Vielleicht werde ich irgendwann doch noch zum Listenfreak

Neun Vertreter aus dem Bereich des «Social Catalogings»: Websites und Apps, mit denen man seinen Medienkonsum dokumentiert und Wunschlisten führt.

Es gibt hier im Blog die schöne Rubrik Wenn ich einmal Zeit habe. Dort liste ich die Dinge auf, die ich gern tun würde – dann aber doch bleiben lasse, weil die Freizeit zu knapp bzw. bereits anderweitig verplant ist.

Eine weitere Folge in dieser Rubrik sei an dieser Stelle dem Social Cataloging gewidmet. Falls euch das kein Begriff ist: Das sind Apps bzw. Webdienste, mit denen man seinen Medienkonsum organisiert. Es gibt sie für Bücher, Musik, Filme und Serien.

Sie kümmern sich typischerweise um zwei Dinge: Nämlich um jene Werke, die man schon hinter sich hat. Und um diejenigen, die man sich noch vornehmen möchte. Titel, die man schon rezipiert hat, werden mit einer Bewertung und/oder einer Kurzkritik versehen. Man kann sie auch auf Listen eintragen und thematisch organisieren. Und das, was man noch zu Gemüte führen will, trägt man ebenfalls auf eine Liste ein, damit man beim nächsten panikmässigen «Ich habe nichts zu lesen/sehen/hören» nicht mit abgesägten Hosen dasteht.

Dieses Social Cataloging würde eigentlich zu mir passen. Ich scheine eher Sammler denn Jäger zu sein. Da würde eine solche Datenbank des Geleisteten für eine gewisse Befriedigung sorgen. Doch in der Praxis ist es mir zu aufwändig.

Ich hätte nämlich die Ambition, es «richtig» zu tun – also Titel nicht nur abzuhaken, sondern in mein persönliches Medienuniversum einzugliedern. Dazu bräuchte es eine kurze Kritik, eine Vernetzung mit den anderen Werken, die mir etwas bedeuten. Und das braucht Zeit und geistige Kapazitäten, die ich lieber anderweitig verwende – und zum Beispiel hier ins Blog stecke.

Trotzdem – oder gerade deswegen – eine Übersicht mit solchen Diensten, die ich verwenden würde, wenn ich die Lust, die Laune und die Zeit dazu hätte:

goodreads.com. Die Website, die auch als App (Android/iPhone und iPad) existiert, ist auch schon 14 Jahre alt. Sie wurde von 2013 von Amazon übernommen. Man kann dort seine Bücher verwalten, bewerten und, wenn man genügend Bücher eingetragen hat, erhält man auch Vorschläge. Aus meiner Sicht ist die Verbindung mit Amazon ein Nachteil; man würde einen solchen Dienst lieber nutzen, wenn er unabhängig wäre.

Eine vielversprechende Alternative ist openlibrary.org. Bei diesem an Internet Archive angedockten Projekt kann man seine eigenen Listen erfassen. Die Idee ist indes, jedes einzelne Buch, das je erschienen ist, zu verzeichnen. Für den deutschsprachigen Raum trifft das aber nicht zu; bei den nichtenglischen Publikationen gibt es gemäss einigen Stichproben noch einige Lücken.

Eine weitere Alternative ist Library Thing. Beim Schreiben dieses Beitrags ist mir aufgefallen, dass ich da sogar einen Account habe. Bis 2010 habe ich da immerhin 82 Bücher eingetragen. Es zeigt sich also, dass ich mich der Katalogisierung meines Leseverhaltens nicht immer verweigert habe.

Meine Lektürevorlieben, Stand 2010.

Library Thing war im Gegensatz zu Open Library ursprünglich nicht kostenlos. Doch – und da ist dieses Blog für einmal recht aktuell – seit dem 18. März 2020 ist der Dienst durchwegs gratis zu benutzen. Es gibt auch eine App für Android und fürs iPhone und iPad.

Imdb. Die Internet Movie Data Base ist vermutlich der bekannteste Vertreter des Social Catalogings. Man findet dort mehr oder weniger jeden Kinofilm und jede Serie, die jemals auf die Menschheit losgelassen wurde. Man kann seine eigenen Wertungen hinterlegen und Watch-Lists anlegen. Natürlich gibt es Imdb auch als App (Android/iPhone und iPad).

Letterboxd. Bei dieser Website erfasst man die Filme, die man gesehen hat. Man kann auch Empfehlungen für Freunde abgeben. Ich habe sie im Beitrag Keinen schlechten Film zweimal sehen! ausführlich vorgestellt. Und natürlich gibt es auch eine App (Android/iPhone und iPad).

Last.fm. Der Dienst trackt, was man hört (das nennt sich scrobbling), erfasst es und wertet es statistisch aus. Den Dienst habe ich unter dem Titel «Den Musik-Horizont erweitern» am 20. November 2006 im Tagesanzeiger vorgestellt:

Das Prinzip heisst «Collaborative Filtering»: Es bringt Leute mit ähnlichem Musikgeschmack zusammen. Diese werden «Nachbarn» genannt und beliefern sich gegenseitig mit Musiktipps.

Um seine Nachbarn kennen zu lernen, installiert man das Last.fm-Programm auf dem PC. Es registriert, welche Stücke man sich anhört. Hat man einige seiner Lieblingssongs preisgegeben, kann man im Last.fm-Programm das «Neighbour Radio» einschalten: ein Webradio mit Sound aus der musikalischen Nachbarschaft. Dieses kommt, nach Bekanntgabe von lediglich zehn Lieblingssongs, erstaunlich gefällig daher: Die Barenaked Ladies, Yes, Neil Young und die bis dato unbekannte Lucinda Williams spielen für mich.

Natürlich gibt es auch dieses Wunderding als App (iPhone und iPad/Android).

Next Episode. Mit dieser App verfolgt man seinen Serienkonsum. Man erfährt, wenn neue Folgen verfügbar sind und kann sogar seinen Kalender mit den Premieren füllen. Es gibt die Möglichkeit, Kanäle und Schauspieler zu verfolgen. Es gibt Apps fürs iPhone und iPad und für Android.

In dem Bereich habe ich noch gar nichts getestet – und kann somit keine Empfehlungen abgeben. Alternativen zu Next Episode sind jedenfalls trakt.tv (iPhone und iPad/Android) und simkl.com (Android/iPhone und iPad) – beide sehen deutlich frischer und moderner aus als Next Episode.

Beitragsbild: Müsste man nicht auch die Snacks, die man während seines Medienkonsums in sich hineinstopft, in irgend einer Liste erfassen (Georgia Vagim, Unsplash-Lizenz)?

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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