Die Maus als App

Sollen Kleinkinder ein Smartphone in die Finger bekommen? Wenn man diesem Artikel hier Glauben schenken darf, kann man ihnen stattdessen auch gleich eins mit dem Knüppel überziehen – der Effekt ist etwa der gleiche. Selbstverständlich halte ich es auch für keine gute Idee, den Nachwuchs mittels digitaler Technik ruhigzustellen. Doch mir scheint es aussichtslos, den Kindern die Geräte komplett vorenthalten zu wollen. Einerseits sind wir Eltern schlechte Vorbilder, weil es annähernd unmöglich ist, das Smartphone jederzeit ausser Reichweite zu halten. Andererseits, weil die Kleinen auch anderswo bunte Displays zu Gesicht bekommen.

Darum bin ich der Meinung, dass man es zwar nicht übertreiben sollte, aber auch keine Tabuzonen ausrufen muss. Abgesehen davon nervt mich dieser alarmistische Ton, den man Eltern gegenüber ständig anschlägt. Wenn wir nicht auf die guten Ratschläge hören, die uns in diesen klugen Artikeln und Büchern macht, dann sind die Kinder quasi verloren: Einmal ein Smartphone in den Fingern und die Dummheit ist vorprogrammiert! Eine falsche Reaktion unsererseits während der Trotzphase, und das Kind wird zu einem Wutbürger, der Trump alt aussehen lässt und Grenzen niemals nie akzeptiert! Ein Fehler beim Potty training, und der Nachwuchs brünzelt mit dreissig noch in die Hose.

Das geht mir auch gehörig auf den Sack. Und wenn diese Bedenkenträger und Kassandrarufer alle recht gehabt hätten, dann wäre meine Generation wegen des Fernsehens dumm wie Bohnenstroh oder überhaupt nicht mehr am Leben. Das Fernsehen ist bekanntlich das Smartphone meiner Generation: Es macht viereckige Augen und führte dazu, dass wir uns zu Tode amüsiert haben.

Nun will ich nicht bestreiten, dass es in meiner Generation recht viele Dummköpfe gibt. Das scheint mir aber doch eher an der menschlichen Natur als solcher und nicht an einem singulären Einflussfaktor zu liegen.

Aber egal. Wenn man findet, dass ein bisschen Smartphone nicht schadet und die beschränkte Zeit mit einer vernünftigen App zu verbringen wäre, dann kann ich Die MausApp empfehlen, die es fürs iPhone und iPad und für Android gibt.

Erstens ist die Maus ein sympathischer Charakter und die Maus-Clips ein moderner Klassiker und so kurz, dass man nicht Stunden damit zubringen muss. Zweitens haben die es beim WDR wirklich gut hinbekommen, Kindern etwas beibringen zu wollen, ohne belehrend zu wirken.

Um die Inhalte zu finden, kann man entweder die virtuelle Landschaft durchstreifen oder das Menü benutzen. Es gibt die Lach- und Sachgeschichten, also Mausclips und Einzelbeiträge aus der Sendung. Die kann man sich als Favorit markieren, sodass man sie wiederfindet. Es gibt die aktuelle Sendung, eine Handvoll Spiele und den Fotoautomat, bei dem man ein Bild von sich macht und sich dann mit Mausohren, Elefantenrüssel und Entenschnabel verziert. Ferner gibt es das 3-D-Kino und eine Kontaktmöglichkeit für Maus-Fanpost.

Fazit: Nicht spektakulär, aber charmant, und für Eltern sehr gut verträglich. Ich habe zum Beispiel die poetische Serie Trudes Tier entdeckt, in der mich Bernhard Hoëcker als die Stimme des Tiers davon überzeugt hat, dass er nicht bloss ein Blödel-Comedian ist, sondern das mit der Schauspielerei wirklich kann.

Und wo ich bei den Tipps für Clips aus der App bin: Den Song liebt unsere Kleine heiss und innig…

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen