbar. Die Berücksichtigung des CO₂-Ausstosses setzt diesem Ergebnis noch das Krönchen auf.

Beitragsbild: Wieso nicht einmal etwas ganz Neues ausprobieren (Smart, Unsplash-Lizenz)?

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Der zuverlässigste Lotse durch den Verkehrsdschungel“

  1. Interessante Seite! Aber das eigene Hirn benötigt man trotzdem noch: das Problem „Parkplatz“ wird nicht berücksichtigt, weder bei Verfügbarkeit, Kosten noch Zeitverlust. So wird für „Basel, Barfüsserplatz“ nach „Zürich, Hirschengraben“ das Auto empfohlen. Das würde ich mir ersparen. 🙂

    Beim Zug liegen die angezeigten Preise (37 Fr. für die erwähnte Strecke) zwischen Halbtax- und vollem Preis (24 bzw. 44 Fr. laut sbb.ch). (Es wird wohl das City-Ticket für Zürich nicht genommen. Dann käme man auf 36.20, aber für einen Franken gibt es in Zürich kein ZVV-Billett.)

    Praktisch ist, dass bei den Velorouten das Höhenprofil angezeigt wird. In der Schweiz können „10 km mit dem Velo“ ja ein lockeres Fährtchen oder eine Tortour sein. 🙂

    1. Gute Einwände! Der Wechsel von einem Verkehrsmittel zum nächsten scheint mir Schwäche aller multimodalen Verkehrsplaner-Apps zu sein. Die Smartway-App der SBB (siehe hier) ignoriert, dass man ein Carsharing-Auto (meistens) auch wieder zurückbringen muss; was auch die Preisangabe verfälscht. Da ist noch viel Luft nach oben – allerdings wäre es hochkomplex, die Aspekte zu berücksichtigen; gerade bei einer Web-App, die man ohne Anmeldung nutzt: Da müsste man erst sehr viel über seine Gewohnheiten, vorhandene Billette, Zugang zu privaten Parkplätzen etc. preisgeben.

      Die Preisangaben für die Tickets müssten allerdings akkurat sein, keine Frage!

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