Echte und vermeintliche Gefahren von 5G

Neulich war ich in der Stadtbibliothek Winterthur. Dort gibt es auch einen Ständer, bei dem Faltblätter, Postkarten und ähnliche Dinge aufliegen. An diesem ist mir ein Pamphlet mit einem sehr unheilvollen Titel aufgefallen: «5G-Monster schlägt zu!» Und am Rand: «Kriegserklärung an die Menschheit?!»

Die Mobilmachung gegen 5G findet nicht nur mittels Youtube-Videos, sondern auch mit Flyern statt, mit denen selbst unschuldige Bibliothekenregale nicht verschont werden? Irgendjemand scheint hier eine tiefgehende Antipathie gegen Datenfunkwellen in sich zu spüren.

Die Argumente im Flyer bewegen sich zwischen unhaltbar und Panikmache. Sie sind schon allein deswegen unsinnig, weil selbst das gierigste Telekomunternehmen – die hinter dieser «Kriegserklärung an die Menschheit» stecken – keine Technologie einsetzen wird, die innert weniger Jahren einen Grossteil der Kundschaft eliminiert. Aber egal, mit Logik muss man der Zielgruppe dieses Flyers und den Urhebern nicht kommen.

Mein erster Impuls war, mich aufzuregen und lauthals zu erklären, wie falsch es sei, dass solche Flyer an Orten wie der Stadtbibliothek aufliegen. „Echte und vermeintliche Gefahren von 5G“ weiterlesen

Infografiken nach dem Baukasten-Prinzip

Heute ist Piktochart.com besprechungsmässig an der Reihe: Eine Webanwendung für Geschäftsgrafiken. Das ist offensichtlich ein Bedürfnis. Die Leute fühlen sich von Adobe Illustrator in­ti­mi­die­rt. Und sie wollen auch kein CorelDraw installieren. (Obwohl es das noch gäbe.)

Nein, die Leute wollen einen Webdienst haben, der ihnen verspricht, dank fortschrittlicher Technik seien auch anspruchsvolle gestalterische Aufgaben ein Klacks. Da wundert es nicht, dass es inzwischen einige solcher Webdienste gibt. Allein für dieses Blog hier habe ich Venngage.com, Design Evo, logojoy.com und Canva getestet.

Der Trick ist jeweils der gleiche: Man muss nicht auf der grünen Wiese bzw. mit dem leeren Blatt anfangen, sich eine Gestaltungsidee aus dem Kreuz leiern und diese nach allen Regeln der Kunst umsetzen. Nein: „Infografiken nach dem Baukasten-Prinzip“ weiterlesen

Kommt ein Nerd in einen Buchladen

Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore (Amazon Affiliate), bzw. in Deutsch Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (Amazon Affiliate) von Robin Sloan: Eine sympathische Geschichte, die die alte Art der Wissensvermittlung mittels Büchern auf ihr modernes Äquivalent prallen lässt. Das ist natürlich die Cloud mit ihrer gigantischen Rechenleistung, die innert weniger Minuten so viel zu leisten vermag wie ein paar mittelalterliche Mönche in einer Million Lebensjahren.

Mich hat das Buch sehr an «The Circle» (So borniert sind die Tech-Nerds auch wieder nicht) erinnert. Es ist auf eine gewisse Weise das negative – oder eigentlich positive – Abziehbild dieser Geschichte. In der Dystopie von Dave Eggers sind die grossen Tech-Konzerne böse, demokratiezersetzend und absolutistisch.

In der Geschichte von Robin Sloan hingegen sympathisch. Man könnte sie fast schon als Liebeserklärung an Google betrachten. „Kommt ein Nerd in einen Buchladen“ weiterlesen

Facebook ist ein schwarzes Loch

Ein schwarzes Loch im All krümmt die Raumzeit und wirkt mit brutalen Gravitationskräften auf die Umgebung, sodass sogar das Licht absorbiert wird. Das erinnert mich an Facebook. Es gibt immer weniger Inhalte im Netz, die dieser Plattform entkommen können. Facebook absorbiert 4 Petabyte Daten jeden Tag, habe ich neulich gelesen.

4 Petabyte sind ziemlich viel. Um diese Datenmenge zu speichern, bräuchte man Tausend 4-TB-Festplatten. Und das jeden Tag, und ohne dass man ein Backup davon hätte. Andererseits: Braucht man von Facebook-Daten wirklich ein Backup?

Aber das ist nicht der Punkt. Mir geht es darum, dass ich vermute, dass ungefähr die gleiche Datenmenge auch entstehen würde, wenn es Facebook nicht gäbe. Nur würde sie nicht in Zuckerbergs schwarzem Loch verschwinden, sondern im freien Internet flottieren: Auf News-Websites, in Internetforen, bei kleineren Social-Media-Plattformen, in Blogs und wo auch immer.

