Wider den Wildwuchs in der Fotomediathek

Gemini ist eine praktische App für Leute, die nicht aufgegeben haben und ihre Fotomediathek gelegentlich aufräumen.

Habt ihr kapituliert? Oder unternehmt ihr gelegentlich noch den Versuch, die Ordnung aufrecht zu erhalten?

Die Frage richtet sich an Leute, die fotografieren und dazu auch das Smartphone verwenden. Also ungefähr 99,9 Prozent der Bevölkerung im entwickelten Ländern.

Die könnte man womöglich alle löschen. Oder auch einfach behalten.

Früher war es so: Da hat man die Fotos ab Kamera auf den Computer übertragen. Dort hat man, entweder mit dem Dateiverwaltungsprogramm oder aber mit einem auf Fotos spezialisierten Programm, zum Beispiel Lightroom, die Bilder gesichtet und sortiert. Die Perfektionisten unter uns haben die Aufnahmen auch verschlagwortet und nachbearbeitet.

Am Smartphone könnte man das auch tun. Aber weil die Smartphones immer dabei sind und inzwischen auch unter schwierigen Bedingungen gute Aufnahmen machen, steigt die Zahl der Fotos in der Mediathek auch weiterhin ungebremst an. In gleichem Mass sinkt die Lust, sich um die Bilder zu kümmern.

Diesem Umstand tragen die Smartphone-Betriebssysteme Rechnung, indem sie sich selbst um die Verwaltung kümmern. Und auch wenn ich hier behaupte, Die Foto-App könnte noch besser sein, macht sie unter dem Strich doch einen ganz annehmbaren Job.

Die Sortierung der Bilder, die Auswahl der wirklich guten Bilder und die Kompilation von vorzeigbaren Diashows ist gut genug, dass man seine eigenen Bemühungen auf ein Minimum reduziert. Das Minimum ist, meines Erachtens, das Löschen von wirklich missratenen Schnappschüssen und das Mit-Sternchen-Markieren der denkwürdigen Fotos.

Doch ganz auf die Foto-App verlassen kann man sich nicht. Zwei Dinge fehlen meines Erachtens:

Erstens die Möglichkeit, Fotos direkt in der Foto-App mit einem Schlagwort zu versehen. So könnte man eine Bedeutung hinterlegen, die auf dem Bild nicht zu sehen ist. Beispiel: Bilder, die ich für mein Blog mache, könnten mit dem Stichwort «Blog» ausgestattet werden.

Ein Problem sind auch die Dubletten. Wie sie entstehen, habe ich seinerzeit ausführlich im Beitrag Die Cloud ist ganz schön bevormundend beschrieben. Neulich hatte ich wieder einmal den Impuls, Mikromanagement zu betreiben und die Dubletten zu löschen. Ich habe mir zu diesem Zweck die App Gemini Photos besorgt. Sie tut drei Dinge:

  • Sie sucht nach ähnlichen Fotos und wählt die weniger gelungenen aus, damit man die leicht löschen kann.
  • Screenshots, zu Doku-Zwecken erstellte Aufnahmen wie abfotografierter Text wird aussortiert.
  • Und schliesslich werden auch doppelte, identische Aufnahmen aufgestöbert.
Die Auswahl an Aufräummöglichkeiten.

Diese Aufgaben erledigt sie ganz gut. Sie hat eine übersichtliche Startseite, auf der zwei Fotoalben Ähnliche und Duplikate erscheinen. Man kann die Bilder durchsehen und überprüfen, ob die App wirklich das bessere ausgewählt hat.

Wenn man auch das Duplikat oder die ähnliche Aufnahme behalten möchte, kann man das zum Verschieben in den Papierkorb vorausgewählte Bild abwählen. Leider muss man das anhand der kleinen Vorschau tun – ich habe keine Möglichkeit gefunden, die Bilder in Gross zu vergleichen.

Während man das tut, darf man Fotos auch über die Automatik-Funktion aufpeppen und als Favoriten auszeichnen.

Die weiteren Aufräummöglichkeiten: Screenshots, unscharfe Bilder, Doku-Shots.

Des weiteren gibt es auch automatische Alben für Bildschirmfotos (Screenshots), Notizen (Fotos mit überwiegend Text), Unscharfe und Andere. Auch die lassen sich leicht aussortieren. Bei Andere schiebt man ein Bild einfach nach oben, wenn man es behalten will oder wischt es fürs Löschen nach unten. Das passt ganz gut.

Fazit: Eigentlich wäre Gemini eine wirklich praktische Foto-App. Vorbehaltlos empfehlen kann ich sie leider nicht. Das liegt am Preismodell.

Die App verwendet ein Abomodell und kostet 5.50 Franken pro Monat, 21 Franken pro Jahr oder 34 Franken als Einmalkauf. Das halte ich für sehr teuer: Ich fände ein einmaliger Preis von 5 oder 10 Franken okay.

Die echten Dubletten – die sollte man wirklich loswerden.

Immerhin: Man kann sie für einen Monat abonnieren, die Bereinigungsaktion durchführen und das Abo sofort wieder kündigen – und das Prozedere bei Bedarf, also frühestens nach einem Jahr, wiederholen. So kommt man auf einen fairen Preis für diese App. Man muss allerdings diszipliniert genug sein, und die Bereinigung auch innert nützlicher Frist durchziehen. Aber da sorgt die Abo-Deadline für etwas Extra-Druck. Wem es also hilft…

Beitragsbild: Und welches ist davon nun das beste Foto? (Andrea Piacquadio, Pexels-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Wider den Wildwuchs in der Fotomediathek“

  1. Ich mach es anders.
    Laut Finder habe ich 38’173 Fotos.
    Nicht in der App Fotos, sondern direkt im Finder abgelegt.
    Den „Wildwuchs“ bekämpfe ich lieber auf dem iMac als auf dem Smartphone.
    Ich ändere den Dateiname; zuerst das Datum, von hinten geschrieben: YYYYMMDD.
    Datum, wo das Bild gemacht wurde oder gemacht worden sein könnte. . .. 🙂
    Eventuell schreibe ich halt nur z. B.: 19560000.
    Dann ein oder mehrere Stichwörter.
    Zudem habe ich noch Dokumente, auf dem zusätzliche Informationen stehen.
    Ob mein System sich bewährt, wird sich dann zeigen.
    Ich weiss, das wird mir viel Zeit kosten.
    Aber ich bin seit einem Monat in Rente, ich habe Zeit. . .. 😉
    Tschüss.

  2. Ein paar Worte eines ambitionierten Hobbyfotografen…

    Bilder welche ich mit der DSLR oder analogen Kamera erstelle landen bei mir 1. Mal in Lightroom – eigentlich alle Bilder ausser Mobile Devices.

    Anschliessender Workflow:
    1. Bilder bewerten nach eigenem Geschmack (Bildaufbau, Bildlook, etc) mit 1 Stern
    2. Dannach wird das Bild in 1:1 angeschaut und die Schärfe bewertet mit 2 Sternen
    3. Sollte ich dann Duplikate haben dann werden diese verglichen und eines favorisiert mit 3 Sternen
    4. Bilder mit 3 Sternen werden anschliessend verschoben und dann bearbeitet und in die Social Medias geshared inkl. Website + erhalten den 4. Stern & die passenden Schlagworte welche ich für die automatische Sortierung auf der Website nutze
    5. Im Anschluss können bei Bedarf Bilder gelöscht werden < 3 Sterne

    Vorteil? Bilder werden nicht gleich zu Beginn gelöscht – Löschen ist immer so ein schmerzhafter Prozess 🙂
    Ich arbeite nun seit einigen Jahren mit dem Workflow und musste mir diesen mit ein Bisschen Disziplin aneignen – es lohnt sich.
    Ob der für Smartphone Nutzer passend ist muss jeder selbst herausfinden

    So Bilder welche bei mir auf einem Mobile Device enstehen sind oft nur Momentaufnahmen die ich nach einer Weile nicht mehr brauche, da sie bereits in den Unweiten des Inets ihren festen Bestandteil haben. Ab und zu schafft es ein Smartphone-Bild ins Lightroom – meist sind es Aufnahmen welche in den Ferien entstanden sind.

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