Videoselfies mit Charme

Die Clips-App von Apple und ihre versteckten kreativen Möglichkeiten.

Vor bald drei Jahren hat Apple eine eigene Video-App lanciert. Clips heisst die, und sie ist kostenlos fürs iPhone erhältlich.

Die App ist dazu gedacht, dass man sich selbst filmt, während man in die Kamera spricht. Das tun vornehmlich die sogenannten Influencer und Leute, die aus ihren Ferien oder von Ausflügen gerne Videobotschaften an ihre Familien senden. Die App kann Aufnahmen automatisch untertiteln und mit Effekten oder Emojis versehen.

Das hat Potenzial für Videospielkinder. Aber bei meinem Test seinerzeit fand ich, der Nutzerkreis sei doch ziemlich eingeschränkt – denn nicht jedermann möchte solche Videoselfies fabrizieren.

Inzwischen hat sich die App weiterentwickelt. Sie ist zwar nach wie vor keine absolute Mainstream-App. Aber eine Möglichkeit macht sie allenfalls interessant für Menschen, die nicht gerne ihren Kopf in die Kamera halten, aber trotzdem gelegentlich Videos drehen, in denen sie die Zuschauer direkt ansprechen wollen.

Wenn man nicht die Augenringe in die Kamera halten möchte, tritt man halt als Memoji auf.

Mit Clips kann man nämlich auch als Animoji in die Kamera sprechen. Das sind im Apple-Jargon «animierte Emojis». Ich würde eher von animierten Avataren sprechen. Die Kamera erfasst die Mimik und Lippenbewegungen und überträgt sie auf das virtuelle Alter-Ego. Man kann so als Maus, Kuh, Giraffe, Eule, Äffchen oder Roboter in die Kamera sprechen – oder aber auch als Memoji.

Ein solches Memoji ist ein Avatar der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem selbst hat. Man gestaltet es in der  Nachrichten-App (iMessage) und bastelt aus einzelnen Gesichtsmerkmalen und Elementen wie Frisur und Brille ein Figürchen, bis man sich darin ansatzweise wiedererkennt.

Wenn das Memoji fertig ist, wählt man es in der Clips-App aus, indem man im Modus Kamera auf das bunte Sternchen rechts neben dem Aufnahmeknopf tippt und in der Rubrik Animoji das eigene Köfpchen selektiert. Dann wird es auch schon anstelle des Kopfes ins Live-Bild eingeblendet – sodass man als sich selbst auftritt, aber trotzdem keinen übernächtigten Gesichtsausdruck und keine Augenringe in die Kamera halten muss.

Zwei weitere Neuerungen:

Bei Plakate gibt es animierte Videoelemente, die man in seine Clips einfügen kann. Dazu wählt man das gewünschte Motiv aus und tippt auf den Aufnahmeknopf. Diese Plakate lassen sich mit normalen Aufnahmen der Live-Kamera mischen – denn die Clips-App zeichnet auf, solange man den roten Aufnahmeknopf drückt.

Die einzelnen Takes erscheinen hintereinander am unteren Rand und können dort ausgewählt, mit den Live-Untertiteln versehen, gekürzt, stummgeschaltet, mit Effekten versehen, umgestellt und ggf. auch gelöscht werden.

Auf Wunsch ersetzt die App auch den Hintergrund.

Die zweite Neuerung findet sich bei Szenen: Dort tauscht man nicht den Protagonisten, sondern den Hintergrund aus. Statt der realen Umgebung wählt man zum Beispiel eine Unterseelandschaft, die Golden-Gate-Brücke oder eines der surrealeren Motive. Dann wird im Vordergrund der Kopf eingeblendet – mehr oder weniger sauber freigestellt. (Die Maskierung findet anhand der Tiefeninformationen der Kamera statt.)

Leider ist es nicht möglich, die Szenen mit Animojs zu mischen. Sonst könnte man als virtueller Charakter vor einem künstlichen Hintergrund auftreten – und das wäre dann der Anfang eines eigenen Animationsfilms…

Beitragsbild: Da bestehen keine Zweifel, was sie hier gerade treibt (Mentatdgt, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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