Wie man im Netz gut dasteht

Das heutige Patentrezept-Video ist ein kleines Plädoyer fürs Egosurfing und eine grosse Aufforderung, sich mit seinem Ruf im Netz zu beschäftigen. Beim Beobachter habe ich gelesen, dass nur jeder zehnte Deutschschweizer sich mit seinem Online-Ruf beschäftigt. Als Quelle für diese Behauptung wird eine Studie von Xing von 2016 angegeben, die ich aber nicht finden konnte. Wenn jemand sie kennt, dann würde ich mich über den Link in den Kommentaren freuen.

Ich würde die Aussage jedenfalls in Frage stellen. Ich glaube, dass in den letzten Jahren eine gewisse Sensibilisierung stattgefunden hat. Das hat mit unzähligen Berichten zu tun, die allesamt behaupten, dass das «Internet niemals vergisst» und dass jegliche Online-Fehltritte für immer abrufbar bleiben – und nur darauf warten, von einem Human-Resources-Menschen gefunden zu werden und als Grund zu dienen, die schöne Bewerbung auf den «Abgelehnt»-Stapel zu legen.

Gegoogelt wird man bekanntlich auch vor dem ersten Treffen mit einem Love interest. (Diesen Fachbegriff habe ich erst neulich gelesen, und ich nicht ganz sicher, ob ich ihn korrekt anwende.) Wenn dann Facebook-Beiträge zuoberst erscheinen, bei denen man seinen Pennälerhumor nicht im Griff hatte oder ein präpubertäres Verhalten zeigt, dann könnte das jemanden abschrecken, der gerne Gedichte von Hölderlin rezitiert und Standspaziergänge bei Sonnenuntergang als prickelnd erachtet.

Und wie ist es erst, wenn man sich entschliesst, in die Politik einzusteigen – nur um dann von den Online-Sünden der Vergangenheit eingeholt zu werden? Das Internet, wenn es denn tatsächlich nicht vergessen hat, kann schon grausam sein.

Jedenfalls ist meine Empfehlung, das ins Internet zu schreiben, was man gerne über sich lesen würde. So prägt man sein Bild und hat (eine gewisse) Kontrolle über seinen Ruf. Ausserdem sollte man die Selbstdarstellung nicht nur auf Plattformen wie Facebook und Instagram betreiben, sondern auf seiner eigenen Homepage – davon bin ich überzeugt: Nur dann hilft man vor allem sich und nicht hauptsächlich der Plattform, die man mit seinen Auftritten beehrt.

Die entscheidende und nicht ganz einfache Frage ist aber eine andere. Nämlich: Was tut man, wenn man tatsächlich etwas im Netz über sich findet, das man einen nicht in Entzücken versetzt? Es ist nun auch nicht so, dass jeder die alleinige Deutungshoheit über die eigene Person haben sollte.

Die Meinungsfreiheit bringt es mit sich, dass Leute ihre Meinung nicht nur zu Sachthemen, sondern auch zu x-beliebigen Personen äussern dürfen. Natürlich gelten die Gesetze gegen Diffamierung und andere rechtliche Schranken. Aber innerhalb dieses Rahmens können Dinge verbreitet werden, die durchaus am Ego kratzen können.

Darum habe ich mit einem gewissen Unwillen gekämpft, als ich im Video die Instrumente zum Löschen von Inhalten aus Google und zum Recht auf Vergessenwerden angesprochen habe. Die Allgemeinheit will sich mittels Google ein breites, facettenreiches Bild von Personen verschaffen. (Jedenfalls sollte sie das wollen.) Dafür ist es entscheidend, dass auch die kritischen und unbequemen Quellen erhalten bleiben. Und auch als Journalist will man das unbedingt – wir sind auf solche Web-Informationen angewiesen.

Aber es gibt die Instrumente wie das Recht auf Vergessenwerden nun einmal. Und wie seinerzeit ausgeführt, ist Google auch selbst schuld, dass es das gibt. Also ist es nicht verpönt, es anzuwenden – und darüber in einem Video zu informieren.

Wissen Sie, was im Internet über Sie steht?

Fazit: Das Online-Reputationsmanagement ist nicht etwas, auf das man seine ganze Freizeit verwenden müsste. Aber ein paar Vorkehrungen sind nicht verkehrt – und wenn es nur eine simple Seite bei Sleek.page, natürlich mit einer eigenen Domain ist. Und ein weiteres nützliches Instrument aus dem Video, das ich seit Jahren nutze, sind die Google Alerts. Auch dazu gibt es übrigens einige Alternativen, die ich womöglich demnächst einmal ausführlich teste. Nämlich talkwalker.com, mention.com und, allerdings mehr für Unternehmen, auch meltwater.com.

Beitragsbild: Nein, sie hat nichts zu verstecken (Allef Vinicius/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

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