Ein gutes Beispiel dafür sind Kommentare. Ich sehe es bei befreundeten Bloggern und den News-Websites: Die Diskussion zu einem Blogbeitrag findet sehr oft bei Facebook oder manchmal auch auf Twitter statt – nicht auf der Ursprungs-Plattform.

Das ist aus mehreren Gründen ärgerlich: „Facebook ist ein schwarzes Loch“ weiterlesen

Lightroom auf den Fersen

Besprechung von Pixelmator Photo, einer sehr günstigen iPad-Alternative zu Lightroom von Adobe.

Pixelmator ist ein Softwarehersteller aus Litauen, der sich in den letzten Jahren mit zwei Dingen einen Namen gemacht hat: Erstens mit Bildbearbeitungsprogrammen von modernem Zuschnitt, die man guten Gewissens auch für professionelle Zwecke verwenden kann. Zweitens mit Kampfpreisen: Die Programme für den Desktop sind für einen zweistelligen Betrag zu kaufen – und damit auch interessant für Leute, die Software nicht von Adobe mieten möchten.

Ich habe diverse Produkte von Pixelmator im Einsatz, die ich jeweils auch hier besprochen habe: Im Beitrag Bildbearbeitung abseits von Adobe die Variante für den Mac-Desktop und im Beitrag Pixelmator macht auch auf dem iPad eine gute Falle, wie der Titel schon verrät, die iPad-Version.

Ich kann beide empfehlen – wobei mir die Produkte von Affinity inzwischen noch etwas lieber sind. Siehe dazu Affinity Photo (Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad) und die Layoutsoftware Affinity Publisher (Eine vielversprechende InDesign-Alternative). Diese Programme sind preislich ähnlich gelagert, sodass man sich nicht in übertriebene Unkosten stürzt, wenn man sie alle benutzt: Im täglichen Einsatz werden sich dann auch spezifische Stärken und Schwächen zeigen, sodass man je nach Aufgabe das optimale Werkzeug zur Verfügung hat.

An dieser Stelle soll es nun um Pixelmator Photo gehen. „Lightroom auf den Fersen“ weiterlesen

Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben

Der Beitrag mit den 14 Tipps zu Google Docs neulich hier im Blog hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Ich gab daher einem guten alten journalistischen Reflex nach, der besagt, dass man doch gleich noch eine Schippe nachlegen könnte.

Und zwar in Form eines Patentrezept-Videos. Denn Google Docs hat inzwischen eine breite Nutzerschaft. Ich habe bei der Recherche zu dem Beitrag herausgefunden, dass die Schweizer Hochschulen Google Docs nun offiziell anbieten: «Das Angebot der G Suite bildet daher eine bedürfnisgerechte Alternative für Studierende, Dozierende, Mitarbeitende und Alumni von Schweizer Hochschulen zu anderen Diensten», heisst es in einer Pressemeldung der Switch, der Stiftung für die Vernetzung der Schweizer Hochschulen.

Wenn ich an dieser Stelle ein kleines Fragezeichen machen darf: Ich wundere mich, dass viele Unternehmen Google Docs trotz der Vorbehalte der Cloud einführen. „Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben“ weiterlesen

Wenn das Skelett einem zeigt, wo es langgeht

Im Beitrag Hübsch, aber… habe ich erklärt, warum ich mich seinerzeit für WordPress und gegen Grav entschieden habe. Grav ist ein Content-Management-System aus der Open-Source-Welt, das in meiner Leserschaft mehrere Fürsprecher hat. Für das Blog erschien es mir nicht die richtige Wahl. Doch für meine persönliche Biopage (falls es diese Bezeichnung gibt) habe ich es ins Auge gefasst.

Und für diesen Zweck kommt es inzwischen auch zum Einsatz: matthiasschuessler.ch läuft seit anfangs April mit Grav und leitet nicht mehr auf meine About.me-Seite um.

Denn unter uns gesagt ist About.me inzwischen leider nicht mehr brauchbar. Zumindest, wenn man nichts bezahlt. Das ist schade, denn der Dienst war anfänglich auch für Gratisnutzer brauchbar – so, wie sich das für einen Freemium-Dienst gehört. Natürlich ist es okay, für speziellere Funktionen Geld zu verlangen. Doch auch das Gratispaket sollte für Nutzer mit bescheidenen Ansprüchen brauchbar sein. Wahrscheinlich ist das Startup einfach zu oft verkauft worden.

