Hier gibt es Youtube so, wie Youtube sein müsste

Heute ein Webtipp – bei dem ich aber nicht ganz sicher bin, ob er überhaupt noch funktioniert, wenn der Blogpost hier online geht. Denn die Website gehört zu der Sorte, bei der man jederzeit damit rechnen muss, dass sie aus dem Internet weggeklagt wird.

Im Fall der heute hier vorgestellten Website könnte man sich auch vorstellen, dass sie mit technischen Mitteln sabotiert wird. Denn diese Website bezieht Inhalte von Youtube – was Google wahrscheinlich nicht gefällt. Und es gäbe ziemlich sicher Mittel und Wege, den Datenfluss mit Youtube zu unterbinden. Immerhin: Falls das passieren sollte, kann man den Dienst auch selbst betreiben. Wie uns Reddit verrät, ist er nämlich Open-Source.

Die Website, um die es hier heute geht, ist invidio.us. Sie bietet eine alternative Sicht auf das Youtube-Angebot. Man findet auf der Frontseite eine Auswahl an populären und gerade an Beliebtheit gewinnenden Videos, die für uns hier aber wenig Relevanz hat. Die Auswahl, wie immer sie auch zustande kommen sollte, wird von koreanischen Clips und dem typischen Youtube-Nonsense dominiert.

Man kann aber die Suchfunktion verwenden, um nach Titel, Beschreibung oder auch Youtuber zu suchen. Und wenn man den Link zu einem Youtube-Video hat, dann braucht man bloss die Top-Level-Domain zu ersetzen: Anstelle von youtube.com/watch?v=k80c3FHtjZM öffnet man invidio.us/watch?v=k80c3FHtjZM, um über die alternative Videoplattform zuzugreifen – es erscheint dann der gleiche Clip. Genauso funktioniert es auch mit Channel- und User-Adressen.

Stellt sich natürlich die Frage, weswegen man diesen Schlenker machen sollte. Es sind im Wesentlichen fünf Gründe:

Weniger Schnickschnack und praktische Möglichkeiten wie der Knopf zum Youtube-Ripping

Erstens, die Datenmenge. Invidious ist viel schlanker. Meine Kanalseite ist bei Invidious etwa 440 KB gross. Bei Youtube lädt man annähernd 10 MB – tatsächlich! Allein zwei Javascript-Dateien base.js und desktop_polymer_v2.js bringen 1,1 MB und 2,6 MB Overhead mit. Klar – wer Internetvideos anschaut, der sollte so oder so genügend Datenreserven haben. Aber wenn man beispielsweise bloss nachsehen will, ob ein Video überhaupt vorhanden ist, dann kann man das auch deutlich datensparender tun.

Zweitens, die Privatsphäre: Dieser Grund dürfte für viele Nutzer der entscheidende sein: Invidious gibt kaum Daten an Youtube weiter. Gemäss heise.de läuft der Abruf über Googles Video-Suchmaschine googlevideo.com, sodass nur die IP-Adresse an Google weitergegeben wird. Das schränkt die Datensammlungsmöglichkeiten für Google stark ein und hilft den Leuten, die ihre Privatsphäre schützen möchten.

Drittens, die Werbung. Die Preroll und die Unterbrecher-Spots fehlen ganz – und alleine deswegen würde ich nicht darauf wetten, dass es invidio.us noch lange gibt.

Viertens, die alternative Diskussionsplattform. Anstelle der oft übergriffigen, idiotischen und die Intelligenz beleidigenden Youtube-Kommentare erscheint der passende Thread von Reddit. Ich habe so überhaupt festgestellt, dass mein Stallman-Video dort diskutiert wird. Wer gerne die Reddit-Kommentare bei Youtube hat, verwendet dafür übrigens Alientube (erhältlich als Erweiterung für Firefox und für Google Chrome).

Fünftens, die Offline-Option. Bzw. die Ripping-Möglichkeit: Invidious bietet einem zu einem Video auch einen Download-Knopf an. Man wählt in der Dropdown-Liste das passende Format und die gewünschte Auflösung und klickt auf Download. Man kann sich auch nur eine Audiodatei holen – perfekt fürs Smartphone, wenn man unterwegs ein abgefilmtes Referat hören möchte. Die Funktion harmoniert übrigens bestens mit der Sideloading-Funktion von manchen Podcatchern, wie zum Beispiel Castro (iPhone/iPad und Android).

Man kann bei Invidious auch ein Benutzerkonto anlegen, um dort Videos und Wiedergabelisten zu verwalten. Dazu muss man nichts angeben ausser einen Nutzernamen und ein Passwort – noch nicht einmal eine E-Mail-Adresse wird einem abgeluchst.

Für Nerds vielleicht interessant ist, dass Invidious auch den Wilson score berechnet. Was es damit auf sich hat, liest man hier nach.

Beitragsbild: … und damit ist nicht gemeint, dass wir Youtube gerne in Tschechisch sehen würden (Szabo Viktor/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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