Keinen schlechten Film zweimal sehen!

Nachdem ich mir neulich mit einem gewissen Genuss Ridley Scotts Alien-Prequel Prometheus zu Gemüte geführt hatte, verfiel ich auf die Idee, die ersten drei Teile der Saga um Gigers Weltraummonster Revue passieren zu lassen. Bei der zweiten, von James Cameron direktierten Folge Aliens war ich mir nicht mehr sicher, ob die Streifen trotz des leicht moderigen 1980-er-Jahre-Flairs taufrisch für mich war oder ob ich den Streifen vielleicht doch schon mal gesehen hatte (möglicherweise im Halbschlaf?). Ich entschied mich, ihn als neu zu betrachten und beurteilte «Aliens» trotz einiger rührseliger Momente zwischen Newt und Ripley weniger schwülstig als «Avatar», was Sigourney Weaver lobend angerechnet werden muss. Am Schluss des Films tauchte wiederum das Gefühl auf, ich hätte zumindest das Ende schon einmal konsumiert. Aber eindeutig klären liess sich der Sachverhalt nicht.

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Mein Letterboxd-Profil bis dato. Wer mir folgen will, kann das hier tun.

Ein unhaltbarer Zustand. Es geht mir häufig so, dass ich viel zu spät merke, wenn ich einen Film schon einmal vor Augen hatte. Im Fall eines guten Films ist das kein Problem. Dank meines lückenhaften Erinnerungsvermögens sind mir so viele Details zum Plot abhanden gekommen, dass ich den genauso geniessen kann wie beim ersten Mal – es lebe die Vergesslichkeit! Doch wenn ich feststellen muss, dass ich mich mit einem Film bereits schon früher einmal langweilte, dann ist das nichts weniger als unverzeihlich.

Wenn man heutzutage unterdokumentiert ist, dann ist man natürlich selber schuld. Es gibt hervorragende Möglichkeiten, über seinen Filmkonsum Buch zu führen. Ich habe vor einiger Zeit mit IMDB einen Anlauf genommen. Voll und ganz hat mich der Dienst nicht überzeugt. Man kann mit der App zwar unkompliziert seine Filme erfassen und bewerten, aber viel mehr gibt sie nicht her.

Ich habe darum einen Versuch mit letterboxd.com gestartet. Dieser Dienst ist als Filmtagebuch aufgestellt. Eine App gibt es bislang nicht, was als Minuspunkt zu werten ist, aber abgesehen davon sammelt er schon beim «first contact» Pluspunkte, indem er einem während des leidigen Vorgangs der Registrierung ein Schmunzeln entlockt. Das Captcha im Registrierungsformular besteht nicht wie bei vielen anderen Diensten aus einer zufälligen Wortkombo, sondern aus einem Filmzitat. Das, wie es der Zufall wollte, in meinem Fall aus «Alien» stammte: «Its ______ is matched only by its hostility», lautete das. Mit folgenden vier Antworten zur Wahl: «creepy moustache», «semantic markup», «structural perfection» und «shocking haircut».

Man kann nun seine Filme erfassen, mit oder ohne Kurzkritik, Tags, Bewertung, Rezeptionsdatum und Like-Attribution. Auch die Einsortierung in Listen ist möglich und es gibt eine Wunschliste für Filme, die man sich noch anzusehen gedenkt. So sollte man seine Vorlieben für sich selbst gut dokumentieren können. Ich habe nicht vor, die Dokumentation meiner Filme allzu exzessiv zu betreiben. Ich erfasse Filme mit dem Datum der Sichtung und einer Wertung. Und wenn ich vorstellen kann, einen Film irgendwann noch einmal zu sehen, dann klicke ich den Like-Knopf an.

Letterboxd.com ist kostenlos. Es gibt eine Pro-Mitgliedschaft, bei der man die Filme mit dem Netflix-Katalog abgleichen kann – für uns im Herbst dann allenfalls relevant, falls Letterboxd auch den Schweizer Katalog berücksichtigen sollte. Es gibt ausserdem eine Importmöglichkeit aus dem IMDB-Profil oder über eine CSV-Liste. Falls man zu den pedantischen Zeitgenossen gehören sollte, die ihre Filme bis jetzt in Excel erfasst haben, könnte man so diesen Datenbestand ins Online-Profil überführen. Die Pro-Mitgliedschaft kostet 19 Dollar im Jahr. Und wenn man den Dienst toll findet, kann man für 49 US-Dollar ein Patron werden – die ewige Dankbarkeit des Letterboxd-Teams ist einem dann gewiss.

Die Filme für sich zu verwalten, ist aber erst der Anfang. Die Film-Plattform aus Auckland, Neuseeland, ist auch ein veritables soziales Netzwerk. Mit den üblichen Auswirkungen: Man folgt Leuten – möglichst solchen, mit einem guten Filmgeschmack und Vorlieben, die zu den eigenen passen. Und man kann sich folgen lassen. Letterboxd darf mit Facebook und Twitter verknüpft werden, um die dortigen Freunde aufzuspüren, die auch bei der Film-Plattform dabei sind – wie Spotify lehrt, haben die besten Twitter-Freunde aber mitunter den schrägsten Geschmack.

Fazit: Letterboxd ist eine hübsche kleine Community, die es einem erspart, einen schlechten Film nochmals sehen zu müssen – wenn man denn alle schlechten Filme, die man schon erleiden musste, feinsäuberlich mit einer ½-Wertung erfasst. Ich werde das an einem regnerischen Wochenende demnächst einmal tun. «Pretty Women» habe ich, zur Vermeidung des Allerschlimmsten, schon einmal eingetragen.

Autor: Matthias

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