Mit den Erfahrungen dieses kleinen Projekts stellt sich natürlich die Frage, ob die ursprüngliche Entscheidung für WordPress richtig war. Oder wäre Grav die bessere Wahl gewesen? „Wenn das Skelett einem zeigt, wo es langgeht“ weiterlesen

Grosis Sonntagsbraten jetzt mit Quinoa

Coverversionen: Sind sie in Zeiten von Uploadfiltern überhaupt noch möglich? Eine berechtigte Frage, die man sich vielleicht früher hätte stellen müssen.

Jedenfalls spalten sie seit jeher die Musikwelt. Ich kenne Leute, die nur das Original stehen lassen wollen. Weil es dem Urheber zukommt zu bestimmen, wie ein Song interpretiert werden muss. Weil Coverversionen oft eine Anmassung sind. Und weil das Wie eben so wichtig ist wie das Was – und man etwas Gutes nicht besser macht, indem man es nochmals durch die Mangel dreht.

Diesen Standpunkt untermauern die Coverversionsverschmäher mit Listen wie The Worst Cover Songs of All Time von «Rolling Stone». Und klar, dass Britney Spears, die «I Love Rock & Roll» trällert geeignet ist, einen in den Selbstmord zu treiben. Madonnas Version von «American Pie» ist Kacke. Und wenn Miley Cyrus sich an «Smells Like Teen Spirit» vergreift, dann muss man dankbar sein, dass Kurt Cobain schon tot ist.

Und ich habe Verständnis dafür, dass es Künstler gibt, die die Covers ihrer Songs nicht mögen. Das ginge mir wahrscheinlich auch so: Ich würde finden, dass ich alles richtig gemacht habe und es niemanden braucht, der mir die Deutungshoheit meines eigenen Materials streitig macht. Prince mochte offenbar viele Covers nicht. Dionne Warwick, Don Henley und Etta James waren auch nicht begeistert, wenn man dieser Liste glauben darf.

Trotzdem: „Grosis Sonntagsbraten jetzt mit Quinoa“ weiterlesen

Wie man sich den SUV an den Oberarm schnallt

Dinge werden mit der Zeit grösser. Das sieht man sehr gut auf unseren Strassen. Der Kleinwagen ist fast ausgestorben. Stattdessen sieht immer mehr dieser Stadtpanzer. Diese Fahrzeuggattung wird von den Herstellern SUV genannt. Wenn man sich ansieht, wofür das Kürzel steht, müsste einem der Hirnwahn schwanen: Für Sport Utility Vehicle. Geländewagen, Sportfahrzeug und Limusine in einem.

Das ist ein bedenklicher Trend. Erstens sind diese Fahrzeuge hässlich wie die Nacht. Zweitens viel gefährlicher. Drittens haben sie einen grösseren Verbrauch und verursachen mehr Emissionen. Und das in Zeiten, wo wir uns über den Klimawandel echte Sorgen machen müssten. Viertens brauchen sie mehr Platz, weswegen jetzt sogar die Strasse breiter werden sollen. Als Velofahrer würde ich das begrüssen. Denn da fällt einem tatsächlich auf, dass am Strassenrand immer weniger Platz bleibt. Allerdings würde mit breiteren Strassen diese Ungetüme nur noch weiter wachsen und alle Bemühungen zunichte machen.

Fünftens: „Wie man sich den SUV an den Oberarm schnallt“ weiterlesen

Die Dropbox fallen lassen

Dropbox gehört zu den Webdiensten, die ich intensiv nutze und schon mit diversen Tipps bedacht habe (Dropbox-Upload mit dem passenden Dateinamen, Die Dropbox mit verschlüsselten Daten füllen, Der Trick für die Benutzerwörterbücher, Drei Tipps für die Box der Boxen). Nun bin ich allerdings kurz davor, abtrünnig zu werden. Denn Dropbox führt eine Beschränkung auf drei Geräte ein. Zumindest für Gratisnutzer wie mich. Wenn man bezahlt, dann kann man auch weiterhin mehr Geräte nutzen.

Ich habe das preisliche Update in Erwägung gezogen. Selbstverständlich, denn Dropbox ist seit Jahren nützlich. Da wäre es nicht verkehrt, nicht beim Gratis-Abo zu bleiben, sondern etwas zurückzugeben, in Form einer Abogebühr. Schliesslich liegt es auch am Geiz von uns Nutzern, die wir auch bei wirklich nützlichen Angeboten im Netz nichts bezahlen, dass die Anbieter auf anderem Weg an Geld gelangen – und dann halt unsere persönlichen Daten verscherbeln oder sonstigen Schindluder treiben.

Dropbox bietet zwei Abos an: 10 Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr für das Plus-Abo oder 20 Euro im Monat oder 200 Euro im Jahr für Professional. Dafür gibt es 1 Terabyte, respektive 2 Terabyte Speicherplatz. Damit gibt es allerdings ein Problem: „Die Dropbox fallen lassen“ weiterlesen